Frau im Bett mit Schmerzen.
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Flankenschmerzen

Der häufigste Grund für Flankenschmerzen sind Nierenerkrankungen wie eine Nierenbeckenentzündung oder Nierensteine. Schmerzen in diesem Bereich können aber auch durch Verspannungen entstehen oder vom Darm ausgehen. Ein Überblick über mögliche Ursachen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was sind Flankenschmerzen?

Flankenschmerzen sind Schmerzen, die vom seitlichen Rückenbereich unterhalb der Rippen ausgehen oder vom Bauch in diesen Bereich ausstrahlen.

Flankenschmerzen deuten meist auf eine Erkrankung der Nieren hin, können aber auch von anderen Organen ausgehen oder durch Verspannung der Rückenmuskeln entstanden sein. Im Bereich der Flanken liegen nämlich nicht nur die Nieren und die Nebennieren, sondern auch die Milz, die Gallenblase, der Darm, sowie zahlreiche Muskeln, Nerven und Blutgefäße.

Oft treten Flankenschmerzen in Verbindung mit weiteren Beschwerden auf:

Flankenschmerzen: Ursachen

Flankenschmerzen entstehen am häufigsten durch Erkrankungen der Nieren und Harnwege. So lösen eine Nierenbeckenentzündung oder eine Nierenentzündung zum Teil heftige Schmerzen im Flankenbereich aus.

Krampfartige Flankenschmerzen werden oft durch Nierensteine beziehungsweise Harnleitersteine verursacht. Anfangs verursachen diese keine Beschwerden. Wenn die Steine allerdings aus dem Nierenbecken austreten und durch den Harnleiter wandern, können sie, wenn sie groß genug sind, den Harnleiter reizen und dabei starke Schmerzen verursachen (sog. Harnleiterkolik). In aller Regel treten die Flankenschmerzen dann einseitig links oder rechts auf und können bis in die Schamlippen oder Hoden ausstrahlen.

Auch Nierenkrebs kann Grund für die Flankenschmerzen sein. Diese Krebsform verläuft jedoch lange Zeit unbemerkt und bereitet oft erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden.

Weitere Ursachen für Flankenschmerzen können sein:

Bei Frauen kann auch eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität) Schmerzen im Flankenbereich verursachen.

Flankenschmerzen können auch durch eine Verletzung im Rahmen eines Unfalls oder bei Sport mit starkem Körpereinsatz entstehen. Ein Stoß in die entsprechende Region kann einen leichten Bluterguss verursachen, aber auch zu Schäden an den inneren Organen, etwa den Nieren führen.

Flankenschmerzen: Diagnose

Flankenschmerzen können auf harmlose Erkrankungen oder Verspannungen hindeuten, jedoch auch auf Krankheiten, die unbehandelt gefährliche Folgen nach sich ziehen können. Darum ist es wichtig, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, der die Ursache feststellen und gegebenenfalls sofort behandeln kann. Die erste Anlaufstelle ist der Hausarzt.

Was verraten Ort, Dauer und Charakter der Flankenschmerzen?

Um die Quelle der Schmerzen zu ermitteln, muss der Arzt zunächst wissen, wo genau die Flankenschmerzen auftreten und wie sie sich anfühlen. Ort und Charakter der Schmerzen können wichtige Hinweise auf das betroffene Organ und die Art der Erkrankung liefern:

  • Krampfartige, bohrende Flankenschmerzen , die entspringen meist den inneren Organen und gehen mitunter mit weiteren Beschwerden wie Übelkeit, Schwitzen, Blähungen und Erbrechen einher. Mögliche Ursachen sind etwa Nierensteine, Gallensteine oder Darmbeschwerden bzw. -erkrankungen.
  • Scharfe, brennende oder dumpfe, drückende Flankenschmerzen, die länger bestehen und sich manchmal beim Einatmen, beim Husten oder bei Bewegung verstärken, können auf Entzündungen (Blinddarmentzündung, Nierenbeckenentzündung, Gallenblasenentzündung) hindeuten. Typischerweise nehmen die Patienten eine gekrümmte Schonhaltung oder legen sich hin. Bei einer Blinddarmentzündung nehmen die Schmerzen allmählich über 12 bis 24 Stunden zu.
  • Flankenschmerzen links: Treten die Schmerzen ausschließlich auf der linken Seite auf, kann zum Beispiel eine Nierenbeckenentzündung auf dieser Seite dahinterstecken. Auch Erkrankungen der Milz, des Magens oder des Darms führen häufiger zu linksseitigen Flankenschmerzen, wie etwa eine Milzruptur, eine Divertikulitis, eine Gastritis oder Magengeschwüre.
  • Flankenschmerzen rechts: Einseitige Nieren- und Harnwegserkrankungen können auch zu rechtsseitigen Flankenschmerzen führen. Darüber hinaus zählen Erkrankungen der Gallenblase (z.B. eine Gallenkolik oder eine Gallenblasenentzündung) oder eine Blinddarmentzündung zu den möglichen Ursachen.
  • Flankenschmerzen beidseitig: Zu beidseitigen Flankenschmerzen kommt es unter anderem bei einer Nierenbeckenentzündung, von der beide Nieren betroffen sind. Beidseitige Schmerzen im unteren seitlichen Rückenbereich können aber auch durch Muskelverspannungen entstehen.

Außerdem wird der Arzt folgende Fragen stellen, um die möglichen Ursachen der Schmerzen genauer eingrenzen zu können:

Wenn die Patientin im gebärfähigen Alter ist, besteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter. In diesem Fall wird der Arzt zusätzlich fragen, ob sie ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, ob ihre Menstruation ausgeblieben ist und ob Risikofaktoren für eine Extrauteringravidität bestehen (z.B. Eileiterentzündungen, künstliche Befruchtungen).

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Nach dem Gespräch untersucht der Arzt den Patienten. Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt davon ab, welche Ursache der Arzt vermutet. Hat er eine Nierenbeckenentzündung im Verdacht, klopft der Arzt beide Nieren vorsichtig ab, um herauszufinden, ob sie schmerzempfindlich sind. Außerdem kann er den Urin des Patienten im Labor auf Bakterien untersuchen lassen. Nierensteine kann der Arzt im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung erkennen.

Weitere Untersuchungen, die je nach vermuteter Ursache notwendig werden können:

Flankenschmerzen: Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Eine Nierenbecken­entzündung zum Beispiel erfordert Bettruhe und eine Behandlung mit Antibiotika, meist in Form eines Breitband-Antibiotikums.

Nierensteine werden in den meisten Fällen von selbst über den Harn ausgeschieden – gegen die Flankenschmerzen können krampflösende Schmerzmittel helfen. Sind die Nierensteine etwas größer und können nicht über den Harn abgehen, kann der Arzt sie mithilfe von Stoßwellen (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL) zerkleinern. Anschließend werden die Bruchstücke mit dem Urin ausgeschieden. Ist das spontan nicht möglich, kann es durch Einlage einer Schiene erleichtert werden.

Auch bei einer akuten Gallenkolik, wenn also Gallensteine die Gallenblasenwand reizen oder einen Gallengang blockieren und dadurch Schmerzen in der rechten Flanke verursachen, können Schmerzmittel und krampflösende Medikamente die Beschwerden lindern.

Treten Flankenschmerzen aufgrund von chronischen oder wiederholten Rücken- und Wirbelsäulenproblemen auf, ist es sinnvoll, diese von einem Orthopäden behandeln zu lassen. Akute Verspannungen lockern sich häufig durch Massagen. Verspannen sich die Rückenmuskeln immer wieder, liegt das möglicherweise an einer falschen Haltung und/oder einer zu schwachen Rumpfmuskulatur. In diesem Fall kann Krafttraining helfen, insbesondere Rückenübungen und Bauchmuskeltraining.