Eine Frau steht in einem Raum neben Umzugskartons.
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Scheidenpilz (Vaginalpilz)

Etwa drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben von Scheidenpilz betroffen. Die Pilzerkrankung zählt mit zu den häufigsten Genitalinfektionen bei Frauen. Typische Symptome sind ein Jucken und Brennen im Intimbereich sowie ein veränderter Ausfluss.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Scheidenpilz (Vaginalpilz)

Was ist Scheidenpilz?
Scheidenpilz ist eine Pilzinfektion der Scheide, bei der sich die Scheidenschleimhaut entzündet. Hauptverursacher ist der Hefepilz Candida albicans.

Scheidenpilz ist auch unter den Bezeichnungen Vaginalpilz, Vaginalmykose, Vulvovaginalkandidose, Soorvaginitis oder Soorkolpitis bekannt. Die Begriffe Vaginitis und Kolpitis leiten sich vom lateinischen beziehungsweise griechischen Wort für Scheide ab (lat. vagina, griech. kolpium), die Endung -itis bezeichnet eine Entzündung.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Symptome

Bei Scheidenpilz treten typischerweise Symptome auf wie:

  • starker Juckreiz im Genitalbereich
  • Brennen in der Scheide (Vagina) und im Schambereich
  • Scheide und Schambereich (wie die Schamlippen) meist rot und geschwollen
  • schmerzhafte Hauteinrisse (Rhagaden) und Wundheitsgefühl
  • vermehrt weißgelblicher bis weißgräulicher Scheidenausfluss, zu Beginn wässrig, im Verlauf krümelig (bei chronischem Verlauf kann der ungewöhnliche Ausfluss jedoch fehlen)

In manchen Fällen bilden sich auch kleine Knötchen auf der Haut im Schambereich.

Daneben können bei Scheidenpilz weitere Symptome hinzukommen, wie:

Da der Schambereich sehr empfindlich ist, fängt er meist schon zu jucken an, lange bevor die Scheidenpilz-Infektion eine Rötung oder Schwellung verursacht. Allerdings steckt hinter Juckreiz, Brennen und Ausfluss nicht zwingend immer ein Scheidenpilz. Diese Symptome können auch andere Gründe haben (z.B. Filzläuse, Östrogenmangel, Allergie gegen Waschmittel oder Seife). Um sicherzugehen, welche Ursachen die Beschwerden haben, ist daher ein Besuch beim Frauenarzt ratsam.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Behandlung

Einen Scheidenpilz behandelt man mit speziellen Medikamenten gegen Pilze, sogenannten Antimykotika (z.B. mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Polyene, wie Nystatin, Amphotericin B, oder aus der Gruppe der Imidazole, wie Clotrimazol, Ciclopirox). Diese werden meist in Form von Cremes oder Zäpfchen in die Scheide eingebracht. Je nach Wirkstoff kann die Dauer der Behandlung zwischen ein und sechs Tagen betragen. Tritt der Scheidenpilz zum ersten Mal auf, reicht solch eine kurze Behandlung in der Regel aus.

Tritt Scheidenpilz jedoch immer wieder auf oder sind die Beschwerden sehr stark, kann es unter Umständen notwendig sein, ein Antipilzmittel über längere Zeit einzunehmen – dann in Form von Tabletten über den Mund.

Selbstbehandlung bei Scheidenpilzverdacht?

Viele Frauen gehen mit Beschwerden, die auf einen Scheidenpilz hindeuten könnten, nicht sofort zum Arzt, sondern behandeln sich lieber erst einmal selbst – etwa mit freiverkäuflichen Pilzmitteln aus der Apotheke oder mit Hausmitteln.

Studien zeigen jedoch, dass nur etwa eine von drei Frauen mit solch einer Selbstbehandlung tatsächlich Scheidenpilz hat. Bei den restlichen Frauen liegen andere Ursachen für die Beschwerden vor. Ein Arztbesuch ist bei Beschwerden im Intimbereich daher unbedingt zu empfehlen. So erhält man schneller eine wirksame und passende Behandlung und muss nicht riskieren, dass die Beschwerden sich unnötig verschlimmern.

Mitbehandlung des Sexualpartners

Den Partner oder die Partnerin bei Scheidenpilz mitzubehandeln, ist in der Regel nicht notwendig beziehungsweise ohne Nutzen. Eine Mitbehandlung erfolgt normalerweise nur dann, wenn der Partner oder die Partnerin ebenfalls an einer Hefepilzinfektion im Genitalbereich leidet.

Hausmittel gegen Scheidenpilz

Selbst wenn es immer wieder als Hausmittel gegen Scheidenpilz genannt wird: Einen mit Naturjoghurt, Teebaumöl oder Honig getränkten Tampon oder gar Knoblauch in die Scheide einzuführen, ist nicht ratsam. Es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise, die eine Wirkung solcher Maßnahmen belegen. Ärzte raten von dieser Form der Selbstbehandlung ab, da sie die Schleimhäute reizen oder auch allergischen Reaktionen hervorrufen kann.

Ebenfalls abzuraten ist von Scheidenspülungen oder Intimreinigungsmitteln. Diese fördern einen Scheidenpilz eher.

Manche Frauen versuchen, sich zuckerarm zu ernähren, um den Scheidenpilz auszuhungern. Für die Wirksamkeit solch einer Anti-Pilz-Diät gibt es jedoch keine wissenschaftlichen Belege. Tatsächlich kann der Hefepilz Candida albicans auch ohne Zucker überleben, indem er seinen Stoffwechsel umstellt.

Scheidenpilz in der Schwangerschaft

Tritt bei schwangeren Frauen ein Scheidenpilz auf, sollte dieser am besten noch während der Schwangerschaft behandelt werden. Manche Ärzte raten auch zu einer Pilzprophylaxe.

Schwangere sind aufgrund der hormonellen Veränderungen anfälliger für Scheidenpilz: Etwa 20 bis 30 von 100 Frauen haben am Ende der Schwangerschaft Hefepilze im Vaginalbereich. Diese erhöhen unter Umständen das Risiko für Früh- oder Fehlgeburten. Die Hefepilze können zudem bei der Geburt auf das Kind übertragen werden und so auch in Mund und Verdauungstrakt gelangen. Also Folge kann es beim Neugeborenen zu Mundsoor oder Windeldermatitis kommen.

Bei der Behandlung von Scheidenpilz in der Schwangerschaft gilt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Antimykotika sind in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nur in besonders schweren Fällen erlaubt.
  • Mittel, die zur oralen Einnahme bestimmt sind, dürfen während der Schwangerschaft gar nicht eingenommen werden.
  • Vaginaltabletten sollten Sie nicht mit einem Applikator in die Scheide einführen, da dies bei falscher Anwendung eine Fehlgeburt auslösen kann.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Ursachen

Die häufigste Ursache für Scheidenpilz (Vaginalpilz) ist der Hefepilz Candida albicans. Dieser kommt bei acht von zehn Menschen natürlicherweise im Körper vor – insbesondere im Verdauungstrakt. Bei vielen Frauen gehört er zur normalen Besiedelung der Scheide (der sog. Scheidenflora).

Meist entwickelt sich ein Scheidenpilz nicht als Folge einer Ansteckung, sondern ist eine Erkrankung durch körpereigene Hefepilze. Bei einer normal funktionierenden Immunabwehr rufen diese in der Regel jedoch keine Scheidenentzündung hervor.

Durch die natürliche Besiedlung der Scheide mit unter anderem Milchsäurebakterien (Laktobazillen) herrscht in der Scheide üblicherweise ein saures, erregerfeindliches Milieu. Dieses kann verhindern, dass sich bakterielle Erreger ansiedeln oder übermäßig vermehren. Ein Schutz vor Scheidenpilz geht damit jedoch nicht einher. Der Hefepilz Candida albicans liebt eine saure Umgebung und kann gut im sauren Scheidenmilieu leben.

Bei vielen Frauen mit einer Scheidenpilz-Infektion sieht die Scheidenflora im Grunde nicht anders aus als bei gesunden Frauen. Hinweise aus Studien lassen vermuten, dass es jedoch möglicherweise eine Rolle spielt, aus welchen Arten beziehungsweise Stämmen von Laktobazillen sich die Scheidenflora im Detail zusammensetzt. Daneben gibt es weitere Faktoren, die Einfluss auf das Entstehen einer Scheidenpilz-Infektion haben.

Prinzipiell gilt: Erst, wenn zusätzlich zu einer Besiedelung mit Candida albicans auch typische Beschwerden auftreten (wie Brennen oder Juckreiz in der Scheide oder veränderter Ausfluss), spricht man von Scheidenpilz.

Scheidenpilzinfektionen treten häufiger in Verbindung mit der Regelblutung auf. Während der Regelblutung stößt die Gebärmutter Schleimhautzellen ab, wobei Glykogen freigesetzt wird. Die Laktobazillen verstoffwechseln das Glykogen und wandeln es über Glukose (Traubenzucker) in Milchsäure um. Der dabei freigesetzte Zucker kann das Wachstum der Hefepilze fördern.

Der Hefepilz Candida albicans besitzt außerdem Rezeptoren für das Geschlechtshormon Östrogen. Häufig bereiten deshalb Veränderungen im Hormonhaushalt und auch damit einhergehende Veränderungen der Schleimhaut den Weg für einen Scheidenpilz.

Folgende Ursachen kommen für ein vermehrtes Auftreten von Scheidenpilz durch hormonelle Veränderungen beziehungsweise einem erhöhten Östrogenspiegel infrage:

  • Schwangerschaft: Im Verlauf einer Schwangerschaft steigt der Östrogenspiegel.
  • Die Antibabypille kann das Risiko steigern, wenn das Präparat einen hohen Östrogengehalt hat.
  • Regelblutung: Kurz vor Beginn der Menstruation steigt der Östrogenspiegel.
  • Wechseljahre: Mit Beginn der Wechseljahre nimmt das Risiko für Scheidenpilz eher ab – der sinkende Östrogenspiegel lässt das Scheidenmilieu für Pilze ungünstiger werden. Bei Einnahme östrogenhaltiger Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden steigt das Risiko jedoch wieder.

Dass eine eigentlich harmlosen Hefepilz-Besiedelung der Scheide sich zu einer Scheidenpilz-Infektion entwickelt, liegt wahrscheinlich auch an der Fitness des eigenen Immunsystems. Normalerweise kann der Körper die Besiedelung in Schach halten. Ist die Abwehr im Vaginalbereich jedoch geschwächt, kann das eine Vermehrung der Hefepilze begünstigen – und dadurch den Übergang hin zu einer Scheidenpilz-Infektion.

Mögliche Ursachen für ein geschwächtes Immunsystem sind zum Beispiel:

Andere Umstände, welche die Entstehung von Scheidenpilzinfektionen begünstigen können, sind zum Beispiel

  • eine übertriebene Intimhygiene mit Intimsprays oder Scheidenspülungen.
  • enganliegende Kleidung oder Kleidung aus synthetischen Stoffen, da diese zu einem Stau von Wärme und Feuchtigkeit führen und so Pilze begünstigen können.
  • genetische Einflüsse.
  • ein tendenziell eher hoher Östrogenspiegel.

Das Risiko für Scheidenpilz kann außerdem durch Sexualpraktiken wie Oral- oder Analverkehr steigen. Wahrscheinlich, weil dabei Hefepilze aus der Mundregion oder dem Analbereich in den Schambereich verschleppt werden können. Das gilt vor allem, wenn bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr zwischen Anal- und Vaginalsex gewechselt wird.

Auch bei falscher Toilettenhygiene können Hefepilze vom Analbereich in die Scheide gelangen.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Diagnose

Bei Verdacht auf Scheidenpilz stellt der Frauenarzt zunächst einige Fragen zu den Beschwerden und möglichen Begleitumständen (sog. Anamnese). Im Anschluss folgt eine Untersuchung des Genitalbereichs.

Um bei der Diagnose sicherzugehen, nimmt der Arzt Abstriche von der Scheidenschleimhaut und untersucht diese unter dem Mikroskop auf Hefepilze.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Verlauf

Mit der richtigen Behandlung verläuft Scheidenpilz (Vaginalpilz) eher unkompliziert. In den meisten Fällen tritt er nach der Heilung nicht wieder auf.

Liegen jedoch Erkrankungen oder Umstände vor, die eine Pilzinfektion begünstigen, kann der Verlauf hartnäckiger sein. Um zu verhindern, dass Scheidenpilz erneut auftritt, ist es daher wichtig, solche Erkrankungen zu behandeln und auch sonstige Risikofaktoren auszuschalten.

Nutzen Frauen die Hormonspirale zur Verhütung und leiden häufiger unter Scheidenpilz, kann es gegebenenfalls ratsam sein, sie zu entfernen. Da sich der Hefepilz Candida albicans an die Spirale anheften kann, stellt diese ein mögliches Risiko für Rückfälle (Rezidive) dar.

Tritt Scheidenpilz häufiger als viermal pro Jahr auf, sprechend Ärzte von chronisch wiederkehrendem Scheidenpilz (chronisch rezidivierender Vulvovaginalkandidose). Das ist etwa bei 6 bis 9 von 100 Betroffenen der Fall.

Scheidenpilz (Vaginalpilz): Vorbeugen

Mit diesen Tipps können Sie das Risiko für Scheidenpilz (Vaginalpilz) senken und dadurch indirekt vorbeugen:

  • Achten Sie auf eine regelmäßige, aber nicht übertriebene Intimhygiene:
    • Verzichten Sie auf Waschlappen im Intimbereich. Waschen Sie sich stattdessen besser unter fließendem Wasser mit der Hand.
    • Verzichten Sie im Intimbereich möglichst auf parfümierte Produkte, alkalische Seifen oder Duschgele.
    • Falls Sie im Intimbereich nicht vollständig auf reinigende Produkte verzichten möchten, achten Sie darauf, dass diese schonend sind.
    • Intimlotionen oder Intimsprays sollten Sie besser nicht verwenden.
    • Trocknen Sie sich nach dem Waschen auch im Intimbereich gut ab.
  • Verzichten Sie auf enganliegende sowie auf synthetische Kleidung.
  • Verwenden Sie keine kunststoffbeschichteten Slipeinlagen oder Binden.
  • Achten Sie bei der Toilettenhygiene stets darauf, von vorne nach hinten zu wischen – niemals umgekehrt.
  • Wechseln Sie nicht von Analverkehr ungeschützt zu Vaginalverkehr. Besser ist es, Kondome bei einer der Praktiken zu verwenden und vor dem Wechsel zu entfernen, oder die Kondome dazwischen zu wechseln.

Video: Tipps zur Genitalhygiene

Milchsäurebakterien & Co.

Häufig liest man, dass es bei ständig wiederkehrendem Vaginalpilz helfen kann, vorbeugend Präparate mit Milchsäurebakterien (Laktobazillen) oder andere saure Präparate im Vaginalbereich anzuwenden. Hintergrund ist der Gedanke, dass eine gesunde Scheidenflora durch ihr saures Milieu Krankheitserreger bis zu einem gewissen Grad abwehren kann. Das gilt jedoch nicht für Hefepilze. Diese lieben eine saure Umgebung. Die Anwendung solcher Produkte kann ein Wiederaufflammen der Scheidenpilz-Infektion daher sogar begünstigen.

Frauen, die zu Scheidenpilz neigen, haben abgesehen davon häufig eine eigentlich normale Scheidenflora und einen normalen, ausreichend sauren pH-Wert, den man nicht noch zusätzlich ansäuern muss.

Die Scheidenflora mit Milchsäurebakterien neu aufzubauen, kann jedoch nach einer Behandlung mit Antibiotika ratsam sein. Antipilzmittel, wie sie bei Scheidenpilz zum Einsatz kommen, beeinträchtigen die Milchsäurebakterien beziehungsweise die Scheidenflora hingegen nicht.