Das Bild zeigt ein Knie, das blutet.
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Wundheilung

Unter Wundheilung versteht man alle Prozesse, die dazu führen, dass eine Wunde sich wieder schließt. Dabei bildet der Körper neues Gewebe und lässt neue Blutgefäße entstehen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Um eine Wunde zu verschließen, kann der Körper zwei verschiedene Mechanismen der Wundheilung nutzen – die Regeneration oder die Reparation:

  • Regeneration: Bei der Regeneration heilt die Wunde in der Regel ohne Narben aus, da das verletzte Gewebe ganz spezifisch ersetzt wird. Manche Gewebe regenerieren sich besonders gut, so z.B. Haut und Schleimhäute.
  • Reparation: Bei der Reparation von Gewebeschäden bleiben meist Narben zurück, denn das verletzte Gewebe wird nicht spezifisch ersetzt. Vielmehr dient unspezifisches Binde- und Stützgewebe dazu, die Wunde zu verschließen.

Phasen der Wundheilung

Die Wundheilung läuft dabei in verschiedenen Phasen ab, je nach Literaturquelle lässt sie sich in drei bis fünf Phasen unterteilen. Diese gehen in der Regel fließend ineinander über und überlappen sich etwas. Bei Betroffenen mit einer Wundheilungsstörung sind deshalb häufig mehrere Wundheilungsphasen nebeneinander zu beobachten. Wie lang eine einzelne Phase genau dauert, kann sich individuell unterscheiden. Die folgenden Zeitangaben geben deshalb nur einen ungefähren Anhaltspunkt über die tatsächliche Dauer:

  • Reinigungsphase:
    • Exsudative Phase: In den ersten Minuten bis Stunden nach der Verletzung ist der Körper vor allem damit beschäftigt, den durch die Verletzung entstandenen Schaden zu begrenzen. Wenn Gefäße verletzt wurden, entstehen Blutungen. Um den Blutverlust zu minimieren, versucht der Körper deshalb als Erstes, die Blutung zu stoppen. Verletzte Gefäße verengen sich, die Blutgerinnung setzt ein und Wundschorf bildet sich. Der Schorf schließt die Wunde nach außen ab und schützt die verletzte Gewebestelle vor dem Eindringen von Keimen und einer eventuellen Wundinfektion. Möglicherweise schwillt der Wundbereich etwas an (sog. Wundödem).
    • Entzündungsphase (resorptive Phase): Etwa ab dem ersten bis dritten Tag wandern verschiedene Zellen, Eiweiße und Botenstoffe des Immunsystems in den Wundbereich ein. Fresszellen (Makrophagen) beginnen damit, das geronnene Blut und Zelltrümmer zu entfernen sowie etwaige Keime zu bekämpfen.
  • Granulationsphase (proliferative Phase): Etwa ab Tag vier bis Tag sieben entstehen in der Wunde neue Hautzellen, Blutgefäße wachsen ein und Bindegewebe bildet sich nach. Je nach Wundart verheilen die Wundränder einfach (z.B. bei kleinen Schnittwunden) oder die Haut bildet in der Wunde sog. Granulationsgewebe aus, ein vorläufiges Füllgewebe.
  • Regenerationsphase (reparative Phase): Etwa ab dem achten Tag beginnt die Haut damit, den Wundbereich endgültig mit neuen Hautzellen zu verschließen – die Wunde wird nach und nach kleiner. Das Granulationsgewebe verfestigt und verdichtet sich. Das Narbengewebe ist meist heller und weniger elastisch als die umliegende Haut, Schweiß- oder Talgdrüsen fehlen. Diese Wundheilungsphase kann je nach Wunde mehrere Monate dauern.

Formen der Wundheilung

Mediziner unterscheiden außerdem zwei verschiedene Formen der Wundheilung, die primäre und die sekundäre Wundheilung:

  • primäre Wundheilung: Von einer primären Wundheilung spricht man, wenn die Wundränder glatt sind und dicht beieinander liegen. Ist die Wunde keimfrei, heilt diese Art der Wunde in der Regel sehr schnell und hinterlässt keine oder eine kaum sichtbare Narbe. Primäre Wundheilung findet man meist bei kleinen Schnittwunden, chirurgischen Operationswunden, aber auch bei Schürfwunden.
  • sekundäre Wundheilung: Die sekundäre Wundheilung setzt dagegen bei infizierten Wunden oder bei Wunden ein, deren Wundränder sehr ungleichmäßig sind und weiter auseinander liegen (klaffende Wunde). Dann füllt Granulationsgewebe die Wunde von unten her auf und es bleibt meist eine sichtbare Narbe zurück. Im Vergleich zur primären Wundheilung benötigt die sekundäre Wundheilung mehr Zeit.

Wundarten

Eine Wunde entsteht immer dann, wenn Gewebeteile voneinander getrennt werden – zum Beispiel weil man sich an etwas schneidet. Dabei geht oft ein Teil des Gewebes verloren. Auch Verletzungen in tieferen Gewebeschichten, bei denen die äußere Haut unversehrt bleibt, bezeichnet man als Wunden.

Je nachdem, wie eine Wunde entsteht, unterscheidet man verschiedene Wundarten:

  • mechanische Wunden (z.B. Schnittwunden oder Stichwunden)
  • thermische, also durch Hitze oder Kälte entstandene Wunden (Verbrennungen oder Erfrierungen)
  • chemische Wunden (Säure- oder Laugenverätzungen)
  • strahlungsbedingte Wunden

Außerdem unterscheidet man bei den Wundarten offene Wunden von geschlossenen Wunden, die sich im Inneren des Körpers befinden.

Offene mechanische Wunden

Verletzung Entstehung
Schnittwunde Verletzung der Haut durch Schnitt; je nach Verlauf des Schnitts mehr oder weniger stark klaffende Hautränder; Sonderform: Operationswunde
Stichwunde Kleine Eintrittsstelle durch spitzen Gegenstand; häufig verklebte Wundränder, wodurch sich in der Tiefe eingeschlossene Keime leicht vermehren und zu einer Infektion führen können
Platzwunde Einwirkung stumpfer Scherkräfte auf Hautteile über einem festen Untergrund, z.B. Knochen; häufig unregelmäßige und schlecht durchblutete Wundränder
Risswunde Überbeanspruchung der Gewebeelastizität durch Dehnung oder Zerrung; häufig unregelmäßig gezackte Wundränder
Schürfwunde Schädigung der Oberhaut (Epidermis) durch Scherkräfte
Hautablösung Ablösung unverletzter Oberhaut von der Unterhaut; bei großflächiger Ablösung häufig Absterben des abgetrennten Oberhautbereichs, da die Blutversorgung unterbrochen ist; Sonderform: Skalpierung
 Bisswunde Kombination von Quetsch- und Stichwunde durch einwirkenden Biss; hohes Risiko für Infektionen durch eingebrachte Keime
Schusswunde Kombination von Quetsch- und Risswunde durch Gewebezerreißung und Druckschädigung; hohes Risiko für Infektionen durch eingebrachten Fremdkörper
Amputation Abtrennung von Körperteilen infolge massiver Gewalteinwirkung; schwerste Form der offenen mechanischen Wunden; bei Verletzung großer Blutgefäße und Nerven kann eine akute lebensbedrohliche Situation entstehen.

Geschlossene mechanische Wunden (Haut und Schleimhaut sind intakt)

Verletzung Entstehung
Prellung Einwirkung stumpfer Gewalt, die mit Blutergüssen (Hämatomen) und Schwellungen (Ödemen) einherhgeht
Quetschung Zangenartige Einwirkung stumpfer Gewalt ohne Verletzung der Haut; häufig sehr tief reichende Wunde
Zerrung, Verrenkung Durch Drehung bedingte geschlossene Gelenkverletzung, die mit Überdehnung oder Zerreißung der Gelenkbänder einhergeht

Thermische Wunden

Verletzung Entstehung
Verbrennung Örtlich begrenzte Schädigung des Gewebes durch starke Wärmeeinwirkung; je nach Ausprägung Symptome wie Hautrötung, Blasenbildung oder Absterben des Gewebes (Nekrose); bei großflächigen Verbrennungen und Schädigung tiefer gelegener Gewebestrukturen können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.
Erfrierung Örtlich begrenzte Schädigung des Gewebes durch starke Kälteeinwirkung; je nach Ausprägung Symptome wie Hautrötung, Blasenbildung oder Absterben des Gewebes (Nekrosen)

Chemische und strahlungsbedingte Wunden

Ursache Entstehung
Säuren Verätzung des Gewebes durch die Einwirkung von Säure; je nach Ausprägung Symptome wie Hautrötung, Blasenbildung oder Gerinnungsnekrose (trockener, fester, eher oberflächlicher Schorf)
Laugen Verätzung des Gewebes durch die Einwirkung von Lauge; je nach Ausprägung Symptome wie Hautrötung, Blasenbildung oder Erweichungsnekrose (weicher, weißlicher, tief reichender Schorf)
Strahlung Einwirkung ionisierender Strahlung (z.B. Röntgenstrahlung, Strahlentherapie, nukleare Strahlung); Ausmaß der Schädigung abhängig von Dosis und Art der Strahlung

Wundheilungsstörung

Bestimmte Faktoren können die normale Wundheilung beeinträchtigen. Die häufigste Wundheilungsstörung ist die Wundinfektion, also eine Infektion des Wundbereichs mit Keimen wie Bakterien.

Aber auch Erkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie) oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) können die Wundheilung stören, wenn durch die unzureichende Durchblutung der Gefäße der Wundbereich mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird. Bei älteren Menschen ist die Wundheilung zudem oft verlangsamt.

Darüber hinaus neigen manche Menschen zu einer Wundheilungsstörung wie überschießendem Narbengewebe, (sog. hypertrophe Narben oder Keloide). Als Ursache hierfür vermutet man Störungen bei der Bindegewebsbildung, die zu ausgeprägten, mitunter stark geröteten, juckenden Narben führen.

Weitere mögliche Ursachen für eine Wundheilungsstörung sind zum Beispiel:

Bestimmte Einflüsse können aber auch förderlich für die Wundheilung sein. Hierzu zählen zum Beispiel:

  • gesunde Ernährung
  • gute Durchblutung
  • keimfreie Wunde
  • Ruhigstellen des betroffenen Bereichs

Wundheilung: Mit oder ohne Pflaster?

Aber was ist in diesem Fall die "richtige" Wundversorgung? Hier stehen sich zwei weit verbreitete Ansichten gegenüber: Die einen geht davon aus, dass Wunden schneller heilen, wenn sie an der Luft trocknen. Andere sind davon überzeugt, dass ein Pflaster die Wunde besser versorgt.

Um es kurz zu machen: Eine Wundauflage – im Falle einer kleineren Schürfwunde eben ein Pflaster – lässt die Wunde schneller heilen. Sie hält die Wunde feucht und bewahrt sie so vor vollständigem Austrocknen und dickem Schorf. Beide Faktoren verzögern die Wundheilung und begünstigen unter Umständen die Narbenbildung. In eine dauerhaft feuchte Wunde dagegen fließt Wundsekret ungehindert nach. Es enthält heilungsfördernde Substanzen wie zum Beispiel Antikörper, bestimmte Enzyme und Wachstumsfaktoren.

Das Pflaster allein reicht allerdings nicht aus, um eine Wunde optimal zu versorgen. Um Infektionen vorzubeugen, sollten Sie im Falle einer leicht verschmutzten Schürfwunde die Wunde unter fließendem Wasser säubern, ehe Sie ein Pflaster draufkleben. Stecken größere Fremdkörper in der Wunde (wie Glasplitter, Rollsplitt oder Ähnliches), entfernen Sie diese nicht selbst, sondern gehen Sie damit zum Arzt.

Generell sollten Sie mit Ihrem Arzt abklären, ob ein ausreichender Impfschutz gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) besteht, damit Sie oder Ihr Kind sich gegebenenfalls erneut impfen lassen können. Dann steht einer schnellen und problemlosen Wundheilung nichts mehr im Wege.

Fördert Speichel die Wundheilung?

Menno Oudhoff und seine Kollegen vom VU University Medical Center in Amsterdam haben die Probe aufs Exempel gemacht. In Nährmedien züchteten sie Wangenschleimhautzellen so lange heran, bis diese eine dichte, einheitliche Oberfläche bildeten. Dann fügten sie der Zelloberfläche künstliche Wunden zu, indem sie einen Teil der Zellen wegkratzten. Anschließend behandelten die Wissenschaftler eine der Wunden mit isotonischer Flüssigkeit, die andere mit sterilisiertem menschlichen Speichel. Ergebnis: Nach 16 Stunden hatte sich die in Mundspeichel gebadete Wunde nahezu geschlossen, während die zweite Wunde noch deutlich zu erkennen war.

Menschlicher Speichel trägt also tatsächlich dazu bei, dass Wunden schneller heilen – jedenfalls im Mundraum. Oudhoff und seine Kollegen trennten den Mundspeichel anschließend in seine Einzelteile auf, um herauszufinden, welcher Bestandteil für die heilende Wirkung verantwortlich ist. In mehreren Durchgängen testeten sie dann jeden einzelnen an den künstlichen Wunden. Verantwortlich für die schnellere Heilung ist demnach das Eiweiß Histatin, das bisher nur für seine antibakteriellen und pilztötenden Eigenschaften im Speichel bekannt war.

Ob Speichel auch bei anderen Hautwunden eine heilungsfördernde Wirkung hat, ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Es schadet in der Regel nicht, wenn ein ansonsten Gesunder etwa bei einem kleinen Fingerschnitt den eigenen Finger in den Mund steckt. Menschlicher Speichel enthält jedoch auch eine Vielzahl an Keimen – und die können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem problematisch sein. So geschehen bei einem Diabetes-Patienten, der einen Schnitt im Finger hatte und das Blut rasch ableckte: Durch den Speichel gelangten auch die Bakterienarten Eikenella corrodens und Streptococcus anginosus in die Wunde – beide Arten sind bei vielen Menschen Teil der normalen Mundflora. Als Folge infizierte sich die Wunde, der Finger schwoll wenige Tage später an und musste schließlich amputiert werden.