Eine Frau liegt erschöpft auf dem Sofa und hält sich die Stirn
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Long-Covid: Auch nach mildem Verlauf möglich

Für rund zehn Prozent der Erkrankten ist Covid-19 nicht vorbei, wenn die Infektion überstanden ist. Sie leiden noch nach Monaten an den Folgen der Erkrankung. Lesen Sie, welche Beschwerden Long-Covid-Betroffene haben, wie es dazu kommt und warum Impfen helfen könnte.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was ist Long-Covid?

Unter Long-Covid fasst man längerfristige gesundheitliche Schäden zusammen, die nach einer Covid-19-Erankung auftreten können und die sich nicht mehr durch eine PCR-bestätigte anhaltende Infektion oder andere Erkrankungen erklären lassen. Dabei kann es sich sowohl um körperliche als auch um psychische Beschwerden handeln. Menschen, die an Long-Covid leiden, sind nicht mehr ansteckend.

Bisher gibt es noch keine offizielle klinische Definition von Long-Covid: Da Covid-19 erst seit einem vergleichsweise kurzen Zeitraum bekannt ist, sind Ursachen, Symptome und mögliche Verläufe noch nicht ausreichend erforscht. Derzeit führen Forschende diverse Studien durch, um ein besseres Verständnis zu Langzeitfolgen und Folgeerkrankungen nach einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu bekommen. 

Insgesamt kann eine Covid-19-Erkrankung in drei Phasen ablaufen, von denen die letzten beiden Phasen Long-Covid zugeordnet werden:

  • Die ersten vier Wochen nach Auftreten der ersten Symptome: akute Krankheitsphase
  • Woche fünf bis zwölf nach Auftreten der ersten Symptome: subakute Krankheitsphase
  • 12 Wochen und mehr nach der Erkrankung: Post-Covid-Syndrom

Die Beschwerden können sich entweder schon in der akuten Krankheitsphase entwickeln und im weiteren Verlauf andauern, oder erst zeitverzögert nach der eigentlichen Infektion auftreten.

Long-Covid: Symptome

Die Erkrankung ist eigentlich überstanden, das Virus nicht mehr nachweisbar. Und doch hat etwa jede*r zehnte Corona-Patient*in sechs Monate nach ihrer*seiner Genesung noch mit Erschöpfung, Kopf- und Gliederschmerzen, Geruchs- und Geschmacksverlust, Gedächtnisproblemen und/oder Konzentrationsschwäche zu kämpfen. Auch von Herz- und Atemproblemen berichten Betroffene.

Vor allem sind es aber anscheinend neuropsychiatrische Folgen wie der sogenannte "Brain Fog" (übersetzt: Nebel im Gehirn), die den Betroffenen zu schaffen machen. Unter dem Begriff fasst man Symptome wie Konzentrationsprobleme, Schwindel, Wortfindungsstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Benommenheit zusammen. Das macht deutlich: Covid-19 betrifft nicht nur die Atemwege, sondern ist eine systemische Erkrankung.

Long-Covid: Welche Symptome sind typisch?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet folgende Symptome von Long-Covid auf:

Eine US-amerikanische Studie hat Daten von rund 47.900 Corona-Patientinnen*Patienten zwischen 17 und 87 Jahren ausgewertet, um herauszufinden, welche Symptome besonders häufig auftreten.

Mit folgendem Ergebnis:

  • 58 % nannten als Hauptbeschwerde andauernde Müdigkeit (Fatigue),
  • 44 % klagten über Kopfschmerzen,
  • 27 % hatten Konzentrationsstörungen,
  • 25 % stellten vermehrten Haarausfall sowie
  • 24 % Atemnot und Atembeschwerden fest.

ME/CFS: Chronische Erschöpfung als Folge von Covid-19

Eine besonders häufige Langzeitfolge der Coronainfektion ist ME/CFS, kurz für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom, auch als Chronisches Erschöpfungssyndrom bekannt. Einer britischen Studie zufolge handelt es sich hierbei um das häufigste Long-Covid-Symptom. Mehr als die Hälfte aller Long-Covid-Betroffenen leidet den Forschenden zufolge unter den für ME/CFS typischen Beschwerden: Extreme Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Gliederschmerzen und "Brain Fog" (wortwörtlich übersetzt: "Gehirnnebel", also ein Zustand der Benommenheit und Bewusstseinstrübung). 

ME/CFS ist bislang nicht heilbar. Zu wenig ist über die Ursachen der Erkrankung bekannt. Es gibt aber verschiedene Behandlungsoptionen, durch die sich die Symptome mildern lassen. 

Wer hat ein erhöhtes Risiko, an Long-Covid zu erkranken?

Studien zeigen, dass mehr Frauen als Männer mit Long-Covid-Symptomen kämpfen. Auch Übergewicht, ein hohes Alter und Vorerkrankungen von Herz und Lunge scheinen Risikofaktoren zu sein.

Sind auch Menschen betroffen, die einen milden Verlauf hatten?

Der derzeitige Wissensstand lässt keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Schwere des Krankheitsverlaufs und Long-Covid-Symptomen erkennen. Betroffen sind hauptsächlich Menschen, die schwer erkrankt waren und sich davon erholen müssen. Dass es dauert, bis sie wieder leistungsfähig sind, leuchtet ein. Etwa, weil das Virus ein Teil des Lungengewebes zerstört hat. Der Anteil der Menschen, die mit Covid-19 im Krankenhaus waren und noch Monate nach ihrer Entlassung über anhaltende Beschwerden klagen, liegt sogar bei 80 Prozent.

Zwar gilt ein hohes Alter als ein Risikofaktor für Long-Covid. Doch auch junge Leute mit leichten Symptomen in der akuten Phase können unter Langzeitfolgen leiden. Besonders bei den leicht- bis mittelschwer erkrankten Menschen ist es offenbar sehr häufig so, dass es ihnen vorübergehend einige Wochen oder Monate besser geht, bevor dann die Post-Covid-Symptome auftreten. Aus diesem Grund ist es nicht immer einfach, gerade neuropsychologische Symptome mit der zurückliegenden Covid-19-Erkrankung in Verbindung zu bringen.

Sind auch Kinder von Long-Covid betroffen?

Auch Kinder und Jugendliche sind von Long-Covid betroffen. Genaue Zahlen gibt es hierzu bislang allerdings nicht, da verschiedene Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Einer britischen Studie zufolge sind es rund sieben Prozent der infizierten Kinder, die zum Beispiel nachhaltig unter Konzentrationsstörungen leiden. Eine US-amerikanische Studie kam hingehen zu dem Ergebnis, dass Kinder nicht maßgeblich betroffen seien. Einer italienischen Forschungsgruppe zufolge lauten die Resultate anders: Von 129 Kindern, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, trat bei über 50 Prozent vier Monate nach der akuten Krankheitsphase mindestens ein einhaltendes Symptom auf. 

Eine Langzeitfolge, die fast ausschließlich Kinder betrifft, ist PIMS (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome). Dabei handelt es sich um eine gefährliche Entzündungsreaktion, die mehrere Organe betreffen kann und in der Regel wenige Wochen nach einer Covid-19-Infektion auftritt. Ursache ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystem auf das Coronavirus SARS-CoV2. Typisch für PIMS sind neben entzündeten Organen auch Beschwerden wie hohes Fieber und Hautausschlag. Bei Verdacht auf PIMS ist meist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

Wie lange können Long-Covid-Beschwerden anhalten?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Auch hier ist die Studienlage nicht eindeutig. Viele Patient*innen berichten von einem wellenartigen Verlauf. Einer Studie des Kings’s College London zufolge hatten von 4182 Menschen 558 (13%) Long-Covid-Beschwerden, die mindestens 28 Tage anhielten. Bei 189 Personen (4,5 %) hielten sie länger als acht Wochen lang an und bei 95 (2%) länger als zwölf Wochen.

Eine Studie aus Wuhan hat besonders schwere Fälle ausgewertet. Unter diesen im Krankenhaus behandelten Betroffenen hatten drei von vier noch sechs Monate nach ihrer offiziellen Genesung mit Spätfolgen der Erkrankung zu tun.

Mit Menschen mit leichten Covid-19-Verläufen hat sich dagegen eine vorveröffentlichte Studie aus der Schweiz beschäftigt. Auch bei ihnen klagte jede*r Vierte nach sechs bis acht Monaten noch über mindestens ein Symptom.

Ihren Geruchssinn haben rund 95 Prozent der Menschen nach spätestens sechs Monaten wieder. Nach einem bis drei Monaten bilden sich Lungenschäden offensichtlich in den meisten Fällen zurück. Hinweise auf eine fortschreitende Zerstörung der Lunge gibt es bislang nicht. Ob durch Covid-19 verursachte Schäden chronisch werden und dauerhaft bestehen bleiben können, lässt sich derzeit jedoch noch nicht sagen. Wichtig ist in jedem Fall eine geeignete medizinische Behandlung.

Long-Covid: Mögliche Ursachen

Warum bereitet die Erkrankung manchen Menschen noch Probleme, wenn sie eigentlich schon überstanden ist? Sicher wissen Mediziner*innen das noch nicht. Es gibt jedoch einige mögliche Thesen. 

Zum einen sind es sicherlich Spätfolgen der Erkrankung wie etwa durch das Virus hervorgerufene Lungenschäden, die vielen schwer erkrankten Patient*innen im Nachhinein noch zu schaffen machen.

Das erklärt jedoch nicht, warum auch Menschen mit leichten Verläufen noch – oder erst – lange Zeit nach überstandener Erkrankung Beschwerden entwickeln. Wahrscheinlich ist, dass die Ursache in ihrem Immunsystem liegt. Das kämpft erst gegen das Virus, und dann gegen den eigenen Körper. Eine Autoimmunreaktion ist also wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass der Körper schlapp macht. Vermutlich schädigt das Virus die Nervenzellen nicht direkt. Es greift jedoch in der Akutphase kleinste Blutgefäße an, was zu Entzündungsprozessen führt, die nicht immer aufhören, wenn das Virus bekämpft ist. Solche Prozesse sind auch von anderen Viren bereits bekannt.

Einer anderen Theorie zufolge könnten einige Viren versteckt im Körper überdauern und für die Symptome verantwortlich sein.

Nicht zuletzt kann eine schwere Covid-19-Erkrankung psychische Folgen nach sich ziehen. Wer um sein Leben kämpfen musste, kann ein Trauma davontragen und muss vielleicht erst wieder Vertrauen in seinen Körper und seine Leistungsfähigkeit aufbauen. Auch indirekte gesundheitliche Folgen sind möglich: Die Corona-Pandemie kann beispielsweise zu einem erhöhten Stressempfinden führen, was wiederum Long-Covid-Symptome begünstigen kann. Zudem kommt es seit Beginn der Pandemie durch eine teils eingeschränkte medizinische Versorgung zu einem veränderten Gesundheitsverhalten: Menschen nehmen dadurch möglicherweise Arzttermine und Früherkennungsuntersuchungen seltener wahr oder müssen länger auf Behandlungen oder Operationen warten. 

Lässt sich Long-Covid voraussagen?

Die bereits genannte Studie des King’s College London hat sich mit der Frage beschäftigt, ob es Symptome in der frühen Krankheitsphase gibt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Long-Covid ankündigen.

Im Vergleich zu Personen, die weniger lange mit Beschwerden zu kämpfen hatten, stellten die Forschenden bei Betroffenen, die mehr als 28 Tage lang Beschwerden hatten, fünf Symptome in der frühen Phase der Erkrankung fest:

  • Müdigkeit (Fatigue)
  • Kopfschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Heiserkeit
  • Muskelschmerzen

Bei den über 70-Jährigen stellte sich außerdem der Verlust des Geruchssinns als Indikator für eine bevorstehende Long-Covid-Erkrankung heraus. Ein Symptom, das ist in dieser Altersgruppe seltener vorkommt.

Könnten potenzielle Long-Covid-Patient*innen anhand bestimmter Merkmale rechtzeitig identifiziert werden, könnte ihre Behandlung möglicherweise entsprechend optimiert werden.

Behandlung: Was gegen Long-Covid hilft

Welche ärztliche Behandlung und welche Medikamente bei Long-Covid helfen können, kommt immer auf die Beschwerden der Betroffenen an. Denn die Symptome sind vielfältig und können unterschiedliche Ursachen haben.

Infrage kommen beispielsweise:

  • Atemtherapie
  • Ergotherapie
  • Hirn-Leistungs-Training
  • Entspannungsübungen
  • Psychologische Hilfe
  • Reha-Aufenthalt

Wer glaubt, von Long-Covid betroffen zu sein, sollte sich ärztliche Hilfe holen. In vielen Städten gibt es inzwischen spezielle Post-Covid-Ambulanzen oder -Sprechstunden speziell für Menschen, die an Spätfolgen von Covid-19 leiden. Dort sind Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen beschäftigt.

Ein Symptomtagebuch, zum Beispiel von der Berliner Charité und Data4Life, kann Betroffenen und Ärzten*Ärztinnen helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen.

Hilft Impfen gegen Long-Covid?

Bisher gibt es kaum Informationen, was effektive Maßnahmen zur Vorbeugung von Long-Covid betrifft. Nach jetzigem Kenntnissstand ist das wirksamste Mittel, sich generell vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 zu schützen. Das funktioniert am besten mit einer vollständigen Impfung samt Booster-Impfung und den empfohlenen Schutz- und Hygienemaßnahmen.

Hilft Impfen gegen Long-Covid?

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt eine Impfung gegen Covid-19 auch für Personen, die bereits Covid-19 hatten. Ob eine Impfung speziell gegen Long-Covid-Symptome hilft, ist möglich, aber noch nicht abschließend geklärt.

Einige Long-Covid-Betroffene haben bereits berichtet, dass es ihnen nach einer Impfung besser gegangen sei. Es gibt jedoch auch gegenteilige Berichte. Eine vorveröffentlichte, also noch nicht bestätigte, Studie hat sich nun mit der Frage beschäftigt, wie Long-Covid-Patient*innen auf eine Impfung reagieren.

Teilgenommen haben 66 Patient*innen, die wegen Covid-19 stationär behandelt werden mussten. 44 von ihnen waren nach ihrer Erkrankung geimpft worden. Drei und acht Monate nach ihrer Entlassung, wurden alle Beteiligten befragt.

Insgesamt hatte 82 Prozent der Proband*innen acht Monate nach der Erkrankung mindestens ein anhaltendes Symptom, das auf Long Covid hindeutete. Keine*r der geimpften Personen berichtete über eine Verschlechterung von Lebensqualität oder psychischen Symptomen nach der Impfung. Einige Teilnehmer*innen erlebten sogar eine leichte Verbesserung der Long-Covid-Symptome. Allerdings ist diese Studie zu klein, um aussagekräftig zu sein.

Eine weitere vorveröffentlichte Studie könnte einen Hinweis darauf liefern, warum es den Geimpften besser ging. Sie hat die Antikörper- und B-Gedächtniszell-Antworten von 83 Personen auf eine SARS-CoV-2-Infektion untersucht und die Immunantworten von geimpften und ungeimpften Personen verglichen. Bei 22 Teilnehmer*innen untersuchten die Forschenden sieben Monate lang die Antikörperreaktion.

Die Ergebnisse: Bei den meisten Proband*innen nahm die Aktivität der Antikörper im Laufe der Zeit ab. Die Zahl der B-Gedächtniszellen, die sozusagen den Bauplan für die Antikörper darstellen, blieb dagegen konstant. Die Forschenden stellten außerdem fest, dass geimpfte Personen, die bereits mit Covid-19 infiziert waren, eine besonders starke Immunantwort hatten.

Die Wissenschaftler*innen fanden außerdem eine bestimmte Untergruppe von B-Gedächtniszellen. Von solchen Gedächtniszellen ist bekannt, dass sie Autoantikörper produzieren, die gesundes Gewebe angreifen. So können sich beispielsweise Autoimmunerkrankungen entwickeln. Auch bei denjenigen, die nur milde Symptome hatten, fanden sich diese speziellen B-Gedächtniszellen. In ihnen vermuten die Forschenden eine Ursache für Long-Covid.

Interessanterweise stellten die Forschenden fest, dass die Zahl dieser Zellen nach der Impfung zurückging – und damit auch die Zahl der Autoantikörper. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass eine Impfung Long-Covid-19-Betroffenen tatsächlich helfen kann.

Long-Covid: Rolle der Virusvarianten bei Geimpften

Erste Umfragen aus Großbritannien unter Geimpften, welche mit Sars-CoV-2 infiziert waren, zeigen Unterschiede zwischen den verschiedenen Virusvarianten. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Corona-Infektion mit Delta an Long-Covid-Symptomen zu leiden, ist um 50 Prozent höher als nach der Omikron-Variante.

Die Stichprobe umfasste Personen ab dem 18. Lebensjahr, welche mit den mRNA-Impfstoffen von Moderna und BioNTech/Pfizer oder dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca doppelt oder dreimal geimpft wurden und anschließend positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Betroffene wurden unter anderem befragt, ob sie unter Long-Covid-Symptomen leiden und inwiefern diese den Alltag negativ beeinflussen.

Das Ergebnis: Bei doppelt geimpften Personen berichteten 15,9 Prozent von Long-Covid-Anzeichen nach einer Infektion mit Delta. Nach einer Covid-19-Erkrankung mit Omikron gaben nur 8,7 Prozent an Langzeitfolgen zu leiden.

Bei dreifach Geimpften wurde der Unterschied zwischen Omikron BA.1 (8,0 %) und BA.2 (9,1 %) untersucht, da die dritte Impfung während der Delta-Welle noch nicht ausreichend verbreitet war. Zwischen den beiden Subtypen der Omikron-Variante besteht aber kaum ein Unterschied.

Ungeimpfte und einfach geimpfte Personen wurden von der Studie ausgeschlossen.

Post-Vac: Long-Covid nach Corona-Impfung

Internationale und nationale Forschende beobachten Long-Covid-Symptome nach einer Corona-Impfung, auch Post-Vac genannt. Studien und wissenschaftliche Auswertungen zum direkten Zusammenhang der Vakzine und Symptome und Beschwerden fehlen aktuell allerdings noch.

In einer Spezialambulanz der Universität Marburg werden seit Beginn des Jahres 2022 circa 200 Betroffene aus Deutschland, Österreich und Schweiz systematisch erfasst und behandelt. 1.800 weitere Personen befinden sich aktuell auf der Warteliste. Teilnehmende des Programms sind Personen, welche an Long-Covid-Symptomen leiden, allerdings nicht mit Sars-CoV-2 infiziert waren.

Die Forschenden ermitteln in Zusammenarbeit mit dem Paul Ehrlich-Institut (PEI) mögliche Risikofaktoren, um spätere Impfbeschwerden zu vermeiden.

Bisher sind die Ursachen für Post-Vac noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass sie unter anderem ähnliche Gründe wie Long-Covid umfassen:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Genetische Defekte
  • Vorerkrankungen

An der Berliner Klinik für Neurologie der Charité Universitätsmedizin werden Betroffene mit neurologischen Beschwerden nach einer Corona-Impfung behandelt. In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) soll bezüglich der Symptomerfassung sowie Zusatzdiagnostik in Form von Blutuntersuchungen oder bildgebenden Verfahren ein wissenschaftlicher Beitrag erfolgen.

Aufgrund des fehlenden Impfregisters und einer geringen Dokumentation kann Post-Vac noch nicht ausreichend untersucht werden. Das PEI registrierte insgesamt allerdings 41 Verdachtsfälle eines chronischen Erschöpfungssyndroms nach der Corona-Impfung. Häufige Merkmale waren:

  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Kurzatmigkeit
  • Geruchs- und Lärmempfindlichkeit

Die Meldungen liegen jedoch deutlich unter dem statistisch relevanten Grenzwert. Forschende betonen allerdings, dass die Vorteile der Impfung weiterhin gegen mögliche Nebenwirkungen überwiegen und eine Impfung den Weg aus der Pandemie bereiten kann. Zudem liegt das Risiko, nach einer Impfung an Post-Vac zu leiden, laut ersten Einschätzungen bei circa 0,02 Prozent.