Mann mit Hodenbruch fasst mit Händen an seinen Unterleib.
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Hodenbruch (Skrotalhernie): Symptome, Ursache und Behandlung

Bei einem Hodenbruch entsteht in der Bauchdecke eine Öffnung, durch die das Bauchfell in den Hodensack abrutscht. Schmerzen in der Hodengegend oder eine kleine Ausbuchtung können erste Anzeichen sein. Zur Abklärung der Symptome sollte man eine urologische Fachpraxis aufsuchen. Mehr zu den Auslösern für einen Hodenbruch und den Behandlungsmöglichkeiten erfahren Sie hier.

Was ist ein Hodenbruch?

Die Bezeichnung Hodenbruch ist ein wenig irreführend, denn gebrochen ist bei dieser Erkrankung nichts. Unter Hodenbruch verstehen Fachleute eine spezielle Form des Leistenbruchs, medizinisch auch Skrotalhernie genannt.

In der Bauchdecke gibt es eine Schwachstelle, dort wo der Leistenkanal verläuft. Durch diesen Kanal steigen während der Embryonalentwicklung die Hoden in den Hodensack ab. Deshalb ist er bei Männern etwas breiter angelegt als bei Frauen. Im Leistenkanal liegen auch der Samenstrang sowie Blut- und Lymphgefäße. Bei einem Hodenbruch erstreckt sich der Bruchsack über den Samenstrang und dehnt sich bis in den Hodensack aus.

Hodenbrüche treten gehäuft bei Erwachsenen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf. 

Hodenbruch: Welche Symptome sind möglich?

Ein Hodenbruch kann sich ganz ohne Beschwerden zeigen oder nur ein leichtes Spannungsgefühl in der Hodengegend auslösen. Zu den deutlichen Symptomen eines Hodenbruchs gehören:

Die Skrotalhernie kann anfangs das Aussehen einer weichen Vorwölbung haben und keine Schmerzen verursachen. Bewegungen, bei denen die Bauchwand unter Druck gerät oder zusammengepresst wird, können in diesem Stadium Beschwerden hervorrufen. Es ist auch möglich, dass die Ausbuchtung sich über längere Zeit nicht verändert und nicht größer wird.

Die meisten Hodenbrüche dehnen sich jedoch mit der Zeit aus. Sicherheitshalber sollten Betroffene bei einer Schwellung in der Hodengegend oder am Hodensack in die Arztpraxis gehen und sich untersuchen lassen. Bei Schmerzen oder Fieber ist ärztliche Hilfe dringend geboten. Dann könnten sich in dem Bruchsack Teile des Darms eingeklemmt haben und es muss zeitnah operiert werden.

Hodenburch: Wie ensteht eine Skrotalhernie?

Ein Hodenbruch entsteht aufgrund eines schwachen Bindegewebes in der Bauchgegend. Durch Muskeln, Faszien und Bindegewebe wird der Leistenkanal weitgehend geschlossen gehalten, trotzdem ist die Bauchdecke hier dünner und anfälliger. Bedingt durch Bindegewebsschwäche können Risse und Öffnungen entstehen, die sogenannten Brüche. Durch solch eine Lücke rutscht Bauchfell – das ist die Haut, die den Bauchraum auskleidet und die Eingeweide umgibt – nach außen. 

Der dabei entstehende Bruchsack vergrößert sich und steigt langsam bis in den Hodensack ab. Diesen Bruchsack, der sich entlang des Samenstrangs bildet, nennen Fachleute Hodenbruch oder Hodensackbruch. Auch Teile des Darms können in dem Bruchsack eingequetscht werden. Der Hodensack ist dann äußerlich sichtbar stark vergrößert.

Hodenbruch: Welche Risikofaktoren gibt es?

Zu den Risikofaktoren für einen Hodenbruch gehören: 

  • schwaches Bindegewebe
  • Übergewicht (Adipositas)
  • vorangegangene Operationen an der Bauchdecke
  • ein träger Darm
  • häufiges Pressen

Auch Rauchen kann ein Risikofaktor sein, denn durch den Nikotinkonsum wird das Gewebe schlechter durchblutet. Oft werden zudem das Heben schwerer Lasten oder andauernder, starker Husten als Auslöser angeführt. 

Wie lässt sich ein Hodenbruch diagnostizieren?

Zur Diagnostik bei einem Hodenbruch gehört die körperliche Untersuchung mit der in Augenscheinnahme und dem Tastbefund. Unter Umständen lässt sich der Bruchsack wieder durch die Öffnung zurückdrücken. Eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ergänzt die Tastuntersuchung. Mithilfe der Sonografie lässt sich die Skrotalhernie genauer bestimmen und von einer Flüssigkeitsansammlung im Hodensack (Hydrozele) unterscheiden. 

In seltenen Fällen kann es notwendig sein, mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) die Skrotalhernie sichtbar zu machen. In der Regel reicht die Ultraschalluntersuchung aus und gibt ausreichend Aufschluss über die genaue Position und das Aussehen des Hodenbruchs. Mit dem Stethoskop lässt sich überprüfen, ob im Bruchsack Darmgeräusche zu hören sind. 

Hodenbruch: Wie erfolgt die Behandlung?

Ein Hodenbruch schließt sich nicht von allein. Dennoch muss nicht jeder Hodenbruch sofort operiert werden. Wenn der Bruch nur klein ist und keine Beschwerden bereitet, besprechen Patient und Arzt*Ärzt*in das sinnvollste Vorgehen. Oft wird zunächst abgewartet.

Hat die Bruchstelle aber schon größere Ausmaße erreicht und besteht das Risiko für Komplikationen, wie etwa das Einklemmen von Darmteilen, ist ein operativer Eingriff angebracht. Auch bei anhaltenden Schmerzen muss in der Regel operiert werden. An OP-Methoden stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • offene Operation
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)
  • nahtbasiertes Vorgehen
  • netzbasiertes Verfahren

In der Regel können Leistenbrüche heute minimalinvasiv versorgt werden. Für den Patienten hat das den Vorteil eines kleinen Schnittes und einer kleinen Narbe, kaum Wundheilungsstörungen und einer raschen Erholungszeit. Über kleine Hautschnitte werden Operationsinstrumente und Kamera in das Bauchinnere eingebracht und dann die Bruchpforte mit einem speziellen Netz aus Kunststoff verschlossen.

Bei kleinen Brüchen reicht es, die Schwachstellen mit Nähten zu fixieren. Nahtbasierte Verfahren sind immer mit einer offenen Operation verbunden.

Hodenbruch: Verlauf und Nachsorge

Nach einem laparoskopischen Eingriff kann der Patient sich nach etwa einer Woche wieder normal belasten, mit Sport und dem Heben schwerer Lasten sollte er allerdings noch einige Wochen warten. Wichtig ist es, auf weichen Stuhlgang zu achten, ausreichend zu trinken und Ballaststoffe zu sich zu nehmen, damit die Bauchdecke nicht durch festes Pressen strapaziert werden muss. 

Da bei Männern natur- und evolutionsbedingt die Bauchdecke weniger stark ist als bei Frauen, sollten sie beim Sport und bei Belastungen – gerade nach einem überstandenen Hodenbruch – vorsichtiger sein. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sollten von nun an zur Routine gehören. Die Gefahr eines Rückfalles ist individuell und hängt vom Bindegewebe und vom OP-Verfahren ab. Aus Studien weiß man, dass das Risiko eines Rückfalls beim Netzverfahren geringer ist. 

Hodenbruch: Vorbeugung

Einem Hodenbruch vorbeugen kann man, indem alles vermieden wird, was einen starken Druck auf den Bauchinnenraum ausübt. Sport und Übungen zur Stärkung der Bauchdecke sind sinnvoll, extremes Bauchmuskeltraining kann sich gegebenenfalls eher schädlich auswirken, wenn eine Bindegewebsschwäche vorliegt. Bei der Veranlagung zu schwachem Bindegewebe ist eine regelmäßige Kontrolle des Intimbereichs sinnvoll, um hier schon kleine Veränderungen und Vorwölbungen zu entdecken.