Blumenkohlohr
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Blumenkohlohr: Verformung des Knorpels am Ohr

Gefährdet sind nicht nur Boxer: Wirkt stumpfe Gewalt auf das Ohr ein, kann sich ein Bluterguss bilden – und unbehandelt ein sogenanntes Blumenkohlohr nach sich ziehen. Um diese dauerhafte Verformung zu vermeiden, ist eine zügige Behandlung essenziell. Welche Therapiemöglichkeiten kommen infrage?

Was ist ein Blumenkohlohr?

Wer den Namen hört, hat meist genau die richtige Vorstellung von seinem Aussehen: Die Rede ist vom sogenannten Blumenkohlohr (auch: Brokkoliohr). Konkret handelt es sich dabei um eine Verformung des Knorpels in der Ohrmuschel. Optisch erinnert sie auffallend stark an die Röschen von Blumenkohl oder Brokkoli – und verdankt dieser Ähnlichkeit auch ihre Namen. Die Vorstufe, der Bluterguss (Hämatom) am Ohr, heißt Othämatom oder Otohämatom.

Ein Blumenkohlohr ist nicht angeboren. Es entsteht aufgrund einer oder mehrerer Verletzungen am Ohr, insbesondere wenn stumpfe Gewalt auf den Ohrknorpel einwirkt. Hat sich die Verformung einmal entwickelt, bleibt sie allerdings dauerhaft bestehen. Wichtig für Betroffene: So weit muss es nicht zwangsläufig kommen. Um ein Blumenkohlohr zu vermeiden, spielt die rechtzeitige Behandlung des Blutergusses eine entscheidende Rolle.

Symptome: Daran lässt sich ein Blumenkohlohr erkennen

Bevor bei einem Blumenkohlohr die namensgebende Verformung des Ohrknorpels entsteht, treten einige Warnzeichen auf. Wer einen stumpfen Schlag auf die Ohrmuschel bekommen hat, sollte auf diese Symptome achten:

  • Schwellung, kann auch eine rötliche bis blaue Färbung annehmen und zwischendurch immer wieder abklingen
  • pelziges Gefühl am Ohr
  • sogenannte Ekchymose (kleine Blutflecken, die unter der Haut sichtbar sind)
  • Schmerzen

Treten solche Beschwerden auf, vereinbaren Betroffene am besten umgehend einen Arzttermin. Unbehandelt ist die Gefahr groß, dass sich eine Entzündung und/oder ein Blumenkohlohr entwickelt. Schlimmstenfalls unterbricht der Bluterguss sogar die Versorgung der Ohrmuschel: Erhält das Bindegewebe im Ohr über einen längeren Zeitraum zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, kann es absterben.

Besteht ein Blumenkohlohr, verursacht es langfristig meist nur wenige Symptome. Unter Umständen kann allerdings die Hörfähigkeit auf der betroffenen Kopfseite beeinträchtigt sein. Aufgrund seines markanten Aussehens fühlen sich viele Betroffene zudem in der Öffentlichkeit unwohl.

Gelegentlich tauchen in den Medien – speziell im Zusammenhang mit Kampfsport-Events – Berichte von explodierenden Blumenkohlohren auf. Tatsächlich explodiert hier das Ohr nicht; es kommt dort allerdings zu einer stark blutenden Platzwunde. Eine solche Verletzung entsteht zum Beispiel durch einen Schlag auf das Ohr oder auf einen bereits bestehenden Bluterguss an der Ohrmuschel.

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht ein Blumenkohlohr?

Voraussetzung dafür, dass sich ein Blumenkohlohr bildet, ist ein Bluterguss am Ohr. Ein solches Hämatom entsteht durch verschiedene Formen der Gewalteinwirkung – zum Beispiel durch einen Schlag oder Sturz, aber auch durch ein Umknicken der Ohrmuschel. In der Folge platzen Gefäße und Blut strömt zwischen den Ohrknorpel und die Knorpelhaut.

Wird dieser Bluterguss gar nicht oder nur unzureichend behandelt, kann er die Versorgung des dahinterliegenden Ohrknorpels unterbrechen. Stirbt das Gewebe ab, nimmt es eine andere Form an. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass das Hämatom in der Ohrmuschel eine Wucherung und anschließende Verhärtung von Bindegewebe anstößt. Auch daraus resultiert die für das Blumenkohlohr typische Verformung der Ohrmuschel.

Je häufiger Schläge auf das Ohr treffen, desto größer ist die Gefahr, dass irgendwann ein Blumenkohlohr entsteht. Dementsprechend ist das Betreiben von Kampfsportarten wie Boxen, Ringen, Judo oder Wrestling sowie von Sportarten mit starkem Körperkontakt (zum Beispiel Rugby, Handball oder Basketball) ein wichtiger Risikofaktor. Sportler*innen bezeichnen das Blumenkohlohr daher auch als Ringerohr oder Boxerohr. Seltener geht die Verformung am Ohr auf häusliche Gewalt, falsch platzierte Piercings oder Motorradunfälle zurück.

Diagnose und Behandlung: Was macht der Arzt bei einem Blumenkohlohr?

Ärzt*innen genügt in den meisten Fällen eine Blickdiagnose – sowohl für das Blumenkohlohr als auch für seine Vorstufe, das Hämatom am Ohr. Dennoch können je nach konkreter Ursache weitere körperliche Untersuchungen sinnvoll sein, um anderweitige Schäden am Ohr auszuschließen. Für eine genauere Einschätzung der inneren Strukturen werden unter Umständen eine Ultraschalluntersuchung, eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) angeordnet.

Behandlung eines Hämatoms

Hat sich ein Bluterguss am Ohr gebildet, sollte unbedingt eine ärztliche Behandlung erfolgen. Um die Entstehung eines Blumenkohlohrs zu vermeiden, empfiehlt es sich:

  • das betroffene Ohr zu kühlen
  • das aufgestaute Blut abfließen zu lassen, zum Beispiel durch eine Punktierung (das Setzen einer Nadel) oder eine Inzision (das Setzen eines feinen Schnitts)
  • einen Druckverband anzulegen

Bei einer starken Verletzung oder wenn das Ohr bereits vor mehreren Tagen zu Schaden gekommen ist, kann womöglich ein größerer Eingriff nötig sein, um das Knorpelgewebe im Ohr zu retten. In jedem Fall sollte das Blut zwischen Ohrknorpel und Knorpelhaut entfernt werden: Typisch für ein solches Hämatom ist andernfalls nicht nur die Entstehung eines Blumenkohlohrs, sondern auch die Ausbildung einer Entzündung der Knorpelhaut (Perichondritis). Gegebenenfalls wird ein Antibiotikum zur Vorbeugung ärztlich verordnet.

Kann man einem Blumenkohlohr vorbeugen?

Generell lässt sich einem Blumenkohlohr gut vorbeugen. Wichtig ist, die bekannten Ursachen für die Verformung zu vermeiden – insbesondere also jegliche Gewalteinwirkung auf die Ohren.

Schwierig gestaltet sich die Situation bei Kampfsportler*innen. Sie können sich Risikofaktoren häufig nicht entziehen, da sie ihren Sport nicht aufgeben möchten. Dennoch bestehen auch für sie Möglichkeiten, die Gefahr zu reduzieren: Priorität sollte es haben, die passende Schutzkleidung zu tragen. Ein Ohrschutz oder Helm federt Schläge häufig ausreichend ab. Kommt es trotz solcher Schutzmaßnahmen zu einem Bluterguss am Ohr, sollten Betroffene umgehend eine Arztpraxis aufsuchen. Die passende Behandlung, beispielsweise mit einem Druckverband, wendet in der Regel die Entstehung eines Ringerohrs ab.