Ganciclovir

Allgemeines

Ganciclovir ist ein Wirkstoff, der das so genannte Cytomegalie-Virus (CMV) bekämpfen kann. Er wird bei Menschen mit Abwehrschwäche eingesetzt, wenn eine Zytomegalie so schwer ist, dass sie das Leben des Patienten oder seine Sehfähigkeit bedroht. Bei diesen Menschen handelt es sich typischerweise um AIDS-Patienten oder Patienten nach Organtransplantationen, deren Abwehrsystem medikamentös unterdrückt wird. Bei Organtransplantierten bietet sich Ganciclovir auch zur Vorbeugung von CMV-Infektionen an.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Viruserkrankungen behandeln
  • Viruserkrankungen vorbeugen
  • Cytomegalie-Virus bekämpfen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Ganciclovir im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Ganciclovir nicht verwendet werden?

Bei Allergie oder Überempfindlichkeit gegen Ganciclovir oder Aciclovir und Valganciclovir sowie Valaciclovir (alles Wirkstoffe gegen Viren) darf dieser Wirkstoff auf keinen Fall angewendet werden. Gleiches gilt bei schwerem Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutropenie), schwerem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) oder zu niedrigem Blutfarbstoffwert.

Bei Nierenfunktionsstörungen muss der Einsatz durch den Arzt vorsichtig dosiert und kontrolliert erfolgen. Die Risiken und der Nutzen müssen gegeneinander abgewogen werden.

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit darf Ganciclovir wegen möglicher schwerer Schäden für das Kind auf keinen Fall eingenommen werden. Wer diesen Wirkstoff einnimmt, sollte eine wirksame Schwangerschaftsverhütung betreiben.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Ganciclovir nicht angewendet werden. Ein Einsatz ist überhaupt nur denkbar, wenn er ärztlich gegen die möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen abgewogen wird.

Welche Nebenwirkungen kann Ganciclovir haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Ganciclovir. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Verminderung bestimmter weißer Blutzellen (Neutrophile), Blutarmut, Luftnot, Durchfall.

Häufige Nebenwirkungen:
Verminderung der Blutplättchen, Verminderung der Gesamtblutzellzahl, Mangel an Weißen Blutkörperchen, Blutvergiftung, Zellulitis, Harnwegsinfektion, Mundpilzinfektion, Appetitverlust, Magersucht, Depressionen, Angst, Verwirrtheit, Denkstörungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Geschmacksstörungen, Taubheitsgefühle, Missempfindungen, Nervenstörungen, Krampfanfälle, Benommenheit, Augennetzhautablösung, Augenhintergrundschwellung, Augenschmerzen, Mückensehen, Ohrenschmerzen, Husten, Übelkeit, Erbrechen, Unterbauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Verstopfung, Blähungen, Schluckstörungen, Verdauungsstörungen, Leberfunktionsstörungen, Erhöhung der Leberwerte, Hautentzündungen, nächtliche Schweißausbrüche, Juckreiz, Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Gelenkschmerzen, Nierenschwäche, Nierenfunktionsstörungen, Müdigkeit, Fieber, Starre, Schmerzen, Brustschmerzen, Unwohlsein, Einstichstellenreaktionen, Kraftlosigkeit, Gewichtsabnahme, Erhöhung der Nierenwerte.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Einschränkung der Knochenmarksfunktion, schwere allergische Reaktionen, Psychosen, Unruhe, Zittern, Sehstörungen, Bindehautentzündung, Gehörverlust, Herzrhythmusstörungen, Senkung des Blutdrucks, Bauchauftreibung, Mundgeschwüre, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Sodbrennen, Aufstoßen, Vermehrung der Alaninaminotransferase (ein Enzym), Haarausfall, Nesselsucht, Hauttrockenheit, Nierenversagen, Blut im Urin, männliche Unfruchtbarkeit.

Nebenwirkungen ohne Angabe der Häufigkeit:
Zahnfleischentzündungen, Schleimhautdefekte, Mundtrockenheit, Krämpfe, Zungenentzündung, Rachenschmerzen, Speiseröhrenentzündung, Bauchwassersucht (Aszites), Leberentzündung, Gelbsucht, Stuhlinkontinenz, Zunahme der Enzyme Amylase und Lipase, Schwindel, Ohnmachtsanfälle, Koma, Schläfrigkeit, Gedächtnisverlust, Demenz, Euphorie, Halluzinationen, Gleichgewichtsstörungen, manische Reaktionen, Nervosität, Migräne, abnorme Träume, abnormer Gang, Aufgeregtheit, Verwirrtheit, Bewegungsstörungen, Verlust des Sexualtriebs, Blindheit, Schwachsichtigkeit, Netzhautentzündung, Ohrgeräusche (Tinnitus), Glaskörpertrübungen, Blutkörperchenmangel, Milzvergrößerung, Frösteln, mehrfaches Organversagen, Venenentzündung mit Thrombosierung, Bluthochdruck, Gefäßerweiterung, Herzinfarkt, Nasenbluten, Asthma, Akne, Überreaktionen der Haut auf Licht, Spannungsgefühl in der Brust, Senkung des Blutkaliumwerts, Impotenz, Häufigkeitsveränderung beim Wasserlassen, Genitalinfektionen, Muskelschwäche.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Ganciclovir?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Bei einer Reihe von Stoffen besteht die Gefahr, dass sich in Kombination mit Ganciclovir die Störung der Blutzellbildung verstärkt. Dies gilt insbesondere bei den Wirkstoffgruppen, die gegen Krebsleiden eingesetzt werden wie Chemotherapeutika (beispielsweise Dapson und Pentamidin) und Zytostatika (beispielsweise Vincristin, Vinblastin und Adriamycin). Gleiches gilt für die Mittel gegen Pilzerkrankungen Amphotericin B, Flucytosin und andere Nucleosidderivate. Aber auch Antibiotika (Wirkstoffe gegen Bakterien) in Form von Trimethoprim-Sulfamethoxazol-Kombinationen, und allgemein alle Wirkstoffen, die sich schnell teilende Zellen schädigen, können diesen Effekt haben.

Außerdem sollte Ganciclovir generell nicht mit Zidovudin, einem anderen Wirkstoff zur Virenbekämpfung, kombiniert werden, weil beide Wirkstoffe die Blutzellbildung schwer schädigen können und sich diese Wirkung summieren kann.

In Verbindung mit hochdosierten Penicillinen und Cephalosporinen, beides Antibiotikagruppen zur Bakterienbekämpfung, kann es zu Krampfanfällen kommen.

Probenecid, das zur Behandlung der Gicht verwendet wird, kann die Ausscheidung von Ganciclovir verringern und so dessen Nebenwirkungen erhöhen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Auch, wenn ein Kinderwunsch besteht, sollten Männer die ersten sechs Monate nach Behandlungsende eine wirksame Verhütungs vornehmen.
  • Während der Behandlung sind regelmäßige Blutbildkontrollen notwendig.
  • Generell sollte vorsichtig mit dem Wirkstoff umgegangen werden (Verunreinigungen vermeiden, Hautkontakt vermeiden, besondere Entsorgung).
  • Das Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt sein (besonders in Verbindung mit Alkohol).
  • Die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Ganciclovir?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Ganciclovir enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
Ganciclovir HEXAL 500 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

 

So wirkt Ganciclovir

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Ganciclovir. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe virenhemmende Mittel, zu welcher der Wirkstoff Ganciclovir gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Ganciclovir

Ganciclovir ist ein Wirkstoff, der das so genannte Cytomegalie-Virus (CMV) bekämpfen kann. Er wird bei Menschen mit Abwehrschwäche eingesetzt, wenn eine Zytomegalie so schwer ist, dass sie das Leben des Patienten oder seine Sehfähigkeit bedroht. Bei diesen Menschen handelt es sich typischerweise um AIDS-Patienten oder Patienten nach Organtransplantationen, deren Abwehrsystem medikamentös unterdrückt wird. Bei Organtransplantierten bietet sich Ganciclovir auch zur Vorbeugung von CMV-Infektionen an.

Die Anwendung des Wirkstoffs darf nur in einer speziellen Einrichtung von einem mit dem Wirkstoff erfahrenen Arzt vorgenommen werden.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Ganciclovir sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Ganciclovir

Als virenhemmendes Mittel wirkt Ganciclovir prinzipiell gegen die gesamte Humane-Herpes-Viren-Familie (Herpesviren). Seine Wirkung gegen eines dieser Viren, das Cytomegalie-Virus, ist jedoch besonders stark. Daher wird es bisher fast ausschließlich gegen dieses Virus eingesetzt.

Es wird im Körper zunächst chemisch umgewandelt, wodurch seine wirksame Form, Ganciclovir-Triphosphat, ensteht. Dieses wird vorwiegend in den vom Virus befallenen Körperzellen gebildet. Es stört den Virusstoffwechsel, wodurch das Virus in seiner Vermehrung behindert wird.

Ein Nachteil von Ganciclovir besteht darin, dass es wenig zielgerichtet wirkt. Das bedeutet, dass es nicht nur das Virus an der Vermehrung hindert, sondern auch Stoffwechselvorgänge in gesunden Körperzellen stört. Hieraus können sich einige schwerwiegende Nebenwirkungen ergeben.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.