Ein kleine Mädchen liegt auf dem Sofa und hat Kopfschmerzen.
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Gehirnerschütterung (Commotio cerebri)

Die Gehirnerschütterung zählt zu den häufigsten Kopfverletzungen. Typische Symptome sind Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen und Übelkeit, Lesen Sie mehr zum Thema: Was ist eine Gehirnerschütterung? Wie wird sie behandelt?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Gehirnerschütterung: Überblick

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) entsteht häufig beim Sport, zum Beispiel beim Boxen, beim Inline-Skating oder beim Fußball. Aber auch im Haushalt oder im Straßenverkehr ist sie keine Seltenheit.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung ist die leichteste Form des Schädel-Hirn-Traumas. Dabei wird das Hirngewebe durch eine ruckartige Einwirkung auf den Schädel verletzt. Die Gehirnerschütterung verursacht keine bleibenden Schäden am Hirngewebe, das heißt, die Verletzung ist reversibel.

Mediziner sprechen bei einer Gehirnerschütterung von einer Commotio cerebri (lat. commo̲tio = Erschütterung; cẹrebrum = Gehirn).

Wie entsteht eine Gehirnerschütterung?

Normalerweise schützt der Schädelknochen das Gehirn vor äußeren Einflüssen. Das Gehirn "schwimmt" im Schädel in einer Hirnflüssigkeit, dem Liquor. Durch äußere, ruckartige Einwirkung wird der Kopf stark beschleunigt. Stoppt die Bewegung plötzlich, schlägt das Gehirn gegen den Schädelknochen – eine Gehirnerschütterung kann die Folge sein.

Im Zweifel zum Arzt

Bei möglichen Symptomen einer Gehirnerschütterung sollten Sie sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (112) alarmieren. Er kann feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Gehirnerschütterung handelt und schwerere Verletzungen ausschließen.

Gehirnerschütterung: Symptome

Typische Symptome einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) sind:

Unmittelbar nach der Gehirnerschütterung ist der Betroffene meist für kurze Zeit bewusstlos. Wenn die Person nur kurzzeitig bewusstlos war, wird dies von Außenstehenden mitunter gar nicht bemerkt. In der Regel hält die Bewusstlosigkeit wenige Sekunden bis zu 15 Minuten an. In seltenen Fällen bleibt sie länger bestehen. Die betroffene Person fühlt sich noch eine ganze Weile nach dem Ereignis leicht benommen.

Charakteristisch für eine Gehirnerschütterung sind Gedächtnislücken: Die Person kann sich nicht mehr genau an den Unfallhergang erinnern. Die Erinnerungslücken können auch die Zeit unmittelbar vor (sog. rückwirkende bzw. retrograde Amnesie) oder direkt nach dem Unfall (sog. vorwärtswirkende bzw. anterograde Amnesie) umfassen.

Gehirnerschütterung: Ursachen

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) entsteht durch stumpfe Krafteinwirkung auf den Kopf.

Mögliche Ursachen sind etwa

  • ein Sturz,
  • ein Schlag oder
  • heftiges Anstoßen oder Anprallen des Kopfes gegen einen harten Widerstand.

Gehirnerschütterung: Diagnose

Bei Verdacht auf eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) sollte man in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Um die Diagnose zu stellen, wird der Arzt genau wissen wollen,

  • was genau passiert ist (z.B. ein Sturz, ein Schlag …) und
  • welche Symptome der Patient hat.

Gegebenenfalls können Zeugen wichtige Hinweise zum Unfallhergang geben. Anhand der Schilderungen kann sich der Arzt ein erstes Bild darüber machen, wie schwer die Verletzung ist. Anschließend prüft er Bewusstsein und Motorik sowie den Allgemeinzustand der Person. Bei der Untersuchung ist es besonders wichtig, ernstere Verletzungen auszuschließen. Zudem untersucht der Mediziner den Kopfbereich und prüft, ob Knochenverletzungen sicht- oder tastbar sind.

Eine Skala als Hilfsmittel: Gehirnerschütterung oder eine schwerere Verletzung?

Wie schwer eine Hirnverletzung bei Erwachsenen ist, kann der Arzt mithilfe der sogenannten Glasgow-Koma-Skala (engl.: Glasgow Coma Scale, GCS) prüfen. Hierzu führt der Arzt verschiedene Reaktionstests durch und vergibt für jede Reaktion Punkte. Bei den Tests prüft er grob drei Aspekte:

  • Öffnet der Patient die Augen?
  • Bewegt er sich (Motorik)?
  • Spricht er?

Je schlechter die Reaktion des Patienten ausfällt, desto weniger Punkte werden vergeben. Zeigt der Patient auf einen Test keine Reaktion, erhält er für diese Kategorie nur 1 Punkt. Insgesamt können 3 bis 15 Punkte erreicht werden, wobei 3 Punkte für ein schweres, 15 Punkte für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma stehen.

Bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma wie der Gehirnerschütterung erreicht der Patient auf der Skala 13 bis 15 Punkte.

Weitere Untersuchungen

Insbesondere wenn die Person sehr lange bewusstlos war oder länger anhaltende Erinnerungslücken (Amnesie) aufweist, muss der Arzt prüfen, ob ernstere Verletzungen wie zum Beispiel eine Gehirnprellung (Contusio cerebri) oder gar eine Gehirnblutung vorliegen.

Mithilfe einer Computertomographie (CT) lässt sich feststellen, ob weitere Schäden vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel schwerere Verletzungen des Hirns oder der Halswirbelsäule. Hat die Computertomographie trotz starker Beschwerden kein eindeutiges Ergebnis erbracht, kann zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein.

Gegebenenfalls wird der Arzt zudem mithilfe einer Elektroenzephalographie (EEG) prüfen, ob die Hirnaktivität verändert ist.

Gehirnerschütterung: Behandlung

Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) sollte man die Person zunächst am Ort des Geschehens versorgen.

Nur durch eine ärztliche Untersuchung können schwerere Verletzungen ausgeschlossen werden. Bei Anzeichen für eine Gehirnerschütterung sollten Sie daher sofort den Arzt aufsuchen beziehungsweise einen Notarzt (112) alarmieren.

Auch wenn sich der Betroffene vermeintlich wieder wohl fühlt: Bei Anzeichen für eine Gehirnerschütterung sollte er seine bisherige Tätigkeit abbrechen, also zum Beispiel einen sportlichen Wettkampf sofort beenden.

Erstversorgung bei Verdacht auf Gehirnerschütterung

Wenn Sie vermuten, dass eine andere Person eine Gehirnerschütterung hat:

  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Reden Sie beruhigend mit der Person und lassen Sie sie auf keinen Fall allein!
  • Behandeln Sie vorhandene Wunden und fragen Sie nach dem Unfallhergang, falls der Betroffene ansprechbar ist.
  • Rufen Sie einen Notarzt (112).
  • Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist:
    • Lagern Sie den Verletzten mit leicht erhöhtem Oberkörper und decken Sie ihn möglichst zu.
    • Achten Sie auf Puls, Herzschlag und Atmung des Betroffenen.
    • Ist der Person übel, sollten Sie sie seitlich lagern.
    • Auch wenn es der Person scheinbar besser geht: Geben Sie ihr weder Essen noch Getränke oder Medikamente!
  • Wenn der Betroffene bewusstlos ist:
    • Prüfen Sie Puls, Herzschlag und Atmung der Person (Vitalzeichen).
    • Bringen Sie den Verletzten in die stabile Seitenlage.
    • Bedecken Sie Stirn und Nacken mit kalten Tüchern.

Weitere Behandlung

Nach einer Gehirnerschütterung ist es vor allem wichtig, sich zu schonen. Wenn der Arzt es für nötig hält, sollte man für ein paar Tage Bettruhe halten. Auf Sport sollte man vorübergehend ebenso verzichten wie auf den Fernseher.

Bei Kopfschmerzen kann der Betroffene Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Paracetamol einnehmen. Bei Übelkeit verschreibt der Arzt unter Umständen Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, sogenannte Antiemetika.

Gehirnerschütterung: Verlauf

Eine Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) klingt in der Regel innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen ohne Folgeschäden ab. Wichtig ist, dass Sie sich ausreichend Zeit für die Genesung nehmen und nicht verfrüht beginnen, wieder Sport zu treiben oder zu aktiv zu sein. Treiben Sie daher dann wieder Sport, wenn Sie keine Beschwerden mehr haben und der Arzt Ihnen grünes Licht gibt.

Postkommotionelles Syndrom: Länger anhaltende Beschwerden

Bei manchen Personen führt die Gehirnerschütterung zu Beschwerden, die über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten. Ärzte sprechen von einem postkommotionellen Syndrom.

Typische Beschwerden eines postkommotionellen Syndroms sind

Die Symptome können sich unmittelbar nach der Gehirnerschütterung bemerkbar machen. Sie können aber auch erst später auftreten, nachdem der Patient bereits beschwerdefrei war. Nach einigen Monaten klingen die Symptome allmählich ab.

Gehirnerschütterung: Vorbeugen

Das Risiko für eine Gehirnerschütterung lässt sich mit einfachen Mitteln deutlich senken:

  • Nicht überschätzen: Gerade riskantere Sportarten sollte man nie in einer schlechten körperlichen Verfassung ausüben.
  • Den Kopf schützen: Ein Helm kann einen Sturz oder Schlag ein Stück weit abpuffern. Empfehlenswert ist ein Helm insbesondere bei Sportarten wie Radfahren, Mountain-Biking, Motorradfahren, Inline-Skating, Skifahren, Rodeln oder Eishockey.

Gehirnerschütterung trotz Helm

Insbesondere Kinder können auch trotz eines Helms eine Gehirnerschütterung bekommen. Eltern sollten daher immer auf mögliche Anzeichen einer Gehirnerschütterung achten, wenn das Kind gestürzt ist.