Amphotericin B

Allgemeines

Amphotericin B dient der Behandlung von Pilzinfektionen. Solche Erkrankungen nennt man Mykosen; sie treten gehäuft bei Patienten mit einer geschwächten Immunabwehr auf.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Schwere Pilzinfektionen behandeln
  • Infektionen im Mund- und Rachenbereich behandeln
  • Pilzinfektionen im Magen-Darm-Trakt vorbeugen und behandeln
  • Pilzinfektionen der Lungen und Atemwege behandeln
  • Pilzinfektionen innerer Organe behandeln.
  • Pilzinfektionen der Harnwege und im Genitalbereich behandeln
  • Den Befall innerer Organe mit bestimmten einzelligen Parasiten (Leishmaniose) bekämpfen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Amphotericin B im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Amphotericin B nicht verwendet werden?

Amphotericin B darf bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff weder äußerlich, noch innerlich, noch zur Gabe in die Blutbahn (Infusion) angewendet werden.

Der Einsatz als Infusion verbietet sich auch bei schweren Störungen der Leber- oder der Nierenfunktion.

Nur mit besonderer ärztlicher Vorsicht darf eine Infusion mit Amphotericin B bei Patienten erfolgen, die vorher eine Ganzkörperbestrahlung (beispielsweise gegen eine Krebserkrankung) erhalten hatten. Sie haben ein besonderes Risiko, an einer Krankheit der Gehirnmasse (Leukoenzephalopathie) zu erkranken.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Unbedenklichkeit der Anwendung von Amphotericin B während der Schwangerschaft ist noch nicht nachgewiesen. Daher darf es nur nach einer sorgfältigen Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt eingesetzt werden.

Gleiches gilt für die Stillzeit. Es ist nicht bekannt, ob Amphotericin B in die Muttermilch übergeht. Im Zweifelsfalle sollte abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder können bei Infusionen anfangs mit 1 bis 2 Milligramm Amphotericin B pro Tag behandelt werden. Bei Notwendigkeit und guter Verträglichkeit kann die Dosis auf 0,25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich gesteigert werden.

Die innerliche Anwendung des Wirkstoffs ist bei Kindern nicht erlaubt. Lediglich eine Suspension gegen Pilzerkrankungen der Mundschleimhaut kann, außer bei Frühgeborenen, an Kinder gegeben werden.

Welche Nebenwirkungen kann Amphotericin B haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Amphotericin B. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Gabe des Wirkstoffs in die Venen:
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blut-Kalium-Mangel, Blut-Kreatinin-Werterhöhung, Atembeschwerden, Brechreiz, Erbrechen, Nierenfunktionsstörungen (Blut-Stickstoffüberschuss, wasserklarer Harn, Körperübersäuerung, Kalziumablagerungen in der Niere), niedriger Blutdruck, Schüttelfrost, Fieber.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, Hautausschläge, Blut-Magnesium-Mangel, krankhafte Leberwerte.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Hautrötung mit Hitzegefühl (Flush).

Nebenwirkungen mit unbekannter Häufigkeit:
Blut-Kalium-Überschuss, Gewichtsverlust, Herzrhythmusstörungen (einschließlich Kammerflimmern, Herzstillstand und Herzversagen), Blutgerinnungsstörungen, Blutbildstörungen (Granulozyten-Fehlen, Eosinophilen-Überschuss, Weiße Blutkörperchen-Überschuss, Weiße Blutkörperchen-Mangel, Blutplättchenmangel), Krampfanfälle, Kopfschmerzen, Gehirnerkrankung, Nervenfunktionsstörungen, Nervenstörungen in Armen und Beinen, Verschwommensehen, Doppeltsehen, Gehörverlust, Ohrensausen, Schwindel, Lungenbläschenentzündung (allergisch), Lungenentzündung (allergisch), Bronchialkrämpfe, Wasseransammlung in der Lunge (nicht herzbedingt), Verdauungsstörungen, Magen-Darm-Entzündung (mit Blutungen, Oberbauchbeschwerden, Durchfall, Blutstuhl), akutes Nierenversagen, Harnsperre, überstarker Durst (Diabetes insipidus), Harnmangel, eingeschränkte Nierenfunktion, fleckig-blasiger Hautausschlag, Juckreiz, Hautabschälung, schwere Hauterkrankungen (toxische epidermale Nekrolyse, ), Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Bluthochdruck, Schock (auch allergisch), Schmerzen, Unwohlsein (an der Injektionsstelle), Schmerzen an der Injektionsstelle (mit oder ohne Venenentzündung), allergische Reaktionen, akutes Leberversagen, Gelbsucht.

Besonderheiten:
Bei Gabe über die Venen (intravenöse Anwendung) kommt es bei mehr als der Hälfte der Patienten zu Unverträglichkeitsreaktionen. Diese werden zumeist in Kauf genommen, weil es kaum Alternativen bei der Behandlung des Pilzbefalls innerer Organe gibt.

äußerliche Anwendung des Wirkstoffs auf der Mundschleimhaut
Gelegentliche Nebenwirkungen:
Nesselsucht, Gefäßschwellung, blasenbildende Hauterkrankungen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse).

Anwendung des Wirkstoffs in Form einer Tablette oder Suspension
Häufige Nebenwirkungen:
Zungenentzündung, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Hautausschläge.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Nesselsucht, Gefäßschwellung, blasenbildende Hauterkrankungen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse).

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Gesichtsschwellung, Verdauungsstörungen (Blähungen, saures Aufstoßen, Oberbauchschmerzen), pelziges Gefühl der gesamten Zunge, Mundtrockenheit, Mundschleimhautentzündung, Schwindel, Schlafstörungen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Amphotericin B?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei der Gabe von Amphotericin B zum Einnehmen sind keine Wechselwirkungen mit anderen Substanzen bekannt.

Bei der Gabe von Amphotericin über die Venen sind einige Wechselwirkungen vom Arzt zu beachten:
  • Die meisten Krebsmittel können das Risiko von Nierenschäden, Brochialkrämpfe und niedrigem Blutdruck erhöhen und sollten deshalb nur mit äußerster Vorsicht verabreicht werden.
  • bei Wirkstoffen wie dem Krebsmittel Cisplatin, dem Chemotherapeutikum Pentamidin, Aminoglykosid-Antibiotika, Ciclosporin (gegen Gewebsabstoßung nach Organverpflanzung) und dem Pilzmittel Flucytosin werden die nierenschädlichen Nebenwirkungen durch Amphotericin B verstärkt.
  • bei gleichzeitiger Therapie mit dem Pilzmittel Flucytosin kann sich dessen Konzentration im Blut und seine Giftigkeit erhöhen, weil Amphotericin B die Ausscheidung des Wirkstoffs über die Niere behindert.
  • Glukokortikoide und das Hormon Corticotropin (regelt die Wasserausscheidung der Niere) können den durch Amphotericin B verursachten Blut-Kalium-Mangel verstärken. Daher sollte die gleichzeitige Gabe von Glukokortikoiden in niedriger Dosierung nur erfolgen, wenn sie zur Behandlung der Nebenwirkungen dient.
  • eine gleichzeitige Therapie mit Entwässerungsmitteln kann das Risiko einer Nierenschädigung erhöhen und die Kalium-Ausscheidung verstärken.
  • bei einigen Wirkstoffen kann durch Blut-Kalium-Mangel deren Wirkung und Nebenwirkungen verstärkt werden. Dazu zählen Herzglycoside, Muskelrelaxanzien und Antiarrhythmika.
  • wenn während oder kurz vor der Infusion von Amphotericin B eine Übertragung (Transfusion) Weißer Blutkörperchen erfolgte, kann es in einigen Fällen zu akuten Lungenbeschwerden kommen. Deshalb sollten die Infusionen in möglichst großem Abstand erfolgen und die Lungenfunktion ärztlich überprüft werden.
  • die Virus-Mittel Foscarnet und Ganciclovir können die Nebenwirkungen von Amphotericin B auf das Blutbild und die Niere verstärken.
Amphotericin-B-haltige Lösungen dürfen nie mit Salzlösungen verdünnt oder mit anderen Wirkstoff-Lösungen gemischt werden, da dabei giftige Verbindungen entstehen können.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Insbesondere bei der Anwendung des Medikaments in Form von Infusionen müssen Leber- und Nierenfunktion, Blutbild und der Mineralstoff-Haushalt regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.
  • Nur bei der Anwendung des Medikaments in Form einer Infusion kann es aufgrund von starken Nebenwirkungen zu einer Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens kommen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Amphotericin B?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Amphotericin B enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Amphotericin B

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Amphotericin B. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Fungizide, zu welcher der Wirkstoff Amphotericin B gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Amphotericin B

Amphotericin B dient der Behandlung von Pilzinfektionen. Solche Erkrankungen nennt man Mykosen; sie treten gehäuft bei Patienten mit einer geschwächten Immunabwehr auf.

Der Wirkstoff wird eingesetzt bei Pilzerkrankungen im Kopfbereich, im Mund- und Rachenraum (zum Beispiel Soor) sowie bei Infektionen der Haut, der Atemwege, des Harntraktes und des Genitalbereichs. Mit Amphotericin B kann zudem ein Pilzbefall innerer Organe bekämpft werden.

Bestimmte Medikamente, beispielsweise Antibiotika, Glukokortikoide oder Zytostatika, können die Darmflora schädigen beziehungsweise die Immunabwehr schwächen und dadurch das Wachstum von Hefepilzen im Magen-Darm-Trakt fördern. Amphotericin B kann diesem Krankheitsbild vorbeugen beziehungsweise die Erkrankung heilen.

Der Wirkstoff kann weiterhin zur Bekämpfung einer Erkrankung der inneren Organe durch einzellige Parasiten (viszerale Leishmaniose) eingesetzt werden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Amphotericin B sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Amphotericin B

Amphotericin B findet hauptsächlich als Mittel gegen Pilzerkrankungen Ervwendung. Der Wirkstoff macht die Hülle der Pilzzellen durchlässiger, stört dadurch die Zellstruktur und beeinträchtigt die Vermehrung der Mikroorganismen.

Die Substanz wirkt gegen zahlreiche Pilze, vor allem gegen Hefepilze und Schimmelpilze. Hautpilze (Dermatophyten) hingegen sprechen meist nicht auf eine Behandlung an. Je nach Wirkstoffkonzentration und Art des Erregers kann Amphotericin B das Pilzwachstum hemmen (fungistatische Wirkung) oder die Pilze abtöten (fungizide Wirkung).

Neben dem pilzabtötenden Effekt ist Amphotericin B auch gegen bestimmte einzellige Parasiten (Leishmanien) wirksam.

Bei der Behandlung von Pilzbefall der Haut und Schleimhäute wird Amphotericin B äußerlich, beispielsweise als Salbe, angewendet. Liegt eine Pilzinfektion der Lunge vor, kann der Wirkstoff inhaliert werden. Zur Bekämpfung von Pilzerkrankungen des Verdauungstraktes wird er als Tablette oder Suspension eingenommen, denn er wird nicht in den Körper aufgenommen, sondern verbleibt im Magen-Darm-Kanal.

Soll Amphotericin B Infektionen innerer Organe heilen, muss es über Venen in den Körper gespritzt werden (intravenöse Gabe). Bei dieser Darreichungsform ist die Gefahr einer Nierenschädigung sehr groß. In neuerer Zeit haben sich Liposomenzubereitungen bewährt. Sie setzen den Wirkstoff verzögert frei und verringern seine nierenschädigende Wirkung. Dennoch müssen bei intravenöser Anwendung Nieren- und Leberfunktion sowie das Blutbild in kurzen Abständen kontrolliert werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.