Das Bild zeigt ein Schaf.
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Scrapie (Traberkrankheit)

Scrapie (Traberkrankheit) ist eine tödlich verlaufende Hirnerkrankung bei Schafen und gelegentlich bei Ziegen. Scrapie ist bereits seit mehr als 250 Jahren bekannt und tritt bis heute auf. Die Traberkrankheit gehört zu den sogenannten Prionenkrankheiten, bei denen fehlgeformte Prionen (spezielle Eiweiße) schwere Schäden im Gehirn verursachen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Scrapie – krank durch Prionen

Wie BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie, Rinderwahn) und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen gehört Scrapie zu den sogenannten transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (TSE), also den "übertragbaren schwammartigen Hirnerkrankungen".

Der Begriff Scrapie kommt aus dem Englischen (to scrape = schaben, scheuern) und geht auf das Verhalten der erkrankten Tiere zurück: Die erkrankten Schafe leiden an starkem Juckreiz und scheuern sich deswegen häufig die Wolle ab. Daneben treten weitere Verhaltens- und auf, die auf eine Erkrankung des Kleinhirns hindeuten.

Vom auffälligen Gangbild der Tiere leiten sich die deutsche Bezeichnung "Traberkrankheit" und der französische Name "la tremblante" ab, was so viel wie "zittrig" bedeutet. Gelegentlich trinken die Tiere auch ungewöhnlich viel Wasser (sog. Polydypsie).

Die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Beschwerden – ist bei Scrapie sehr lang: Sie kann mehrere Jahre betragen. Nach dieser Inkubationszeit beginnt die symptomatische Phase der Traberkrankheit, die mit einer Dauer von zwei Wochen bis sechs Monaten sehr kurz ist. Es gibt bislang keine wirksame Therapie gegen Scrapie.

Wissenschaftler sind sich zudem inzwischen einig, dass es sich bei der Traberkrankheit um eine übertragbare Erkrankung handelt, bei der die genetische Veranlagung eines Tieres eine wichtige Rolle spielt. Der Tierarzt kann Scrapie erst nach dem Tod des Tieres sicher feststellen, indem er eine Probe des Gehirngewebes untersucht (Biopsie). Zwar gibt es die Möglichkeit, Prionen auch im lymphatischen Gewebe (z.B. den Rachenmandeln) am lebenden Tier nachzuweisen – diese Methode ist aber international noch nicht anerkannt und wird deshalb selten durchgeführt.

Was ist das?

Scrapie (Traberkrankheit) ist eine übertragbare Erkrankung bei Schafen und Ziegen, die zu den sogenannten transmissiblen spongiformen Enzephalopathien (etwa: "übertragbare schwammartige Gehirnveränderung") zählt. Sie wird durch fehlgefaltete Prionen ausgelöst. Das sind spezielle Eiweiße, die natürlicherweise im Körper vorkommen und in ihrer normalen Faltung keinen Schaden anrichten.

Die Verfütterung von nicht ausreichend sterilisiertem Tiermehl aus Schafen, die an Scrapie erkrankt waren, hat zur Übertragung des Erregers auf das Rind und zur Verbreitung von BSE (boviner spongiformer Enzephalopathie, Rinderwahn) geführt.

Die Traberkrankheit ist eine meldepflichtige Tierseuche. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland elf Fälle erkrankter Tiere amtlich bestätigt.

Weitere Prionenerkrankungen bei Tieren

Außer bei Schafen und Rindern treten auch bei anderen Tieren durch Prionen verursachte Erkrankungen des Gehirns auf, die ähnliche Krankheitssymptome verursachen. Im Gehirn kommt es dabei zu den typischen schwammartigen Veränderungen.

Krankheit Tierart
Transmissible mink encephalopathy (TME) Nerz
Chronic wasting disease (CWD) Elche, Hirsche
Feline Spongiforme Enzephalopathie (FSE) Hauskatzen
Übertragbare spongiforme Enzephalopathien ohne spezielle Eigennamen bei weiteren Tierarten Arabische Oryx, Gemse, Kudu, Antilope

Was sind die Ursachen?

Bei Scrapie (Traberkrankheit) sind fehlgefaltete Prionen (PrPSc) die Ursachen der Beschwerden. Prionen sind spezielle Eiweiße, die in ihrer normalen Faltung keinen Schaden anrichten und natürlicherweise im Körper vorkommen. Wie sich die fehlgefalteten Prionen verbreiten, ist noch nicht abschließend geklärt.

Erreger

Der Auslöser der Scrapie ist kein Erreger im klassischen Sinne, also kein Mikroorganismus. Verantwortlich für die Entstehung der Krankheit sind fehlentwickelte Formen eines natürlich vorkommenden, körpereigenen Prion-Eiweißes. Fehlgeformte Prionen können sich vermehren und das Gehirn schädigen. Im Gegensatz zu Viren und Bakterien sind Prionen extrem hitzeresistent und widerstehen den üblichen Hygienemaßnahmen, zum Beispiel einer Desinfektion.

Übertragungsweg

Scrapie kann vom infizierten Muttertier während der Geburt (möglicherweise auch schon im Mutterleib) an das Jungtier weitergegeben werden. Andere Tiere können sich anstecken, wenn sie das infektiöse Fruchtwasser auflecken oder die Nachgeburt fressen. Bestimmte genetische Eigenschaften erhöhen zudem das Risiko, das ein Schaf oder eine Ziege Scrapie entwickelt.

Die Verfütterung von nicht ausreichend sterilisiertem Tiermehl aus Schafen, die an Scrapie erkrankt waren, hat zur Übertragung des Erregers auf das Rind und zur Verbreitung von BSE (Rinderwahn) geführt.

Auf den Menschen scheint Scrapie nicht übertragbar zu sein.

Inkubationszeit

Bis zum Auftreten der ersten körperlichen Symptome (Inkubationszeit) können zwei bis fünf Jahre vergehen. Im Durchschnitt erkranken die Tiere mit 3,5 Jahren. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die betroffenen Tiere äußerlich gesund.

Symptome

Scrapie (Traberkrankheit) ruft unterschiedliche Symptome hervor, die aufgrund der langen Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) vor allem bei zwei- bis fünfjährigen Tieren auftreten. Die Krankheitsdauer nach Ausbruch der Symptome beträgt zwei Wochen bis sechs Monate. Da das Gehirn geschädigt wird, treten bei den Tieren vor allem Verhaltensänderungen auf.

Typische Scrapie-Symptome sind:

  • Verhaltensauffälligkeiten wie Absonderung von der Herde, Nervosität und Aggressivität
  • Bewegungs- und Gangstörungen (Traben, Hoppeln, Taumeln)
  • Zittern
  • Juckreiz, abgescheuerte Wolle
  • Gewichtsverlust
  • Überempfindlichkeit
  • Übererregbarkeit

Bei Scrapie können die Symptome gerade zu Beginn der Erkrankung sehr unterschiedlich sein. Zeigen Schafe oder Ziegen Auffälligkeiten, welche auf Scrapie schließen lassen, muss der Tierhalter diese dem zuständigen Veterinäramt melden.

Diagnose

Eine sichere Diagnose kann der Amtstierarzt bei Scrapie (Traberkrankheit) in der Regel erst nach dem Tod des Tieres stellen. Dazu untersucht er dessen Gehirn. Bei Scrapie ist im Nervengewebe eine Vielzahl von Löchern zu sehen, die dem Gehirn eine schwammartige Struktur geben.

Der Nachweis der veränderten Prionen (PrPSc) ist nicht nur aus dem Hirnmaterial, sondern auch aus lymphatischen Organen wie den Rachenmandeln möglich. Dadurch lässt sich die Traberkrankheit im Prinzip auch am lebendigen Tier nachweisen. Der Arzt braucht für die Scrapie-Diagnose nur eine kleine Gewebeprobe (Biopsie). Allerdings bedeutet eine befundfreie Probe eines lymphatischen Organs nicht zwingend, dass das untersuchte Tier tatsächlich gesund ist. Da diese Untersuchungsmethode nicht international anerkannt ist, wird sie eher selten angewandt.

Therapie

Für Scrapie (Traberkrankheit) gibt es bislang keine Therapie, mit der sich die Erkrankung heilen lässt. Um zu verhindern, dass sich Scrapie ausbreitet, werden die Tiere vorsorglich isoliert und notgeschlachtet. Anschließend verbrennt man die Kadaver, um die Infektionsquelle zu beseitigen.

Aufgrund der langen Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung ist es schwierig, die an Scrapie erkrankten Tiere auszusondern. In einer scheinbar gesunden Herde können sich daher auch immer kranke Tiere befinden.

Verlauf & Vorbeugen

Verlauf

Scrapie (Traberkrankheit) löst im Verlauf eine Reihe von Symptomen aus. Nach dem Ausbruch dauert die Erkrankung zwei Wochen bis sechs Monate, im Durchschnitt ein bis zwei Monate, und endet immer tödlich.

Vorbeugen

Scrapie lässt sich vorbeugen, indem die Tierhalter bereits erkrankte Tiere isolieren und notschlachten. Aufgrund der langen Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Symptome (Inkubationszeit) ist diese Aussonderung jedoch schwierig.

Eine Maßnahme, mit der man Scrapie vorbeugen und die Krankheit bekämpfen kann, ist das sogenannte nationale Resistenzzuchtprogramm. Dabei bestimmt der Tierarzt mit einem Gentest (Scrapie-Genotypisierung) die Anfälligkeit eines Tieres, fehlgefaltete Prionen zu entwickeln. Für die Zucht kommen nur jene Tiere infrage, die unempfindlich gegenüber dem Erreger sind.

Außerdem untersuchen Tierärzte im Rahmen von sogenannten Monitoring-Programmen Schafe und Ziegen, die älter als 18 Monate sind, stichprobenweise auf das Vorkommen von Scrapie.