Eine Ärztin im Gespräch mit einer Patientin.
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Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom)

Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom, Urethrakarzinom) ist eine äußerst seltene Krebsart: Nur etwa 0,3 Prozent aller Krebserkrankungen gehen von der Harnröhre (Urethra) aus. Die meisten Betroffenen sind älter als 50 Jahre.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Harnröhrenkrebs: Überblick

Warum ein Harnröhrenkarzinom entsteht, ist bisher ungeklärt. Mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Harnröhrenkrebs sind:

  • wiederholte Harnröhrenentzündungen
  • weibliches Geschlecht: Frauen sind etwa dreimal so oft von Harnröhrenkrebs betroffen wie Männer (womöglich, da sie aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre anfälliger für Harnwegsinfekte sind)
  • Geschlechtskrankheiten
  • häufige Verletzungen der Harnröhre (aufgrund von bestimmten Sexpraktiken)
  • Harnröhrenkarunkel (ein zunächst gutartiger Tumor der Harnröhre, der im Verlauf entarten kann)
  • Infektionen mit HPV (humanes Papillomavirus) vom Typ 16
  • Krebserkrankung der Harnblase (Blasenkarzinom)

Als erstes Anzeichen für Harnröhrenkrebs zeigt sich oft Blut im Urin (Hämaturie). Im weiteren Verlauf kann das Harnröhrenkarzinom unter anderem folgende Symptome verursachen:

Bildet der Harnröhrenkrebs Tochtergeschwulste (Metastasen), können weitere Symptome auftreten: Sind zum Beispiel die nahe gelegenen Lymphknoten (Leisten- und Beckenlymphknoten) betroffen, kann ein Lymphödem mit Schwellung vom Oberschenkel bis zu den Füßen entstehen.

Die Diagnose von Harnröhrenkrebs gelingt durch eine körperliche Untersuchung und eine Harnröhrenspiegelung (Urethroskopie). Um zu bestimmen, wie weit sich das Harnröhrenkarzinom ausgebreitet hat, können weitere Untersuchungen (Ultraschalluntersuchung, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie) notwendig sein.

Die Therapie von Harnröhrenkrebs besteht meist in einer Operation: Bei einem kleinen Harnröhrentumor, der nicht in die Umgebung eingewachsen ist, kann es ausreichen, die Harnröhre teilweise oder ganz zu entfernen. Bei Männern ist es unter Umständen notwendig, einen Teil des Penis zu entfernen. Das entfernte Penisgewebe lässt sich jedoch anschließend wiederherstellen. Gleiches gilt für die Harnblase, die man bei einem fortgeschrittenen Harnröhrenkarzinom unter Umständen entfernen muss.

Neben der operativen Behandlung kann gegen den Harnröhrenkrebs zusätzlich eine Strahlentherapie und/oder eine Chemotherapie zum Einsatz kommen. Wie hoch die Heilungschancen bei einem Harnröhrenkarzinom sind, hängt von der Lage des Tumors in der Harnröhre sowie von seiner Ausbreitung ab.

Harnröhrenkarzinom: Definition

Der Begriff Harnröhrenkrebs oder Harnröhrenkarzinom bezeichnet laut Definition eine bösartig wachsende Zellwucherung (Karzinom), die von der Harnröhre (Urethra) ausgeht. Entsprechend nennt man diese sehr seltene Krebserkrankung auch Urethrakarzinom.

Feingeweblich handelt es sich beim Harnröhrenkarzinom in der von vier Fällen um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom, also um einen Tumor, der aus Schleimhautzellen hervorgeht. Harnröhrenkrebs kann aber auch in folgenden Formen auftreten:

  • in etwa 20 Prozent der Fälle als Urothelkarzinom (d.h. der Harnröhrenkrebs ging von als Urothel bezeichneten Zellen aus, die die Harnröhre von innen auskleiden)
  • in etwa 5 Prozent der Fälle als Adenokarzinom (d.h. das Harnröhrenkarzinom ist aus Drüsenzellen entstanden)
  • als Melanom (d.h. der Harnröhrentumor hat sich aus entarteten Hautpigmentzellen bzw. Melanozyten gebildet)

 

 

 

Anatomie

Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) betrifft den untersten Abschnitt der harnableitenden Wege, die Harnröhre (Urethra). Sie beginnt unterhalb der Harnblase und leitet den Harn nach außen ab. In ihrer Anatomie unterscheidet sich die Harnröhre bei Männern deutlich von der Harnröhre bei Frauen:

  • Die Harnröhre der Frau ist mit 2,5 bis 5 Zentimetern sehr kurz. Sie mündet im Vorhof der Scheide, die seitlich von den kleinen Schamlippen begrenzt ist.
  • Beim erwachsenen Mann erreicht die Harnröhre dagegen eine Länge von 20 bis 25 Zentimetern. Sie durchquert unmittelbar nach ihrem Ursprung aus der Harnblase die Prostata, wo die Samenleiter in die Harnröhre münden. Der längste Abschnitt der Harnröhre verläuft im Penis und mündet an der Eichel.

Die Harnröhre (bzw. Urethra) ist nicht zu verwechseln mit dem Harnleiter (bzw. Ureter): Letzterer leitet den Harn aus dem Nierenbecken in die Harnblase. Auch im Harnleiter kann Krebs entstehen. Die Diagnose und Therapie von Harnleiterkrebs sowie die Heilungsaussichten unterschieden sich deutlich von denen bei Harnröhrenkrebs.

Häufigkeit

Insgesamt hat Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) eine äußerst geringe Häufigkeit: Er macht nur etwa 0,3 Prozent aller Krebserkrankungen aus. Frauen bekommen etwa dreimal so häufig Harnröhrenkrebs wie Männer.

Außerdem ist bei Harnröhrenkrebs die Häufigkeit je nach Altersgruppe recht unterschiedlich: So betrifft das Harnröhrenkarzinom überwiegend Menschen, die älter als 50 Jahre sind. Bei Frauen kommt Harnröhrenkrebs meist erst jenseits der Wechseljahre (Menopause) vor.

Wie entsteht Harnröhrenkrebs?

Die genauen Ursachen von Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) sind nicht bekannt. Als mögliche Auslöser für einen Harnröhrenkrebs gelten:

Ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung von Harnröhrenkrebs ist das Geschlecht: Frauen entwickeln dreimal häufiger ein Harnröhrenkarzinom wie Männer. Dieses offensichtlich höhere Risiko für Harnröhrenkrebs hat anatomische Ursachen: Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre anfälliger für Harnwegsinfekte als Männer.

Außerdem kann ein Harnröhrenkrebs seine Ursachen in einem Harnröhrenkarunkel haben: Dies ist ein zunächst gutartiger, erbsengroßer Tumor der Harnröhre, der im Verlauf entarten und sich zu einem bösartigen Harnröhrenkarzinom entwickeln kann.

Harnröhrenkrebs: Symptome

Zu Beginn sind die Symptome bei Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) oft unspezifisch. Im Laufe der Krebserkrankung können sich die Beschwerden verändern.

Erstes Anzeichen für den bösartigen Tumor der Harnröhre ist häufig Blut im Urin (Hämaturie).

Ist das aus der Harnröhre stammende Blut mit bloßem Auge zu erkennen, bezeichnet man das Symptom als Makrohämaturie; bei geringen (nicht sichtbaren) Blutmengen sprechen Mediziner von Mikrohämaturie. Dieses Symptom kann vor allem dann auf einen Harnröhrentumor hinweisen, wenn die Blutungen beim Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.

Solange das Harnröhrenkarzinom so klein ist, dass es die Harnröhre nicht verengt, verursacht es keine weiteren Beschwerden. Durch sein fortschreitendes Wachstum kommen beim Harnröhrenkrebs aber irgendwann zusätzliche Symptome hinzu. Ist die Harnröhre eingeengt, können folgende Beschwerden auftreten:

Wenn der Urin durch den Harnröhrenkrebs nicht richtig abfließen kann, verbleibt immer eine größere Restharnmenge in der Harnblase. Dadurch steigt das Risiko für Infektionen der Harnwege. Später kommt es bei Harnröhrenkrebs zu einer starken Gewichtsabnahme. Die Betroffenen schwitzen nachts verstärkt. Als weitere Symptome für ein Harnröhrenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium können sich eitrige Entzündungsherde (Abszesse) und krankhafte Gangverbindungen (Fisteln) bilden.

Metastasen

Ein Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) breitet sich zunächst örtlich begrenzt aus, indem er die Wände der Harnröhre durchdringt und in benachbartes Gewebe einwächst. Entsprechend treten als erste Symptome der Krebserkrankung Blut im Urin, Beschwerden nach dem Geschlechtsverkehr und Probleme beim Wasserlassen auf. Der Harnröhrentumor kann aber auch Absiedelungen beziehungsweise Tochtergeschwulste (sog. Metastasen) in den Lymphknoten der Umgebung bilden. In welchen Lymphknoten solche Lymphknotenmetastasen auftreten, hängt von der Lage des Tumors ab:

  • Ein Harnröhrenkrebs im vorderen Anteil der Harnröhre bildet überwiegend Metastasen in den Lymphknoten der Leiste.
  • Ein Tumor im hinteren Anteil der Harnröhre befällt eher die Beckenlymphknoten.

Siedelt sich der Harnröhrenkrebs in die Lymphknoten der Leiste und im Becken ab, kann der Lymphabfluss aus den Beinen beeinträchtigt sein. In der Folge staut sich die Lymphe, Oberschenkel und Füße schwellen an und ein Lymphödem entsteht.

Schreitet der Harnröhrenkrebs weiter fort, bilden sich weiter entfernt gelegene Metastasen (sog. Fernmetastasen); diese befinden sich vor allem in Lunge, Leber, Knochen und Gehirn. Metastasen können je nach Ort und Größe weitere Symptome verursachen.

Diagnose eines Harnröhrenkarzinoms

Bei Verdacht auf Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer körperlichen Untersuchung durch den Gynäkologen oder Urologen: Einen Tumor in der Mündung der Harnröhre kann der Arzt dabei häufig als Ausstülpung erkennen. Tumoren im Bereich des harnblasennahen Abschnitts können bei der Frau zu einer Vorwölbung der Scheidenschleimhaut führen. In manchen Fällen kann der Arzt den Tumor in der Harnröhre auch ertasten.

Um die Diagnose bei Harnröhrenkrebs zu sichern, eignet sich eine Spiegelung (Endoskopie) der Harnröhre unter örtlicher Betäubung oder Narkose: Diese Harnröhrenspiegelung (bzw. Urethroskopie) ermöglicht es bei beiden Geschlechtern, auch einen nahe an der Blase liegenden Harnröhrenkrebs zu erkennen. Im Rahmen der Untersuchung kann der Arzt sofort eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem Tumor entnehmen, um diese anschließend unter dem Mikroskop zu untersuchen (sog. Biopsie). Die Harnröhrenspiegelung mit Biopsie gibt Aufschluss über die Art, das Stadium, die Größe und die Eindringtiefe des Tumors.

Um festzustellen, ob das Harnröhrenkarzinom Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet hat, ist zur weiteren Diagnose eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) sinnvoll, mit deren Hilfe der Arzt die Lymphknoten der Leiste und die Beckenregion auf auffällige Veränderungen überprüfen kann. Krebszellen in den Lymphknoten lassen sich allerdings nur durch eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop sicher nachweisen. Noch genauer kann man die Ausbreitung von Harnröhrenkrebs mithilfe einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) bestimmen.

Harnröhrenkrebs: Behandlung

Bei Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) besteht die Therapie darin, den Tumor durch eine Operation zu entfernen. Zusätzlich kann (vor oder nach der Operation) eine Strahlentherapie (mit oder ohne Chemotherapie) gegen den Krebs zum Einsatz kommen.

Bei einem kleineren Harnröhrentumor, der nicht in die Umgebung eingewachsen ist, kann es ausreichen, die Harnröhre teilweise oder vollständig zu entfernen. Im fortgeschrittenen Stadium von Harnröhrenkrebs ist zur erfolgreichen Therapie ein größerer chirurgischer Eingriff erforderlich: Hierbei muss der Operateur, je nach Ausdehnung des Tumors, unter Umständen auch die Harnblase entfernen. Anschließend ist es jedoch möglich, die entfernte Blase aus Darmteilen nachzubilden. Falls es durch ein Harnröhrenkarzinom notwendig ist Teile des Penis zu entfernen, besteht auch hier die Möglichkeit das männliche Glied durch plastische Operationen nachzubilden.

Vor der Operation kann bei Harnröhrenkrebs zusätzlich eine sogenannte neoadjuvante Therapie zum Einsatz kommen: Dies bedeutet, dass man mit einer Strahlentherapie oder Chemotherapie versucht, den Harnröhrentumor zu verkleinern. Auch im Anschluss an die Operation erfolgt beim Harnröhrenkarzinom oft eine Strahlentherapie, um verbliebene Krebszellen abzutöten. Eine Chemotherapie ist dann ebenfalls möglich. Dabei kommen Wirkstoffe zum Einsatz, die auf Krebszellen giftig wirken. Die Chemotherapie ist mit der Strahlentherapie kombinierbar.

Harnröhrenkrebs: Verlauf und Prognose

Unbehandelt breitet sich Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) im weiteren Verlauf weiter aus. Die Prognose ist daher in hohem Maß vom Zeitpunkt der Diagnose abhängig: Grundsätzlich sind die Heilungschancen umso größer, je früher der Harnröhrenkrebs entdeckt wird. Auch die Lage des Harnröhrenkrebses wirkt sich auf die Prognose aus: Ein Tumor, der sich nahe an der Mündung der Harnröhre befindet, hat eine günstigere Prognose als Tumoren im oberen Teil der Harnröhre.

Trotz Behandlung kann der Harnröhrenkrebs wiederkehren (Rezidiv).

Nachsorge

Bei Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) ist es wichtig, den weiteren Verlauf nach der Behandlung durch eine individuell angepasste Nachsorge zu kontrollieren und zu beeinflussen: Dabei könnenHäufigkeit und Art der Nachsorge-Untersuchungen von Fall zu Fall verschieden sein. Entscheidend ist zum Beispiel, welche Beschwerden der Betroffene hat, und ob es gelungen ist den Harnröhrentumor vollständig zu entfernen.

Die Harnröhrenkrebs-Nachsorge hat zum Ziel, einen erneut auftretenden Tumor oder Metastasen frühzeitig zu entdecken und infolge der Behandlung entstandene Beschwerden zu lindern. Beim Harnröhrenkarzinom kommen folgende Nachsorge-Untersuchungen zum Einsatz:

Rehabilitation

Bei einem behandelten Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) kann im weiteren Verlauf auch eine Rehabilitation infrage kommen: Es stehen erfahrene Tumornachsorgezentren zur Verfügung, die stationäre Rehabilitationsmaßnahmen anbieten. Die Rehabilitation hat zum Ziel, die Lebensqualität auf körperlicher, sozialer, psychischer und beruflicher Ebene zu verbessern und zu sichern. Ob Rehabilitationsmaßnahmen im Einzelfall sinnvoll und möglich sind, entscheiden die behandelnden Ärzte.

Harnröhrenkrebs vorbeugen – geht das?

Bisher sind keine wirksamen Maßnahmen bekannt, mit denen Sie einem Harnröhrenkrebs (Harnröhrenkarzinom) sicher vorbeugen können. Da wiederholte Entzündungen und Verletzungen der Harnröhre sowie Geschlechtskrankheiten möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Harnröhrenkrebs spielen, ist es jedoch beispielsweise empfehlenswert, dass Sie: