Das Bild zeigt eine erschöpfte Läuferin.
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Muskelschwäche

Muskelschwäche kann verschiedenste Ursachen haben. Viele davon sind harmlos, es gibt jedoch auch eine Reihe von Krankheiten, die sich durch schwache und müde Muskeln äußern. Hier erfahren Sie, welche das sind, warum Muskelschwäche auch psychisch bedingt sein kann und was hinter Muskelschwäche in den Beinen stecken kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Muskelschwäche

Wer über Muskelschwäche klagt, kann damit verschiedene Dinge meinen:

  • schnellere Ermüdbarkeit bei Anstrengung
  • von vorneherein verringerte Muskelkraft
  • ein Gefühl von Schwäche trotz normaler Muskelfunktion

Von schneller Ermüdbarkeit spricht man, wenn die Muskeln bereits nach kurzer Anstrengung geschwächt sind und anschließend ungewöhnlich lange brauchen, um sich zu erholen.

Ist der Muskel hingegen von vorneherein weniger leistungsfähig, spüren die Betroffenen die Schwäche schon zu Beginn der Anstrengung. Bereits die erste Bewegung bereitet ihnen Probleme.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass sich Muskeln geschwächt anfühlen, obwohl sie normal funktionieren. Die Schwäche ist in diesem Fall ein subjektives Gefühl und lässt sich nicht messen.

Die verschiedenen Formen von Muskelschwäche lassen sich nicht immer klar voneinander abgrenzen. Bei manchen Erkrankungen gehen sie auch ineinander über.

Ursachen für schnelle Ermüdbarkeit

Bei dieser Form der Muskelschwäche haben die Betroffenen zu Beginn einer Tätigkeit noch ausreichend Kraft, um die Bewegungen auszuführen. Die Kraft lässt allerdings rasch nach. Mögliche Ursachen sind:

Bei Herzerkrankungen, PAVK und Blutarmut werden die Muskeln unter Umständen nicht mehr ausreichend durchblutet und somit schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Deshalb können diese Erkrankungen dazu führen, dass den Muskeln rascher die Kraft ausgeht.

Ursachen für verringerte Muskelkraft

Wenn die Muskeln nicht so leistungsfähig sind wie gewohnt, ist häufig Erschöpfung der Grund – etwa durch ein intensives Training oder zu wenig Schlaf. Die Muskelschwäche ist in diesem Fall aber nicht von Dauer, sondern vorübergehend. Nach einer Pause verfügt man wieder über die gewohnte Kraft.

Entscheidend ist, dass man während der Erholungsphase ausreichend trinkt und sich gesund ernährt. Denn die Muskeln brauchen Wasser und verschiedene Nährstoffe, um sich zu regenerieren und wieder normal funktionieren zu können. Besonders wichtig sind hierfür Eiweiße.

Auch Infektionskrankheiten wie die Grippe, HIV, pfeiffersches Drüsenfieber und Hepatitis C können die Leistungsfähigkeit der Muskeln vorübergehend einschränken. Das liegt daran, dass sich die Muskeln im Rahmen der Infektion entzünden.

Ist die Muskelkraft schon länger eingeschränkt, ist dies hingegen meist

  • eine normale Begleiterscheinung des Alterns,
  • Anzeichen für einen Mangel an Nährstoffen (z. B. Vitamin D, Eisen, Kalium)
  • Symptom einer chronischen Erkrankung oder Verletzung und/oder
  • eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente.

Zu den chronischen Erkrankungen, die mit Muskelschwäche einhergehen können, zählen etwa:

Wie genau es zu der Muskelschwäche kommt, ist von Krankheit zu Krankheit unterschiedlich. Bei Schlaganfällen, Hirnblutungen und Nervenerkrankungen sind die Muskeln selbst zunächst nicht beeinträchtigt. Sie lassen sich aber nicht mehr wie gewohnt anspannen. Wenn man einen Muskel bewusst anspannen möchte, schickt ihm das Gehirn ein entsprechendes Signal. Übertragen wird das Signal über Nerven. Sind die Nerven jedoch geschädigt, können sie nicht mehr ungehindert mit dem Muskel kommunizieren.

Bei Herzkrankheiten, Blutarmut und bestimmten Stoffwechselerkrankungen sind meist Durchblutungsstörungen der Grund für die Schwäche. Dabei ist entweder die Durchblutung der Muskeln selbst beeinträchtigt, oder – wie bei Diabetes – die der Nerven, welche die Muskeln steuern.

Bei manchen Erkrankungen entsteht die Schwäche auch durch einen Mangel oder Überschuss an bestimmten Stoffen im Körper. Ein Beispiel sind die Elektrolyte wie Kalium und Magnesium, die für die Anspannung der Muskeln wichtig sind. Gerät der Elektrolythaushalt des Körpers aus dem Gleichgewicht, kann es einerseits zu Muskelkrämpfen, andererseits zu Muskelschwäche kommen – je nachdem, von welchen Elektrolyten zu viel oder zu wenig vorhanden ist.

Relativ häufig tritt Muskelschwäche auch als Nebenwirkung bestimmter Medikamente oder Drogen auf. Dazu zählen

  • Statine,
  • einige Antibiotika (z. B. Ciprofloxacin und Penicillin),
  • Steroide,
  • entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac sowie
  • Mittel, die in der Krebsbehandlung eingesetzt werden (Chemotherapeutika).

Auch ein Übermaß an Alkohol kann auf Dauer zu Muskelschwäche führen, vor allem in den Schultern und der Hüfte.

Ursachen für ein Schwächegefühl in den Muskeln

Manche Menschen verspüren ein Gefühl der Ermüdung in den Muskeln, obwohl diese nicht wirklich geschwächt sind. Ärztinnen und Ärzte nennen dieses Phänomen auch Asthenie. Es tritt vor allem bei Schlafstörungen und psychischen Erkrankungen wie Depressionen auf, aber auch bei chronischen Krankheiten an Herz, Lungen oder Nieren.

Muskelschwäche und Müdigkeit

Die Form von Muskelschwäche, die bei Müdigkeit auftritt, ist meist kein Grund zur Sorge. Dass die körperliche Kraft im Laufe des Tages nachlässt, ist normal. Dann hilft nur Schlafen: Die Muskeln brauchen die nächtliche Pause, um sich zu regenerieren.

Wer sich abends erschöpfter fühlt als üblich oder morgens schon mit einem Gefühl von Schwäche aufwacht, sollte aber lieber zur Ärztin oder zum Arzt gehen. In diesem Fall könnte die Muskelschwäche zum Beispiel auf eine Schlafstörung oder eine andere Erkrankung hindeuten.

Zahlreiche Erkrankungen gehen sowohl mit Müdigkeit als auch mit Muskelschwäche – oder einem Gefühl von Muskelschwäche – einher. Dazu zählen unter anderem:

Muskelschwäche im Bein/Oberschenkel

Für eine geschwächte Oberschenkel- beziehungsweise Beinmuskulatur kann es zahlreiche mögliche Gründe geben. Häufig ist es Muskelkater: Die Beine werden bei den meisten gängigen Sportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder auch Fußball stark beansprucht. Nach einer anstrengenden Trainingseinheit ist es normal, dass die Muskeln zunächst geschwächt sind. Spätestens nach ein paar Tagen sollten sie aber wieder normal funktionieren.

Wenn die Kraft in den Beinen ungewöhnlich schnell nachlässt, kann das auf einen Mangel an Bewegung hindeuten – etwa nach einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus. Verbringt man längere Zeit sitzend oder liegend, baut der Körper Muskeln, die nicht beansprucht werden, ab. Anschließend sind selbst leichte Tätigkeiten und kurze Spaziergänge äußerst anstrengend.

Die Schwäche in den Beinen kann jedoch auch ein Anzeichen für eine Erkrankung sein. Ein Beispiel ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), bei der die Arme und Beine nicht mehr richtig durchblutet werden. Den Muskeln und Nerven in den Beinen und Armen mangelt es dadurch an Sauerstoff und Nährstoffen. Deshalb funktionieren sie nicht mehr wie gewohnt. Die Betroffenen haben dann Schwierigkeiten beim Gehen. Die Beine sind aber nicht nur schwach, sondern sie schmerzen auch.

Eine seltene Erkrankung, die sich durch vor allem durch Schwäche in den Beinen (und Schultern) äußert, ist das Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndrom (LEMS). Es entsteht entweder durch eine bestimmte Form von Lungenkrebs oder durch eine Störung im Immunsystem. Bei den Betroffenen richten sich körpereigene Abwehrstoffe irrtümlich gegen die Nervenenden, die mit den Muskeln in Kontakt stehen.

Die Nervenenden können ihre Funktion dann nicht mehr wie gewohnt erfüllen. Sie geben Signale nur noch in abgeschwächter Form an den Muskel weiter. Dadurch kommt es zu der Muskelschwäche, vor allem in den Oberschenkeln. Häufig treten auch folgende Symptome auf:

Psychisch bedingte (psychosomatische) Muskelschwäche

Muskelschwäche kann auch psychisch bedingt sein. Es kann sich also um ein psychosomatisches Phänomen handeln. Beispielsweise gehen Depressionen häufig mit Antriebslosigkeit und einem Gefühl von Abgeschlagenheit einher. Viele Menschen mit Depressionen leiden zudem unter Schlafstörungen und sind auch deshalb dauerhaft müde und erschöpft. Ebenso können Angst und Stress – zum Beispiel im Job – Schwächegefühle und Niedergeschlagenheit auslösen.

Die Betroffenen selbst bringen diese Gefühle nicht unbedingt sofort mit ihrem Stress oder ihrem seelischen Leid in Verbindung. Möglicherweise ist ihnen zunächst gar nicht bewusst, dass es ihnen psychisch schlecht geht. Sie nehmen in erster Linie wahr, dass ihre körperliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist und deuten dies als Muskelschwäche.

Auch Ärztinnen und Ärzte können Schwächegefühle nicht immer sofort zweifelsfrei auf eine körperliche oder psychische Ursache zurückführen. Das liegt mitunter auch daran, dass viele der Betroffenen sowohl seelische als auch körperliche Probleme haben. Es gibt zahlreiche körperliche Krankheiten, die mit seelischen Beschwerden einhergehen – und auch viele psychische Erkrankungen, die körperlich krank machen.

Depressionen treten etwa häufig im Zusammenhang mit folgenden Erkrankungen auf:

Was davon Ursache und Wirkung ist, lässt sich oft nicht sicher feststellen. Man spricht von "Komorbiditäten", also von Erkrankungen, die zusammen auftreten. Die Beschwerden der Betroffenen lassen sich ebenfalls nicht immer klar einer der beiden Erkrankungen zuordnen. Gerade sogenannte unspezifische Symptome wie Schwäche, Erschöpfung oder Abgeschlagenheit können durch beide Erkrankungen verursacht worden sein.

Sonderfall chronisches Erschöpfungssyndrom

Für das chronische Erschöpfungssyndrom gibt es keine einheitliche wissenschaftliche Definition. Die dauerhafte Erschöpfung, unter der die Betroffenen leiden, lässt sich weder durch eine körperliche noch durch eine psychische Erkrankung erklären. Das Syndrom geht häufig mit einer Vielzahl von körperlichen und seelischen Beschwerden einher, deren Ursache nicht klar ist.

Muskelschwäche im Alter

Im Alter nimmt die Muskelmasse ab und die Muskeln werden schwächer. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bringt der normale Alterungsprozess verschiedene Veränderungen im Hormonhaushalt und Stoffwechsel mit sich, die den Abbau der Muskulatur fördern.

Zum anderen wandeln sich bei vielen Menschen im Alter die Lebensgewohnheiten: Sie verspüren häufig weniger Appetit und essen darum zu wenig, um ihre Muskulatur mit ausreichend Nährstoffen (vor allem Eiweiß) versorgen zu können. Zugleich bewegen sie sich langsamer, seltener und insgesamt zu wenig – oft auch, weil sie durch langwierige oder chronische Erkrankungen geschwächt sind. Ihre Muskeln werden folglich nicht mehr ausreichend trainiert, was den Abbau beschleunigt.

Für Muskelschwäche und andere altersbedingte Einschränkungen verwendet man auch den Ausdruck Gebrechlichkeit. Zudem ist unter Medizinerinnen und Medizinern mittlerweile der englische Begriff Frailty gängig.

Muskelschwäche: Behandlung

Welche Behandlung bei Muskelschwäche hilft, hängt von der Ursache ab. Die notwendigen Maßnahmen können sehr unterschiedlich sein – von einer Ernährungsumstellung über Medikamente bis hin zur Psychotherapie.

Lässt sich das Problem durch die Behandlung in den Griff bekommen, finden die Betroffenen häufig zu ihrer gewohnten Stärke zurück. Nach einem überstandenen Infekt wie etwa einer Grippe kann das recht schnell gehen.

Nach schweren Erkrankungen wie Krebs kann es hingegen Monate bis Jahre dauern, bis die Patientinnen und Patienten wieder bei Kräften sind. Chronische Erkrankungen können die körperliche Leistungsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen.

Das gilt vor allem für Muskel- und Nervenkrankheiten wie die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und multiple Sklerose (MS). Die Erkrankten haben meist ihr Leben lang mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen. Oft gelingt es ihnen aber, ihre Beweglichkeit und Selbstständigkeit zumindest zum Teil durch Physiotherapie und andere Maßnahmen aufrechtzuerhalten.

Welche Maßnahmen helfen bei Muskelschwäche?

Geschwächte Muskeln lassen sich grundsätzlich durch gezieltes Krafttraining stärken. Bewegung und Muskelaufbautraining sind für fast jeden empfehlenswert, der unter Muskelschwäche oder Schwächegefühlen leidet – unabhängig von der Ursache.

Vorab sollte die oder der Betroffene jedoch mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber sprechen, welche Sportart und welches Trainingspensum am besten für ihre beziehungsweise seine individuelle gesundheitliche Situation geeignet sind. Zu Beginn ist es häufig sicherer, nicht selbstständig zu trainieren, sondern sich professionelle Unterstützung zu suchen – etwa im Fitness-Studio oder im Sportverein. In bestimmten Fällen kann die Ärztin oder der Arzt auch eine Physiotherapie verschreiben.

Eine wichtige Voraussetzung für den Muskelaufbau ist auch die Ernährung. Muskeln brauchen Eiweiß, um zu wachsen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich etwa 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Wer 70 Kilogramm wiegt, müsste demnach etwa 56 Gramm Eiweiß pro Tag zu sich nehmen. (Das entspricht ungefähr dem Eiweißgehalt von 250 Gramm Fisch.) Je nach Dauer, Häufigkeit und Intensität des Trainings kann der Bedarf aber auch höher sein.