Junge hält Ohren zu
© iStock

Ohrenschmerzen

Als Ohrenschmerzen bezeichnet man alle Schmerzen, die im äußeren Ohr, im Mittelohr oder Innenohr auftreten – einseitig oder beidseitig. Auch eine schmerzende Ohrmuschel gilt als Ohrenschmerz. Besonders häufig sind Kinder betroffen. Lesen Sie, welche Krankheit dahinter stecken kann und welche Hausmittel am besten wirken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein: Sie können ganz plötzlich auftreten und wieder verschwinden oder länger anhalten, als drückender Schmerz oder Stechen im Ohr zu fühlen sein, einseitig oder beidseitig auftreten oder sich nur beim Kauen bemerkbar machen. Die Ohren sind vor allem in ihren äußeren und mittleren Anteilen besonders schmerzempfindlich. Die feine Haut, die Knochen und Knorpel umgibt, ist von zahlreichen Nervendurchzogen.

Da sich im Ohr das Hörorgan und das Gleichgewichtsorgan befinden, treten bei Ohrenschmerzen als Begleitsymptome außerdem oft eine Hörminderung und Schwindel auf. Daneben haben die Betroffenen zum Beispiel häufig ein Fremdkörpergefühl im Ohr oder Ohrgeräusche. In manchen Fällen kann sich Blut oder Flüssigkeit im Ohr befinden und austreten. Auch ein Jucken im Ohr ist möglich.

Ohrenschmerzen sind meist starke Schmerzen, die auch nachts nicht nachlassen. Da Schmerzmittel oft nicht gegen starke Ohrenschmerzen helfen und je nach Ursache bleibende Schäden entstehen können, ist es ratsam, zügig einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufzusuchen und sich nicht allein auf Hausmittel gegen Ohrenschmerzen zu verlassen.

Ohrenschmerzen bei Kindern

Besonders häufig sind Kinder von Ohrenschmerzen betroffen – Jungen häufiger als Mädchen. In sehr vielen Fällen ist dann eine Mittelohrentzündung Auslöser der Schmerzen. Grund ist, dass die Verbindungsröhre zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr bei Kindern kürzer ist als bei Erwachsenen. Bakterien gelangen auf diesem kürzeren Weg bei einer Erkältung oder Grippe leichter in das Mittelohr und rufen dort eine Entzündung hervor.

Ohrenschmerzen: Behandlung & Hausmittel

Bei Ohrenschmerzen hängt die Therapie immer von der Ursache der Schmerzen ab.

Ist eine entzündete Ohrmuschel für die Ohrenschmerzen verantwortlich, können Sie als örtliche Therapie eine entzündungshemmende Salbe auf die entzündeten Stellen auftragen. In schweren Fällen ist es notwendig, die Entzündung mit Antibiotika zu behandeln.

Wenn eine Mittelohrentzündung Ihre Ohrenschmerzen verursacht, bieten sich zur Therapie Ohrentropfen mit einer Kombination aus beispielsweise Phenazon und Procain an: Diese Mittel helfen gegen Ohrenschmerzen, da sie schmerz- und entzündungshemmend sind und gleichzeitig örtlich betäuben. Um den Erreger der Mittelohrentzündung abzutöten, bekommen Sie außerdem Antibiotika. Hat sich aufgrund der Entzündung Eiter im Ohr gebildet, kann es unter Umständen außerdem nötig sein, das Trommelfell zu öffnen, damit der Eiter abfließen kann.

Treten Mittelohrentzündungen mit Ohrenschmerzen bei Ihrem Kind häufiger auf, kann das – vor allem im Vorschulalter – auch an vergrößerten Rachenmandeln liegen. In diesem Fall kann es nach erfolgreicher Behandlung der Infektion selbst ratsam sein, die Rachenmandel entfernen zu lassen: Diese Operation (sog. Adenotomie) ist oft ambulant möglich.

Wenn eine Gehörgangsentzündung für Ihre Ohrenschmerzen verantwortlich ist, helfen eine örtlich Therapie mit entzündungshemmenden Ohrentropfen und eine zusätzliche Antibiotika-Behandlung.

Verursacht eine andere Krankheit wie Gürtelrose oder Mumps Ihre Ohrenschmerzen als Begleitsymptom, ist eine gezielte Therapie dieser Grunderkrankung nötig.

Welche Hausmittel helfen gegen Ohrenschmerzen?

  • Ein bekanntes Hausmittel gegen Ohrenschmerzen sind Zwiebeln: Zwiebel erwärmen, klein schneiden, in ein Tuch wickeln und aufs schmerzende Ohr legen. Dabei sollte möglichst nur eine Stoffschicht zwischen Zwiebel und Ohr liegen, das Päckchen sollte möglichst klein sein.
  • Zusätzlich kann auch Wärme bei einer Mittelohrentzündung wohltuend gegen die Ohrenschmerzen sein.
  • Rotlicht oder ein erwärmtes Traubenkernkissen sind ebenfalls zur Wärmebehandlung geeignet.

Steckt hinter den Ohrenschmerzen eine Mittelohrentzündung, können diese Hausmittel eine Therapie mit Medikamenten aber nicht ersetzen. Suchen Sie stattdessen möglichst bald einen Arzt auf, um abzuklären, was am besten gegen die Ohrenschmerzen hilft. Je nach Ursache können im Ohr bleibende Schäden entstehen, wenn die Behandlung zu spät beginnt oder nicht angemessen ist.

  • Wenn Ihre Ohr durch einen Fremdkörper oder Ohrenschmalzpfropf wehtut, kann der Arzt diese mithilfe von speziellen Instrumenten aus dem Ohr entfernen.
  • Haben Sie aufgrund einer Verletzung des Trommelfells Ohrenschmerzen, kann eine äußere Schienung des Trommelfells (z.B. mit einer Silikonfolie) die Heilung unterstützen.
  • Schließt sich das Trommelfell nicht, können Sie sich operativ ein künstliches Trommelfell einsetzen lassen.

Eventuell ist auch gar keine Behandlung nötig: Die meisten Verletzungen des Trommelfells heilen innerhalb von zwei Wochen von alleine ab.

Ohrenschmerzen: Ursachen

Ohrenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Sehr häufig treten Schmerzen im Ohr auf, weil der äußere Gehörgang oder das Mittelohr entzündet ist.

  • Ohrenschmerzen bei Kindern entstehen vor allem im Alter von drei bis acht Jahren verbreitet durch eine Mittelohrentzündung (Otitis media): Diese ist meist die Folge einer Erkältung, bei der sich Bakterien von der Nasen- oder Rachenschleimhaut bis in das Mittelohr ausreiten.
  • Hinter Ohrenschmerzen bei Erwachsenen steckt am häufigsten eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa): Dies ist eine Infektion der Gehörgangshaut durch Bakterien oder Pilze. Oft entsteht sie aufgrund einer übertriebenen Ohrhygiene oder Verletzungen durch Wattestäbchen oder auch (v.a. im Sommer) durch eindringendes Badewasser.

Welches Ausmaß Ohrenschmerzen annehmen und welche Symptome zusätzlich auftreten, hängt in hohem Maß von der Ursache für die Schmerzen ab. Ohrenschmerzen können zum Beispiel entstehen, wenn ...

  • ... das Mittelohr oder der äußere Gehörgang entzündet ist (häufigste Ursachen)
  • ... die Ohrtrompete entzündet oder verschlossen ist
  • ... die Ohrmuschel eine Infektion oder eine Erfrierung aufweist
  • ... das Trommelfell verletzt ist
  • ... der Gehörgang durch Fremdkörper oder Ohrenschmalz verschlossen ist
  • ... die Ohrspeicheldrüse entzündet ist (z.B. bei Mumps)
  • ... ein Zahn oder das Kiefergelenk erkrankt ist
  • ... die Gaumenmandeln entzündet sind (Tonsillitis)
  • ... Luftdruckveränderungen auftreten (z.B. beim Fliegen, Tauchen oder Autofahrten mit großem Höhenunterschied, durch einen Schlag aufs Ohr oder durch eine Explosion)

Schmerzen im äußeren Ohr entstehen zum Beispiel, wenn der Gehörgang zuschwillt und die Schwellung auf den Gehörgangsknochen drückt. Bildet sich im Mittelohr aufgrund einer Entzündung Eiter im Ohr, der nicht abfließen kann, führt dies meist ebenfalls zu Ohrenschmerzen, da so ein großer Druck im Ohr entsteht.

Daneben kommen für Ohrenschmerzen folgende Ursachen infrage:

Außerdem fühlen manche Menschen zum Beispiel beim Fliegen, Tauchen oder Autofahrten mit großem Höhenunterschied einen unangenehmen Druck oder Schmerzen im Ohr: In dem Fall ist ein veränderter Luftdruck verantwortlich für die Ohrenschmerzen. Weitere mögliche Ursachen für große Luftdruckveränderungen und somit für Ohrenschmerzen sind ein Schlag auf das Ohr oder eine Explosion.

Ohrenschmerzen: Diagnose

Bei Ohrenschmerzen ist immer eine ärztliche Diagnose ratsam, am besten durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Er kann den Ursachen der Schmerzen im Ohr gezielt nachgehen. Eine zu späte oder falsche Behandlung von Ohrenschmerzen oder deren Grunderkrankung kann zu bleibenden Schäden im Ohr führen.

Bei Ohrenschmerzen besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer ausführlichen Befragung (sog. Anamnese): Dabei erkundigt sich der HNO-Arzt nach Art, Ort, Dauer und Intensität der Ohrenschmerzen. Darauf wird er die Ohren gründlich untersuchen. Dabei sieht sich der Arzt zunächst die Ohrmuschel an und anschließend den äußeren Gehörgang und das Trommelfell mithilfe einer Ohrspiegelung (sog. Otoskopie).

Um zu testen, dass die Ohrtrompete (lat. Tuba) durchlässig ist, können bei Ohrenschmerzen verschiedene Tubenfunktionsprüfungen zum Einsatz kommen. Um eine mögliche Hörminderung festzustellen, stehen unterschiedliche Hörtests zur Verfügung.

Je nachdem, welche Ursache hinter den Ohrenschmerzen vermutet wird, sind zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen sinnvoll, wie zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung des Kiefers, eine zahnärztliche Kontrolle, eine Blutuntersuchung oder eine Spiegelung des Nasenrachens. Um mögliche Erreger einer Infektion zu identifizieren, kann der Arzt außerdem einen Abstrich aus dem Ohr entnehmen.