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Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis)

Die Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) zählt zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen. Sie wird durch den Parasiten Trichomonas vaginalis verursacht.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis)

Die Trichomonaden-Infektion ist die häufigste heilbare, sexuell übertragbare Krankheit. Der Erreger Trichomonas vaginalis kommt weltweit vor.

Gemeinsam mit den Erregern der Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien sorgt Trichomonas vaginalis nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich für 500 Millionen neue Fälle sexuell übertragbarer Infektionen. Im Jahr 2008 gab es schätzungsweise 267,4 Millionen Infektionen allein durch Trichomonas vaginalis.

Trichomonaden-Infektionen kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Ältere Frauen sind häufiger mit Trichomonaden infiziert als jüngere. Symptome einer Trichomoniasis treten aber nur bei der Hälfte der Infizierten auf.

Trichomonaden-Infektion: Ursachen

Erreger

Ursache einer Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) ist ein parasitärer Einzeller namens Trichomonas vaginalis.

Trichomonas vaginalis ist etwa 8 bis 25 Mikrometer lang und zählt zu den Protozoen. Der Erreger gehört zur Untergruppe der Geißeltierchen (Flagellaten), welche sich mithilfe ihrer Geißeln (Flagellen) aktiv fortbewegen können.

Übertragungsweg

Trichomonaden werden über direkten Schleimhautkontakt beim Geschlechtsverkehr übertragen. Auch Schmierinfektionen über Gegenstände oder Hände, die mit Vaginalsekret oder Sperma Kontakt hatten – etwa durch gemeinsam benutztes Sexspielzeug oder beim Petting – sind möglich. Neugeborene können sich während des Geburtsvorgangs durch eine Schmierinfektion mit Trichomonaden anstecken, wenn die Mutter von einer Trichomoniasis betroffen ist.

Dass man sich über eine Schmierinfektion auf der Toilette, durch das gemeinsame Benutzen von Handtüchern, durch Badewasser oder beim Saunabesuch mit Trichomonaden ansteckt, ist dagegen unwahrscheinlich.

Inkubationszeit

Bei einer Trichomonaden-Infektion beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome – etwa 4 bis 28 Tage.

Trichomonaden-Infektion: Symptome

Eine Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) äußert sich nicht immer durch Symptome: Nur bei etwa jedem zweiten Infizierten treten Beschwerden auf. Sofern bei einer Trichomoniasis Symptome auftreten, unterscheiden sich diese bei Männern und Frauen.

Symptome bei der Frau

Eine Trichomonaden-Infektion führt bei Frauen mitunter zu einer Scheidenentzündung (Kolpitis) – typische Symptome sind:

Zusätzlich tritt möglicherweise ein gelblich bis grüner, schaumiger, oft übel riechender Ausfluss auf. Gehen die Trichomonaden auf den Harntrakt über, verursachen sie häufig eine Harnröhrenentzündung (Urethritis) und Blasenentzündung (Zystitis). Typische Beschwerden sind dann Schmerzen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang.

In der Schwangerschaft erhöht eine Trichomonaden-Infektion das Risiko für:

  • einen vorzeitigen Blasensprung,
  • eine Frühgeburt und
  • ein niedrigeres Geburtsgewicht des Neugeborenen.
Viele Frauen mit nachgewiesener Trichomonaden-Infektion haben jedoch keine Beschwerden.

Symptome beim Mann

Männer mit einer Trichomonaden-Infektion haben oft keine Symptome. Wenn doch Beschwerden auftreten, stehen meist folgende Beschwerden im Vordergrund:

Die Symptome der Trichomoniasis ähneln häufig denen einer Harnwegsinfektion. Beim Mann lösen Trichomonaden Entzündungen aus, vor allem an der Eichel und der Vorhaut. Über die Harnröhre kann die Trichomoniasis auf die Harnblase, die Prostata sowie die Nebenhoden übergreifen. Es kann zu Schmerzen beim Wasserlassen und nach dem Samenerguss (Ejakulation) kommen.

Trichomonaden-Infektion: Diagnose

Da sich eine Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) nicht immer durch Symptome bemerkbar macht beziehungsweise keine kennzeichnenden Symptome auftreten, kann die Diagnose nur mithilfe einer körperlichen Untersuchung und Labortests gestellt werden. Der Urologe ist auf die Trichomoniasis-Diagnose spezialisiert, ebenso wie der Venerologe, also ein Arzt für Geschlechtskrankheiten. Frauen können alternativ auch einen Frauenarzt (Gynäkologen) aufsuchen.

Der Arzt weist die Trichomonaden mit einem Abstrich aus der Scheide oder der Harnröhre nach. Auch im Urin lässt sich der Erreger unter Umständen nachweisen. Bereits ohne Anfärbung des Präparats (Nativpräparat) sind bei einer akuten Trichomoniasis unter dem Mikroskop eine Vielzahl beweglicher Trichomonaden zu sehen. Bei einer bereits länger andauernden Infektion ist es manchmal nötig, die Erreger im Labor anzuzüchten, um sie nachzuweisen.

Trichomonaden-Infektion: Therapie

Bei einer Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) verschreibt der Arzt zur Behandlung Antibiotika, zum Beispiel die Wirkstoffe:

Frauen können die Medikamente als Zäpfchen direkt in die Scheide einbringen oder als Tabletten einnehmen. Die Medikamente müssen in der Regel nur einmalig eingenommen werden. Der Wirkstoff ist als Zäpfchen auch für Schwangere geeignet.

Für eine erfolgreiche Therapie der Trichomonaden-Infektion sollte unbedingt auch der Partner mitbehandelt werden – auch wenn er keine Beschwerden hat. Während der Behandlung sollte man auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Trichomonaden-Infektion: Verlauf

Bei einer Trichomonaden-Infektion (Trichomoniasis) sind Verlauf und Prognose der Erkrankung in der Regel sehr gut. Bei konsequenter Therapie (einschließlich Mitbehandlung des Partners) beträgt die Heilungsquote weit über 90 Prozent.

Ohne eine angemessene Therapie können die Erreger monate- bis jahrelang überleben und für immer neue Beschwerden und Komplikationen sorgen. Zudem können Infizierte ihren Partner durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einer Trichomoniasis anstecken.

Mögliche Komplikationen

Eine Trichomonaden-Infektion kann verschiedene Komplikationen verursachen. Bei Schwangeren kann eine Trichomoniasis Frühgeburten auslösen. Bei Männern treten seltener Komplikationen oder überhaupt Symptome auf.

Betroffene mit einer Trichomonaden-Infektion sind anfälliger für eine Infektion mit dem HI-Virus (HIV).

Trichomonaden-Infektion: Vorbeugen

Einer Trichomonaden-Infektion lässt sich relativ gut vorbeugen. Da die Trichomonaden beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, lässt sich das Infektionsrisiko durch die konsequente und richtige Anwendung von Kondomen senken.

Sich mit Trichomonaden durch eine Schmierinfektion ohne Sexualkontakt anzustecken – also zum Beispiel auf öffentlichen Toiletten, in Saunen, über Badewasser oder gemeinsam benutzte Handtücher – ist dagegen relativ unwahrscheinlich.