Frau im Bett mit Schmerzen.
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Nierenbecken­entzündung (Pyelonephritis): Symptome und Hausmittel

Fieber, Abgeschlagenheit, heftige Flankenschmerzen – bei einer Nierenbeckenentzündung fühlen sich die Betroffenen plötzlich richtig krank. Die Erkrankung ist meist akut, kann unbehandelt aber chronisch werden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)?

Eine Nierenbeckenentzündung ist ein meist bakterieller Infekt der Niere. Er geht von dem Bereich der Niere aus, in dem sich der Urin sammelt, bevor er über den Harnleiter in die Blase fließt: dem sogenannten Nierenbecken. Ärzte bezeichnen eine Nierenbeckenentzündung auch als Pyelonephritis (griech.: nephros = Niere, pyelos = Becken). Sie zählt zu den häufigsten Nierenerkrankungen und trifft vor allem Frauen.

Die Nieren reinigen das Blut von Stoffen, die der Körper nicht braucht. Aus diesem körpereigenen Abfall bilden sie den Urin. Der Urin sammelt sich im Nierenbecken und fließt dann über die Harnleiter in die Blase, die ihn schließlich ausscheidet. Gelangen Keime in die Blase, kann diese sich entzünden. Wenn die Keime weiter aufsteigen, entzünden sich auch Harnleiter, Nierenbecken und Nierengewebe.

Das bekommen die Betroffenen meist sehr deutlich zu spüren: Während eine Blasenentzündung vor allem örtlich begrenzte Beschwerden wie häufigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen hervorruft, gerät bei einer Nierenbeckenentzündung der ganze Organismus in Aufruhr. Deshalb ruft eine Nierenbeckenentzündung meist ein Gefühl von Abgeschlagenheit hervor und äußert sich durch weitere Symptome, die den gesamten Körper betreffen, zum Beispiel Fieber und Schüttelfrost.

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Nierenbeckenentzündung: Symptome

Greift ein Harnwegsinfekt auf das Nierenbecken über, wehrt sich der Körper mit einer heftigen Entzündungsreaktion. Die Nierenbeckenentzündung äußert sich neben den Harnwegsbeschwerden auch durch ein starkes Krankheitsgefühl. Typische Symptome einer Nierenbeckenentzündung sind

Da die Entzündung in der Regel nur eine Niere betrifft, treten die Flankenschmerzen meist einseitig auf.

Mein Kind klagen manchmal auch über Beschwerden, die zunächst nicht an einen Infekt der Harnwege und Nieren denken lassen. Ausgeprägtes Krankheitsgefühl und Fieber sind mitunter die einzigen Anzeichen. Auch Bauchweh, Erbrechen oder Durchfall können bei Kindern Symptome einer Nierenbeckenentzündung sein.

Bei älteren Menschen macht sich diese nicht immer durch Fieber bemerkbar, sondern durch Verdauungsbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen oder auch durch Kopfweh.

Chronische Nierenbeckenentzündung

Wenn die Entzündung in Schüben immer wieder neu aufflammt, sprechen Ärzte von einer chronischen Nierenbeckenentzündung. Die Schübe äußern sich ähnlich wie die akute Nierenbeckenentzündung. Die Körpertemperatur steigt aber nicht so stark an wie bei der akuten Form.

Charakteristisch für die chronische Nierenbeckenentzündung ist vor allem, dass sie immer wieder zu Beschwerden führt. Typisch sind zudem:

Da die Nieren auch an der Blutbildung beteiligt sind, kann die chronische Pyelonephritis Symptome einer Blutarmut (Anämie) mit sich bringen. Darüber hinaus steigt häufig der Blutdruck, weil die Nieren weniger Flüssigkeit ausscheiden.

Nierenbeckenentzündung: Behandlung

Eine Nierenbeckenentzündung wird mit Wirkstoffgruppe/Antibiotika behandelt. Meist muss der Patient dafür nicht ins Krankenhaus, sondern kann die Antibiotika zu Hause einnehmen.

Da anfangs noch nicht klar ist, welche Erreger den Infekt verursachen, verabreicht der Arzt zunächst ein sogenanntes Breitbandantibiotikum, das viele verschiedene Bakterienarten abtöten kann.

Anschließend ermittelt er mithilfe einer Urinprobe, welche Bakterienart den Infekt ausgelöst hat. So kann er kann er das Breitbandantibiotikum im nächsten Schritt durch ein anderes Antibiotikum ablösen, das den vorliegenden Erreger gezielter bekämpft. Denn Breitbandantibiotika haben zwar ein breites Wirkspektrum, ihre Wirksamkeit bei den einzelnen Erregern ist aber zum Teil nicht so hoch wie die von Antibiotika, die extra für diese Bakterienart entwickelt wurden.

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Ist die Entzündung nicht zu stark, kommt der Patient das Antibiotikum in Tablettenform verschrieben. Geht es dem Patienten so schlecht, dass der Arzt befürchtet, die Nierenbeckenentzündung könnte zu einer Sepsis führen, muss der Patient ins Krankenhaus, wo ihm die Antibiotika über eine Infusion verabreicht wird.

Nierenbeckenentzündung: Hausmittel

Viel Tipps fürs richtige Trinken, Bettruhe, Wärme: Was bei einer Blasenentzündung hilft, fördert auch bei einer Nierenbeckenentzündung die Genesung – aber nur als unterstützende Maßnahmen und nicht als Alternative zur Antibiotikatherapie. Während eine Blasenentzündung oft von selbst wieder abklingt, sind Antibiotika bei einer Nierenbeckenentzündung immer notwendig.

Aus Sorge vor den mit den Antibiotika verbundenen Nebenwirkungen versuchen es manche Menschen zunächst mit pflanzlichen Hausmitteln wie Cranberry-Saft. Doch das ist riskant. Es gibt zwar Hinweise darauf, dass Cranberrys in den Harnwegen eine schützende Wirkung vor Infektionen entfalten. Gegen bestehende Infekte helfen sie aber nicht.

Der Versuch, eine Nierenbeckenentzündung allein mit Cranberry-Saft oder anderen Hausmitteln in den Griff zu bekommen, kommt also im Grunde einer Nichtbehandlung gleich. Unbehandelt kann sich die Infektion zu einer Sepsis weiterentwickeln.

Hausmittel zur Vorbeugung

Eine Nierenbeckenentzündung lässt sich zwar nicht mit Hausmitteln heilen. Es gibt aber durchaus Hausmittel, die zur Vorbeugung beitragen können. Hilfreich sind beispielsweise Tees und andere zuckerfreie Getränke: Wer immer ausreichend trinkt, sorgt dafür, dass seine Harnwege regelmäßig mit reichlich Flüssigkeit durchspült werden. Dadurch haben es Krankheitserreger schwerer, sich dort festzusetzen und auszubreiten.

Ein sehr beliebtes Hausmittel zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten wie Blasen- und Nierenbeckenentzündungen sind Cranberrys und daraus hergestellte Säfte, Konzentrate und Kapseln. Tatsächlich haben einige Studien gezeigt, dass diese Beeren Stoffe enthalten, die Bakterien daran hindern, sich an den unteren Harnwegen festzusetzen.

Allerdings ist noch nicht klar, ob die Wirkung ausreicht, um Infekten wirksam vorzubeugen. Bisherige Studien kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Und insgesamt waren die Studien nicht von ausreichender Qualität, als dass sich daraus verlässliche Aussagen ableiten ließen.

Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung einer Nierenbeckenentzündung

Auch wenn eine Nierenbeckenentzündung nicht ansteckend ist, lässt sich das Risiko durch eine Reihe von Hygienemaßnahmen verhindern. Denn: Auslöser ist häufig eine sogenannte Schmierinfektionen, bei der Darmbakterien in die Harnwege aufsteigen. Folgende Tipps helfen dabei, dieses Risiko so gering wie möglich zu halten:

  • Nach dem Stuhlgang sollte der After von vorne nach hinten abgewischt werden, damit keine Darmbakterien in die Nähe der Harnwege gelangen.

  • Unterwäsche sollte regelmäßig gewechselt werden.

  • Auch beim Geschlechtsverkehr können Darmkeime in die Harnwege gelangen. Verhindern lässt sich dies durch eine ausreichende Genitalhygiene. Außerdem sollte das Paar nicht zwischen Analverkehr und vaginalem Verkehr abwechseln.

Nierenbeckenentzündung: Ursachen

Verschiedene Erreger können eine Nierenbeckenentzündung auslösen. In den meisten Fällen – bei etwa 70 bis 80 von 100 Erkrankten – sind Darmbakterien der Art Escherichia coli die Ursache.

Seltener verursachen andere Bakterienarten (z.B. Proteus mirabilis, Klebsiellen) oder Pilze eine Nierenbeckenentzündung.

Wie kommt es zu der Infektion?

Es gibt verschiedene Einflüsse, die dazu führen können, dass Bakterien in die Harnwege gelangen und sich dort vermehren. Harnwegsinfekte entstehen häufig durch sogenannte Schmierinfektionen: Wenn ein Gegenstand oder Körperteil zunächst mit dem After und anschließend mit dem Scheideneingang- beziehungsweise dem Penis in Berührung kommt, können Darmbakterien in die Harnwege aufsteigen.

Dort lösen sie zunächst eine Blasenentzündung aus. Breiten sich die Keime von der Blase auf den Harnleiter, das Nierenbecken und die Nierenkelche aus, kommt es zu einer Nierenbeckenentzündung.

Normalerweise kann der Körper die Keime bekämpfen und ausschwemmen, bevor sie von der Blase in die Nieren aufsteigen. Zu einer Nierenbeckenentzündung kommt es in der Regel nur, wenn das Immunsystem geschwächt ist oder der Harn nicht richtig abfließen kann. Der sogenannte Restharn bietet Keimen gute Wachstumsmöglichkeiten.

Ursache für Harnabflussstörungen sind meist Erkrankungen wie

Auch Fremdkörper in den Harnwegen wie Katheter können eine Nierenbeckenentzündung verursachen.

Warum sind Frauen häufiger betroffen als Männer?

Frauen haben eine kürzere Harnröhre, sodass Bakterien bei ihnen einfacher in die Blase und von dort über die Harnleiter ins Nierenbecken gelangen können. Wenn Männer mit zunehmendem Alter Nierenbeckenentzündungen bekommen, ist der Grund meist eine vergrößerte Prostata, die den Harnabfluss behindert.

Nierenbeckenentzündung: Diagnose

Eine Nierenbeckenentzündung kann der Arzt häufig schon an den charakteristischen Symptome erkennen. Wenn der Patient häufiger zur Toilette muss als sonst und beim Wasserlassen Schmerzen verspürt, spricht dies für einen Harnwegsinfekt. Hat er zudem Fieber und fühlt er sich schlapp und abgeschlagen, spricht dies dafür, dass sich der Infekt auf die Nieren ausgeweitet hat.

Da nicht alle Patienten über die genannten Beschwerden klagen, sind für eine sichere Diagnose weitere Untersuchungen nötig. Im ersten Schritt beklopft der Arzt vorsichtig die Nierengegend des Patienten. Löst dies beim Patienten Schmerzen aus, sind die Nieren wahrscheinlich entzündet. Ärzte sprechen dann vom Nierenklopfschmerz.

Als nächstes nimmt der Arzt dem Patienten Blut ab und bittet ihn um eine Urinprobe, um beides auf Anzeichen für eine Nierenbeckenentzündung zu untersuchen:

  • Urinuntersuchung (Urinanalyse): Mit einem Teststreifen kann der Arzt schnell ermitteln, ob der Urin weiße und rote Blutkörperchen enthält. Beides sind Anzeichen für einen Harnwegsinfekt. Zudem wird eine angelegt, damit der Arzt die Art des Erregers ermitteln und die Therapie gezielt darauf abstimmen kann.

  • Blutuntersuchung: Im Falle einer Nierenbeckenentzündung sind die Entzündungswerte im Blut erhöht. Sind darüber hinaus die Harnstoff- und Kreatinin-Werte angestiegen, deutet dies darauf hin, dass die Funktion der Nieren beeinträchtigt ist. Dazu kommt es vor allem bei chronischen Nierenbeckenentzündungen.

Wichtig ist auch, dass der Arzt der Ursache der Entzündung auf den Grund geht. Es kann verschiedene Gründe dafür geben, dass Bakterien ins Nierenbecken gelangen. Ein häufiger Grund sind Harnabflussstörungen: Kann der Urin etwa aufgrund von Harnsteinen nicht richtig abfließen, können sich Bakterien leichter in den Harnwegen festsetzen und vermehren, weil sie nicht regelmäßig rausgespült werden.

Um Harnabflusstörungen zu erkennen, kann eine Ultraschall (Sonographie) hilfreich sein. Auf dem Ultraschall ist zu erkennen, ob der Urin von den Nieren in die Blase abfließen kann oder ob eine oder beide Nieren gestaut sind. Außerdem wird sichtbar, ob nach dem Wasserlassen Harn in der Blase verbleibt (sog. Restharn).

Nierenbeckenentzündung: Dauer & Verlauf

Die Dauer einer akuten Nierenbeckenentzündung beträgt meist nicht mehr als fünf bis zehn Tage, wenn der Patient die Antibiotika konsequent und wie verordnet einnimmt. Meist dauert es etwa zwei bis drei Tage, bis es dem Patienten deutlich besser geht.

Bei manchen Patienten tritt die Nierenbeckenentzündung immer wieder auf, wird also chronisch. Das passiert insgesamt selten und normalerweise nur bei Menschen, bei denen der Harnabfluss aufgrund von Fehlbildungen oder Vorerkrankungen dauerhaft beeinträchtigt ist.

Komplikationen einer Nierenbeckenentzündung

Eine Nierenbeckenentzündung kann unterschiedliche Komplikationen mit sich bringen:

  • Aus einer zunächst einfachen kann eine eitrige Nierenbeckenentzündung und im Extremfall ein Nierenabszess entstehen.

  • Dabei können die Erreger ins Blut gelangen und eine sogenannte Urosepsis verursachen, also eine von den Harnwegen ausgehende Blutvergiftung (bzw. Sepsis).

  • Darüber hinaus kommt es bei Nierenbeckenentzündungen unter Umständen zu Blut im Urin (sog. Hämaturie).

Eine akute Nierenbeckenentzündung kann vor allem dann mit Komplikationen verbunden sein, wenn die Infektion im Verlauf eines Krankenhausaufenthalts stattfand. Die Behandlung ist dann schwieriger, weil häufig viele verschiedene Erreger beteiligt sind.

Unter bestimmten Umständen erhöht sich außerdem das Risiko, dass sich aus der akuten eine chronische Pyelonephritis entwickelt, zum Beispiel bei:

Eine Nierenbeckenentzündung verläuft in der Schwangerschaft zwar oft unauffällig (jeder zweite Fall bleibt unerkannt), dennoch kann die Pyelonephritis Störungen der Schwangerschaft bis hin zu Fehlgeburt und Frühgeburt auslösen.

Wenn eine chronische Nierenbeckenentzündung die Nierenfunktion beeinträchtigt, kann das zu Bluthochdruck und einer Störung des Elektrolythaushalts führen. Ein fortschreitendes Nierenversagen infolge einer Pyelonephritis ist eher selten (1 von 1.000 Fällen).