Eine Frau ist verschwitzt vom Sport und wischt sich mit der Hand über die Stirn.
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Hyperventilation, Hyperventilations­syndrom

Hyperventilation ist am ehesten bei Menschen zu beobachten, die Angst, Aufregung, Stress oder Panik verspüren. Die dadurch ausgelösten Symptome können sehr beunruhigend wirken, verursachen aber keine bleibenden Schäden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Hyperventilation, Hyperventilations­syndrom

Was ist Hyperventilation?

Hyperventilation ist eine gestörte Atemregulation: Menschen, die hyperventilieren, atmen schneller und tiefer, als es körperlich nötig ist – meist, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Als Hyperventilationssyndrom bezeichnet man das Krankheitsbild, also die mit der Hyperventilation verbundenen Symptome.

Hyperventilation kann sich sich auf die unterschiedlichsten Körperfunktionen auswirken. Zustande kommt das Hyperventilationsyndrom dadurch, dass die Betroffenen verstärkt Kohlendioxid (CO2) abatmen:

  • Dies hat zur Folge, dass die CO2-Konzentration im Blut sinkt,
  • wodurch der pH-Wert im Blut steigt (sog. respiratorische Alkalose: respiratorisch = durch die Atmung bedingt).
  • Das Ergebnis:
    • Die Zellen können den Sauerstoff aus dem Blut schlechter aufnehmen,
    • an den Zellen sind die Austauschvorgänge gestört,
    • die Konzentration an freiem Calcium im Blut sinkt (sog. Hypokalzämie).

Hyperventilation, Hyperventilationssyndrom: Ursachen

Häufig hat Hyperventilation seelische Ursachen. Manchmal stecken aber auch körperliche Gründe dahinter. Allgemein kann man sagen:

  • Ein plötzlicher, heftiger bzw. akuter Hyperventilationsanfall tritt meist bei völlig gesunden Menschen auf.
  • Bei Menschen, die ständig bzw. chronisch hyperventilieren, steckt oft eine Störung dahinter.

Für ein seelisch bedingtes akutes Hyperventilationssyndrom können zum Beispiel folgende Belastungssituationen verantwortlich sein:

Mögliche Ursachen für eine körperlich bedingte Hyperventilation sind:

Wenn eine Hyperventilation körperliche Ursachen hat, kann auch eine sogenannte Zirkularatmung dahinterstecken: Diese kommt zum Beispiel beim Spielen von Blasinstrumenten bewusst zum Einsatz – vor allem beim Spielen von Didgeridoos.

Viele Menschen, die hyperventilieren, sind sich dessen jedoch gar nicht bewusst. Sie bemerken aber unangenehme Symptome, die wiederum Angst auslösen und somit die Hyperventilation verstärken können: Es entsteht ein Teufelskreis aus sich gegenseitig auslösenden und fördernden Beschwerden.

Hyperventilation, Hyperventilationssyndrom: Diagnose

Ob die Diagnose einer Hyperventilation schnell gelingt, hängt vor allem von deren Symptomen ab. Zu hyperventilieren kann sich auf die unterschiedlichsten Körperfunktionen auswirken:

Welche Beschwerden ein Hyperventilationssyndrom im Einzelfall ausmachen, hängt davon ab, wie stark und wie lange man hyperventiliert. Entsprechend verursacht auch eine plötzliche und heftige (bzw. akute) Hyperventilation andere Symptome als eine dauerhafte (bzw. chronische):

  • Eine akute Hyperventilation ist meist unverkennbar und entsprechend leicht zu diagnostizieren. Im Vordergrund stehen die beschleunigte Atmung, Atemnot und Angst.
  • Eine chronische Hyperventilation ist schwerer zu erkennen, weil der Körper daran gewöhnt ist und seinen Stoffwechsel entsprechend angepasst hat. Darum löst die chronische Hyperventilation unauffälligere Symptome aus. Außerdem haben die Betroffenen oft noch andere Beschwerden, die das Hyperventilationssyndrom in den Hintergrund drängen.

Ist eine akute Hyperventilation gerade erst aufgetreten, kann der Arzt sie nachweisen, indem er mithilfe einer Blutgasanalyse die Kohlendioxid-Konzentration und den pH-Wert des Bluts bestimmt.

Außerdem besteht die Möglichkeit, das Hyperventilationssyndrom zu Diagnosezwecken künstlich hervorzurufen: Hierzu muss man drei Minuten lang schneller und tiefer atmet als normal. Wenn dieser Hyperventilationsversuch dieselben Beschwerden hervorruft, die auch im Alltag bei einem Hyperventilationsanfall auftreten (wie Kribbeln in Händen und Füßen, Verkrampfungen im Mundbereich, Sehstörungen, Schwindel, Gefühl des Nicht-Durchatmen-Könnens, Brustschmerzen), gilt die akute Hyperventilation als sicher diagnostiziert.

Bei einer chronischen Hyperventilation bringt der Provokationstest hingegen oft nichts, da der Körper sich bereits an das ständige Hyperventilieren gewöhnt hat und nicht mehr in dem Maße auf die verstärkte Atmung reagiert.

Deswegen ist die Krankengeschichte bei der chronischen Hyperventilation in der Regel wichtiger für die Diagnose als bei der akuten. Entsprechend erkundigt sich der Arzt ausführlich nach

  • Art und Dauer der Symptome,
  • Vorerkrankungen und
  • eventuell eingenommenen Medikamenten.

Wenn der Arzt ein Hyperventilationssyndrom festgestellt hat, gilt es, mögliche körperliche Ursachen – wie Lungenerkrankungen, Herzschwäche und Erkrankungen des Gehirns – auszuschließen. Je nach vermuteter Ursache für die Hyperventilation können dann weitere Untersuchungen zum Einsatz kommen, beispielsweise:

Hyperventilation, Hyperventilationssyndrom: Therapie

Wie eine Hyperventilation zu behandeln ist, hängt von ihrer Ursache ab. Beim psychisch bedingten akuten Hyperventilationssyndrom gilt es zunächst, sich zu beruhigen und sich klar zu machen, dass das Hyperventilieren an sich harmlos ist und keine gefährliche Krankheit hinter den Beschwerden steckt.

Wirkt sich die Hyperventilation bereits auf Nerven und Muskeln aus (z.B. in Form von Ameisenlaufen, Kribbeln oder Pfötchenstellung der Hände), hilft eine kurzzeitige Tütenrückatmung. Dazu benötigen Sie nur eine Tüte (Plastik- oder Papiertüte) – und dann:

  • halten Sie die Öffnung der Tüte über Mund und Nase und
  • atmen Sie ruhig und gleichmäßig in die Tüte.

So klingen die Beschwerden in aller Regel rasch ab. Denn bei der Rückatmung nimmt man das Kohlendioxid aus der ausgeatmeten Luft wieder auf. Dadurch steigt die Kohlendioxid-Konzentration im Blut, die die infolge der Hyperventilation gesunken ist, schnell wieder an – und die Zustände im Körper normalisieren sich.

Löst die Hyperventilation Krämpfe aus (sog. Hyperventilationstetanie), kann der Arzt im akuten Anfall Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine (z.B. mit dem Wirkstoff Diazepam) spritzen.

Langfristig ist eine Atemschulung ratsam: Hier lernen Sie spezielle Atemtechniken, um weitere Hyperventilationsanfälle zu verhindern. Auch Entspannungstechniken können gegen Hyperventilation helfen, wie:

Wenn ausgeprägte Angstzustände oder Ähnliches verantwortlich sind für die akute Hyperventilation, können eine Psychotherapie und in Extremfällen auch Medikamente sinnvoll sein, die auf die Psyche wirken (sog. Psychopharmaka, z.B. die Wirkstoffe Imipramin, Paroxetin).

Bei einer chronischen Hyperventilation, hinter der eine körperliche Erkrankung wie Blutarmut oder eine Schwäche der Muskulatur des linken Herzens (Linksherzinsuffizienz) steckt, ist eine gezielte Therapie der Grunderkrankung notwendig.