Ein Arzt hält einen Becher für Urinproben in der Hand.
© Getty Images

Blut im Urin (Hämaturie)

Wer Blut im Urin entdeckt, bekommt wahrscheinlich erst mal einen Schreck. Ursachen für Blut im Urin gibt es jedoch viele – auch harmlose. Blut im Urin kann aber ebenso ein Warnzeichen sein, das man zeitnah ärztlich abklären lassen sollte.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Blut im Urin (Hämaturie)

Was ist Blut im Urin?
Wer von Blut im Urin spricht, meint in der Regel, dass es durch Blut zu einer sichtbaren Verfärbung des Urins kommt. Allerdings kann Blut auch in so kleinen Mengen im Urin vorliegen, dass keine sichtbare Verfärbung auftritt. Der Fachausdruck für Blut im Urin lautet Hämaturie (Wortteil häm- = Blut, -urie = Harn).

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Hämaturie:

  • Mikrohämaturie: Bei einer sog. Mikrohämaturie (mikro = klein) ist der Urin ist nicht rot verfärbt und das Blut im Urin nur mikroskopisch oder mittels Urinteststreifen erkennbar.
  • Makrohämaturie: Bei einer Makrohämaturie (makro = groß) färbt sich der Urin durch das enthaltene Blut mit bloßem Auge sichtbar rot.

Das Farbspektrum kann bei sichtbarem Blut im Urin außerdem variieren: Von rosa über rot bis braun ist alles möglich.

Damit sich der Urin verfärbt, genügt schon wenig Blut. Für 500 Milliliter Urin reichen zum Beispiel bereits 0,2 Milliliter Blut aus, um eine Verfärbung hervorzurufen. Schmerzen treten dabei in der Regel nicht auf. Befinden sich jedoch nicht nur einzelne rote Blutkörperchen, sondern ganze Blutklümpchen im Urin, kann das Wasserlassen mit Schmerzen verbunden sein.

Blut im Urin (Hämaturie): Ursachen

Für Blut im Urin (Hämaturie) gibt es verschiedene Ursachen. Es kann zum Beispiel ein Zeichen für Erkrankungen von Nieren, Nierenbecken, Blase, Harnleiter oder Harnröhre sein. Mögliche Erkrankungen, die mit einer Hämaturie einhergehen können, sind zum Beispiel:

Daneben gibt es für Blut im Urin auch Ursachen, die nur bei Frauen oder nur bei Männern infrage kommen. Generell zählen Harnwegsinfekte wie Blasenentzündungen bei Frauen sehr viel häufiger zu den Ursachen für Blut im Urin als beim Mann.

Blut im Urin bei Frauen

Blut im Urin kann bei Frauen auch im Rahmen einer normalen Regelblutung auftreten. Wenn Blutreste beim Wasserlassen vom Harnstrahl weggespült werden, kann sich der Urin verfärben.

In den Wechseljahren wird bei Frauen zudem häufiger eine Mikrohämaturie als Zufallsbefund festgestellt. Eine mögliche Ursache hierfür sind die nach der Menopause trockener und empfindlicher werdenden Schleimhäute der Harn- und Geschlechtsorgane.

Blut im Urin beim Mann

Beim Mann kann Blut im Urin zum Beispiel durch eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) entstehen. Eher selten verursacht dagegen Prostatakrebs Blut im Urin.

Blut im Urin nach körperlicher Belastung

Hin und wieder tritt bei ansonsten gesunden Menschen nach extremer körperlicher Belastung Blut im Urin auf. Vor allem bei Langstreckenläufern kann dies passieren (sog. Läuferblase).

Verfärbung durch Nahrungsmittel

Nicht immer ist Blut für eine Rotfärbung des Urins verantwortlich: Nahrungsmittel wie Rote Beete, Rhabarber oder Beeren (z.B. Heidelbeeren) können vorübergehend zu rötlich verfärbtem Urin führen.

Blut im Urin (Hämaturie): Diagnose

Um die Ursache für Blut im Urin (Hämaturie) herauszufinden und die Diagnose zu stellen, stellt der Arzt in der Regel zunächst einige Fragen, zum Beispiel:

  • Wann ist Ihnen das Blut im Urin zum ersten Mal aufgefallen?
  • Welche Färbung hatte der Urin (z.B. rosa, rot, dunkelrot, braun)?
  • Haben Sie sich kürzlich verletzt oder hatten Sie einen Unfall?
  • Bestehen weitere Beschwerden wie Blasenschmerzen oder Brennen beim Wasserlassen ?
  • Haben Sie Vorerkrankungen?
  • Haben Sie Blasensteine oder Nierensteine?
  • Nehmen Sie zurzeit Medikamente ein?
  • Bei Frauen: Wann war Ihre letzte Regelblutung?

Nach der Anamnese folgt meist eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt Bauch und Flanken abklopft und abtastet. Mittels Ultraschall (Sonographie) untersucht er Blase, Nieren und Harnleiter.

Bei Blut im Urin spielen Urinuntersuchungen eine wichtige Rolle für die Diagnose. Mittels Teststreifen lassen sich weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie weitere mögliche Urinbestandteile (z.B. Eiweiße) nachweisen.

Im Zweifelsfall lässt der Arzt außerdem einen Teil der Urinprobe unter dem Mikroskop untersuchen, um noch genauere Ergebnisse zu erhalten. Ist der Urin nicht rot verfärbt, erkennt der Labormediziner mithilfe eines Mikroskops, ob sich dennoch Blut im Urin befindet.

  • Zählt er bei einer 400fachen Vergrößerung in einem bestimmten Volumen mehr als 5 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld unter dem Mikroskop, liegt eine Mikrohämaturie vor.
  • Liegt bereits eine sichtbare rötliche Färbung vor, befinden sich mehr als 50 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld im Urin. Man spricht dann von einer Makrohämaturie.

Die Art der Hämaturie sagt jedoch nichts darüber aus, warum es zu einer Blutung gekommen ist beziehungsweise an welcher Stelle im Harntrakt das Blut austritt.

Bei einer Harnwegsinfektion liegen neben den roten auch zu viele weiße Blutkörperchen (Leukozyten) im Urin vor. Leukozyten im Urin können wiederum ein Hinweis auf eine ernsthafte Nierenerkrankung sein.

Je nach Ergebnis sind weitere Untersuchungen sinnvoll, um den Befund weiter abzuklären, wie zum Beispiel:

Blut im Urin (Hämaturie): Therapie

Welche Therapie bei Blut im Urin (Hämaturie) infrage kommt, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Eine kurzfristige Hämaturie nach sportlicher Anstrengung erfordert in der Regel keine Behandlung. Bei Erkrankungen kann dagegen eine gezielte Therapie notwendig sein. Hier einige Beispiele:

  • Verursacht beispielsweise eine bakterielle Infektion (z.B. eine Blasenentzündung) das Blut im Urin, können Antibiotika helfen. Sobald die Entzündung sich bessert, sollte auch kein Blut mehr im Urin auftreten.
  • Sind Blasensteine oder Nierensteine die Ursache für das Blut im Urin, kann eine Behandlung notwendig werden, falls die Steine nicht von alleine abgehen. Mögliche Methoden sind die Stoßwellentherapie (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL) oder das Einlegen einer Harnleiterschiene. Manche Steine können vom Urologen auch mit einer Schlinge geborgen werden.
  • Bei Tumoren, zum Beispiel Nierenkrebs, sind in der Regel zunächst eine Operation sowie gegebenenfalls weitere Therapien (Chemotherapie, Bestrahlung) notwendig.