Man sieht eini WC Schild.
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Harndrang: Ursachen und was tun?

Harndrang ist eine normale Funktion der Blase, die sich bei zunehmender Blasenfüllung bemerkbar macht. Ein häufiger, ständiger, besonders starker oder unbeherrschbarer Harndrang – oft vor allem nachts – kann aber Anzeichen für eine Störung sein

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Harndrang?

Der menschliche Körper erzeugt täglich etwa einen bis anderthalb Liter Urin. Die tatsächliche Urinmenge hängt unter anderem von der Flüssigkeitszufuhr ab. Der Urin bildet sich in den Nieren und sammelt sich konzentriert in der Harnblase an. Dabei gerät die Blasenwand zunehmend unter Spannung. Ist die Blase voll (d.h. ist ihre Kapazitätsgrenze von 300–500 ml erreicht), entsteht Harndrang.

Für den Harndrang sorgen reizaufnehmende Zellen (sog. Rezeptoren), die in der Blasenwand liegen: Sie registrieren die Wandspannung und melden sie an die Bereiche im zentralen Nervensystem (ZNS = Gehirn und Rückenmark), die für die Blasenkontrolle zuständig sind.

Gesunde Menschen können die Funktion der Blase bewusst steuern – also trotz Harndrang einhalten. Für den Verschluss der Blase (sog. Kontinenz) sorgen zum einen Muskelgeflechte um den Blasenausgang und die hintere Harnröhre und zum anderen die Beckenbodenmuskulatur. Wenn diese Muskeln willentlich erschlaffen und gleichzeitig der Blaseninnendruck durch harnaustreibende Muskeln steigt, beginnt die Blasenentleerung (sog. Miktion).

Wer viel trinkt, wird einen verstärkten Harndrang mit häufiger Blasenentleerung kennen. Dies ist ganz normal. Steigt die tägliche Urinmenge auf über zwei bis drei Liter, bewegt sich die Menge aber nicht mehr im Normalbereich. Häufig tritt diese sogenannte Polyurie in Kombination mit einem verstärkten Durstgefühl auf, etwa bei Diabetes mellitus.

Nächtlicher Harndrang?

  • Wenn ein vermehrter Harndrang nur nachts auftritt und man in einer Nacht mehr als einmal die Blase entleeren muss, liegt eine Nykturie vor.
  • Besteht lediglich ein verstärkter Drang zum Wasserlassen, ohne dass die Urinausscheidung erhöht ist, sprechen Mediziner von einer Pollakisurie.

Ein nicht beherrschbarer (bzw. imperativer) Harndrang kann in Extremfällen bis zur Blaseninkontinenz führen.

Harndrang: Ursachen

Ein verstärkter Harndrang muss nicht unbedingt krankhaft sein. So kann ein gelegentlich erhöhter Drang zum Wasserlassen ebenso:

  • ein Zeichen dafür sein, dass man übermäßig viel Flüssigkeit, Alkohol oder Kaffee konsumiert hat, oder
  • als Nebenwirkung entwässernder Medikamente (sog. Diuretika) – umgangssprachlich als "Wassertabletten" bezeichnet – auftreten.

In manchen Fällen hat ein erhöhter Harndrang auch psychische Ursachen – wie eine extreme seelische Belastung oder Stress: Vor allem nervöse Menschen können (z.B. beim Geräusch von plätscherndem Wasser oder bei Kälte) schnell das Gefühl haben, auf die Toilette gehen zu müssen.

Unterschiedliche Ursachen bei Männern und Frauen

Bei Männern kann ein häufiger oder ständiger Harndrang ohne erhöhte Harnmenge auch Anzeichen für eine Prostataerkrankung sein, zum Beispiel für eine Prostataentzündung (Prostatitis).

Bei Frauen steht häufiger Harndrang trotz normaler Harnmenge oft in Zusammenhang mit einer sogenannten überaktiven Blase (auch Reizblase), daneben kommt es dazu häufig in der frühen Schwangerschaft oder durch Östrogenmangel nach Eintritt in die Wechseljahre.

Darüber hinaus kann ein vermehrter Harndrang ein Symptom für folgende Krankheiten oder Störungen sein:

Außerdem können eine Strahlentherapie oder Blasenoperationen dazu führen, dass ein nicht beherrschbarer (imperativer) Harndrang entsteht.

Vermehrter nächtlicher Harndrang?

Ein vermehrter nächtlicher Harndrang, das heißt ein im Liegen auftretender Drang zum Wasserlassen, kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel:

Harndrang: Therapie

Was gegen häufigen Harndrang hilft, ist individuell sehr unterschiedlich. Wenn Sie ständig auf die Toilette gehen müssen, der Arzt dafür aber keine organische Ursache findet, kann ein sogenanntes Blasentraining hilfreich sein:

Blasentraining für zu Hause

  1. Für das Blasentraining notieren Sie alle Besuche auf der Toilette.
  2. Im zweiten Schritt beginnen Sie damit, den aufkommenden Harndrang bewusst zu unterdrücken.
  3. Ziel ist es, Ihre Blase allmählich wieder an größere Füllmengen zu gewöhnen, damit sie sich erst später wieder meldet.

Medikamente gegen häufigen Harndrang

Daneben stehen gegen verstärkten Harndrang verschiedene Medikamente zur Verfügung, die den Drang unterdrücken können. Wirksame Mittel sind:

  • Anticholinergika und Spasmolytika, die die Kontraktionsbereitschaft der Blasenmuskulatur herabsetzen
  • für Frauen Östrogene: Ein Östrogenmangel, typischerweise in den Wechseljahren, schwächt die Blasenfunktion.
  • für Männer Alphablocker: Sie helfen, die Muskelzellen der Prostata zu entspannen.
  • ggf. und am besten in Absprache mit einem Arzt pflanzliche Arzneimittel (zum Beispiel Kürbiskern-Präparate bei einer Reizblase)

Wenn ein ständiger oder vermehrter Harndrang psychisch bedingt ist, kann eine Psychotherapie helfen. Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung können zur Besserung beitragen.

Ist ein erhöhter Harndrang das Symptom einer anderen Krankheit (wie Prostatavergrößerung oder Diabetes), ist die gezielte Therapie dieser Grunderkrankung erforderlich.

Harndrang: Diagnose

Um festzustellen, ob ein ständiger oder vermehrter Harndrang krankhaft ist, sollten Sie mit einem Arzt sprechen. Im ersten Schritt zur Diagnose erkundigt sich der Arzt ausführlich nach der Krankengeschichte (sog. Anamnese). Wichtig sind folgende Fragen:

  • Tritt der Harndrang nur nachts oder auch tagsüber auf?
  • Ist die Urinmenge gestiegen oder kommen nur wenige Tropfen heraus?
  • Haben Sie starken Durst?
  • Haben Sie bestimmte Medikamente eingenommen oder trinken Sie extrem viel Kaffee?

Diese und andere Angaben helfen dem Arzt dabei, die Art des Harndrangs zu bestimmen und die möglichen Ursachen einzugrenzen. Hierbei kann auch ein sogenanntes Miktionstagebuch hilfreich sein, in dem man einträgt, in welchen Situationen der Harndrang auftritt und was man vorher getrunken hat.

Um den Harndrang weiter abzuklären, kann auch eine Blutuntersuchung sinnvoll sein: Hierbei lässt der Arzt die Elektrolytkonzentrationen, den Blutzucker und den Kreatininwert messen. Außerdem ist es nützlich, die Osmolarität des Bluts zu bestimmen: Die Osmolarität beschreibt die Konzentration aller osmotisch wirksamen Teilchen (z.B. Eiweiße, Zucker) in einer Flüssigkeit. Die Urinwerte können ebenfalls zur Diagnose beitragen.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt für den Harndrang vermutet, können weitere Untersuchungen zum Einsatz kommen – zum Beispiel:

Hinweise für die Funktion der ableitenden Harnwege liefern urodynamische Untersuchungen, mit deren Hilfe sich bestimmen lässt, wie viel Urin die Blase speichern kann, ob die Beckenmuskulatur richtig arbeitet und die Harnröhre verschließen kann. In manchen Fällen kontrolliert der Arzt bei vermehrtem Harndrang auch die Funktion anderer Organe, zum Beispiel die des Herzens.