Ein Mann liegt im Bett.
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Prostataentzündung (Prostatitis)

Wenn sich die Prostata entzündet, kann das schmerzhaft sein. Doch meist ruft eine Prostataentzündung noch weitere Symptome hervor. Welche? Wie lange dauert eine Prostataentzündung normalerweise? Und was hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Prostataentzündung (Prostatitis)

Was ist eine Prostataentzündung?
Die Prostata kann sich entzünden, wenn zum Beispiel Bakterien aus den Harnwegen in das Prostatagewebe eindringen. Mediziner nennen die Prostataentzündung auch Prostatitis. Je nachdem, ob Bakterien für die Prostataentzündung verantwortlich sind oder nicht, unterscheidet man zwischen

  • der bakteriellen und
  • der abakteriellen Prostatitis.

Die Prostata ist eine etwa vier Zentimeter große Drüse, die bei Männern unterhalb der Blase liegt. Sie zählt zu den inneren Geschlechtsorganen und bildet ein milchiges Sekret, das sich beim Samenerguss den Spermien beimischt. Dieses Sekret sorgt dafür, dass die Spermien beweglich sind und unterstützt sie so auf ihrem Weg zur weiblichen Eizelle.

Die Prostata kann sich entzünden, wenn ein Mann an einer Blasen- oder Harnröhrenentzündung erkrankt und die Erreger der Entzündung (Bakterien) aus der Blase bzw. Harnröhre in die Prostata einwandern. Ärzte sprechen dann von einer akuten Prostatitis. Meist lässt sich die Infektion mit Antibiotika eindämmen.

Bei etwa 5 von 100 Patienten bleiben trotz der Behandlung Bakterien in der Prostata zurück, sodass die Entzündung bestehen bleibt. Ärzte sprechen dann von einer chronischen Prostatitis.

Nicht immer sind Bakterien die Ursache

Neben Bakterien gibt es auch andere Einflüsse, die eine Prostataentzündung auslösen können, zum Beispiel Störungen des zentralen Nervensystems (ZNS), psychische Probleme wie Stress sowie eine chronische Entzündung der Blasenwand. Da die Prostataentzündung in diesen Fällen nicht durch Bakterien verursacht wird, spricht man auch von einer abakteriellen Prostatitis.

Mitunter bezeichnen Ärzte die abakterielle Prostatitis auch als Form des sogenannten chronischen Beckenschmerzsyndroms (engl. chronic pelvic pain syn­drome, kurz CPPS). Dieses Schmerzsyndrom kann sich jedoch auch entwickeln, ohne dass die Prostata entzündet ist. Es gibt neben der entzündlichen also auch eine nicht-entzündliche Form des Beckenschmerzsyndroms.

Hinweis: Beim nicht-entzündlichen Beckenschmerzsyndrom kommt es zu ähnlichen Beschwerden wie bei einer Prostataentzündung, es lassen sich aber weder Bakterien noch Entzündungszeichen feststellen.

Dennoch werden in der offiziellen Prostatitis-Klassifikation des amerikanischen National Institute of Health sowohl die entzündliche als auch die nicht-entzündliche Form des Beckenschmerzsyndroms aufgeführt.

Dies ist nach Ansicht vieler Mediziner irreführend und kann im schlimmsten Fall zu einer falschen Behandlung führen. Denn im Gegensatz zu einer Prostataentzündung lässt sich das nicht-entzündliche Beckenschmerzsyndrom nicht mit Antibiotika in den Griff bekommen.

Prostataentzündung: Ursachen?

Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren, die Prostataentzündungen begünstigen. Die wichtigsten sind

Unter diesen und anderen Umständen kann es leicht passieren, dass Bakterien in die Harnwege gelangen und dort eine Entzündung auslösen. Geht diese auf die Prostata über, kann dies zu einer bakteriellen Prostataentzündung führen.

Die abakterielle Prostataentzündung kann verschiedene Ursachen haben.

Bakterielle Prostataentzündung

Meist verursachen Darmbakterien wie Escherichia coli oder Enteroccocus faecalis eine bakterielle Prostatitis. Gelangen diese durch die Penisöffnung in die Harnwege, rufen sie dort zunächst einen Harnröhren- oder Blaseninfekt hervor. Wandern die Erreger über die Harnröhre in die Prostata ein, kann sich die Entzündung auf die Prostata ausweiten.

Bei Männern, die im Krankenhaus an einer Prostataentzündung erkranken, sind häufig Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa der Auslöser. Diese können zum Beispiel über Blasenkatheter in die Harnwege der Betroffenen gelangen.

Seltenerer entsteht eine Prostataentzündung als Folge von Geschlechtskrankheiten. In diesem Fall handelt es sich bei den Erregern meist um Chlamydien.

Abakterielle Prostataentzündung

Bei einer abakteriellen Prostataentzündung (der entzündlichen Form des chronischen Beckenschmerzsyndroms) lassen sich keine Bakterien nachweisen. Es finden sich jedoch weiße Blutkörperchen in der Prostataflüssigkeit und im Sperma. Weiße Blutkörperchen sind Abwehrzellen. Sie deuten darauf hin, dass der Körper gegen eine Entzündung kämpft.

Was diese Entzündung hervorruft, ist nicht vollständig geklärt und unter Experten umstritten. Wahrscheinlich entsteht sie durch ein Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Eine Rolle spielen könnten etwa folgende Faktoren:

  • eine gestörte Immunantwort
  • Störungen im zentralen Nervensystem, die sich auf die Nerven und Muskeln des Urogenitaltrakts auswirken und dazu führen, dass der Betroffene seine Blase nicht mehr wie gewohnt entleeren kann
  • psychische Probleme wie Stress, Traumata, Ängste oder Depression

Manche Ärzte meinen auch, dass versteckte Infektionen eine Ursache des chronischen Beckenschmerzsyndroms sein könnten. Diese Annahme ist jedoch umstritten.

Prostataentzündung: Symptome

Die typischen Symptome einer akuten bakteriellen Prostataentzündung (Prostatitis) sind

Eine chronische bakterielle Prostataentzündung äußert sich ebenfalls durch Schmerzen und Probleme beim Wasserlassen. Allerdings klingen diese Symptome zwischenzeitlich ab, um dann kurze Zeit später erneut aufzutreten. Der schubweise Verlauf mit abklingenden und wieder aufflammenden Entzündungszeichen ist typisch für die chronische Prostatitis. Er kann sich über viele Monate erstrecken.

Ein weiteres charakteristisches Anzeichen für eine chronische Entzündung der Prostata sind Erektionsstörungen.

Die abakterielle Prostataentzündung – welche nicht durch Bakterien ausgelöst wird – verursacht im Wesentlichen ähnliche Symptome wie eine chronische bakterielle Prostatitis. Zusätzlich klagen die Betroffenen manchmal über Schmerzen beim Samenerguss.

Sonderfall: Die asymptomatische Prostataentzündung

In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Arzt im Ejakulat oder im Prostatasekret eine erhöhte Anzahl an weißen Blutkörperchen feststellt, der betroffene Mann aber keinerlei Schmerzen oder andere Symptome einer Prostataentzündung spürt. Derartige Fälle werden als asymptomatische Prostataentzündung eingestuft und meist zufällig im Rahmen einer Krebsvorsorge oder einer Unfruchtbarkeits-Untersuchung festgestellt.

Prostataentzündung:Diagnose

Eine akute bakterielle Prostataentzündung kann der Arzt feststellen, indem er den Patienten nach seinen Beschwerden fragt und eine Untersuchung der Prostata vornimmt. Zunächst tastet der Arzt die Prostata mit dem Finger ab. Fühlt sie sich warm und geschwollen an und verspürt der Patient beim Abtasten Schmerzen, spricht dies für eine akute bakterielle Entzündung.

Zur Absicherung der Diagnose kann der Arzt zudem eine Urinuntersuchung vornehmen und dem Patienten Blut abnehmen, um die Entzündungswerte zu kontrollieren.

Eine chronische bakterielle Prostataentzündung lässt sich nicht allein durch eine Tastuntersuchung feststellen. Befindet sich der Patient zwischen zwei Entzündungsschüben, wird der Arzt bei der Tastuntersuchung beispielsweise keine starke Schwellung feststellen können. Um eine chronische bakterielle Prostatitis diagnostizieren zu können, sind Blut- und Urinuntersuchung daher notwendig.

So funktioniert die 4-Gläser-Probe

Um eine chronische Prostatitis zu erkennen, reicht eine einzige Urinprobe nicht aus. Denn wenn der Urin weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Bakterien enthält, kann dies auch auf einen Harnwegsinfekt hindeuten. Um herauszufinden, ob auch die Prostata von der Entzündung betroffen ist, benötigt der Arzt mehrere Urinproben:

  • Ins erste Gefäß lässt der Patient die ersten 10 Millimeter des Urinstrahls fließen.
  • Mit dem zweiten Gefäß fängt er den Urin aus dem Mittelstrahl auf.
  • Der Arzt massiert die Prostata des Patienten leicht durch den Enddarm. Dies bewirkt, dass die Prostata Sekret absondert, welches dann in den dritten Becher kommt.
  • Nach der Prostatamassage uriniert der Patient erneut und sammelt dabei die ersten 10 Milliliter des Urinstrahls im vierten Gefäß.

Die Auswertung dieser sogenannten 4-Gläser-Probe erfolgt durch einen Vergleich der Bakterienmenge in den vier Proben:

  • Enthält nur die erste Probe eine erhöhte Zahl an Erregern, so hat der Patient wahrscheinlich eine Harnröhrenentzündung.
  • Wenn die Keimzahl in den ersten beiden Proben erhöht ist, spricht dies für eine Blasenentzündung.
  • Ist die Keimzahl in den ersten beiden Proben nicht erhöht, wohl aber die in der dritten und vierten Probe, so deutet dies auf eine Prostataentzündung hin.

Finden sich eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen, aber keine Bakterien, in der Prostataflüssigkeit, im Urin und im Sperma, ist der Patient möglicherweise an einer abakteriellen Prostataentzündung erkrankt, die man auch als chronisches Beckenschmerzsyndrom bezeichnet.

Prostataentzündung (Prostatitis): Therapie

Welche Behandlung gegen eine Prostataentzündung hilft richtet sich nach der Ursache: Haben Keime die Entzündung ausgelöst, gestaltet sich die Therapie anders als bei der abakteriellen Prostatitis. Entzündungshemmende Mittel (sogenannte Antiphlogistika) kann der Arzt jedoch in beiden Fällen verordnen.

Behandlung der bakteriellen Prostataentzündung

Bei der bakteriellen Prostataentzündung lindert die Einnahme von Antibiotika die Beschwerden in der Regel schnell.

  • Im Falle einer mild verlaufenden akuten Prostataentzündung verordnet der Arzt in der Regel Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone, die der Patient zehn Tage lang einnimmt.
  • Ist die Entzündung sehr stark ausgeprägt, kann der Arzt dem Patienten Breitband-Antibiotika spritzen.
  • Handelt es sich um eine chronische Entzündung, nimmt der Patient normalerweise vier bis sechs Wochen lang Fluorchinolone ein.

Behandlung der abakteriellen Prostataentzündung

Eine abakterielle Prostataentzündung versuchen Ärzte meist durch eine Kombination verschiedener Mittel in den Griff zu bekommen. Beispielsweise können sie neben den entzündungshemmenden Medikamenten auch sogenannte Alpha-1-Rezeptorenblocker verschreiben. Diese entspannen die Muskulatur der Prostata und der Blase und können somit die Blasenentleerung erleichtern.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt hinter der Entzündung vermutet, können weitere Maßnahmen sinnvoll sein. Etwa geht man davon aus, dass auch psychische Probleme bei der Entstehung einer abakteriellen Prostatitis eine Rolle spielen können. In diesem Fall kann der Arzt zu einer Psychotherapie raten.

Häufig können zudem Wärmeanwendungen wie Sitzbäder zur Linderung der Symptome beitragen.

Prostataentzündung: Verlauf

Die akute Prostataentzündung sich meist gut behandeln. Wenn der Patient die vom Arzt verschriebenen Antibiotika wie verordnet einnimmt, gehen die Schmerzen und das Fieber normalerweise bereits innerhalb von etwa 36 Stunden zurück. Nach wenigen Tagen sollten die Symptome deutlich nachgelassen haben.

Eine chronische Prostataentzündung dauert mehrere Monate und verläuft typischerweise in Schüben, zwischen denen der Patient kaum oder überhaupt keine Beschwerden verspürt. Die chronische Prostatitis ist in der Regel hartnäckiger als die akute: Häufig zeigt die Antibiotika-Therapie erst nach einigen Wochen Wirkung.

Prostataentzündung: Vorbeugen

Die frühzeitige ärztliche Behandlung von Harnwegsinfekten können einer Keimverschleppung zur Prostata und somit der Prostataentzündung (Prostatitis) vorbeugen. Auch durch die Verwendung von Kondomen lässt sich einer Prostataentzündung durch Erreger bestimmter Geschlechtskrankheiten vorbeugen.