Das Bild zeigt eine Frau, die Pillen in der Hand hält.
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Pillen und Operationen

Abnehmen – ohne Diät und schweißtreibenden Sport – ist der Traum vieler übergewichtiger Menschen. Wann kommen Appetitzügler, Fettaufnahmehemmer oder OPs infrage?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Appetitzügler und Fettaufnahmehemmer

Das Abnehmen allein mithilfe von Schlankheitspillen erscheint auf den ersten Blick für viele verführerisch einfach. Ein Wirkstoff, der hierfür häufig zum Einsatz kommt, ist zum Beispiel Orlistat.

Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass solche Pillen oft schwere Nebenwirkungen haben und eine dauerhafte Einnahme gesundheitsschädlich sein kann. Sie werden daher im Allgemeinen nur bei sehr starkem Übergewicht (Adipositas) verschrieben, wenn eine Ernährungsumstellung und Sport zu keiner Gewichtsabnahme geführt haben.

Allerdings ist es nur mit Pillen einnehmen nicht getan. Eine dauerhafte Gewichtsabnahme ist im Normalfall immer auch mit einer Umstellung der Lebensgewohnheiten verbunden: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung in Verbindung mit ausreichend Bewegung sind die besten Voraussetzungen, das persönliche Wunschgewicht zu halten. Gelingt einem das nicht, kann man nach dem Absetzen solcher Pillen schnell wieder zunehmen, möglicherweise sogar mehr als man vorher gewogen hat. Jedenfalls, wenn man in alte und bequem gewordene Essgewohnheiten zurückfällt.

Die Meinungen über den Nutzen von Appetitzüglern und Fettaufnahmehemmern bei einer Gewichtsabnahme gehen auseinander. Manche Experten sind der Ansicht, dass man Appetitzügler durchaus eine Zeit lang unterstützend einnehmen kann, wenn im Anschluss auch die Ernährung umgestellt wird. Andere Mediziner geben die zum Teil starken Nebenwirkungen zu bedenken.

Viele zugelassene, appetitzügelnde Medikamente mussten aufgrund der Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden (z.B. Produkte mit dem Wirkstoff Rimonabant oder Sibutramin).

Orlistat

Der verschreibungspflichtige Wirkstoff Orlistat kann bei übergewichtigen Menschen (mit einem BMI über 28) zusammen mit leicht kalorienreduzierter Nahrung zur Gewichtsverringerung eingesetzt werden, wenn eine Gewichtsabnahme durch Bewegung oder Ernährungsumstellung bisher erfolglos war. Zusätzlich müssen weitere Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel nachgewiesen sein.

Der Wirkstoff Orlistat verringert die Aufnahme von Fett, indem er das körpereigene Enzym Lipase daran hindert, Nahrungsfette zu spalten (sog. Lipasehemmer). Diese können dadurch im Darm nicht vom Organismus aufgenommen werden und verlassen den Körper unverdaut beim nächsten Stuhlgang. Dadurch können unangenehme Nebenwirkungen entstehen, wie Fettstühle, Blähungen und Durchfall. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem:

Bei einer Behandlung mit Orlistat ist gleichzeitig auf eine fettarme Ernährung zu achten, um die Nebenwirkungen zu verringern. Gewöhnt sich der Betroffene auf diese Weise eine fettreduzierte Ernährung an, verliert er dadurch zusätzlich an Gewicht.

Operative Verkleinerung des Magens

Liegt ein sehr starkes Übergewicht mit einem BMI von über 40 vor (Adipositas) und haben bisherige Methoden zur Gewichtsabnahme über einen längeren Zeitraum zu keinem Erfolg geführt, kann eine operative Verkleinerung des Magenvolumens infrage kommen.

Durch solch eine operative Verkleinerung fasst der Magen nur noch einen Bruchteil seines ursprünglichen Volumens. Dadurch kann zwangsweise nur wenig Nahrung aufgenommen und man bekommt gleichzeitig auch schneller ein Sättigungsgefühl. Wer nun mehr isst, als der Magen fassen kann, muss jedoch mit Beschwerden von Missempfindungen bis hin zu Erbrechen rechnen. Eine Veränderung des Essverhaltens ist dadurch unumgänglich.

Eine operative Behandlung des starken Übergewichts lässt sich unter folgenden Voraussetzungen durchführen:

  • starkes Übergewicht mit einem BMI über 40
  • Versuche der Gewichtsabnahme durch Ernährungsumstellung und Bewegung blieben erfolglos
  • Stoffwechselstörungen (z.B. Diabetes mellitus) oder ein metabolisches Syndrom (Kombination aus Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Hyperlipoproteinämie, Bluthochdruck) liegen vor
  • Essstörungen (z.B. Bulimie, Binge Eating) liegen nicht vor

Im Falle eines Diabetes oder eines metabolischen Syndroms kann eine operative Behandlung des Übergewichts auch bei einem BMI unterhalb von 40 erwogen werden.

Nach der Operation ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, bisher gewohnte Menüfolgen zu verzehren, was viele zunächst als Einschränkung der Lebensqualität empfinden. Die Nahrung muss nun zwangsweise langsam gegessen und sehr gut durchgekaut werden – wer dies ignoriert, muss die Nahrung möglicherweise wieder Erbrechen. Auch Gespräche bei Tisch sind unter Umständen erschwert.

Sobald ein Sättigungsgefühl erreicht ist, sollte mit einem verkleinerten Magen nicht mehr gegessen werden, egal wie klein die verzehrte Portion im ersten Moment erscheint. Es ist wichtig, dass der Betroffene nicht versucht, stark fetthaltige Nahrung in (halb)flüssiger Form (z.B. Sahnejoghurts, zuckerhaltige Getränke) zu sich zu nehmen. Andernfalls ist es möglich, dass die Operation in puncto Gewichtsabnahme erfolglos bleibt. Ebenso ist es wichtig, dass sich nach der Operation mehr zu bewegen und sportlich aktiv zu werden.

Durch eine operative Verkleinerung des Magenvolumens kann das Übergewicht um durchschnittlich 50 Prozent verringert werden.

Techniken der Magenverkleinerung

Vertikale Gastroplastik (Vertical Banded Gastroplasty, VBG)

Bei der vertikalen Gastroplastik trennt man mithilfe einer Klammernahttechnik einen Teil des Magens ab, wodurch sich ein kleinerer Vormagen (sog. Pouch) bildet, der nur noch etwa 20 bis 30 Milliliter fasst. Eine vertikale Gastroplastik wird meist mithilfe eines operativen Eingriffs in die Bauchhöhle durchgeführt.

Verstellbares Magenband

Mit einem verstellbaren (anpassbaren) Magenband wird ebenfalls ein kleinerer Vormagen (sog. Pouch) geschaffen. Dazu wird ein Silikonband um den Magenfundus geschlungen, welches später von außen enger oder weiter gestellt werden kann. Auf diese Weise kann die Größe des Vormagens noch angepasst werden. Damit das klappt, wird zusätzlich ein Silikonschlauch vom Magenband zu einem Ventil (Port) im Unterhautfettgewebe des Bauchs gelegt, über das der Arzt mit einer Spritze Kochsalzlösung in den Schlauch geben kann. Die Flüssigkeit gelangt auf diese Weise bis zu einer Kammer, die auf der Innenseite des Magenbandes liegt, und kann so den Durchmesser der Öffnung zum Restmagen variieren. Im Unterschied zur vertikalen Gastroplastik kann die Verkleinerung durch ein Magenband relativ leicht wieder rückgängig gemacht werden.

Magenbypass

Beim Magenbypass wird in einem minimal-invasiven, operativen laparoskopischen Eingriff aus dem Magen ebenfalls ein kleinerer Vormagen (Pouch) geformt, der etwa 20 bis 40 Milliliter an Volumen fasst. Der ursprüngliche Magenausgang wird verlegt und direkt an den Dünndarm angeschlossen. Auf diese Weise passiert die Nahrung nun nicht mehr den Zwölffingerdarm, sondern gelangt direkt in den Dünndarm.

Operative Entfernung von Fettgewebe

Bei stark übergewichtigen Menschen kann es nach einer Gewichtsabnahme zur Bildung einer sogenannten Fettschürze kommen. Insbesondere, wenn die Gewichtsabnahme sehr schnell erfolgt und die Ernährungsumstellung nicht zusammen mit Sport beziehungsweise ausreichend Bewegung erfolgt, bleibt die überschüssige Haut schürzenartig über dem Bauch zurück. Aber auch an Armen und Beinen können überschüssige Hautlappen zurückbleiben.

Medizinische Gründe, um überschüssiges Haut- und Fettgewebe nach einer großen Gewichtsabnahme zu entfernen, sind zum Beispiel:

  • Ekzeme oder Pilzinfektionen unter den entstandenen Hautlappen
  • Die Hautlappen führen zu Gangstörungen und Haltungsproblemen, die wiederum frühzeitige Verschleißerscheinungen zur Folge haben können.

Fettabsaugen

Das Fettabsaugen zählt zur sogenannten Körperformung (auch Bodylift oder Body-Contouring genannt) und kann bei ästhetischen Problemen nach einer Gewichtsabnahme sinnvoll sein. Wurde sehr viel Gewicht verloren, reicht ein Fettabsaugen jedoch oft nicht aus, um eine ansprechende Körperform wiederzuerlangen.

Bauchdeckenstraffung

Bei einer Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) wird die nach einem starken Gewichtverlust eventuell zurückbleibende überschüssige Haut operativ entfernt.