Jemand verkauft Amphetamine in Form von Pillen.
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Amphetamine: Synthetische Drogen mit hohem Suchtpotenzial

Von: Brit Weirich (Medizinautorin, M.A. Mehrsprachige Kommunikation)
Letzte Aktualisierung: 13.01.2023

Amphetamine sind Psychostimulanzien, die Bestandteile verschiedener Medikamente sind und etwa bei Narkolepsie eingesetzt werden. Sie sind jedoch auch als illegale Drogen im Umlauf und können ernste Schäden anrichten. Wie wirken Amphetamine und welche Folgen hat der Konsum?

Was sind Amphetamine?

Amphetamine sind synthetisch hergestellte Substanzen, die zur Gruppe der Stimulanzien zählen und überwiegend das Zentralnervensystem stimulieren. Sie sind teilweise als Bestandteil legaler Arzneimittel auf dem Markt zu finden, zum Beispiel in Form von

So können chemische Abkömmlinge (Derivate) von Amphetaminen etwa bei der Schlafkrankheit Narkolepsie verschrieben werden. Auch beim Aufmerksamkeitsdefizits- und Hyperaktivitätssyndroms (ADHS) wird mitunter Ritalin verschrieben, das die Wirkstoffe Methylphenidat oder Dexamphetamin enthält.

Schon 1887, als Amphetamin erstmals hergestellt wurde, setzte man die Amphetaminderivate als Schnupfenmittel sowie bei Leistungsschwäche und Lungenerkrankungen ein.

Amphetamine sind durchweg verschreibungspflichtig und damit auch apothekenpflichtig. Liegt keine medizinische Indikation vor, ist der Konsum von Amphetaminen illegal. Denn von der Substanz geht ein hohes Suchtpotenzial aus.

Nichtsdestotrotz werden Amphetamine häufig als Partydroge missbraucht – vor allem unter dem Namen Speed. Wegen ihrer aufputschenden und teilweise auch halluzinogenen Wirkung kommt die Substanz vor allem in der Techno- und Houseszene zur Anwendung . Konsumierende nehmen die Droge ein, um beim Feiern länger wach zu bleiben und in Stimmung zu kommen.

Konsumform: Wie wird Amphetamin eingenommen?

Amphetamine werden meist in Form von bunten Pillen und Tabletten oder Pulver konsumiert. Eine schnellere und stärkere Wirkung erzielen Konsumierende, indem sie die Substanz schnupfen oder in die Mundschleimhäute einreiben. Denn Amphetamine werden von allen Schleimhäuten gut aufgenommen. Teilweise werden Amphetamine auch intravenös zugeführt.

Wirkung von Amphetaminen

Amphetamine wirken auf das zentrale Nervensystem. Sie aktivieren in den Nervenzellen die Ausschüttung der Botenstoffe Noradrenalin und in geringeren Mengen auch Dopamin und Norephedrin. Amphetamine sind gut fettlöslich und können die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden: Sie gelangen leicht aus dem Blut in das Gehirn und können dort wirken.

Die genaue Wirkung von Amphetaminen kann sich unterscheiden. Je nach

  • Person,
  • Substanz und
  • Höhe der Dosis

geht der Rauschzustand mit individuellen körperlichen und psychischen Wirkungen einher. Nach der Einnahme geringerer Dosen führt Amphetamin in der Regel zu

  • Euphorie,
  • einem gesteigerten Selbstvertrauen und
  • einem vermehrten Rededrang.

Die Einnahme steigert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, während sie Müdigkeits- und Hungergefühle unterdrückt.

Körperliche Reaktionen durch Amphetamine

Als körperliche Reaktionen auf die Droge erweitern sich die Bronchien, der Blutdruck steigt und der Puls wird schneller. Außerdem ist bei Konsumierenden eine erhöhte Körpertemperatur zu beobachten. Werden höhere Dosen eingenommen, kommt es als Wirkung von Amphetaminen zu starker Erregung, Unruhezuständen und Schlafstörungen.

Risiken und Folgen von Amphetaminen

Der Konsum von Amphetaminen kann mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein. Sogenannte Amphetaminpsychosen treten meist nach der Einnahme hoher Dosen von Amphetaminen auf, können sich vereinzelt aber auch nach geringen Mengen zeigen. Dabei leiden die Betroffenen unter Wutausbrüchen und Aggressionen bis hin zum Verfolgungswahn.

Zudem kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen, die mit Symptomen wie

Verlust der Energiereserven durch Amphetamine

Durch das gesteigerte Selbstbewusstsein und den vermeintlichen Energieschub überschätzen Konsumierende ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. So wird etwa pausenlos getanzt und die Dosis dabei häufig nochmals erhöht. Das kann wiederum zu Erschöpfung, Dehydration (Austrocknung) oder auch Unfällen führen. Zudem erhöht sich die Körpertemperatur drastisch, was einen Hitzestau und einen anschließenden Kreislaufkollaps auslösen kann.

Langfristige Folgen von Amphetaminen

Die dauerhafte Einnahme von Amphetamin kann zu einer raschen psychischen Abhängigkeit führen. Allerdings spricht nicht jede Person gleichermaßen auf die Droge an. Suchtgefährdet sind insbesondere Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl.

Neben dem hohen Suchtpotenzial ist der Konsum von Amphetaminen mit zahlreichen weiteren körperlichen und psychischen Risiken verbunden:

  • Herz-Kreislauf-Beschwerden: Zudem stellt der regelmäßige Konsum von Amphetaminen, ebenso wie von anderen Stimulanzien wie Kokain, eine hohe Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar und kann zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Studien zeigen, dass Amphetamin-Konsumierende ein 5-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko haben.

  • Toleranzentwicklung: Wer Amphetamin über einen längeren Zeitraum oder in zu hohen Dosen einnimmt, entwickelt schrittweise eine Toleranz gegen die Substanz, sodass immer größere Mengen benötigt werden, um die berauschende Wirkung zu erzielen. Aus diesem Grund wechseln viele Konsumierende die Anwendungsform und beginnen, Amphetamin mit einer Spritze zu injizieren oder zu rauchen.

  • Psychose: Bei regelmäßigen und hohen Dosen kann sich eine Psychose entwickeln. Diese äußert sich etwa durch starke Angstzustände, paranoide Wahnvorstellungen wie Verfolgungswahn sowie durch optische und akustische Halluzinationen.

  • Hirnschäden: Die Nervenzellen im Gehirn können dauerhaft geschädigt werden. Dies kann zu kognitiven Defiziten wie Gedächtnisstörungen und Konzentrationsproblemen führen.

  • Gestreckte Substanzen: Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass das Suchtmittel gestreckt ist, etwa mit Substanzen wie Phenylaceton. Die farblose bis schwachgelbe Flüssigkeit ist giftig. Grundsätzlich wissen Konsumierende oft nicht, wie rein oder stark die von ihnen eingenommene Droge ist, was neben Vergiftungen auch schnell eine Überdosierung zur Folge haben kann.

Zudem kann der Konsum von Amphetaminen – wie von vielen anderen illegalen Drogen auch – zum körperlichen Verfall, sozialer Isolation und existenziellen Schwierigkeiten führen.

Entzugssymptome

Setzen Konsumierende Amphetamin ab, tritt eine Vielzahl an Symptomen auf, darunter

Auch körperliche Entzugserscheinungen sind typisch, zum Beispiel

  • Mundtrockenheit,
  • Schwitzen,
  • Zittern,
  • Schwächegefühl und Kreislaufbeschwerden,
  • Gliederschmerzen,
  • Magenkrämpfe und
  • Brechreiz.

Im Normalfall werden die körperlichen Entzugserscheinungen nach ein bis zwei Wochen schwächer. Die psychischen Symptome können jedoch länger anhalten – insbesondere das starke Verlangen nach der Droge.

Amphetamine: Hilfe bei Abhängigkeit

In den meisten Fällen bedarf es professioneller Hilfe, um von einer Sucht nach amphetaminhaltigen Substanzen loszukommen. In der Regel erfolgt der Entzug in einer mehrstufigen Behandlung:

  1. Entgiftung
  2. Entwöhnung
  3. Ambulante Nachsorge

Der Entzug kann stationär oder ambulant durchgeführt werden. Insgesamt dauert die Behandlung rund vier bis sechs Wochen, in einigen Fällen aber auch länger.

Als erste Anlaufstelle können sich Betroffene an ihre hausärztliche Praxis wenden oder eine Beratungsstelle aufsuchen.

Hilfreiche Adressen:

Wichtig: Eine Überdosierung ist lebensgefährlich! Sollten Sie den Eindruck haben, dass eine Person in ihrem Umfeld in Gefahr ist, setzen Sie umgehend den Notruf ab (112).