Mann mit Balinitis fasst sich an die Genitalien.
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Balanitis (Eichelentzündung): Symptome, Behandlung und Ursachen

Bei einer Balanitis handelt es sich um eine Eichelentzündung, die oftmals gemeinsam mit einer Posthitis (Vorhautentzündung) auftritt. Typische Symptome bei einer Entzündung der Eichel, Ursachen und wie bei einer Balanitis die Behandlung erfolgt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist eine Balanitis?

Von einer Balanitis (Mehrzahl: Balanitiden) sprechen Fachleute, wenn eine Entzündung der Eichel (Glans) vorliegt. Die Eichel ist der vordere Teil des männlichen Penis. Eine Eichelentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben und entsteht häufig durch eine Pilzinfektion oder Infektion mit Bakterien. Aber auch allergische Reaktionen etwa auf Kondome oder eine falsche Intimhygiene kommen als Ursache infrage. 

Balanitis oder Posthitis: Unterschied zur Vorhautentzündung

Am Penis kann es an unterschiedlichen Stellen zu einer Entzündung kommen:

  • Bei einer Balanitis ist die Eichel (Glans) des Penis entzündet.
  • Bei einer Posthitis ist die Vorhaut beziehungsweise das innere Vorhautblatt (Posthion) des Penis entzündet.

Eichelentzündung und Vorhautentzündung treten meist in Kombination auf. Dann sprechen Fachleute von einer Balanoposthitis. Die Ursachen, Symptome und Maßnahmen zur Behandlung sind bei Balanitis und einer Vorhautentzündung ähnlich. 

Balanitis: Welche Symptome treten bei einer Eichelentzündung auf?

Typische Symptome einer Balanitis sind:

  • Schmerzen und Brennen im Bereich der Eichel
  • Rötungen
  • Schwellungen am Penis
  • Juckreiz
  • punkt- oder flächenförmige Hautveränderungen, die nässen können
  • Probleme beim Zurückziehen der Vorhaut
  • eitriger Ausfluss
  • weißliche Beläge auf der Eichel

Bei der chronischen Hauterkrankung Balanitis xerotica obliterans (auch Lichen sclerosus) entstehen durch die Entzündung Verklebungen, die zu einer zur Vorhautverengung führen können.

Balanitis: Maßnahmen zur Behandlung

Bei einer Balanitis ist die Therapie davon abhängig, was die Entzündung verursacht hat. Wichtig ist vor allem, mögliche auslösende Faktoren zu beseitigen.

Balanitis mit Hausmitteln und Salbe selbst behandeln

Allgemein können bei einer Balanitis desinfizierende Sitzbäder mit Kamille und antiseptische Lösungen die Entzündung hemmen. Eine Salbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol kann bei Beschwerden wie Brennen oder Juckreiz Linderung verschaffen. Wer unter einer Balanitis leidet und diese mit Hausmitteln selbst behandeln will, sollte vor der Anwendung jedoch ärztliche Rücksprache halten.

Auf alkalische Seifen und Desinfektionsmittel sollten Betroffene verzichten, da diese Produkte eine zusätzliche Reizung verursachen. Ratsam ist eine gründliche, aber nicht übertriebene Hygiene mit Wasser sowie fettarmen Lotionen oder Lösungen 

Behandlung einer infektiösen Balanitis

Haben Krankheitserreger wie etwa Bakterien die Entzündung hervorgerufen, gilt es, diese Erreger gezielt zu beseitigen. Bei einer bakteriellen Infektion wird ein Antibiotikum verschrieben. Sind Pilze wie die der Gattung Candida die Ursache für eine Balanitis, kommen pilzabtötende Wirkstoffe (Antimykotika) zum Einsatz. 

Meist sind keine Tabletten nötig. In der Regel genügt es, wenn eine antibiotische Salbe oder pilzabtötende Creme auf den Bereich aufgetragen wird. Wenn sich eine Vorhaut- oder Eichelentzündung weiter ausgebreitet hat, kann allerdings auch eine Behandlung mit Tabletten oder eine Immuntherapie notwendig sein.

Wer eine infektiöse Balanitis hat und sexuell aktiv ist, sollte auch an eine Therapie von Sexualpartner*innen denken. Nur wenn die Erreger bei Betroffenen selbst und möglichen sexuellen Kontakten eliminiert sind, lässt sich eine erneute Balanitis verhindern.

Behandlung einer nicht-infektiösen Balanitis

Bei nicht-infektiösen Ursachen, zum Beispiel bei einer Allergie, können Kortisonpräparate hilfreich sein, welche die Entzündung eindämmen. Diese sollten allerdings nur kurzfristig zum Einsatz kommen.

Wenn die Balanitis aufgrund einer anderen Erkrankung (z. B. Morbus Behcet) entstanden ist, steht die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund.

Wenn Personen mit Vorhautverengung häufiger unter Eichel- oder Vorhautentzündungen leiden, kann es sinnvoll sein, eine bestehende Vorhautverengung durch einen operativen Eingriff frühzeitig zu beseitigen (Beschneidung). Eine solche sogenannte Zirkumzision wird dann durchgeführt, wenn die Entzündung der Eichel nicht akut ist.

Balanitis: Ursachen einer Eichelentzündung

Eine Balanitis kann viele verschiedene Ursachen haben. Grob lässt sich unterscheiden zwischen

  • der infektiösen Balanitis, die durch Krankheitserreger hervorgerufen wird, und
  • der nicht-infektiösen Balanitis, die z. B. durch eine Kontaktallergie, oder übertriebene Hygiene entsteht.

Tritt eine Eichel- oder Vorhautentzündung im Rahmen anderer Haut- oder Allgemeinerkrankungen auf, sprechen Fachleute von einer sekundären Balanitis beziehungsweise sekundären Posthitis.

Ursachen einer infektiösen Balanitis

Häufig sind Krankheitserreger für eine Balanitis verantwortlich. Zu möglichen Erregern, die eine Balanitis auslösen können, zählen:

Eine bakterielle Entzündung kann zum Beispiel im Rahmen einer Syphilis-Infektion entstehen. Die Erreger werden in erster Linie durch Sexualkontakte übertragen und/oder sie vermehren sich durch mangelnde Genitalhygiene.

Nicht-infektiöse Balanitis: Mögliche Ursachen 

Neben Krankheitserregern kann eine Balanitis auch andere Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel:

Auch verschiedene Krankheiten können eine Balanitis auslösen:

Risikofaktoren einer Entzündung der Eichel

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, eine Balanitis zu bekommen. Hierzu zählen etwa

  • Vorhautverengung (Phimose): Bei einer Phimose lässt sich die Vorhaut gar nicht oder nur unter Schwierigkeiten über die Eichel des Penis zurückziehen. Die Folge: Der Urin staut sich unter der Vorhaut, was bakterielle Infektionen begünstigt. Eine Vorhautverengung kann angeboren sein oder aber im Laufe des Lebens entstehen.

  • mangelnde Hygiene: Bei unzureichender Hygiene sammelt sich zwischen Eichel und innerer Vorhaut eine weißlich-gelbe, talgige Substanz an: das Smegma. Smegma besteht aus abgestorbenen Hautzellen, dem Sekret von Talgdrüsen sowie aus Rückständen von Urin und Sperma. Es bildet einen guten Nährboden für Krankheitserreger.

Weitere Faktoren, die das Risiko für eine Eichelentzündung und gleichermaßen einer Vorhautentzündung erhöhen, sind:

  • feuchte Bedingungen, die das Gewebe aufweichen können (z. B. bei einer Vorhautverengung)

  • mechanische Einflüsse (z. B. wiederholte Reibung bei häufiger sexueller Aktivität)

  • häufiges Waschen mit Seife und Auftragen von Desinfektionsmitteln, was der Haut zunehmend Fett entzieht

  • höheres Alter, da die oberste Hautschicht altersbedingt dünner ist

  • übermäßige Vermehrung von schon vorhandenen oder (z. B. durch Geschlechtsverkehr) übertragenen Erregern

  • enge Kleidung 

  • starkes Übergewicht (Adipositas)

Balanitis: Wie erfolgt die Diagnose?

Die*der Ärztin*Arzt kann eine Balanitis oft bereits anhand der typischen Symptome diagnostizieren. Auch eine Posithis lässt sich meist schnell von einer Eichelentzündung abgrenzen. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, stellen Ärzt*innen in der Regel Fragen zu den genauen Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen. 

Bei der körperlichen Untersuchung erscheint der entzündete Bereich gerötet und geschwollen. Zudem können Lymphknoten in der Leistenregion vergrößert sein.
Bei dem Verdacht, dass ein bestimmter Krankheitserreger die Ursache für die Entzündung der Eichel ist, muss der Erreger nachgewiesen werden. Hierzu wird ein Abstrich an Eichel und Vorhaut durchgeführt: Mit einem Wattestäbchen entnimmt die*der Ärztin*Arzt eine Probe aus den entzündeten Bereichen, die anschließend im Labor untersucht wird. Auch eine Urinuntersuchung kann sinnvoll sein. Wenn der Erreger bekannt ist, lässt sich dieser gezielt bekämpfen.

Je nachdem, welche Ursache vermutet wird, können weiterführende Untersuchungen sinnvoll sein – zum Beispiel ein Allergietest, wenn eine Kontaktallergie wahrscheinlich ist.

Balanitis: Verlauf und Prognose


Der Verlauf einer Balanitis hängt vor allem von einer angemessenen Behandlung ab: Sowohl die Vorhautentzündung als auch die Eichelentzündung haben bei konsequenter Therapie gute Heilungschancen.

Eine durch Krankheitserreger hervorgerufene Entzündung von Vorhaut oder Eichel heilt meist komplikationslos ab.

Komplikationen bei Balanitis

Manche Betroffene scheuen sich, bei ihren Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen, und suchen diesen möglicherweise erst spät auf. Falsche Scham ist allerdings unangebracht: Je länger Betroffene zögern, desto eher können im weiteren Verlauf Komplikationen entstehen:

  • Die Eichelentzündung kann eine zusätzliche Vorhautentzündung begünstigen.
  • Wenn die Entzündung von der Eichel in die Harnröhre übergreift, können Harnröhre, Blase und Prostata in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Auch eine Nebenhodenentzündung ist möglich.
  • Breitet sich die Entzündung über den Blutweg aus, kann im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung die Folge sein.
  • Zudem ist das Risiko für eine Vorhautverengung erhöht.

Viele diese Komplikationen kommen nur selten vor. Der Gang in eine urologische Praxis ist jedoch die beste Methode, um ihnen vorzubeugen.

Lässt sich einer Balanitis vorbeugen?

Einer Balanitis lässt sich ein Stück weit vorbeugen:

  • Verwenden Sie Kondome, insbesondere bei häufig wechselnden Partner*innen. Kondome schützen zuverlässig vor Krankheitserregern, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können.
  • Wichtig ist eine konsequente, jedoch nicht übertriebene Genitalhygiene. Achten Sie darauf, beim Waschen der Eichel die Vorhaut zurückzuziehen, um Smegma zu entfernen und einer Entzündung vorzubeugen.

Wenn Sie bereits eine Balanitis haben:

  • Durch die oben beschriebenen Hygienemaßnahmen können Sie möglichen Komplikationen vorbeugen.
  • Ebenso wichtig: Halten Sie sich an ärztlich verordnete Therapie. Wer etwa Antibiotika eigenmächtig absetzt, riskiert, dass die Entzündung nicht ausheilt.
  • Achten Sie darauf, niemanden anzustecken: Benutzen Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom, damit Sie keine Bakterien oder Pilze übertragen.