Das Bild zeigt einen Mann, der sich vor Schmerz das Gesäß hält.
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Analfissur (Afterriss)

Bei einer Analfissur (Afterriss) hat sich in der Schleimhaut des Analkanals ein Riss gebildet. Lesen Sie, an welchen Symptomen Sie eine Analfissur erkennen, welche Salben zur Behandlung geeignet sind und ab wann eine OP nötig ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Analfissur (Afterriss)

Eine Analfissur (auch: Afterriss) ist ein länglicher Defekt in der Analschleimhaut (Anoderm), die sich im unteren Abschnitt des Analkanals befindet – also dort, wo der Enddarm in den After mündet. Menschen jeden Alters können betroffen sein.

Mit Problemen am After zum Arzt zu gehen, ist vielen Betroffenen peinlich. Manche versuchen, die Beschwerden zunächst mit Salben, Cremes und Hausmitteln selbst zu behandeln. Wer Beschwerden im Analbereich hat, sollte sich jedoch vor dem Arztbesuch nicht scheuen, zumal Analfissuren keine Seltenheit sind. Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Er wird seinen Patienten gegebenenfalls an einen Proktologen (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms) überweisen. Eine Analfissur lässt sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln.

Akute und chronische Analfissur

Die Analfissur gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Enddarms. Je nachdem, wie lange sie anhält, unterscheiden Ärzte zwischen der

  • akuten (kurzfristig auftretenden) und der
  • chronischen (dauerhaft bestehenden) Analfissur.

Die akute Analfissur ist eine sehr schmerzhafte Verletzung der Analschleimhaut. Heilt die Wunde nicht innerhalb weniger Wochen ab, geht die akute in eine chronische Analfissur über. An der betroffenen Stelle bildet sich dann ein tieferes Geschwür (Ulkus) und es können narbige Veränderungen an den Rändern der Wunde entstehen. Häufig bildet sich bei einer chronischen Analfissur auch eine auffällige Hautverdickung im betroffenen Bereich, die Mediziner als Vorpostenfalte bezeichnen.

Analfissur: Symptome

Typische Symptome einer Analfissur (Afterriss) sind:

  • starke, stechende oder brennende Schmerzen beim Stuhlgang; die Schmerzen können für Minuten bis Stunden anhalten; die Patienten berichten typischerweise über das Gefühl, "wie auf einer Rasierklinge zu sitzen".
  • Auflagerungen von frischem, hellem Blut, sichtbar auf dem Toilettenpapier

Hält der Afterriss länger an, lassen die akuten Beschwerden meist nach. Es können aber weitere Symptome hinzutreten, so etwa

Analfissur: Ursachen

Nicht immer lässt sich eine Analfissur (Afterriss) einer konkreten Ursache zuordnen. Verschiedene Faktoren können die empfindliche Analschleimhaut irritieren oder verletzen, sodass sie einreißt. Dazu zählen unter anderem:

  • harter Stuhlgang und Verstopfung, starkes Pressen beim Stuhlgang
  • breiiger Stuhl und anhaltender Durchfall
  • Analverkehr, Gegenstände im After
  • selten: Entzündung im Bereich der Analdrüsen des Enddarms (Kryptitis)

Ist die Muskelspannung des Schließmuskels (Sphinktertonus) erhöht, kann die verletzte Schleimhaut im Analbereich schlechter abheilen. Die starken Schmerzen während und nach dem Stuhlgang sorgen wiederum dafür, dass sich der Schließmuskel noch mehr verspannt. So entsteht ein Schmerzkreislauf, der die Wundheilung verzögert und in eine chronische Analfissur münden kann. Eine Wunde im Analbereich infiziert sich zudem leicht mit Keimen aus der Darmflora, was wiederum Wundheilungsstörungen begünstigt.

Sekundärer Afterriss: Analfissur durch andere Erkrankungen

Manchmal entsteht ein Afterriss als Folge einer anderen Erkrankung, wenn die empfindliche Analschleimhaut bereits vorgeschädigt ist (sekundäre Analfissur). Dazu zählen zum Beispiel

Auch nach einer Operation im Bereich des Enddarms kann die Wahrscheinlichkeit für eine Analfissur erhöht sein.

Analfissur: Diagnose

Eine Analfissur kann der Arzt in der Regel leicht diagnostizieren. Erste Hinweise ergeben sich bereits im Gespräch: Beschwerden wie Schmerzen während und nach dem Stuhlgang sowie Blutauflagerungen sind ein typisches Anzeichen für einen Afterriss.

Der Arzt tastet mit dem Finger die innere Schleimhaut des Enddarms ab. Anschließend führt er eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) durch. Dabei begutachtet er den Analkanal und den Enddarm durch ein kleines Metallrohr, welches er in den After einführt (sog. Proktoskop).

Im Analbereich befinden sich ausgesprochen sensible Nerven. Daher ist die Wundregion bei einer Analfissur sehr schmerzempfindlich. Damit die Untersuchungen schmerzarm bleiben, wird der Arzt den Analbereich gegebenenfalls lokal betäuben oder auch eine Kurznarkose in Erwägung ziehen.

Wenn die Analfissur auffällig aussieht oder nach mehreren Wochen Behandlung noch nicht abgeheilt ist, können gegebenenfalls weitere Untersuchungen nötig sein, zum Beispiel eine Darmspiegelung.

Analfissur: Behandlung

Eine akute Analfissur bildet sich in vielen Fällen von allein zurück. Mit einer konsequenten Behandlung kann fast immer eine Heilung erzielt werden. Ist der Afterriss chronisch und verheilt nicht mehr von selbst, ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff nötig.

Konservative Behandlung: Salben, Analdehner & Co.

  • Analdehner: Die fingerförmigen Plastikkegel führen die Betroffenen mehrmals am Tag in den After ein. So wird der Schließmuskel vorsichtig gedehnt. Ziel ist es, eine übermäßige Muskelspannung zu verringern.
  • Stuhlregulation: Eine ballaststoffreiche Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge sorgen für die richtige Stuhlkonsistenz und beugen weiteren Verletzungen im Analbereich vor.
  • betäubende/schmerzstillende Salben, Zäpfchen oder Analtampons: Sie können die Beschwerden vorübergehend lindern. Analtampons sind Zäpfchen mit einer Mulleinlage. Sie geben den Wirkstoff genau an der verletzten Stelle ab.
  • muskelentspannende Salben: Häufig kommt während der Heilphase eine nitrathaltige Salbe oder eine Salbe mit sog. Kalziumantagonisten zum Einsatz, die den analen Schließmuskel entspannt. Durch den niedrigeren Druck kann die Wunde besser abheilen.
  • warme Sitzbäder eignen sich ebenfalls, um eine Analfissur zu behandeln. Sie entspannen den Sphinktermuskel und beugen so Verstopfungen vor.
  • Injektionen mit Botulinumtoxin ("Botox"): Bo­tu­li­num­toxin ist ein Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, welches eine nervenlähmende Wirkung hat. Wird es in den Schließmuskel gespritzt, erschlafft dieser, sodass die Fissur besser abheilen kann. Vorübergehend kann es dabei zu Kontinenzproblemen kommen. Botulinumtoxin ist nicht speziell zur Behandlung einer Analfissur zugelassen, kann aber nach Ermessen des Arztes zum Einsatz kommen.

Chronische Analfissur: Ab wann eine Operation nötig ist

Bei einer chronischen Analfissur lassen die Akutbeschwerden meist nach, die Fissur besteht aber weiterhin. Dann ist ist unter Umständen eine Operation nötig, so zum Beispiel, wenn

  • die Wunde trotz konservativer Behandlungsmaßnahmen nicht abheilt oder wenn
  • Veränderungen im Bereich der Wunde entstanden sind, z. B. Hautfalten oder Fisteln.

Ein häufiges Operationsverfahren bei einer Analfissur ist die sogenannte Fissurektomie. Dabei entfernt der Arzt das gesamte narbig veränderte Gewebe um die Analfissur herum. In der Regel bleibt der Schließmuskel dabei unverletzt.

Die Operation wird bei jüngeren Patienten in der Regel ambulant durchgeführt. Bei älteren Menschen erfolgt die operative Entfernung der Analfissur manchmal auch im Rahmen einer kurzen stationären Therapie.

Lange Zeit schnitten Ärzte zur Behandlung einer chronischen Analfissur den inneren Schließmuskel ein, um die Muskelspannung auf Dauer zu reduzieren (laterale Sphinkterotomie) oder sie dehnten den Schließmuskel unter Narkose. Beide Verfahren kommen wegen möglicher Komplikationen nur noch vereinzelt zum Einsatz.

Analfissur: Verlauf & Vorbeugen

Wenn eine Analfissur konsequent behandelt wird, heilt sie in den meisten Fällen ab, ohne Folgeschäden zu hinterlassen.

Welche Komplikationen können bei einer Analfissur auftreten?

Komplikationen sind vor allem bei einer chronischen Analfissur möglich. So können zum Beispiel Keime aus dem Darm in die offene Wunde gelangen und die Abheilung behindern

Auch können sich sogenannte Analfisteln bilden. Dabei entsteht vom Grund der Wunde ausgehend ein Kanal, der den inneren Schließmuskel durchbohrt. Die Entzündung kann sich dadurch in das umliegende Gewebe ausbreiten.

Ein Analabszess gehört bei einer Analfissur oder einer Analfistel ebenfalls zu den möglichen, aber seltenen Komplikationen. Ein Abszess ist eine eitrige Entzündung, die sich als eine Art Blase im Gewebe abkapselt. Der Analabszess erzeugt eine gerötete, prall elastische Schwellung, die mit heftigen Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost einhergehen kann. In diesem Fall ist eine sofortige operative Behandlung notwendig.

Nachsorge

Inwieweit eine Analfissur eine Nachsorge erfordert, richtet sich nach der Stärke der Beschwerden und der gewählten Behandlungsmethode.

Wurde die Analfissur operiert, gelten bei der Nachsorge die Prinzipien einer offenen Wundbehandlung, das heißt, die Wunde wird nicht vernäht. Sitzbäder und Salbenverbände unterstützen die Wundheilung, die in der Regel mehrere Wochen dauert.

Um den Stuhl weich zu halten sowie Schmerzen und einen erneuten Krankheitskreislauf zu vermeiden, ist es wichtig, auf eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung zu achten und dabei viel zu trinken. Abführmittel sollten Sie nicht oder nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen. Nach dem Stuhlgang empfiehlt es sich, den After schonend abzuduschen, da ein Abwischen die Wunde reizen würde.

Wie kann man einer Analfissur vorbeugen?

Eine Analfissur lässt sich nicht zu 100 Prozent vorbeugen. Ein wohlgeformter, nicht zu harter Stuhl senkt das Risiko für einen Afterriss. Daher ist es wichtig, sich ballaststoffreich und ausgewogen zu ernähren. Achten Sie auch auf ausreichend Bewegung im Alltag, um die Darmtätigkeit zu unterstützen.

Beim Analsex sollte man entsprechend vorsichtig sein und auf ein Gleitmittel zurückgreifen.