Eine Frau zieht sich den Rollkragen ihres Pullis vor das Gesicht.
© iStock

Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis)

Gefährlich ist eine Neurodermitis nicht – die schuppende und juckende Haut an den Händen, im Gesicht oder an anderen Körperstellen kann jedoch die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Zur Behandlung des atopischen Ekzems setzen Mediziner*innen auf sanfte Hautpflege mit rückfettenden Salben oder Cremes. Bei einem akuten Schub kommen meist Kortisonpräparate oder Calcineurinhemmer zum Einsatz.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis führt zu andauernden oder immer wiederkehrenden Entzündungsreaktionen auf der Haut. Typische Symptome sind schuppige, trockene und stark juckende Hautbereiche.

Die Neurodermitis zählt zu den atopischen Erkrankungen. Von einer Atopie sprechen Mediziner*innen, wenn Personen zu bestimmten Überempfindlichkeitsreaktionen neigen. Diese Menschen erkranken eher an Neurodermitis, allergischem Asthma oder Nesselsucht als andere.

Andere Bezeichnungen für die Neurodermitis sind:

  • atopisches Ekzem
  • atopische Dermatitis
  • Neurodermitis atopica
  • endogenes Ekzem
  • konstitutionelles Ekzem

Der Begriff Neurodermitis (griech. neuron = Nerv, derma = Haut, -itis für Entzündung) stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals vermuteten Forschende noch, dass eine Nervenentzündung zu der Erkrankung führt.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Manche Menschen befürchten, sich mit Neurodermitis anzustecken. Diese Angst ist unbegründet: Neurodermitis ist nicht ansteckend und auf andere übertragbar.

Wie häufig ist eine Neurodermitis?

Das atopische Ekzem zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen. Insbesondere Babys oder Säuglinge erkranken daran. In den Industrieländern haben rund 15 von 100 Vorschulkindern zumindest vorübergehend eine Neurodermitis. Bei den meisten Kindern und Jugendlichen gehen die Symptome nach einigen Jahren von selbst zurück, sodass sie als Erwachsene*r beschwerdefrei sind.

Im Erwachsenenalter kommt die atopische Dermatitis seltener vor: In Deutschland haben etwa 1 bis 3 von 100 der Erwachsenen Neurodermitis. Die meisten von ihnen hatten bereits als Kind Beschwerden.

Immer mehr Menschen haben Neurodermitis

Studien zeigen, dass die Zahl der Neurodermitis-Fälle in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist. Die Ursachen für diese Entwicklung sind noch unklar. Ein möglicher Grund für diesen sprunghaften Anstieg: Die hygienischen Bedingungen verbessern sich stetig. Denkbar ist aber auch, dass die Krankheit insgesamt mehr Beachtung findet und daher öfter diagnostiziert wird.

Neurodermitis: Symptome

Typische Symptome einer Neurodermitis sind

  • trockene, rote, raue Hautstellen,
  • Hautschuppen,
  • nässende Hautbläschen oder Knötchen und
  • starker Juckreiz

Wie ausgeprägt die Symptome der Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) sind und welche Körperstellen betroffen sind, kann ganz unterschiedlich sein. Zudem verändert sich das Erscheinungsbild im Laufe des Lebens.

Die Haut Betroffener ist trockener als normale Haut. Sie kann weniger Feuchtigkeit speichern. Außerdem fehlen ihr bestimmte Hautfette. Sie wird mit der Zeit zunehmend rau, rissig und schuppt leicht.

In den meisten Fällen verläuft eine Neurodermitis in Schüben: Mal sind die Symptome stärker, mal schwächer – und manchmal bilden sie sich zurück. Manche Neurodermitiker*innen haben permanent Beschwerden, andere nur sporadisch.

Kratzen verstärkt die Symptome

Der quälende Juckreiz ist für die meisten das Symptom, das besonders belastend ist. Das Jucken kann die Lebensqualität ähnlich stark beeinträchtigen wie ein chronischer Schmerz.

Wer dem Juckreiz nachgibt und sich kratzt, kann die Neurodermitis verstärken. Keime können leicht in die aufgekratzten Stellen eindringen und sich dort ausbreiten.

Unterschiedliche Symptome im Laufe des Lebens

Das Erscheinungsbild der Neurodermitis ist unter anderem vom Alter abhängig:

  • Babys: Häufig zeigt sich ein atopisches Ekzem schon im Säuglingsalter als Milchschorf. Der Name geht auf die Tatsache zurück, dass die Hautveränderungen an verbrannte Milch erinnern. Mit einer (oft als Milchallergie bezeichneten) Laktoseintoleranz hat Milchschorf nichts zu tun. Symptome von Milchschorf sind gelblich-weiße Krusten in Kombination mit nässenden Entzündungsreaktionen der Haut, die sich flächenartig ausdehnen können. Meist sind bei Babys die Außenseiten (Streckseiten) der Arme und Beine, die Kopfhaut und das Gesicht betroffen (v.a. Stirn und Wangen). Oft besiedeln Viren und Bakterien die angegriffenen Hautbereiche.
  • Kinder und Jugendliche: Ab dem Kindes- und Jugendalter sind sogenannte Beugenekzeme für Neurodermitis typisch. Die Hautveränderungen, zeigen sich dann vor allem in den Beugefalten der Gelenke, etwa in den Kniekehlen und Ellenbeugen. Die Hände, der Hals und der Nacken sind ebenfalls häufig betroffen, das Gesicht hingegen nur selten. Im Gegensatz zu Babys ist die Haut bei Kindern und Jugendlichen mit Neurodermitis trockener und neigt eher zur Schuppenbildung. Mit zunehmendem Alter entstehen baumrindenartige Vergröberungen der trockenen und verdickten Haut. Diese Veränderung bezeichnet man Flechtenbildung (Lichenifikation).
  • Erwachsene: Neurodermitis zeigt sich bei Erwachsenen vor allem durch flächige Entzündungsherde an den Beugeseiten der Extremitäten. Auch an Gesicht, Hals und an den Händen können die entzündlichen Stellen zu sehen sein. Eine Sonderform der Neurodermitis kommt bei Erwachsenen häufiger vor: Die sogenannte Prurigoform (lat. prurigo = Juckreiz). Typische Symptome sind am ganzen Körper auftretende, Knötchen, die sehr stark jucken.

Neurodermitis: Ursachen

Die genauen Ursachen einer Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) sind unbekannt. Expert*innen gehen davon aus, dass eine erblich bedingte Anfälligkeit in Verbindung mit verschiedenen weiteren Faktoren die Erkrankung auslöst.

Fest steht: Die erbliche Veranlagung spielt eine große Rolle. Wenn Verwandte eine Neurodermitis haben, erhöht das das eigene Risiko, daran zu erkranken. Das gilt vor allem, wenn sowohl Mutter als auch Vater betroffen sind. Einige Beispiele:

  • Wenn beide Elternteile eine Neurodermitis haben, entwickelt ihr Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent ebenfalls ein atopisches Ekzem, Heuschnupfen oder allergisches Asthma.
  • Bei eineiigen Zwillingen sind in 75 Prozent der Fälle beide Kinder betroffen.
  • Bei zweieiigen Zwillingen erkranken nur in 23 Prozent der Fälle beide Kinder.

Gestörte Hautbarriere

Die Haut ist ein Sinnesorgan, das gleich mehrere Funktionen erfüllt. Zum einen schützt sie den Körper vor äußeren Einflüssen. Zum anderen reguliert sie unter anderem die Temperatur, die Schweißbildung und die Durchblutung.

Bei einer Neurodermitis ist die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört. Die ständigen Entzündungen führen dazu, dass Krankheitserreger und reizende Stoffe leichter eindringen können. Dies wiederum führt zu weiteren Schäden und Entzündungen.

Für die gestörte Hauptbarriere bei Neurodermitis ist unter anderem eine Genmutation verantwortlich, die die Produktion eines bestimmten Eiweißes hemmt: des Filaggrin. Filaggrin trägt wesentlich zur schützenden Hautbarriere bei. Bei einem Filaggrin-Mangel verändert sich die Beschaffenheit der Hautfette. Die Haut wird trockener und anfälliger für Störungen. Kommen weitere Faktoren hinzu – etwa häufiges Waschen mit Seife –, kann dies die Anfälligkeit zusätzlich erhöhen.

Überreaktion des Immunsystems

Ist die Haut geschädigt, können Fremdstoffe (Allergene) besonders leicht eindringen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Immunsystem zunehmend sensibler auf diese Allergene reagiert und eine allergische Form der Neurodermitis begünstigt.

Stuft das Immunsystem ein Allergen als gefährlich ein, bildet es Abwehrstoffe, die Antikörper. Ein wichtiger Abwehrstoff ist das Immunglobulin E (IgE). Im Zusammenspiel mit verschiedenen Botenstoffen des Immunsystems, den Zytokinen, bekämpft IgE das Allergen und reagiert mit einer entzündlichen Abwehrreaktion der Haut. Verschiedene weiße Blutkörperchen (vor allem die T-Lymphozyten) halten die Entzündungsreaktion in Gang.

Schätzungen zufolge leiden 3 bis 4 von 10 Neurodermitiker an einer solchen allergischen Form der atopischen Dermatitis. Ihr Immunsystem reagiert zum Beispiel auf Allergene wie Pollen, Hausstaubmilchen, Nüsse, Eier, Milch und Fisch. Die Antikörper, die das Immunsystem gegen diese Stoffe bildet, kann im Blut nachgewiesen werden.

Begünstigende Faktoren

Neben den Allergenen gibt es weitere Faktoren, die einen Neurodermitis-Schub begünstigen können. Dazu zählen zum Beispiel

  • der Kontakt mit rauen Textilien wie z. B. grober Wolle
  • Zigarettenrauch
  • Infektionen
  • bestimmte Lebensmittel
  • extreme klimatische Bedingungen (z. B. Kälte, Schwüle, Hitze)

Auch psychischer Stress kann eine Neurodermitis verstärken.

Von Person zu Person kann es ganz verschieden sein, welche Faktoren einen Schub begünstigen.

Neurodermitis: Diagnose

Der massive Juckreiz und die typischen, immer wiederkehrenden Hautveränderungen geben dem*der Hautärzt*in bereits erste Hinweise darauf, dass es sich um eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) handeln könnte.

Bestimmte körperliche Merkmale können zur Diagnose beitragen: Menschen mit Neurodermitis haben beispielsweise öfter Schatten unter den Augen (übernächtigtes Aussehen), vertiefte Handlinien (Ichthyosis-Hände) oder eine doppelte Falte am Augenunterlid (sog. Dennie-Morgan-Falte).

Im Gespräch wird der*die Ärzt*in einige Fragen zur Krankheitsgeschichte stellen, zum Beispiel:

  • Seit wann haben Sie die Beschwerden?
  • Haben Verwandte von Ihnen Neurodermitis?
  • Reagieren Sie auf bestimmte Stoffe allergisch?
  • Gibt es Auslöser, welche die Symptome begünstigen (z. B. StressErnährung)?

Anschließend wird der*die Ärzt*in die*den Erkrankte*n körperlich untersuchen und sich die gesamte Haut genau anschauen. Wichtig ist, dass andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen. Dazu zählen zum Beispiel Schuppenflechte oder ein Kontaktekzem. Gegebenenfalls wird dafür eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie).

Weitere Untersuchungen: Allergietests & Co.

Bei vielen Neurodermitiker*innen reagiert das Immunsystem auf bestimmte Stoffe mit einer Abwehrreaktion. Um eine solche allergische Form von Neurodermitis nachzuweisen, kann der*die Ärzt*in ergänzend verschiedene Untersuchungen veranlassen:

  • Hauttests: Verschiedene Hauttests können darüber hinaus Aufschluss darüber geben, wie empfindlich die Person auf bestimmte Fremdstoffe reagiert. Dies können zum Beispiel Blütenpollen, Hausstaubmilben, Nahrungsmittel oder Tierhaare sein. Ein häufig verwendeter Allergietest ist der Prick-Test: Der*die Ärzt*in bringt Flüssigkeiten, in denen Allergene gelöst sind, durch kleine Kratzer in die Haut ein oder befestigt sie mit Pflastern auf der Haut. Je nach Test steht das Ergebnis nach Minuten oder wenigen Tagen fest
  • Laboruntersuchungen: Durch eine Blutuntersuchung kann festgestellt werden, ob sich im Blut Abwehrstoffe (Immunglobuline) befinden, welche die Entzündungsreaktion der Haut hervorrufen. Zum Beispiel kann die Konzentration von Immunglobulin E bei Menschen mit Neurodermitis erhöht sein.
  • Provokationstest: Haben die Untersuchungen ergeben, dass das Immunsystem tatsächlich überempfindlich reagiert, sagt dies noch nichts darüber aus, ob und wie sehr sich das tatsächlich auf die Neurodermitis auswirkt. Aufschluss kann ein Provokationstest geben: Der*die Erkrankte nimmt beispielsweise ein bestimmtes, allergieauslösendes Nahrungsmittel zu sich. Anschließend wird beobachtet, ob die Haut darauf reagiert.
  • Eliminationsdiät: Der*die Betroffene verzichtet gezielt für eine Weile auf bestimmte Nahrungsmittel. Bessern sich die Beschwerden, deutet dies darauf hin, dass eine Nahrungsmittelunverträglichkeit die Neurodermitis-Schübe begünstigt.

Neurodermitis: Behandlung

Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) erfordert oft eine langfristige Behandlung. Wie genau die Therapie aussieht, ist immer vom Einzelfall abhängig.

Basistherapie: Körperpflege ist das A & O

Die Haut ist bei Neurodermitis besonders empfindlich. Ziel der Basistherapie ist es, die Haut ausreichend mit Feuchtigkeit zu versorgen. Besonders wichtig ist dabei die sorgfältige und regelmäßige Hautpflege mit rückfettenden Substanzen.

Tipps zur Basistherapie:

  • Verwenden Sie bei trockener Haut rückfettende Salben, z. B. mit Harnstoff
  • Ist die Haut weniger trocken, können Sie auf Öl-in-Wasser-Emulsionen zurückgreifen.
  • Zur Reinigung der Haut bieten sich rückfettendes Duschöl oder Ölbäder an.
  • Verwenden Sie möglichst keine aggressiven Seifen und Desinfektionsmittel.
  • Meiden Sie einen zu häufigen Kontakt mit Wasser.

Lokale Therapie: Äußerliche Behandlung während eines akuten Schubs

Bei einem leichten bis mittelschweren Neurodermitis-Schub reicht neben der Basistherapie meist eine äußerliche Behandlung aus, um die Beschwerden der Betroffenen ausreichend zu bessern.

Dabei spielen vor allem zwei Wirkstoffgruppen eine Rolle:

  • Glukokortikosteroide (kortisonhaltige Präparate), welche die überschüssige Immunreaktion des Körpers unterdrücken und
  • Calcineurin-Hemmer, welche die an der Entzündung beteiligten weißen Blutkörperchen beeinflussen.

Kortisonpräparate

Für einen kurzzeitigen Effekt ist eine Salbe mit Kortison ein sehr wirksames Mittel. Kortison hemmt die Entzündung und lindert den Juckreiz. Bei Neurodermitis im Gesicht und an empfindlichen Hautstellen, etwa am Hals, sollte man allerdings nur eine schwache Kortisonsalbe verwenden – und dies nur für eine begrenzte Zeit.

Für eine lang andauernde Neurodermitis-Behandlung sind Kortisonsalben weniger geeignet. Wichtig ist, die Präparate nicht zu lange zu verwenden und sie nicht zu stark zu dosieren. Kortison dazu führen, dass die Haut dünner und zunehmend empfindlicher wird (sog. Atrophie). Studien zufolge gibt es jedoch keine Anzeichen dafür, dass dieser Effekt von Dauer ist – sofern das Kortison nicht zu lange, zu häufig oder in zu starker Dosis genommen wurde.

Weitere Nebenwirkungen durch eine lange Behandlung mit Kortison sind: 

  • Teleangiektasien, kleine erweiterte Adern auf der Haut
  • Infektionen der Haut
  • Mundrose, eine Entzündung der Gesichtshaut
  • Rosacea, eine entzündliche Hauterkrankung
  • Dehnungsstreifen
  • Kontaktallergie

Auch kann es passieren, dass das Kortison nach längerer Anwendungszeit nicht mehr so gut wirkt.

Calcineurin-Hemmer

Wenn Kortisonpräparate nicht ausreichend geholfen haben oder nicht infrage kommen, kann der*die Mediziner*in Calcineurin-Hemmer wie Pimecrolimus oder Tacrolimus verschreiben. Die Wirkstoffe beeinflussen die Immunreaktion des Körpers. Sie verhindern, dass bestimmte Botenstoffe (Zytokine) in der Haut ausgeschüttet werden, sodass die Entzündungsreaktion abklingt. Calcineurin-Hemmer sind in Form von Salben oder Cremes erhältlich.

Im Gegensatz zu Kortison sind die Wirkstoffe Pimecrolimus oder Tacrolimus für eine langfristige Neurodermitis-Behandlung geeignet. Sie können vor allem auch auf empfindliche Bereiche wie Gesicht, Hals oder Genitalbereich aufgetragen werden.

Wenn Ihr*e Ärzt*in Ihnen Salben oder Cremes mit Calcineurin-Hemmern verschrieben hat, tragen Sie diese am besten auf, sobald Sie die ersten Symptome eines atopischen Ekzems bemerken. Dies gilt auch, wenn Sie Anzeichen eines Rückfalls feststellen. So können Sie Krankheitsschübe abfangen beziehungsweise dazu beitragen, dass die Schübe schwächer verlaufen.

Wenn Sie zeitweise oder dauerhaft Pimecrolimus-Creme gegen die Neurodermitis verwenden, ist unter Umständen weniger Kortison notwendig. Bei der äußerlichen Neurodermitis-Behandlung mit Tacrolimus-Salbe können Sie eventuell ganz auf Kortisonsalben verzichten.

Zu möglichen Nebenwirkungen von Calcineurin-Hemmern zählen

  • Juckreiz
  • Hautbrennen/Wärmegefühl auf der Haut
  • Hautrötung

Diese Nebenwirkungen klingen meist innerhalb der ersten Tage nach Behandlungsbeginn wieder ab. Für Kinder unter zwei Jahren sind Calcineurin-Hemmer nur im Einzelfall geeignet.

Lichttherapie (Phototherapie)

Wenn die Behandlung mit Salben oder Cremes nicht ausreicht, kann bei akuten Schüben zusätzlich eine Lichttherapie (Phototherapie) sinnvoll sein. Die betroffenen Bereiche werden mit ultraviolettem Licht (UV-Licht) in zunehmender Dosis bestrahlt. Dadurch wird die Entzündung gehemmt, und auch der Juckreiz kann sich zurückbilden.

Die Lichttherapie können Neurodermitiker*innen entweder ambulant im Krankenhaus oder bei einem*einer Hautärzt*in erhalten. Damit die Behandlung wirken kann, muss die Person mehrmals in der Woche bestrahlt werden.

Es gibt unterschiedliche Varianten von Lichttherapie. Oft wird mit einer Kombination aus UVA- und UVB-Strahlen behandelt. In besonders schweren Fällen von Neurodermitis kann die sogenannte PUVA-Therapie helfen. Hierbei nehmen die Betroffenen vor der Bestrahlung das Medikament Psoralen ein. Psoralen verstärkt die Wirkung der Strahlen um ein Vielfaches (Psoralen + UVA = PUVA).

Besonders nach einer PUVA-Therapie ist die Haut sehr lichtempfindlich. Möglicherweise ist das Krebsrisiko durch die UV-Strahlung erhöht. Daher ist besonders es wichtig, dass Neurodermitiker*innen während der Therapiephase auf ausreichenden Sonnenschutz achten.

Mögliche Nebenwirkungen der Lichttherapie sind:

Systemische Therapie: Medikamente zum Einnehmen

Manchmal reichen Salben oder Cremes nicht aus, um die Neurodermitis ausreichend zu lindern. Dann wird der*die Ärzt*in eine innerliche (systemische) Behandlung in Betracht ziehen. Das bedeutet: Der*die Erkrankte nimmt Medikamente ein, die auf den ganzen Körper wirken.

Häufig verwendete Medikamente zur innerlichen Therapie sind:

  • Dupilumab: Bei mittelschweren bis schweren Formen der Neurodermitis kann der Antikörper injiziert werden, vom Betroffenen selbst. Dupilumab wirkt spezifisch und hemmt die Bildung  eines Entzündungsstoffes. In der Regel wird der Wirkstoff gut vertragen.
  • Kortisonpräparate (Glukokortikoide): Sie kommen vor allem bei einem akuten Schub für eine vorübergehende Stoßtherapie zum Einsatz.
  • Ciclosporin A: Der Wirkstoff hemmt die überschießende Immunreaktion und ist für die längerfristige Therapie der Neurodermitis geeignet.
  • Antihistaminika (Antiallergika): Bei starkem Juckreiz kann zusätzlich zu anderen Medikamenten Antihistaminika verschrieben werden. Inwieweit Antiallergika wie Cetirizin oder Loratadin das Jucken bei einer Neurodermitis tatsächlich stillen, ist jedoch unklar und von Person zu Person unterschiedlich.
  • Antimikrobielle Arnzeimittel: In manchen Fällen kann eine innerliche antimikrobielle Neurodermitis-Behandlung notwendig sein – nämlich dann, wenn Pilze oder Bakterien die bereits geschädigte Haut besiedeln. Welches Präparat infrage kommt, richtet sich danach, um welche Mikroorganismen es sich handelt: Antimykotika wirken gegen Pilze, Antibiotika helfen gegen Bakterien.

Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten bei Neurodermitis

  • Entspannungstechniken: Der oftmals quälende Juckreiz kann sich zu einem übermächtigen, die Lebensqualität beeinträchtigenden Problem entwickeln. Hier kann gezielte Entspannung Erleichterung bringen, z. B. autogenes Training
  • Psychotherapie: Sie kann empfehlenswert sein, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist oder wenn Stress bei der Person einen akuten Schub auslöst.
  • Schulungen: In speziellen Neurodermitis-Schulungen lernen die Betroffenen, mit der Erkrankung besser umzugehen.
  • Selbsthilfegruppen: Vielen Betroffenen hilft es, sich in einer Selbsthilfegruppe mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Neurodermitis: Verlauf

Eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) verläuft bei jedem Betroffenen anders. Einzelne Schübe können unterschiedlich lang und schwer ausgeprägt sein. Bei vielen Babys und Kindern klingt die Neurodermitis von selbst im Laufe der Zeit ab – insbesondere dann, wenn sie bei Erkrankungsbeginn jünger als ein Jahr waren.

Auch wenn die Symptome nur leicht ausgeprägt sind: Eine Neurodermitis kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und mit einer hohen seelischen Belastung verbunden sein. Manche Menschen haben – zu Unrecht – Angst, sich anzustecken und grenzen Neurodermitiker*innen aus. Diese psychische Belastung kann weitere Beschwerden nach sich ziehen, so zum Beispiel Depressionen.

Mithilfe einer frühzeitigen und intensiven Therapie kann man den Verlauf einer Neurodermitis günstig beeinflussen. Es ist zwar bislang nicht möglich, ein atopisches Ekzem vollständig zu heilen. Jedoch können viele Betroffene dank moderner Therapieverfahren heutzutage ein normales Leben führen.

Neurodermitis: Vorbeugen

Neurodermitis können Sie kaum vorbeugen.

Experten empfehlen, ein Baby über die ersten vier bis sechs Lebensmonate konsequent zu stillen, ohne Fremdeiweiße (z. B. Kuhmilch) zuzuführen. Eventuell kann dies die Häufigkeit und Schwere der Neurodermitis bei Kleinkindern verringern.

Möglicherweise zeigen Nahrungsmittel mit probiotischen Bakterien einen schützenden Effekt. Eindeutig erwiesen ist dieser bisher jedoch nicht.