Ein Mann hält die Hände vor dem Schritt
© Getty Images

Veränderungen am Hoden

Bei einer Hodenveränderung sind ein oder beide Hoden in ihrer Form, Größe oder Lage verändert. Je nachdem, wie sich die Hoden genau anfühlen, können unterschiedliche Erkrankungen dahinterstecken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Veränderungen am Hoden: Was Mann wissen muss

Bei einer Hodenentzündung zum Beispiel kann das Gewebe zusätzlich erwärmt und gerötet sein – sollte sich Flüssigkeit im Hodensack gesammelt haben (sog. Hydrozele oder Wasserbruch), schwillt meist einer der beiden Hoden an.

Zu möglichen Ursachen von Hodenveränderungen zählen zum Beispiel Entwicklungsstörungen und angeborene Fehlbildungen, Verletzungen und Erkrankungen des Hodens. Aber auch Haut- und Geschlechtskrankheiten können den Hoden verändern und zum Beispiel zu einem Ausschlag am Hodensack führen.

Hoden: Was ist das?

Der Hoden ist ein pflaumenförmiges, paariges Geschlechtsorgan des Mannes, in dem die Samenzellen (Spermien) und Geschlechtshormone – vor allem Testosteron) – gebildet werden. Mit den Hoden sind die beiden Nebenhoden verwachsen, in denen die Spermien reifen.

Für die Ausbildung der Spermien ist eine Temperatur von etwa 34 Grad Celsius nötig. Deshalb liegen die beiden ovalen Hoden in einer extra für sie ausgebildeten Tasche außerhalb des Körpers, dem sogenannten Hodensack (Skrotum). Hier ist die Temperatur etwa 3 Grad Celsius niedriger als die Körperkerntemperatur.

In aufrechter Position hängt der linke Hoden üblicherweise etwas tiefer als der rechte. Dass Hoden unterschiedlich groß sind, ist völlig normal.

Auch, dass die Hoden im Alter etwas tiefer hängen, ist normal. Denn das Bindegewebe erschlafft mit der Zeit.

 

Hodenhochstand

Meist ist ein Hodenhochstand (Maldescensus testis)angeboren und fällt gleich nach der Geburt auf. Die Hoden liegen während der Embryonalentwicklung in der Bauchhöhle und wandern im weiteren Verlauf in den Hodensack. Bereits bei diesem Vorgang kann es zu Störungen im sogenannten Hodenabstieg kommen. Manchmal wandert ein Hoden nicht wie vorgesehen aus der Bauchhöhle in den Hodensack, sondern verbleibt an seinem Ursprungsort. Ärzte nennen dies Kryptorchismus. Die Hoden sind dann bei der Geburt nicht tastbar.

Je nach Lage des Hodens unterscheidet man verschiedene Formen des Hodenhochstands.

Beim Bauchhoden ist der Hoden gar nicht aus dem Bauchraum heraus gewandert.

Beim Leistenhoden bleibt der Hoden im Leistenkanal. Dies ist die häufigste Form des Hodenhochstands.

Bei einem Gleithoden liegt der Hoden im Leistenkanal, lässt sich aber durch leichten Druck in den Hodensack verlagern. Danach nimmt er aufgrund eines zu kurzen Samenstrangs wieder seine Position in der Leiste ein.

Diese Formen des Hodenhochstands wachsen sich in den meisten Fällen innerhalb des ersten Lebensjahres aus. Tun sie das nicht, ist eine Behandlung nötig. Ein Hodenhochstand kann sich nämlich auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Warum wandert der Hoden manchmal in die Leiste oder verrutscht?

Im Gegensatz zu den genannten Formen liegt der sogenannte Pendelhoden oder auch Wanderhoden normal im Hodensack, kann aber durch bestimmte Reflexe oder Reize, wie zum Beispiel sexuelle Erregung, in den Leistenkanal hochrutschen. Das ist häufig bei jungen Männern in der Pubertät der Fall und wächst sich meist wieder aus. Ein Pendelhoden zieht anders als die anderen Formen des Hodenhochstands keine Komplikationen nach sich und muss nicht behandelt werden.

Hodenveränderungen können sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Oft bemerken Betroffene sie erst überhaupt nicht, es sei denn, sie leiden unter Hodenschmerzen. Männer sollten deshalb regelmäßig ihre Hoden abtasten – am besten nach einer warmen Dusche, wenn der Hodensack entspannt ist.

Geschwollene Hoden

Bei Hodenveränderungen wie einer Hodenentzündung (Orchitis) oder Hodendrehung (Hodentorsion) ist der Hoden oft angeschwollen und der Hodensack gerötet. Hierbei können starke Schmerzen im Bereich des Hoden, aber auch in der Leiste und im Bauch auftreten. Häufige Ursachen einer Hodenentzündung sind Infektionen mit Bakterien oder Viren – häufig Mumpsviren. In manchen Fällen ist auch der Nebenhoden (Epididymis) entzündet.

Bei einer starken Hodenentzündung kann der Hoden in einigen Fällen auch schrumpfen – Ärzte sprechen von einer Hodenatrophie.

Bei einer Hodentorsion – einer Drehung des Hodens beziehungsweise Hodenstiels – treten aber meist äußerliche Veränderungen auf. Der Hodensack ist an der betroffenen Stelle gerötet und der Hoden angeschwollen. Hinzu kommen sehr starke Hodenschmerzen, die auch in die Leistengegend oder den Bauch ausstrahlen können.

Bei einem Hodentumor ist der betroffene Hoden meist leicht angeschwollen und eventuell verhärtet. Es kann sich ein tastbarer Knubbel am Hoden bilden. Nicht jeder Knoten im Hoden ist jedoch gleichbedeutend mit Krebs. Hodenkrebs ist eine sehr seltene, wenn auch bei Männern im Alter von 25 und 45 Jahren die häufigste Krebsform. Weit häufiger handelt es sich jedoch um gutartige Geschwülste, Hernien, geschwollene Venen im Hodensack (Krampfaderbruch), Zysten oder einen Wasserbruch.

Treten Symptome wie starke Hodenschmerzen auf, empfiehlt es sich in jedem Fall, einen Arzt aufzusuchen.

Ursachen im Überblick

Hinter Hodenveränderungen können viele verschiedene Ursachen stecken – wie zum Beispiel:

  • Hodenentzündung (Orchitis): Auslöser einer Entzündung der Hoden sind meist Bakterien oder Viren (z.B. Mumps-Viren).
  • Nebenhodenentzündung (Epididymitis): Die Nebenhodenentzündung ist ebenfalls vorwiegend durch Bakterien verursacht und tritt oft gemeinsam mit der Hodenentzündung auf.
  • Hodenhochstand : Befindet sich der Hoden nicht im Hodensack, sprechen Ärzte von einem Hodenhochstand. Nach der Geburt sind dann einer oder beide Hoden nicht tastbar. Der Hoden liegt entweder in der Bauchhöhle (Bauchhoden bzw. Kryptorchismus), in der Leiste (Leistenhoden) oder im Eingangsbereich des Hodensacks Gleithoden. Beim sogenannten Pendelhoden (auch Wanderhoden) liegt der Hoden zwar im Hodensack, wird jedoch unter bestimmten Bedingungen – etwa Kälte oder sexuelle Erregung – nach oben gezogen.
  • Hodentorsion: Die Hodentorsion ist eine "Hodendrehung", genauer eine Stieldrehung von Hoden und Nebenhoden. Dadurch verzwirbeln sich Samenleiter und Blutgefäße. Meist tritt sie bei Säuglingen und Kleinkindern auf, bei denen der Hoden nicht ausreichend fixiert ist. Bei der Hodentorsion besteht die Gefahr, dass die Blutversorgung abgedrückt wird und der Hoden abstirbt.
  • Hydrozele (Wasserbruch des Hodens): Unter einer Hydrozele versteht man eine Flüssigkeitsansammlung um den Hoden herum innerhalb der inneren Hodenhüllen. Eine Hydrozele entsteht entweder während der Entwicklung des Ungeborenen oder aufgrund von Entzündungen, Tumoren oder Verletzungen.
  • Hodenbruch (Hernia scrotalis, Orchozele): Bei einem Hodenbruch erstreckt sich ein Leistenbruch bis in den Hodensack hinein.
  • Hodentumoren: Hodentumoren können gutartig oder bösartig sein, wie der Hodenkrebs. Hodenkrebs ist selten. Er kommt vorwiegend bei jüngeren Männern vor.´Wichtigstes Anzeichen für Hodenkrebs ist eine schmerzlose, überwiegend einseitige Schwellung oder Verhärtung am Hoden, die langsam an Größe zunimmt.
  • Hodenschwund (Hodenatrophie): Bei einer Hodenatrophie schrumpfen einer oder beide Hoden. Bei diesen Hodenveränderungen kommen als Ursachen z.B. eine Hodenentzündung, ein Hodenbruch, Verletzungen, Durchblutungsstörungen und bestimmte Medikamente infrage.
  • Anorchie, Monorchie und Triorchie: Seltene angeborene Fehlbildungen der Hoden sind das völlige Fehlen der Hoden (Anorchie), nur ein statt zwei Hoden (Monorchie) oder drei Hoden (Triorchie).

Was der Arzt untersucht

Bei Hodenveränderungen ist in der Regel ein Urologe oder ein Androloge der geeignete Ansprechpartner. Meist fallen Hodenveränderungen den betroffenen Männern bereits selbst auf, zum Beispiel im Rahmen einer Selbstuntersuchung.

Ähnlich wie bei der Selbstuntersuchung der Brust bei der Frau sollte auch jeder Mann regelmäßig seine Hoden selbst untersuchen, um Hodenveränderungen frühzeitig festzustellen. Bei der Selbstuntersuchung prüft man, ob sich die Hoden in Größe, Form und Aussehen verändert haben.

Direkt nach der Geburt untersucht der Kinderarzt, ob beide Hoden des Jungen richtig im Hodensack liegen. Egal, in welchem Alter: Bei Hodenveränderungen empfiehlt sich der sofortige Besuch beim Arzt.

Um die Ursache für die Veränderungen herauszufinden, stellt der Arzt zunächst ein paar Fragen, beispielsweise:

Dann untersucht der Urologe beide Hoden gründlich. Er schaut dabei zum Beispiel, ob der Hoden vergrößert, geschwollen, schmerzhaft bei Berührung oder Druck ist, ob ein Knoten in einem der beiden Hoden tastbar ist, ob ein Schweregefühl oder ziehende Hodenschmerzen vorliegen und ob sich Flüssigkeit im Hodensack angesammelt hat.

Weitere Untersuchungen, die dem Arzt bei der die Diagnose helfen, sind zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung und eine Blutuntersuchung. Bei Verdacht auf Hodenkrebs wird der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen.

Therapie

Ob Hodenveränderungen behandelt werden müssen und wenn ja, wie, hängt von der jeweiligen Ursache ab:

  • Hodententzündung: Bei einer Hodenentzündung (Orchitis), die durch Bakterien verursacht wird, sind gegebenenfalls Antibiotika notwendig – bei einer durch Viren ausgelösten Orchitis hingegen können Sie in der Regel nur die Beschwerden lindern, etwa durch Hochlegen, Schonen und Kühlen des Hodens.
  • Hodenhochstand:Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hodenhochstand spontan verschwindet, ist im ersten Lebensjahr recht hoch. Ist jedoch eine Behandlung notwendig, sollte diese spätestens mit Vollendung des zweiten Lebensjahrs abgeschlossen sein. Ein Hodenhochstand kann mit einer Hormontherapie oder durch eine Operation behoben werden. Eine Pendelhoden ist – anders als die anderen Formen des Hodenhochstands – meist nicht behandlungsbedürftig.
  • Hodentumoren: Tumoren des Hodens, vor allem Hodenkrebs, werden operativ entfernt. Je nach Art und Stadium des Tumors ist zusätzlich eine Chemo- und Strahlentherapie notwendig.
  • Hydrozele: Bei einem angeborenen Wasserbruch muss das Baby in der Regel zunächst nicht therapiert werden – in vielen Fällen bildet sich die Hydrozele von alleine zurück. Nur wenn der Wasserbruch gleichzeitig mit einem Leistenbruch vorliegt, kann eine sofortige Operation erforderlich sein. Erwachsene mit einer erworbenen Hydrozele werden operiert, wenn sie aufgrund ihrer Größe eine Beeinträchtigung darstellen.
  • Hodentorsion: Sie ist ein absoluter Notfall und muss sofort operiert werden.