Long Covid Symptome
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Long Covid: Symptome des Syndroms

Für rund fünf bis zehn Prozent der Erkrankten ist Covid-19 nicht vorbei, wenn die Infektion überstanden ist. Sie leiden noch nach Monaten an den Folgen der Erkrankung. Lesen Sie, welche Symptome Betroffene des Long Covid-Syndroms haben, wie es dazu kommt und warum eine Impfung vorbeugen kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufig gestellt Fragen zu Long Covid

Vor allem über Müdigkeit und Erschöpfung ("Fatigue") klagen Betroffene. Aber auch Kopf- und Gliederschmerzen, Kurzatmigkeit, Geruchs- und Geschmacksverlust, Gedächtnisprobleme und/oder Konzentrationsschwäche ("Brain Fog") sowie Haarausfall können einzeln oder in Kombination auftreten.

Die meisten Beschwerden bessern sich vier bis acht Wochen nach der überstandenen Covid-19-Erkrankung. In wenigen Fällen bleiben Symptome jedoch bis zu zwölf Monate und länger bestehen. Manchmal treten Beschwerden auch erst ein halbes Jahr nach der überstandenen Infektion auf. 

Studien deuten darauf hin, dass geimpfte Menschen ein geringeres Risiko für Long Covid haben. Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine Impfung sogar bereits bestehende Beschwerden durch Long Covid abmildern kann. Umgekehrt berichten Menschen vereinzelt von Post-Covid-ähnlichen Beschwerden nach einer Impfung. 

Long Covid: Was ist das?

Unter Long Covid fasst man längerfristige gesundheitliche Probleme zusammen, die nach einer Covid-19-Erkrankung auftreten können und die sich nicht mehr durch eine PCR-bestätigte anhaltende Infektion oder durch andere Erkrankungen erklären lassen. Dabei kann es sich sowohl um körperliche als auch um psychische Beschwerden handeln. Menschen, die an Long Covid leiden, sind nicht mehr ansteckend. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge handelt es sich bei Long Covid mittlerweile um eine anerkannte Erkrankung.

Man unterscheidet zwischen zwei Phasen:

  • Long Covid: Die Symptome halten mehr als vier Wochen nach Ausbruch der Erkrankung an.
  • Post Covid: Die Symptome bestehen auch zwölf Wochen nach Ausbruch der Erkrankung noch, oder es treten neue auf.

Der Begriff Long Covid wird jedoch auch übergeordnet für das Post-Covid-Syndrom verwendet.

Die Symptome können sich entweder schon in der akuten Krankheitsphase entwickeln und im weiteren Verlauf andauern, oder erst zeitverzögert nach der eigentlichen Infektion auftreten.

Long Covid: Symptome

Die Erkrankung ist eigentlich überstanden, das Virus nicht mehr nachweisbar. Und doch hat etwa jede*r zehnte Corona-Patient*in sechs Monate nach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Auch von Herz- und Atemproblemen berichten Betroffene. Die Symptome können sowohl einzeln als auch in Kombination miteinander auftreten und die Lebensqualität der Betreffenden erheblich einschränken.

Die häufigsten Symptome:

Gelegentlich auftretende Symptome:

Selten auftretende Symptome:

Insgesamt sind mehr als 200 verschiedene mögliche Symptome in Zusammenhang mit Long Covid bekannt. Auch von Schmerzen wie Brustschmerzen berichten Betroffene. Viele Long Covid-Symptome sind jedoch neuropsychiatrischer Natur. Das macht deutlich: Covid-19 betrifft nicht nur die Atemwege, sondern ist eine systemische Erkrankung.

ME/CFS: Chronische Erschöpfung als Folge von Covid-19

Eine häufige Langzeitfolge der Coronainfektion ist ME/CFS, kurz für myalgische Enzephalomyelitis/chronisches Fatigue Syndrom, auch als chronisches Erschöpfungssyndrom bekannt. Rund jede fünfte Person, die mehr als sechs Monate lang von Long Covid betroffen ist, erfüllt die Diagnosekriterien für ME/CFS.

Typische Symptome für ME/CFS:

  • Extreme Müdigkeit und Abgeschlagenheit,
  • Schlafstörungen,
  • Gliederschmerzen
  • Brain Fog

ME/CFS ist bislang nicht heilbar. Zu wenig ist über die Ursachen der Erkrankung bekannt. Es gibt aber verschiedene Behandlungsoptionen, durch die sich die Symptome mildern lassen.

Long Covid: Ursachen

Warum bereitet die Erkrankung manchen Menschen noch Probleme, wenn sie eigentlich schon überstanden ist? Sicher wissen Forschende das noch nicht. Es gibt jedoch einige mögliche Thesen.

Zum einen sind es sicherlich Spätfolgen der Erkrankung wie etwa durch das Virus hervorgerufene Lungenschäden, die vielen schwer erkrankten Patient*innen im Nachhinein noch zu schaffen machen. Das erklärt jedoch nicht, warum auch Menschen mit leichten Verläufen nach überstandener Erkrankung Beschwerden entwickeln.

Mögliche Ursachen für die Symptome:

  • Anhaltende Entzündungen
  • Autoimmunreaktionen
  • Im Körper überdauernde Virusreste
  • Gewebe- und Gefäßschädigungen
  • Gerinnungsstörungen
  • Störungen des Nervensystems
  • Veränderungen im Stoffwechsel
  • Organische Schäden durch Covid-19

Autoimmunprozesse sind auch infolge von anderen Viren bekannt. Jedoch scheint es bei Menschen mit Long Covid vergleichsweise mehr Schäden an Nerven und Muskeln zu geben. Vermutlich schädigt das Virus die Nervenzellen nicht direkt. Es greift jedoch in der Akutphase kleinste Blutgefäße an, was zu Entzündungsprozessen führt, die nicht immer aufhören, wenn das Virus bekämpft ist.

Einer anderen Theorie zufolge könnten einige SARS-CoV-2-Viren versteckt im Körper überdauern, eine Entzündungsreaktion hervorrufen und so die Symptome hervorrufen.

Nicht zuletzt kann eine schwere Covid-19-Erkrankung psychische Folgen nach sich ziehen. Wer um sein Leben kämpfen musste, kann ein Trauma davontragen und muss erst wieder Vertrauen in seinen Körper und seine Leistungsfähigkeit aufbauen.

Ursache für Long Covid im Blut entdeckt?

Forschende des Universitätsklinikums Erlangen zufolge könnte Covid-19 die roten und weißen Blutkörperchen in Größe und Beschaffenheit verändern. Die Wissenschaftler*innen untersuchten die Durchblutung der Augennetzhaut von Patient*innen mit Long Covid und fanden heraus, dass diese bei vielen der Teilnehmenden gestört war. Die Forschenden gehen davon aus, dass die Durchblutung der Augen exemplarisch für den gesamten Körper ist.

Auch die Ursache für die Durchblutungsstörungen glauben die Forschenden gefunden zu haben: In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut untersuchten sie das Blut von Long Covid-Patient*innen und fanden heraus, dass sich darin ungewöhnlich starre Blutzellen fanden. Diese nicht verformbaren Zellen passen möglicherweise nicht mehr durch die feinsten Blutgefäße. Als Folge dieser Veränderungen kann der Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt sein, was zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen führen kann. Auch das erhöhte Risiko von Durchblutungsstörungen, Gefäßverschlüssen und Embolien der Lunge ließe sich so erklären.

Als Grund für die veränderten Blutzellen machten die Forschenden Autoantikörper aus, also Immunzellen, die Zellen des eigenen Körpers angreifen, also auch Blutzellen.

Versuchsweise erhalten Teilnehmende der Studie ein noch nicht zugelassenes Medikament ("BC007"), das die Autoantikörper unwirksam machen soll.

Long Covid: Wen betrifft es?

Ganz eindeutige Zahlen zur Häufigkeit von Long Covid gibt es nicht. Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) geht davon aus, dass bei rund zehn Prozent der an Covid-19 Erkrankten Langzeitfolgen auftreten. Eine Metastudie, für die verschiedene Übersichts- und Originalstudien ausgewertet wurden, kommt zu dem Schluss, dass es zwischen 7,5 und 41 Prozent der Betroffenen sind, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten und 37,6 Prozent der im Krankenhaus behandelten Erkrankten.

Rolle der Virusvarianten bei Geimpften

Einer britischen Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, nach einer Corona-Infektion mit der Delta-Variante an Long Covid-Symptomen zu erkranken, um etwa 50 Prozent höher als nach der Omikron-Variante. Von 56.003 Personen, die an der Omikron-Variante erkrankt waren, hatten 2.501 (4,5 Prozent) noch nach mehr als vier Wochen Symptome. Von den 41.361 an Delta Erkrankten berichteten 4.469 (10,8 Prozent) über anhaltende Beschwerden.

Long Covid: Wer hat ein erhöhtes Risiko, an Long Covid zu erkranken?

Studien zeigen, dass mehr Frauen als Männer mit Long Covid-Symptomen kämpfen. Auch Übergewicht und Vorerkrankungen von Herz und Lunge scheinen Risikofaktoren zu sein. Erwachsene sind am häufigsten im jüngeren und mittleren Alter betroffen, Teenager seltener als Erwachsene, aber häufiger als jüngere Kinder. Das Risiko für Langzeitfolgen steigt mit der Schwere der SARS-CoV2-Infektion.

Das Risiko für Long Covid nimmt zu, sobald einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Die mit Covid-19 infizierte Person hatte eine besonders hohe Viruslast
  • Sie hat vergleichsweise wenige Antikörper entwickelt
  • Im Blut des Betreffenden sind spezifische Autoantikörper nachweisbar
  • Es besteht eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus
  • Die*der Betreffende hat Diabetes mellitus

Long Covid: Sind auch Menschen betroffen, die einen milden Verlauf hatten?

Betroffen sind hauptsächlich Menschen, die schwer erkrankt waren und sich davon erholen müssen. Dass es dauert, bis sie wieder leistungsfähig sind, leuchtet ein. Etwa, weil das Virus ein Teil des Lungengewebes zerstört hat. Der Anteil der Menschen, die mit Covid-19 im Krankenhaus waren und noch Monate nach ihrer Entlassung über anhaltende Beschwerden klagen, liegt sogar bei 80 Prozent.

Zwar gilt ein hohes Alter als ein Risikofaktor für Long Covid. Doch auch junge Menschen mit leichten Symptomen in der akuten Phase können unter Langzeitfolgen leiden. Besonders bei den leicht- bis mittelschwer erkrankten Menschen ist es offenbar sehr häufig so, dass es ihnen vorübergehend einige Wochen oder Monate besser geht, bevor dann die Post-Covid-Symptome auftreten. Aus diesem Grund ist es nicht immer einfach, gerade neuropsychologische Symptome mit der zurückliegenden Covid-19-Erkrankung in Verbindung zu bringen.

Folgeerkrankungen nach einem schweren, meist intensivpflichtigen Verlauf von Covid-19 treten offenbar vor allem bei über 60-jährigen Männern auf. Folgeerkrankungen sind zum Beispiel Komplikationen wie eine Schädigung des Herzens oder der Nieren durch die Infektion oder die intensivmedizinische Versorgung.

Langzeitfolgen nach Covid-19 wie Müdigkeit und Erschöpfung treten dagegen vor allem bei jüngeren Frauen auf, die einen milden oder moderaten Krankheitsverlauf hatten.

Long Covid: Sind auch Kinder betroffen?

Auch Kinder und Jugendliche sind von Long Covid betroffen. Genaue Zahlen gibt es hierzu bislang allerdings nicht, da verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Kleine Kinder sind wesentlich seltener von Long Covid betroffen als Jugendliche. Einer Studie zufolge haben etwa ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten, auch nach mehreren Monaten noch mindestens ein gesundheitliches Problem. Allerdings müssen Kinder und Jugendliche weit seltener als Erwachsene wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden.

Eine Langzeitfolge, die fast ausschließlich Kinder betrifft, ist PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome). Dabei handelt es sich um eine gefährliche Entzündungsreaktion, die mehrere Organe betreffen kann und in der Regel wenige Wochen nach einer Covid-19-Infektion auftritt. Ursache ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystems auf das Coronavirus SARS-CoV2. Typisch für PIMS sind neben entzündeten Organen auch Beschwerden wie hohes Fieber und Hautausschlag. Bei Verdacht auf PIMS ist meist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

Long Covid: Behandlung

Eine ursächliche Therapie gegen Long Covid gibt es derzeit nicht. Behandelt werden daher die verschiedenen Symptome. Welche ärztliche Behandlung und welche Medikamente bei Long Covid helfen können, kommt also immer auf die Beschwerden der Betroffenen an.

Infrage kommen beispielsweise:

Wer glaubt, von Long Covid betroffen zu sein, sollte sich ärztliche Hilfe holen. Eine erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. In vielen Städten gibt es inzwischen auch spezielle Post-Covid-Ambulanzen oder -Sprechstunden speziell für Menschen, die an Spätfolgen von Covid-19 leiden. Dort sind Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen beschäftigt.

Ein Symptomtagebuch, zum Beispiel von der Berliner Charité und Data4Life, kann Betroffenen und Ärzt*innen helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. Zudem gibt es Selbsthilfegruppen, denen sich Betroffene anschließen können.

Long Covid: Wie lange können die Beschwerden anhalten?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Nach vier bis acht Wochen klingen bei den meisten Menschen die Long Covid-Symptome ab. Ihren Geruchssinn haben rund 90 Prozent der Menschen nach spätestens sechs Monaten wieder.

Etwa 45 Prozent der Betroffenen sind auch nach mehr als sechs Monaten nicht in der Lage, wieder in Vollzeit zu arbeiten. 22 Prozent sind sogar arbeitsunfähig.

Einer Studie des King’s College London zufolge hatten von 4.182 Menschen 558 (13 Prozent) Long Covid-Beschwerden, die mindestens 28 Tage anhielten. Bei 189 Personen (4,5 Prozent) hielten sie länger als acht Wochen lang an und bei 95 (2 Prozent) länger als zwölf Wochen.

Long Covid: Hilft eine Impfung?

Bisher gibt es kaum Informationen, was effektive Maßnahmen zur Vorbeugung von Long Covid betrifft. Nach jetzigem Kenntnisstand ist die Impfung das wirksamste Mittel, sich generell vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. Das funktioniert am besten mit einer vollständigen Impfung inklusive Booster und den empfohlenen Schutz- und Hygienemaßnahmen.

Dass eine Impfung speziell gegen Long Covid-Symptome hilft, ist möglich, aber noch nicht abschließend geklärt. Einige Long Covid-Betroffene haben bereits berichtet, dass es ihnen nach einer Impfung besser gegangen sei. Auch einige Studien weisen darauf hin, dass eine Corona-Impfung die Symptome von Long Covid positiv beeinflussen könnte. Es gibt jedoch auch gegenteilige Berichte. 

Post Vac: Long Covid nach Impfung

Auch nach einer Corona-Impfung berichten einige Menschen von Symptomen, die denen von Long Covid ähneln, darunter etwa Müdigkeit und Brain Fog. Dieses Phänomen nennt sich "Post Vac".

Studien und wissenschaftliche Auswertungen zum direkten Zusammenhang der Vakzine und Symptome und Beschwerden fehlen aktuell allerdings noch. Das liegt auch daran, dass Post Vac sehr selten auftritt. Das Risiko, nach einer Impfung an Post Vac zu leiden, liegt laut ersten Einschätzungen bei circa 0,02 Prozent.

Bisher sind die Ursachen für Post Vac noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass neben einer Autoimmunreaktion auch eine vorangegangene Epstein-Barr-Virus-(EBV-)Infektion ein Risikofaktor sein könnte, ähnlich wie bei Long Covid.

Das PEI registrierte insgesamt 41 Verdachtsfälle eines chronischen Erschöpfungssyndroms nach der Corona-Impfung. Forschende betonen, dass die Vorteile der Impfung weiterhin mögliche Nebenwirkungen überwiegen.