Ein Mann sitzt auf einer Mauer und ruht sich aus
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Schaufensterkrankheit: Symptome, Stadien und Therapie bei PAVK

Von: Jasmin Leukel (ehem. Krsteski) (Biologin und Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 26.03.2026

Die PAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit) ist eine krankhafte Durchblutungsstörung in den Beinen, seltener auch in den Armen. Sie äußert sich vor allem durch Schmerzen, die mitunter so stark werden, dass die Betroffenen nicht mehr gehen können. Wie bei einem Schaufensterbummel bleiben sie immer wieder stehen. Deshalb wird die PAVK umgangssprachlich auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Wie die Erkrankung verläuft, wie hoch die Lebenserwartung ist, welche Therapie hilft und was Betroffene selbst tun können, erfahren Sie hier.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zur PAVK

Die Lebenserwartung bei PAVK ist verkürzt, da die Erkrankung ein Hinweis auf eine fortgeschrittene Arteriosklerose ist. Betroffene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Wie stark die Lebenserwartung beeinträchtigt ist, hängt vom Stadium der Erkrankung und den vorhandenen Risikofaktoren ab.

Die Stadien der PAVK zeigen, wie stark die Durchblutungsstörung fortgeschritten ist. Sie reichen von Stadium I (beschwerdefrei) über Stadium II (Schmerzen beim Gehen) bis hin zu Stadium III (Schmerzen in Ruhe) und Stadium IV (Gewebeschäden).

Eine Schwerbehinderung bei PAVK lässt sich nicht an einem bestimmten Stadium festmachen. Sie wird individuell nach dem Grad der Einschränkung beurteilt. In fortgeschrittenen Stadien mit deutlichen Gehbeschwerden, Schmerzen in Ruhe oder Gewebeschäden ist ein Grad der Behinderung von 50 oder mehr jedoch möglich.

Definition der PAVK: Was ist die Schaufensterkrankheit?

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ist die Durchblutung in den Extremitäten durch verengte Arterien dauerhaft eingeschränkt. In 90 Prozent der Fälle sind die Beine betroffen, seltener auch die Arme. Typisches Symptom sind Schmerzen, die zunächst beim Gehen, später auch in Ruhe auftreten. 

Wie entsteht eine PAVK?

Auslöser einer PAVK sind Ablagerungen in den Wänden der Arterien von Beinen oder Armen. Dadurch kann das Blut nicht mehr ungehindert hindurchfließen und Muskeln und Nerven erhalten zu wenig Blut, Sauerstoff und Nährstoffe.

Anfangs ruft die PAVK keinerlei Beschwerden hervor. Erst in fortgeschritteneren Stadien äußert sie sich durch starke Schmerzen, die vor allem beim Gehen auftreten. Die Betroffenen müssen dann ständig Pausen einlegen, wie bei einem Schaufensterbummel. Darum wird die PAVK auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet.

Bei den über 70-Jährigen sind etwa 15 bis 20 Prozent von PAVK betroffen.

PAVK: Ursachen der Schaufensterkrankheit

Ursache der Durchblutungsstörung ist fast immer eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Risikofaktoren sind beispielsweise:

Nur in seltenen Fällen hat eine PAVK andere Ursachen als die Arteriosklerose. Hierzu zählen die sogenannte Thrombangiitis obliterans (Morbus Winiwarter-Buerger) sowie das Takayasu-Syndrom. Beide Erkrankungen sind mit entzündlichen Gefäßveränderungen verbunden.

So entsteht eine Arteriosklerose

Arterien sind Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen aus in den Körper transportieren.  Vor allem bei Menschen, die rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck haben, sind die Wände der Arterien mitunter stellenweise entzündet. An diesen Stellen setzen sich mit der Zeit immer mehr Blutbestandteile wie Fette fest. Die Arterien werden dadurch enger und verhärten. Kommt es zum Gefäßverschluss, führt das in den Herzgefäßen schlimmstenfalls zu Herzinfarkten, in den Hals- und Kopfgefäßen zu Schlaganfällen.

PAVK: Symptome in den verschiedenen Stadien

Zu Beginn ruft die PAVK noch keine Symptome hervor. Erst mit zunehmender Verengung der Gefäße ist die Durchblutung in den Gliedmaßen so stark eingeschränkt, dass die Betroffenen belastungsabhängige Schmerzen verspüren. Diese treten fast immer in der Wade, im Fuß, im Gesäß oder im Oberschenkel und nur selten in den Armen auf.

Fachleute teilen die PAVK in vier Stadien nach Fontaine ein:

StadiumSymptome
Stadium IDie Betroffenen haben keine Beschwerden.
Stadium IIaNach einer Gehstrecke von mehr als 200 Metern treten Schmerzen auf.
Stadium IIbNach einer Gehstrecke von weniger als 200 Metern treten Schmerzen auf.
Stadium IIINicht nur bei Bewegung, sondern auch in Ruhe treten Schmerzen auf.
Stadium IVGewebe, welches zu schwach durchblutet wird, stirbt ab. Die Wundheilung ist gestört. Typischerweise sind die Füße kalt und blass.

Bei größerer Anstrengung, etwa beim Treppenlaufen oder Bergaufgehen, verstärken sich die Beschwerden in der Regel. Mit fortschreitender Erkrankung treten die Schmerzen früher auf und bestehen schließlich auch in Ruhe. Gleichzeitig verschlechtert sich die Wundheilung, weil das Gewebe unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. In schweren Fällen kann Gewebe absterben. Zu solchen Nekrosen kommt es meist an Zehen oder Ferse. 

PAVK: Diagnose der Schaufensterkrankheit

Der erste Schritt zur Diagnose bei PAVK besteht in einer genauen Untersuchung. Erste Anzeichen sind vor allem:

  • blasse oder bläuliche Hautfarbe
  • kühle bis kalte Haut
  • Haarverlust an Beinen und/oder Armen
  • abgestorbene Gewebebereiche, vor allem an den Füßen und Zehen

Anschließend wird der Puls an den Armen, Beinen und Füßen überprüft. Ein fehlender Puls ist ein Hinweis auf eine Gefäßverengung. Darüber hinaus hört die*der Ärzt*in die betroffenen Gliedmaßen mit dem Stethoskop ab. So können Strömungsgeräusche festgestellt werden, die auf eine Verengung der Blutgefäße hindeuten.

Knöchel-Arm-Index (ABI)

Ein wichtiger Test ist die Dopplerdruckmessung. Dabei wird der Blutdruck am Knöchel mit dem am Arm verglichen. Bei gesunden Menschen ist der Druck in den Beinen etwas höher als in den Armen oder nahezu gleich. Der Knöchel-Arm-Index beträgt dann 1. Ist er kleiner als 1, lässt dies auf eine PAVK schließen.

Weitere Untersuchungen

Je nach Befund können weitere Verfahren eingesetzt werden:

  • Gehstreckentest: Bei diesem Test wird gemessen, ab welcher Strecke bei den Betroffenen auf dem Laufband Schmerzen auftreten. Dies lässt auf das Stadium der Erkrankung schließen. 

  • Ultraschall (Duplexsonographie): Mit einem speziellen Ultraschall lassen sich der Blutfluss in den Gefäßen darstellen und Engstellen im Gefäß sichtbar machen.

  • Angiographie: Die Angiographie ist eine Röntgenuntersuchung, bei der verengte Gefäße nicht nur sichtbar gemacht werden, sondern mithilfe eines speziellen Katheters auch geweitet werden können.

  • Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT): Diese bildgebenden Verfahren werden eingesetzt, um die Gefäße genauer darzustellen. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Behandlung geplant ist oder die Ultraschalluntersuchung keine eindeutigen Ergebnisse liefert. 

Zusätzlich wird geprüft, ob auch andere Gefäße betroffen sind, etwa am Herzen oder im Gehirn, da das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht ist.

PAVK: Therapie der Schaufensterkrankheit

Die Behandlung der PAVK richtet sich nach dem Krankheitsstadium. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, die Gehfähigkeit zu verbessern und schwere Komplikationen zu verhindern.

Basistherapie bei PAVK

Die wichtigste Maßnahme für Menschen mit PAVK ab Stadium I ist eine Änderung ihres Lebensstils, um der Arterienverkalkung entgegenzuwirken und das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt zu senken. Dazu gehören:

  • Rauchstopp
  • Gewichtsverlust bei Übergewicht
  • regelmäßige Bewegung
  • gesunde, ausgewogene Ernährung

Ein wichtiger Baustein ist außerdem die Behandlung von Grunderkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus.

Gehtraining

Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist ein strukturiertes Gehtraining. Dabei gehen Betroffene bewusst so lange, bis Schmerzen auftreten. Anschließend legen sie eine Pause ein, bis die Schmerzen nachlassen. Danach wird der Gang fortgesetzt. Empfohlen wird ein Training mehrmals pro Woche über mindestens 30 bis 45 Minuten.

Dieses Intervalltraining wird mehrmals wiederholt. Ziel ist es, die Gehstrecke schrittweise zu verlängern und die Durchblutung zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung

Ab Stadium II kommen auch Medikamente bei PAVK zum Einsatz:

  • Thrombozytenhemmer (z. B. Clopidogrel oder ASS) senken das Risiko für Gefäßverschlüsse.
  • Cholesterinsenkende Medikamente (Statine) stabilisieren die Gefäße. Bei Betroffenen sollte der LDL-Cholesterinwert auf unter 55 mg/dl gesenkt werden.

In bestimmten Fällen kann eine Kombinationstherapie notwendig sein.

Manchmal können Wirkstoffe wie Cilostazol oder Naftidrofuryl eingesetzt werden. Sie sollen die Gehstrecke verbessern und kommen vor allem dann infrage, wenn Beschwerden stark ausgeprägt sind und Gehtraining nicht ausreicht. 

PAVK: Wann ist eine Operation nötig?

Wenn Beschwerden fortbestehen oder die Durchblutung stark eingeschränkt ist, ist manchmal ein Eingriff nötig. Infrage kommen dann folgende Maßnahmen: 

  • Katheterverfahren: Dabei werden die Gefäße von innen geweitet, zum Beispiel durch eine Ballondilatation. Häufig kommen zusätzlich Stents oder medikamentenbeschichtete Ballons zum Einsatz, um das Gefäß offen zu halten. 

  • Operation: Bei ausgeprägten Engstellen kann ein Bypass gelegt werden, um den Blutfluss umzuleiten.

Diese Eingriffe verbessern die Durchblutung, beeinflussen aber nicht die zugrunde liegende Arteriosklerose.

Behandlung in fortgeschrittenen Stadien

In späten Stadien steht der Erhalt der betroffenen Gliedmaßen im Vordergrund. Eine rasche Wiederherstellung der Durchblutung ist dann besonders wichtig. 

Zudem spielt eine sorgfältige Wundversorgung eine wichtige Rolle, da die Wundheilung oft gestört ist. Kleine Verletzungen können sich leicht entzünden und sollten frühzeitig behandelt werden.

Schaufensterkrankheit: Verlauf, Komplikationen und Prognose bei PAVK

Der Verlauf einer PAVK schreitet in der Regel langsam voran. Durch eine konsequente Behandlung der Risikofaktoren, etwa Rauchstopp oder die Therapie von Diabetes und Bluthochdruck, lässt sich das Fortschreiten verlangsamen.

Komplikationen in fortgeschrittenen Stadien

Schreitet die Gefäßverengung jedoch voran, kann es zu schweren Durchblutungsstörungen kommen (kritische Extremitätenischämie). Dann sind folgende Komplikationen möglich:

Als letzter Ausweg ist selten eine Amputation nötig. Zudem ist das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöht, da häufig auch andere Gefäße im Körper betroffen sind.

Wichtig: In seltenen Fällen kann es zu einem akuten Gefäßverschluss kommen. Dieser äußert sich durch plötzlich starke Schmerzen, Blässe und Kälte der betroffenen Extremität und ist ein medizinischer Notfall.

Prognose und Lebenserwartung

Der Verlauf ist individuell verschieden und hängt vom Stadium der Erkrankung und den vorliegenden Risikofaktoren ab.

Auch ohne Beschwerden besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Sterblichkeit steigt mit dem Schweregrad der Erkrankung:

  • etwa 23 % bei asymptomatischer PAVK
  • etwa 30 % bei Beschwerden beim Gehen
  • bis zu 40 % bei kritischer Durchblutungsstörung

Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Prognose zu verbessern.