Eine Frau kauert am Boden, schemenhaft dargestellt Hände greifen nach ihr.
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Schizophrenie

Etwa einer von 100 Menschen erkrankt im Laufe seines Lebens an Schizophrenie. Wahnvorstellungen oder Halluzinationen sind nur einige der möglichen Symptome. Einige Betroffene zeigen schon Jahre vor dem Ausbruch der Schizophrenie erste Anzeichen einer beginnenden Psychose.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Schizophrenie

Video: 6 Irrtümer über Schizophrenie

Ausgegrenzt, gemieden, verspottet: Menschen mit Schizophrenie stoßen immer wieder auf Ablehnung. Fast jeder Dritte möchte nicht mit einer Person zusammenarbeiten, die an Schizophrenie erkrankt ist. Das ist das Ergebnis einer Umfrage mit 3.600 Personen aus dem Jahr 2011. Im Jahr 1990 war es noch jeder Fünfte.

Mögliche Ursachen dieser Stigmatisierung sind eine Abnahme von Mitleid und Hilfsbereitschaft, aber auch Unwissenheit. Viele denken, schizophrene Menschen seien grundsätzlich gewalttätig und unberechenbar. Fest steht: Aggression und Gewalt können zwar während einer akuten Krankheitsphase vorkommen – die allermeisten Menschen mit Schizophrenie werden anderen gegenüber jedoch nicht gewalttätig.

Dass eine Schizophrenie viele verschiedene Facetten und Ausprägungen hat und nicht unbedingt mit Aggression, Halluzinationen oder Wahnvorstellungen einhergehen muss, ist Außenstehenden oft gar nicht bewusst.

Definition: Was ist Schizophrenie?

Unter Schizophrenie versteht man eine Gruppe psychischer Störungen, die zu den Psychosen zählen. Eine Psychose ist eine Erkrankung, bei der das eigene Erleben und die Wahrnehmung gestört sind, sodass der Bezug zur Realität verloren geht. Eine Person, die gerade eine Psychose erlebt, nimmt ihre Umwelt und sich selbst anders wahr, als sie es normalerweise tut.

Frauen und Männer sind etwa gleich häufig von einer Schizophrenie betroffen. Männer sind im Durchschnitt drei bis vier Jahre jünger als Frauen, wenn die Diagnose gestellt wird.

Die einzelnen Ausprägungen von Schizophrenie sind so verschieden, dass es ein typisches Krankheitsbild gar nicht gibt. Psychiatrische Fachleute sprechen daher stattdessen oft vom "schizophrenen Formenkreis".

Schizophrenie tritt bei einigen Formen in Schüben auf. Das heißt: Die psychotischen Symptome halten für eine gewisse Zeit an und klingen nach einigen Wochen bis Monaten vollständig oder teilweise wieder ab. Die Beschwerden können aber auch kontinuierlich vorhanden sein und langsam an Intensität zunehmen.

Die Symptome einer Schizophrenie können sehr unterschiedlich sein. Dazu zählen vor allem

  • Realitätsverlust,
  • Wahrnehmungsstörungen,
  • Denkstörungen,
  • Probleme mit der Sprache,
  • Antriebsstörungen und
  • motorische Störungen.

Keine gespaltene Persönlichkeit

Schizophrenie wird im Volksmund manchmal mit einer "gespaltenen Persönlichkeit" gleichgesetzt. Möglicherweise liegt das daran, dass Mediziner die Schizophrenie früher als "Spaltungsirresein" bezeichnet haben. Mit einer Persönlichkeitsspaltung hat die Schizophrenie jedoch nichts zu tun.

Wenn ein Mensch mehrere Persönlichkeiten in sich vereint, spricht man von einer dissoziativen Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung). Diese Störung wird sehr selten diagnostiziert. Bei Schizophrenie ist die Persönlichkeit nicht "gespalten", vielmehr sind das innere Erleben und die Wahrnehmung der Umwelt stark gestört.

Schizophrenie: Formen

Psychiater unterschieden verschiedene Formen von Schizophrenie. Je nach Form sind bestimmte Symptome besonders stark ausgeprägt.

Paranoide Schizophrenie

Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Form der Schizophrenie; etwa sieben bis acht von zehn Menschen mit Schizophrenie erhalten diese Diagnose. Im Vordergrund stehen vor allem Wahnvorstellungen und Halluzinationen (z. B. Stimmenhören). Betroffene glauben beispielsweise, Außerirdische oder Geister würden sie beobachten und mit ihnen reden. Oder sie sind der Überzeugung, dass sie verfolgt werden oder dass ihre Gedanken abgehört werden. Die meisten Patienten sind bei der Diagnose zwischen 25 und 35 Jahre alt.

Hebephrene Schizophrenie (desorganisierte Schizophrenie)

Die hebephrene Schizophrenie beginnt häufig im Jugendalter. Typisch ist ein gestörtes Gefühls- und Gemütsleben. Die Stimmung passt nicht zur jeweiligen Situation: Zum Beispiel lacht der Betroffene immer wieder, zieht Grimassen und verhält sich unangemessen heiter, obwohl es keinen objektiven Grund dazu gibt. Weitere häufige Symptome der hebephrenen Schizophrenie sind formale Denkstörungen oder ein flapsiges, unberechenbares Auftreten.

Katatone Schizophrenie

Die seltener vorkommende katatone Schizophrenie zeichnet sich vor allem durch Bewegungsstörungen aus. Die ersten Symptome treten meist schon im Jugendalter auf. Mancher Patient ist sehr unruhig und hat einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Der Gegensatz dazu ist der katatone Stupor: Der Patient harrt wie erstarrt und bewegungslos aus.

Auch sogenannte Automatismen kommen vor: Die Person führt bestimmte Bewegungen immer wieder aus (z. B. schaukelt sie mit dem Oberkörper hin und her) oder sie wiederholt immer wieder bestimmte Worte oder Silben. Möglich ist zudem, dass der Betroffene wie ein Automat allen Wünschen nachkommt (sog. Befehlsautomatismus).

Schizophrenia simplex

Die Schizophrenia simplex ist eine milde Form der Schizophrenie. Sie entwickelt sich meist schleichend. Die intellektuelle Leistungsfähigkeit verringert sich allmählich, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Die Person interessiert sich immer weniger für Dinge, die ihr früher wichtig waren, und sie zieht sich zurück.

Auf Außenstehende wirken die Erkrankten "merkwürdig" und "verschroben". Halluzinationen und Wahnvorstellungen treten bei der Schizophrenia simplex in der Regel nicht auf.

Schizophrenie: Erste Anzeichen

Schon Monate bis Jahre vor dem eigentlichen Ausbruch können bestimmte Anzeichen auf eine mögliche spätere Schizophrenie hinweisen. Dieses Vorstadium der Schizophrenie bezeichnen Psychiater als Prodromalphase. Eine Schizophrenie kann aber auch plötzlich ohne vorherige Anzeichen auftreten.

In der Prodromalphase ziehen sich die Betroffenen immer mehr aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie wirken distanziert, sind häufig depressiv und nehmen die Realität unter Umständen bereits verzerrt wahr.

Wichtig zu wissen: Symptome wie sozialer Rückzug, Depressionen oder andere Beschwerden sind nicht zwangsläufig Anzeichen einer beginnenden Schizophrenie. Sie können auch im Rahmen anderer Erkrankungen auftreten. Meist lässt sich erst im Nachhinein beurteilen, ob die Beschwerden tatsächlich mit einer sich ankündigenden Schizophrenie in Zusammenhang standen.

Schizophrenie: Symptome

Eine akute schizophrene Episode kann je nach Form und Ausprägung mit verschiedenen Symptomen einhergehen.

Im Zusammenhang mit Schizophrenie unterscheidet man

  • positive und
  • negative Symptome.

Positive Symptome (Plussymptome) sind verschiedene Phänomene, bei denen das normale Erleben übersteigert ist. Zu positiven Symptomen zählen etwa Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.

Von negativen Symptomen (Minussymptomen) sprechen Ärzte hingegen, wenn bestimmte Bereiche im Vergleich zum gesunden Menschen eingeschränkt sind. Mögliche negative Symptome sind mangelnder Antrieb, Aufmerksamkeitsstörungen, die Unfähigkeit, sich zu freuen und sozialer Rückzug.

Übersicht: Mögliche Symptome der Schizophrenie

Symptom Beschreibung Beispiele

Wahnvorstellungen

Der Betroffene verliert den Bezug zur Realität.

Verfolgungswahn: Der Patient fühlt sich von einem Geheimdienst verfolgt.

Beziehungswahn: Der Patient ist davon überzeugt, dass der Nachrichtensprecher im Fernsehen verschlüsselte Botschaften an ihn sendet.

Größenwahn, religiöser Wahn: Der Patient glaubt, ein (verkanntes) Genie zu sein; der Patient glaubt, Botschaften von einem gottähnlichen Wesen zu erhalten.

Halluzinationen

Der Betroffene nimmt Dinge war, die objektiv nicht existieren.

Akustische Halluzinationen: Der Patient hört Stimmen, die seine Handlungen kommentieren.

Optische Halluzinationen: Der Patient sieht eine Person, die nicht existiert.

Geruchs- und Geschmackshalluzinationen: Der Betroffene nimmt einen fauligen Geruch wahr, den andere Menschen nicht bemerken.

Körperhalluzinationen: Die Person hat das Gefühl, es würde elektrischer Strom durch ihren Körper fließen.

Formale Denkstörungen

Der Ablauf des Denkens ist beeinträchtigt.

Der Patient redet zusammenhanglos, umständlich und ohne Logik.

Der Patient antwortet völlig unpassend auf eine Frage.

Der Patient verliert plötzlich den Gesprächsfaden.

Der Patient kombiniert Wörter miteinander oder erfindet neue Wörter (Neologismen).

Das Denken ist verlangsamt oder beschleunigt, was sich auch sprachlich bemerkbar macht.

Ich-Störungen

Der Betroffene kann nicht mehr oder nur schwer zwischen sich und der Umwelt unterscheiden.

Derealisation: Die Umgebung kommt der Person eigenartig fremd und künstlich vor.

Depersonalisation: Die eigene Person oder einzelne Körperteile werden als fremdartig und nicht zu einem zugehörig erlebt.

Gedankenausbreitung: Der Betroffene glaubt z.B., dass er eigene Gedanken auf andere Menschen übertragen kann.

Gedankenentzug: Die Person glaubt z.B., eine höhere Macht habe ihr die Gedanken "geraubt".

Gedankeneingebung: Die Person glaubt etwa, dass ihre Gedanken nicht die eigenen sind, sondern von einer fremden Macht "eingepflanzt" wurden.

Störungen des Affekts

Das Gefühls- und Gemütsleben ist beeinträchtigt.

Gefühle werden nur eingeschränkt wahrgenommen.

Der Patient fühlt sich depressiv.

Der Patient lacht, obwohl er traurig ist (sog. Parathymie).

Der Patient hat gegensätzliche, ambivalente Gefühle zu einer Person.

Der Patient ist aggressiv und angespannt.

psychomotorische Störungen, Willensstörungen

Der Bewegungsablauf und der Wille sind beeinträchtigt.

Der Patient möchte eine bestimmte Sache tun, kann sich aber nicht dazu entscheiden, diese umzusetzen (sog. Abulie).

Der Betroffene führt bestimmte Bewegungsmuster immer wieder aus, z.B. zieht er wiederholt Grimassen oder schaukelt mit dem Oberkörper (sog. Stereotypien).

Ausdruck und Mimik sind erstarrt, der Patient bewegt sich kaum oder gar nicht und zeigt keine/kaum Reaktionen auf Ansprache (sog. Stupor).

Es kommt zu starken Unruhezuständen (Agitiertheit).

Wahnvorstellungen

Etwa 8 von 10 Menschen mit Schizophrenie haben im Verlauf der Erkrankung Wahnvorstellungen. Eine Wahnvorstellung ist eine sogenannte inhaltliche Denkstörung. Die Vorstellungen und Überzeugungen des Erkrankten weichen stark von der Realität ab oder er interpretiert das, was um ihn herum passiert, falsch. Personen mit Wahnvorstellungen fühlen sich beispielsweise von anderen verfolgt oder sie glauben, über besondere Macht zu verfügen.

Das Besondere an solchen Wahnideen ist, dass sie auf Außenstehende sehr bizarr wirken und häufig magisch-mystische Einschläge aufweisen. So glaubt der Schizophrene vielleicht, eine Gottheit zu sein (Größenwahn). Oder er meint, über besondere Kräfte zu verfügen, die man von Märchen- oder Fantasy-Figuren kennt.

Ein Beispiel für eine Wahnvorstellung: Ein Erkrankter sieht, dass Bauarbeiter die Straße aufreißen. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass die Bauarbeiter in Wahrheit getarnte Geheimagenten sind, die unterirdische Abhörleitungen bis in seine Wohnung verlegen, um ihn zu bespitzeln.

Halluzinationen

An Halluzinationen leidet etwa die Hälfte aller Menschen mit Schizophrenie. Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung. Wer sie erlebt, nimmt Dinge wahr, die eigentlich nicht existieren.

Manche Erkrankte sehen Gesichter, die nicht vorhanden sind (optische Halluzination); oder sie hören Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt (akustische Halluzination).

Akustische Halluzinationen kommen besonders häufig vor. Oft äußern sie sich durch Stimmen, die dem Erkrankten Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen) oder ihr Verhalten kommentieren (sog. kommentierende Stimmen). Manche Betroffene hören Stimmen, die sich untereinander unterhalten (sog. dialogisierende Stimmen).

Das Gedankenlautwerden gehört ebenfalls zu den akustischen Halluzinationen. Dabei glauben Betroffene, die eigenen Gedanken zu hören. Generell können Halluzinationen jedes Sinnesorgan betreffen, also auch das Riechen, Tasten und Schmecken.

Für die Betroffenen selbst sind Halluzinationen und Wahnvorstellungen in sich schlüssig und vollkommen real. Sie hören zum Beispiel Stimmen genau so, wie man eine reale Stimme hören würde. Menschen mit Schizophrenie haben den Bezug zur Realität verloren. Sie lassen sich nicht davon überzeugen, dass ihre Ansichten nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Halluzinationen

Ich-Störungen

Bei einer Ich-Störung verschwimmt die Grenze zwischen "Ich" und "Umwelt. Einige Beispiele:

  • Depersonalisation: Eigene Gedanken, Gefühle oder Körperteile empfindet der Patient als fremd und als nicht zu sich gehörig.
  • Derealisation: Die Umwelt wird als unwirklich und andersartig erlebt.
  • Gedankenausbreitung: Die Person hat das Gefühl, dass sich seine Gedanken im Raum ausbreiten und dass andere sie hören können.
  • Gedankenentzug: Betroffene glauben, dass ihre Gedanken von außen (z.B. von einer fremden Macht) "entzogen" bzw. weggenommen werden.
  • Gedankeneingebung: Der Betroffene glaubt, dass seine Gedanken von jemand anderem "eingepflanzt" wurden.

Formale Denkstörungen

Formale Denkstörungen treten bei rund zwei von drei Menschen mit Schizophrenie auf. Dabei ist der Denkablauf gestört. Das Denken vieler Betroffener ist zerfahren und zusammenhangslos. Die Gedankengänge sind sprunghaft und unlogisch, was sich in der Sprache niederschlägt:

  • Die Betroffenen verschmelzen verwandte Sachverhalte (sog. Kontamination).
  • Teilweise erfinden sie Wörter neu, die völlig absurd klingen können und keinen Sinn zu haben scheinen (sog. Neologismen).
  • Sie reden in einem einzigen Satz über völlig unterschiedliche Dinge, sodass der Zuhörer gar nicht weiß, worüber sie sprechen.
  • Sie sagen Wörter vor sich hin, ohne Sinn, Grammatik und besonderen Inhalt.
  • Bei manchen Betroffenen bricht das Denken in einem Gespräch plötzlich ohne erkennbaren Grund ab (sog. Gedankensperrung).

Affektive Symptome

Fast alle Menschen mit Schizophrenie zeigen affektive Symptome. Das bedeutet: Die Schizophrenie wirkt sich auf die Gefühlswelt aus. Im Gespräch wirken viele Betroffene emotional abwesend oder gefühlsarm. Oder sie zeigen unangemessene Gefühle: Manche reagieren auf eine traurige Geschichte mit großer Freude. Oder sie werden traurig, wenn sie eine positive Nachricht bekommen. Ihre Mimik passt häufig nicht zu der Situation.

Einige Personen mit Schizophrenie erleben gleichzeitig entgegengesetzte Gefühle. Sie lieben und hassen zur selben Zeit oder können etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen (sog. psychotische Ambivalenz). Insbesondere die hebephrene Schizophrenie ruft bei Betroffenen diese gegensätzlichen Emotionen hervor.

Wenn die akute Phase der Schizophrenie abgeklungen ist, bleibt häufig eine Gefühlsarmut bestehen. Die Erkrankten erleben Gefühle wie Freude oder Trauer dann nicht mehr so intensiv wie früher.

Psychomotorische Störungen

Im Rahmen einer Schizophrenie treten häufig psychomotorische Störungen auf.

Einige Betroffene leiden unter einer starken motorischen Unruhe. Sie fühlen sich getrieben und neigen dazu, bestimmte Bewegungen immer wieder auszuführen (Bewegungsstereotypen). Zum Beispiel wippen sie wiederholt mit dem Körper hin und her.

Auch das Gegenteil einer solchen Unruhe kann vorkommen. Im extremen Fall sind Betroffene nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind. Sie liegen dann wie erstarrt da (sog. katatoner Stupor) und wirken verängstigt und innerlich angespannt. Bewegt man einen Körperteil, etwa einen Arm, verharrt er in der veränderten Position.

Die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kooperieren, kann durch eine psychomotorische Störung beeinträchtigt sein. Manche Patienten führen etwa automatisch genau das Gegenteil von dem aus, was man ihnen sagt (sog. Negativismus) oder sie erledigen Aufgaben so, als ob sie eine Maschine oder ein Automat wären (sog. Befehlsautomatie).

Schizophrenie: Ursachen

Die genauen Ursachen der Schizophrenie sind noch nicht bekannt. Forscher nehmen an, dass eine genetische Veranlagung (Disposition) bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle spielt.

Die Krankheit bricht jedoch nur aus, wenn mehrere begünstigende und auslösende Faktoren zusammentreffen. Fachleute sprechen von einer multifaktoriellen Entstehung. Zu begünstigenden Faktoren zählen:

  • Besonderheiten/geringe Schädigungen in der Hirnstruktur, evtl. während der Schwangerschaft oder Geburt; bestimmte biochemische Veränderungen der Botenstoffe im Hirn (u.a. Dopamin)
  • psychosozialer Stress, z. B. traumatische Erlebnisse, Trennung, Ortswechsel, Start ins Berufsleben, Isolation, anhaltende Konflikte …
  • häufiger Drogenkonsum

Genetische Veranlagung und Erkrankungswahrscheinlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit, Schizophrenie zu bekommen, erhöht sich, wenn Verwandte erkrankt sind. Je enger jemand mit einer erkrankten Person verwandt ist, desto höher sein Risiko:

  • Ist ein Elternteil schizophren, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Kind etwa 10 Prozent. Das bedeutet: In 10 von 100 Fällen erkrankt das Kind von schizophrenen Eltern ebenfalls.
  • Sind in einer Familie beide Elternteile an einer Schizophrenie erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei bis zu 40 Prozent, ebenfalls eine Schizophrenie zu entwickeln.
  • Hat ein Zwilling eine Schizophrenie, liegt das Risiko, dass das Geschwisterkind ebenfalls erkrankt, bei eineiigen Zwillingen bei rund 50 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen beträgt das Risiko 15 Prozent.

Ist ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie erkrankt, bekommt also der andere Zwilling nicht zwangsläufig ebenfalls Schizophrenie. Dies beweist, dass eine genetische Komponente nicht allein die Ursache einer Schizophrenie sein kann – denn Zwillinge haben ein identisches Erbgut. Wäre Schizophrenie eine reine Erbkrankheit, müssten stets beide Zwillinge erkranken. Es müssen also noch weitere Ursachen hinzukommen, die dann in der Summe zur Schizophrenie führen.

Schizophrenie: Diagnose

Schizophrenie kann sich in ganz unterschiedlichen Symptomen äußern. Daher ist es gerade zu Beginn der Erkrankung oft nicht leicht, eine genaue Diagnose zu stellen.

Es gibt keinen speziellen Test, mit welchem man eine Schizophrenie eindeutig nachweisen könnte. Besonders wichtig zur Diagnosefindung sind Gespräche/Beobachtungen sowie eine gründliche körperliche und neurologische Untersuchung.

Im Gespräch kann sich der Arzt (oder Psychologe) einen ersten Eindruck verschaffen. Dabei wird er unter anderem auf das Verhalten, die Sprechweise und die Gedankengänge des Patienten achten. Die Schilderungen von Angehörigen oder Freunden (sog. Fremdanamnese) sowie standardisierte Bewertungsverfahren/Fragebögen können ebenfalls hilfreich sein. Der Arzt/Psychologe wird vielleicht wissen wollen,

  • wann die ersten Symptome bemerkt wurden,
  • wie sich die Beschwerden im Laufe der Zeit entwickelt haben,
  • ob ein bestimmtes Ereignis die Symptome ausgelöst haben könnte,
  • ob der Patient bestimmte Drogen oder Medikamente nimmt,
  • ob bestimmte Vorerkrankungen bekannt sind,
  • ob andere Familienmitglieder an einer Schizophrenie erkrankt sind und
  • ob schon vor dem Auftreten der Symptome bestimmte Auffälligkeiten bemerkt wurden, z. B. ein Leistungsabfall oder sozialer Rückzug.

Körperliche Erkrankungen ausschließen

Um die Diagnose Schizophrenie stellen zu können, muss der Arzt zunächst sicherstellen, dass nicht doch eine körperliche Ursache hinter den Beschwerden steckt. Erkrankungen, die zu ähnlichen Beschwerden wie bei einer Schizophrenie führen, sind:

Um solche Krankheitsbilder ausschließen zu können, ist immer eine sorgfältige Untersuchung durch einen Arzt notwendig. Er wird

  • seinen Patienten körperlich untersuchen,
  • das Blut untersuchen lassen und
  • eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns veranlassen (alternativ eine CT).

Gegebenenfalls wird er prüfen, ob sich im Urin Drogen nachweisen lassen.

Diagnosekriterien

Die Diagnose Schizophrenie wird der Arzt nur stellen, wenn

  • der Patient eine bestimmte Anzahl charakteristischer Symptome zeigt, die über mindestens über einen Monat hinweg ständig oder überwiegend vorhanden sind und wenn
  • eine körperliche Ursache ausgeschlossen ist.

Patienten müssen mindestens eines der folgenden Symptome (oder mehr, wenn die Symptome nur schwach ausgeprägt sind) zeigen:

  • Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung: Der Patient glaubt etwa,
    • seine eigenen Gedanken zu hören
    • jemand "pflanze" ihm Gedanken ein
    • jemand entziehe ihm die Gedanken oder
    • seine Gedanken seien für andere zugänglich.
  • Kontrollwahn oder Beeinflussungswahn: Der Patient ist überzeugt, dass seine Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen von außen beeinflusst bzw. kontrolliert werden
  • völlig unrealistische, anhaltende Wahnvorstellungen (sog. bizarrer Wahn), z. B. die Vorstellung, man habe einen Chip implantiert bekommen, ohne dass eine Narbe sichtbar ist
  • akustische Halluzinationen in Form von Stimmen, die die eigene Handlung kommentieren oder sog. dialogische Stimmen, die sich miteinander über die Person unterhalten

Alternativ müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:

  • andere Formen von Halluzination, z. B. Geruchs-, Geschmacks- oder visuelle Halluzinationen
  • formale Denkstörungen: Gedankenabreißen (plötzlich bricht ein Gedankengang ab) oder Gedankeneinschiebungen (der Patient schiebt andere, nicht zum eigentlichen Gedankengang passende Gedanken ein)
  • katatone Symptome wie
    • starke Erregung
    • Verharren in bestimmten Körperhaltungen (Haltungsstereotypien)
    • Negativismus (der Patient kommt einer Handlungsaufforderung nicht nach oder macht das Gegenteil von dem, was gewünscht wurde)
    • Stupor: geistige und körperliche Erstarrung; der Patient wirkt wie versteinert, sodass diese Zustände sogar oft als Bewusstlosigkeit verkannt werden.
  • negative Symptome wie
    • Apathie
    • Sprachverarmung (z. B. antwortet der Patient nur spärlich oder verzögert; Sätze können nicht mehr logisch wiedergegeben werden).
    • flacher Affekt (Mangel an emotionalem Ausdruck) oder inadäquater Affekt (der emotionale Ausdruck passt nicht zur Situation)

Schizophrenie: Behandlung

Welche Behandlung bei Schizophrenie am besten geeignet ist, richtet sich zum einen nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Zum anderen spielt eine Rolle, ob der Patient gerade einen akuten Schub erlebt oder ob es darum geht, einen erneuten Schub zu verhindern. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, welche Form der Schizophrenie vorliegt.

Insbesondere bei einem akuten Schizophrenie-Schub mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen sehen viele Betroffene nicht ein, dass sie eine Behandlung benötigen, denn sie haben kein Krankheitsgefühl und demzufolge auch keine Behandlungsbereitschaft. Sie sind daher zu Beginn häufig nicht bereit, mit Ärzten und Therapeuten zusammenzuarbeiten.

Gerade bei Wahnvorstellungen, Suizidgedanken oder großer Erregung ist meist ein stationärer Aufenthalt erforderlich. Wenn die psychotischen Symptome abgeklungen sind, gilt es, gemeinsam mit dem Betroffenen die weitere Therapie zu planen.

Zu wichtigen Therapie-Elementen zählen:

Nicht zuletzt ist ein stabiles soziales Netz von Bedeutung: Patienten, die Hilfe und Unterstützung von Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern bekommen, können in der Regel besser mit der Schizophrenie umgehen.

Behandlung mit Psychopharmaka

Vor allem in der akuten Phase einer Schizophrenie ist die Therapie mit Psychopharmaka der wichtigste Baustein. Psychiater setzen vor allem auf Antipsychotika (früher: Neuroleptika). Bei der Dosis gilt: so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Welches Medikament im Einzelfall infrage kommt, hängt von den jeweiligen Symptomen ab.

Antipsychotika beeinflussen die Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn, so zum Beispiel von Dopamin. Dies kann insbesondere die sogenannten Positiv-Symptome wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen reduzieren. Heilbar ist eine Schizophrenie dadurch jedoch nicht.

Klassische Antipsychotika können zu verschiedenen, teils starken Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen vor allem Störungen der Motorik wie Bewegungsunruhe und unwillkürliche Bewegungen, Zittern oder Bewegungsarmut, aber auch Gewichtszunahme.

Heutzutage kommen häufig Antipsychotika der zweiten Generation oder atypische Antipsychotika (Atypika) zum Einsatz. Ihre Nebenwirkungen fallen im Vergleich zu klassischen Antipsychotika geringer aus.

Bis die Medikamente wirken, dauert es meist einige Wochen. Sind die akuten Symptome abgeklungen, nimmt der Betroffene die Antipsychotika noch über einen längeren Zeitraum ein (sog. Erhaltungstherapie), meist für mindestens zwei Jahre. Treten immer wieder Rückfälle auf, kann eine dauerhafte Medikamenteneinnahme sinnvoll sein.

Psychoedukation: Die Krankheit verstehen

Durch die Psychoedukation soll der Patient (und ggf. seine Angehörigen oder andere Vertrauenspersonen) ausführlich und verständlich über seine Erkrankung informiert werden. Wichtig ist, zu verstehen,

  • wie eine Schizophrenie entsteht,
  • wie sie behandelt werden kann,
  • woran man einen beginnenden Schub erkennt oder
  • wie man einem erneuten Schub vorbeugen kann.

Psychotherapie: Auslöser ermitteln, Rückfällen vorbeugen

Eine Psychotherapie ist grundsätzlich in allen Erkrankungsphasen geeignet. In der Psychotherapie lernt der Erkrankte Schritt für Schritt, mit der Schizophrenie umzugehen. Außerdem erarbeitet er mit dem Therapeuten die individuellen Auslöser für den Krankheitsausbruch und die Faktoren, die einen erneuten Schub begünstigen oder verhindern können.

Die Psychotherapie kann zudem dabei helfen, aktuelle Probleme und Lebensentscheidungen zu besprechen und Lösungen zu finden, ohne den Erkrankten dabei zu über- oder unterfordern. Über- und Unterforderungen können einen erneuten schizophrenen Schub auslösen.

Vor allem die Verhaltenstherapie hat sich bei der Behandlung der Schizophrenie bewährt. Grundannahme der Verhaltenstherapie ist, dass sich Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen gegenseitig beeinflussen. Der Patient erarbeitet mit dem Therapeuten etwa Strategien, um die Aufmerksamkeit von bedrohlichen Halluzinationen abzulenken. Oder er lernt, Auslöser für einen erneuten Schub zu vermeiden.

Ein weiteres häufiges Behandlungsverfahren ist die Familientherapie. Dabei bezieht der Therapeut gezielt andere Familienmitglieder in die Behandlung ein. So wird unter anderem analysiert, wie die einzelnen Mitglieder miteinander umgehen und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Im Rahmen der Sitzungen lernen sie, den Patienten bei der Krankheitsbewältigung zu unterstützen.

Soziotherapeutische Angebote

Die Soziotherapie fördert die Fähigkeiten der Erkrankten, die sie im alltäglichen Leben benötigen – etwa der Umgang mit anderen Menschen. Ziel ist, beruflich und sozial wieder Fuß zu fassen und mit so wenig Einschränkungen wie möglich leben zu können. Zu soziotherapeutischen Angeboten gehören unter anderem die Arbeits- und Beschäftigungstherapie und Maßnahmen zur Wiedereingliederung (Rehabilitation) in verschiedenen Einrichtungen.

Schizophrenie: Verlauf

Schizophrenie verläuft häufig in Schüben. Die Gefahr liegt darin, dass nach jedem Schub bestimmte Symptome dauerhaft bestehen bleiben oder sich nicht vollständig zurückbilden. Vor allem Negativsymptome wie

schränken Betroffene dann zunehmend ein.

In seltenen Fällen bilden sich sogenannte positive Symptome wie Wahn oder Halluzination nicht mehr vollständig zurück. Wenn Symptome zurückbleiben, sprechen Ärzte von einem Residuum.

Ist Schizophrenie heilbar?

Nicht jede Schizophrenie ist heilbar. Jedoch lässt sich die Erkrankung heutzutage gut behandeln, sodass viele Erkrankte ihren Alltag selbstständig bewältigen können. Paradoxerweise lassen sich sehr akute Formen mit ausgeprägter Plussymptomatik besonders gut behandeln und haben auch eine günstigere Prognose als die symptomarmen hebephrenen Formen.

Der Verlauf einer Schizophrenie ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich:

  • Etwa 20 von 100 Betroffenen werden nach einer ersten schizophrenen Episode wieder vollständig gesund, ohne dass weitere psychotische Schübe auftreten. Sie gelten als geheilt.
  • Bei einem Großteil der Erkrankten tritt die Schizophrenie in Schüben immer wieder auf. Zwischen den einzelnen Schüben können die Beschwerden fast vollständig verschwinden oder teilweise bestehen bleiben.
  • Bei etwa 10 bis 15 von 100 Erkrankten bleiben einige schwere Symptome dauerhaft bestehen.

Generell gilt: Je früher und umfassender die Schizophrenie behandelt wird, desto besser kann ihr Verlauf positiv beeinflusst werden. Deshalb wird ständig nach Früherkennungsmöglichkeiten geforscht. Relativ neu sind Erkenntnisse von Veränderungen an der Netzhaut (Retina), die einen einfachen Zugang als diagnostische Methode ermöglichen.

Kann man einer Schizophrenie vorbeugen?

Erbliche Faktoren spielen bei der Schizophrenie eine große Rolle. Daher kann man der Erkrankung nicht sicher vorbeugen. Als genetisch vorbelastet gelten Menschen, deren Eltern oder andere nahe Verwandte an einer Schizophrenie erkrankt sind oder waren.

Soziale und psychische Faktoren wie Stress, Traumata und belastende Ereignisse, aber auch Drogenkonsum begünstigen eine Schizophrenie bei entsprechender Veranlagung. Aus diesem Grund empfiehlt man Menschen mit einer erblichen Vorbelastung, Stress weitestgehend zu vermeiden und keine Drogen zu konsumieren.