Jemand hat im Schwimmbad einen Krampf im Fuß.
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Muskelkrämpfe (Krampf, Spasmus)

Bei einem Muskelkrampf zieht sich ganz plötzlich und ohne erkennbare Ursache die Muskulatur sehr stark zusammen. Und das schmerzt: Das weiß jeder, der schon einmal mitten in der Nacht von einem Wadenkrampf oder einem Krampf in den Füßen aus dem Schlaf gerissen wurde. Was hilft?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Muskelkrämpfe

Ein Muskelkrampf, Krampf oder Spasmus ist eine ungewollte und schmerzhafte Muskelanspannung. Während des Muskelkrampfes fühlt sich der betroffene Muskel steinhart an – nach wenigen Sekunden bis Minuten entspannt sich die Muskulatur aber für gewöhnlich wieder von selbst.

Ist von Krämpfen die Rede, sind meist Muskelkrämpfe in den Skelettmuskeln gemeint, also etwa in der Muskulatur der Oberschenkel, der Waden, der Füße oder der Hände. Im Prinzip können Krämpfe aber an fast jeder Stelle des menschlichen Körpers auftreten. Nur der Herzmuskel nimmt hierbei eine Sonderstellung ein: Das Herz kann nicht verkrampfen.

Generell lassen sich drei verschiedene Formen des Muskelkrampfes unterscheiden:

  1. Einen gewöhnlichen Muskelkrampf kennen vermutlich die meisten Menschen aus eigener Erfahrung. Dabei kommt es für einen kurzen Moment (Sekunden oder wenige Minuten) zu einer schmerzhaften Muskelanspannung – häufig in den Morgen­stunden in den Wadenmuskeln oder Zehen­beugern.
  2. Ein klonischer Muskelkrampf macht sich durch plötzlich auftretende, sehr kurze Zuckun­gen bemerkbar. Ein Beispiel hierfür ist das Zucken der Beine beim Einschlafen.
  3. Bei einem tonischen Muskelkrampf dagegen ist die betroffene Muskulatur dauerhaft stark angespannt – etwa bei Dystonie, Tetanus oder einem Schreibkrampf.

Muskelkrämpfe: Ursachen

Bis heute sind die Ursachen für Muskelkrämpfe nicht vollständig geklärt. Klar ist, dass die Anspannung und Entspannung der Muskeln durch Nerven gesteuert wird. Nerven elektrische Signale an die Muskulatur, um diese zur Anspannung zu bewegen. Übermittelt werden die Signale durch sogenannte Elektrolyte. Elektrolyte sind in Körperflüssigkeit gelöste Mineralstoffe wie Natrium, Calcium, Kalium und Magnesium.

Da Elektrolyte für die Steuerung der Muskeln so wichtig sind, wurde lange Zeit vermutet, dass Krämpfe durch Störungen im Elektrolythaushalt entstehen. Demnach können Nerven, denen es an Elektrolyten – vor allem an Magnesium – mangelt, nicht mehr wie gewohnt mit Muskeln kommunizieren. Dieses Kommunikationsproblem äußert sich in der unwillkürlichen Anspannung der Muskeln.

Heute ist dieser Zusammenhang allerdings umstritten. Zwar stimmt es, dass Krämpfe häufig mit einem Mangel an Elektrolyten einhergehen – vor allem bei Sportlerinnen und Sportlern: Wenn sie schwitzen, verliert ihr Körper Wasser und somit Elektrolyte.

Jedoch gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass dieser Verlust wirklich der Grund für die Krämpfe ist. Auch gibt es viele Menschen, die trotz ausreichender Mineralstoff-Zufuhr regelmäßig unter Muskelkrämpfen leiden. Zudem hat sich Magnesium in bisherigen Studien nicht als wirksames Mittel gegen Krämpfe erwiesen.

Video: Hilft Magnesium bei Muskelkrämpfen?

Muskelkrämpfe: Diagnose

Normalerweise sind Muskelkrämpfe harmlos. Wenn die Krämpfe aber immer wiederkommen, ist es sinnvoll, ein Arzt aufzusuchen. Der Arzt kann unter anderem eine Blutuntersuchung vornehmen, um etwa die Konzentration der Elektrolyte zu bestimmen.

Auch bei Muskelkrämpfen am ganzen Körper sollte man zum Arzt. Mögliche Ursachen sogenannter generalisierter Krampfanfälle sind Epilepsie oder eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) haben.

Muskelkrämpfe: Behandlung

Bei einem akuten Muskelkrampf, etwa nachts im Bett, kann Dehnen helfen. Studien haben ergeben, dass sich so manchmal die Dauer des Krampfes reduzieren lässt. Wissenschaftler empfehlen außerdem, den betroffenen Muskel regelmäßig und über einen längeren Zeitraum zu dehnen, um Krämpfen langfristig vorzubeugen.

Wer häufiger unter Muskelkrämpfen leidet, hört oft den gut gemeinten Ratschlag: "Nimm doch mal Magnesium". Dem aktuellen Forschungsstand zufolge darf man sich davon aber keine Wunder erhoffen: Bisher gibt es keine aussagekräftigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass Magnesium die Häufigkeit und Intensität von anstrengungsbedingten Muskelkrämpfen senken kann.

Dennoch empfiehlt die aktuell geltende medizinische Leitlinie, es mit Magnesium zu versuchen, weil keine schlimmen Nebenwirkungen zu erwarten sind, sofern man es mit der Dosierung nicht übertreibt. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung sollte die Tageshöchstmenge von 250 Milligramm Magnesium aber nicht überschritten werden.

Medikamentöse Therapie

Das einzige Medikament, das nach derzeitigem Forschungsstand gegen Muskelkrämpfe hilft, sind Chininpräparate mit einer Dosierung von 200 bis 500 Milligramm täglich. Chinin kann im Einzelfall allerdings zu schwerwiegenden – teils lebensbedrohlichen – Nebenwirkungen führen. Chinin ist rezeptpflichtig und darf daher nur von einem Arzt verordnet werden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, Chininsulfat nur dann einzunehmen, wenn der Betroffene sehr unter den Muskelkrämpfen leidet und Dehnübungen sowie Magnesiumpräparate wirkungslos blieben. Generell nicht auf Chinin zurückgreifen sollten