Frau sitzt mit Kondom in den Händen auf dem Bett, um einer Geschlechtskrankheit vorzubeugen.
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Geschlechtskrankheiten

Zu den Geschlechtskrankheiten zählen alle Infektionskrankheiten, die hauptsächlich über sexuelle Kontakte übertragen werden. Weitere Bezeichnungen sind sexuell übertragbare Krankheiten oder auch STD (sexually transmitted diseases, offizielle WHO-Bezeichnung) sowie venerische Erkrankungen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Auch wenn man sich vor Geschlechtskrankheiten sehr gut schützen kann, sind sie immer noch weit verbreitet: So erkrankten beispielsweise im Jahr 2019 über 8.000 Menschen in Deutschland an Syphilis (Lues). Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass sich weltweit jeden Tag über eine Million Menschen mit einer Geschlechtskrankheit anstecken. Wie viele Menschen in Deutschland mit einer Geschlechtskrankheit leben, ist unbekannt, denn für die meisten sexuell übertragbaren Krankheiten gibt es hierzulande keine Meldepflicht.

Für einige Geschlechtskrankheiten kommen aber neben Geschlechtsverkehr andere Übertragungswege infrage, so kann eine Infektion der Scheide durch den Hefepilz Candida albicans auch ganz ohne vorherigen Sexualkontakt vorkommen. In vielen Fällen erfolgt eine Infektion mit Hepatitis A Viren durch mit Fäkalien verunreinigte Nahrung. Bestimmte Sexpraktiken, bei denen der Mund direkt mit dem Anus in Kontakt kommt, spielen für die Übertragung der Hepatitis A jedoch eine zunehmende Rolle.

Mit Geschlechtskrankheiten können Sie sich beim Sex durch den Austausch von Körperflüssigkeiten oder über den Kontakt mit krankheitsbedingten Hautveränderungen anstecken.

Dabei sind Geschlechtskrankheiten in den meisten Fällen heilbar, solange man sie rechtzeitig erkennt und behandelt. Infektionen wie HIV können zwar bislang nicht geheilt werden, doch auch hier ist die frühzeitige Diagnose wichtig. Je früher man eine HIV-Infektion erkennt, desto eher können zukünftige Sexualpartner geschützt werden und desto eher kann eine angemessene medikamentöse Therapie erfolgen.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie eine*n Ärzt*in aufsuchen, wenn der Verdacht besteht, dass Sie oder Ihr*e Partner*in sich mit einer Geschlechtskrankheit infiziert haben!

Definition

Geschlechtskrankheiten werden auch als sexuell übertragbare Krankheiten, STD (sexually transmitted diseases) oder venerische Erkrankungen / Infektionen bezeichnet. Das medizinische Teilfachgebiet der sexuell übertragbaren Krankheiten nennt sich Venerologie.

Die bekanntesten Geschlechtskrankheiten

  • Chlamydieninfektionen (Chlamydia trachomatis): Chlamydieninfektionen kommen weltweit besonders häufig vor. Die Bakterien befallen Harnwege und Geschlechtsorgane. Oft sind die Symptome nur schwach ausgeprägt oder fehlen ganz. Daher bleibt eine Chlamydieninfektion häufig lange unentdeckt – und kann sich sowohl im Körper als auch in der Bevölkerung weiter ausbreiten.
  • Gonorrhö (Tripper): Eine frühzeitige Therapie ist bei Tripper besonders wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. Zu solchen Komplikationen zählt zum Beispiel Unfruchtbarkeit. Insbesondere bei infizierten Frauen fallen die Symptome oft mild aus, sodass Tripper oft erst spät erkannt wird.
  • Syphilis (Lues): Die Syphilis kann ohne Therapie spontan abheilen – eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht. Wer sich nicht behandeln lässt, geht ein Risiko ein: Die Erreger können Jahre nach der Infektion zu irreparablen körperlichen Schäden führen. In Deutschland ist die Zahl der gemeldeten Fälle in den letzten Jahren gestiegen.
  • Trichomonaden (Trichomoniasis vaginalis): Die Trichomoniasis wird durch Parasiten ausgelöst. Tückisch: Etwa jede*r zweite Infizierte hat keine Beschwerden – und kann andere anstecken, ohne davon zu wissen.
  • Hepatitis B: Hepatitis B ist eine ansteckende akute oder chronische Leberentzündung. Die Viren können auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen, In Deutschland geschieht dies meist durch sexuelle Kontakte. In der Regel heilt eine Hepatitis B bei Erwachsenen auch ohne spezielle Behandlung von allein aus. Es gibt aber Ausnahmen: Nimmt die Hepatitis B einen chronischen Verlauf, kann die Leber dauerhaft Schaden nehmen.
  • Genitalherpes (Herpes genitalis): Heilbar ist Genitalherpes nicht – die Viren verbleiben lebenslang im Körper. Sie können auch Jahre nach der Infektion durch äußere Einflüsse wieder aktiv werden und Beschwerden auslösen.
  • Genitalwarzen durch Infektionen mit dem Humanen Papillomvirus (HPV): Humane Papillomaviren (HPV) können im Körper zu verschiedensten Erkrankungen führen. Je nach Virustyp – bisher sind über 100 unterschiedliche Typen bekannt – können dies harmlose, aber lästige Feigwarzen bis hin zu Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen sein.
  • HIV / AIDS: Viele Menschen wissen nicht, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind – mögliche Symptome ähneln anfangs oft der einer Grippe. Monate bis Jahre nach der Ansteckung kann eine HIV-Infektion in die Immunschwächekrankheit AIDS übergeben. HIV beziehungsweise AIDS sind bislang unheilbar, aber mittlerweile mit Medikamenten gut behandelbar.

Weitere Krankheiten, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden

Laut Infektionsschutzgesetz müssen Hepatitis A, B und C namentlich gemeldet werden. Nicht namentlich meldepflichtig sind Syphilis und HIV / AIDS.

Übertragung

Geschlechtskrankheiten (sexuell übertragbare Krankheiten) können auf verschiedenen Wegen übertragen werden:

  • über Körperflüssigkeiten (wie Scheidensekrekt, Sperma, Blut) beim sexuellen Kontakt
  • über Kontakt zu krankheitsbedingten Hautveränderungen
  • über die gemeinsame Verwendung von Spritzen und Nadeln bei Drogenkonsum

Darüber hinaus kann eine Mutter vor, während oder nach der Geburt eine Geschlechtskrankheit auf ihr Kind übertragen.

So kann sich der Säugling beispielsweise bei der Entbindung durch Hautkontakt mit Genitalherpes (Herpes genitalis) infizieren. Das HI-Virus (HIV) kann ebenfalls auf das Kind übergehen.

Daher ist es sinnvoll, wenn werdende Mütter während der Schwangerschaft gegebenenfalls einen HIV-Test machen. Ist die Schwangere HIV-positiv, lässt sich das Risiko einer Übertragung auf das Kind durch Medikamente senken. Ärzt*innen planen dann auch meist einen Kaiserschnitt, um die Gefahr einer Ansteckung zu verringern.

Symptome

Bei Geschlechtskrankheiten sind die Symptome vielfältig, da sie durch unterschiedliche Erreger wie etwa Bakterien, Viren oder Pilze verursacht werden. Häufig bemerken Infizierte Geschlechtskrankheiten wie Syphilis (Lues) jahrelang nicht, wenn sie keinerlei oder nur leichte Symptome verursachen.

Folgende Symptome sollten jedoch Anlass sein, eine*n Ärzt*in aufzusuchen:

  • veränderter Ausfluss bei der Frau, Ausfluss beim Mann
  • Brennen oder Jucken der Genitalien bzw. Brennen oder Jucken der Genitalien beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr (sowohl beim Mann als auch bei der Frau)
  • Veränderungen der äußeren Haut oder der Schleimhäute (können am ganzen Körper auftreten) wie Blasen, Warzen, Hautausschlag
  • Blutungsstörungen bei der Frau
  • Unterleibsschmerzen

Vorbeugen

Geschlechtskrankheiten kann man nur dann zu 100 Prozent vorbeugen, wenn man vollständig auf Geschlechtsverkehr verzichtet und nicht in Kontakt mit Körperflüssigkeiten anderer Personen kommt.

Dennoch geht das Risiko, sich oder andere mit einer sexuell übertragbaren Krankheit wie Syphilis (Lues), Gonorrhoe (Tripper) oder weichem Schanker (Ulcus molle) anzustecken, nahezu gegen null, wenn Sie einige wichtige Punkte beachten:

  • Kondome schützen vor der Übertragung von Geschlechtskrankheiten.
  • Eine regelmäßige (aber nicht übertriebene) Intimhygiene verringert das Risiko, sich anzustecken. Waschen Sie sich im äußeren Genitalbereich nur mit Wasser oder mit einer pH-neutralen Seife. Auf aggressive Seifen oder Spülungen sollten Sie dabei verzichten.
  • Bei Beschwerden wie z.B. Hautveränderungen, Juckreiz oder Brennen im Intimbereich sollten Sie eine*n Ärzt*in aufsuchen, damit er*sie Sie gegebenenfalls frühzeitig behandeln kann. Verzichten Sie in dieser Zeit auf ungeschützten Geschlechtsverkehr, damit Sie Ihre*n Partner*in nicht anstecken.
  • Einigen Virusinfektionen, die unter anderem beim Sex übertragen werden, wie beispielsweise Hepatitis A und B, kann man auch durch eine Impfung vorbeugen. Desweiteren kann eine HPV-Impfung vor einer Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) schützen und so das Risiko verringern, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken.

Personen, die DrogenDrogen konsumieren, sollten den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen und Nadeln vermeiden.

Besonders wichtig sind diese Punkte bei häufig wechselnden Sexualpartnern. Wer in einer festen Beziehung ist, sollte zu Beginn des Sexualkontakts Geschlechtskrankheiten ausschließen und sich bei eventuellen sexuellen Kontakten außerhalb der Beziehung entsprechend schützen.

Kondome

Das einfachste und wichtigste Mittel, um Geschlechtskrankheiten vorzubeugen, ist das Verwenden von Kondomen – sowohl bei oralem, vaginalem als auch analem Geschlechtsverkehr. Ein Frauenkondom (Femidom) schützt ebenfalls vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis (Lues) oder Gonorrhoe (Tripper).

Verwenden Sie nur Kondome, welche eine CE-Kennzeichnung (Qualitätsmerkmal) und ein gültiges Haltbarkeitsdatum aufweisen. Damit das Kondom nicht reißt, empfiehlt sich ein Gleitmittel – bei Latexkondomen ist es wichtig, darauf zu achten, dass das Gleitmittel keine Fette oder Öle enthält. Ideal sind daher Gleitmittel auf Wasserbasis.

Reißt das Kondom dennoch, sollte bei Oralverkehr zunächst der Mund ausgespült, bei Vaginal- oder Analverkehr die Genitalregion abgespült werden. Anschließend sollte man einen ärztichen Rat einholen, um eine entsprechende Vorsorge gegen viele Geschlechtskrankheiten zu veranlassen.

Kondome können das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten erheblich reduzieren, jedoch nicht 100-prozentig ausschließen. Das liegt darin begründet, dass einige Geschlechtskrankheiten über engen Hautkontakt übertragen werden können. Ansteckende Hautveränderungen wie Herpesbläschen, Syphilis-Geschwüre oder Feigwarzen können sich darüber hinaus an Körperstellen befinden, die nicht durch das Kondom geschützt werden. Außerdem sind sie nicht immer sichtbar.

Impfung gegen Hepatitis A

Auch gegen Hepatitis A steht ein Impfstoff zur Verfügung. Ärzt*innen empfehlen die Impfung für alle, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben, unter anderem auch für Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern und Männern, die Sex mit Männern haben. Bei gefährdeten Personengruppen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten der Impfung.

Impfung gegen Hepatitis B

Einer Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus können Sie mit einer Schutzimpfung vorbeugen. Die ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt derzeit, Kinder ab dem zweiten Lebensmonat gegen Hepatitis B zu impfen. Je nach verwendetem Impfstoff sind drei bis vier Impfungen notwendig, bis der Impfschutz vollständig ist. Es ist empfehlenswert, die Impfung alle zehn Jahre aufzufrischen. Hepatitis B können Sie darüber hinaus auch vorbeugen, indem Sie Kondome verwenden. Da das Hepatitis-B-Virus jedoch sehr leicht übertragbar ist, bleibt ein Restrisiko bestehen.

Impfung gegen HPV

HPV (Humanes Papilloma Virus) zählt als eine der Hauptursachen für Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom). Die Impfung gegen HPV schützt laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission der Robert Koch-Instituts am effektivsten, wenn sie vor dem ersten Sexualkontakt erfolgt. Empfohlen wird sie demnach Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren.