Eine Frau, ein jüngerer und ein älterer Mann sitzen in einem Wartezimmer.
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Hypercholesterinämie

Hypercholesterinämie ist weit verbreitet: In den westlichen Industrieländern hat mehr als jeder zweite über 40-Jährige zu hohe Cholesterinwerte. Welche Folgen hat das für die Betroffenen und was kann man dagegen tun?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Hypercholesterinämie

Was ist Hypercholesterinämie?

Hypercholesterinämie bedeutet, dass die Cholesterinwerte im Blut zu hoch sind (griech. hyper = über). Laut Definition ist das der Fall, wenn der Gesamtcholesterinwert über 200 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise über 5,2 Millimol pro Liter (mmol/l) liegt.

Cholesterin ist eine natürliche und lebenswichtige Substanz im menschlichen Körper. Den Großteil des Cholesterins stellt der Körper selbst her – nur ein geringer Teil stammt aus der Nahrung.

Cholesterin zählt zu den Lipiden. Entsprechend gehört die Hypercholesterinämie zu den Hyperlipidämien: Darunter fasst man alle Stoffwechselstörungen zusammen, bei denen die Blutfette und/oder das Cholesterin erhöht sind.

Ist Hypercholesterinämie eine Krankheit?

Hypercholesterinämie gilt als Risikofaktor für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) und somit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei gilt allgemein: Je höher der Cholesterinspiegel, desto höher das Risiko.

Trotzdem sind erhöhte Cholesterinwerte allein noch nicht krankhaft.

Denn nicht der Gesamtcholesterinwert bestimmt, wie hoch das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko infolge einer Hypercholesterinämie ist. Stattdessen kommt es darauf an, welche Form des Cholesterins erhöht ist. Man unterscheidet:

  • LDL-Cholesterin (auch schlechtes Cholesterin genannt, weil es maßgeblich an der Entstehung von Arteriosklerose beteiligt ist) und
  • HDL-Cholesterin (auch als gutes Cholesterin bezeichnet).

Auch wer laut Gesamtcholesterinwert keine Hypercholesterinämie hat, kann demnach ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben, wenn:

  • der LDL-Cholesterinwert über 160 mg/dl liegt und
  • der HDL-Cholesterinwert unter 40 mg/dl liegt.

Zudem hängt das individuelle Risiko davon ab, ob neben der Hypercholesterinämie folgende weitere Risikofaktoren vorliegen:

Und auch die genaue Form der Hypercholesterinämie beeinflusst, inwiefern erhöhte Cholesterinwerte ein Risiko für die Gesundheit sind. Man unterscheidet:

  • die ernährungsbedingte Hypercholesterinämie, die durch zu cholesterinreiche Ernährung oder zu hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren oder Transfettsäuren entsteht.
  • die sekundäre Hypercholesterinämie, die durch eine Erkrankung, durch bestimmte Medikamente oder infolge der Wechseljahre entstehen kann.
  • die familiäre Hypercholesterinämie, die erblich bedingt ist.
  • die familiäre kombinierte Hyperlipidämie, die ebenfalls erblich bedingt ist, bei der aber meist neben dem LDL-Cholesterin auch die Triglyceride mäßig erhöht sind.
  • die polygene Hypercholesterinämie, die bedingt ist durch ein Zusammenspiel mehrerer erblicher Faktoren und zusätzlicher Risikofaktoren, die auch ohne erbliche Einflüsse den Cholesterinspiegel erhöhen können.

Hypercholesterinämie: Ursachen

Meist entsteht eine Hypercholesterinämie durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Nach ihren Ursachen kann man sie in vier Gruppen unterteilen:

  1. reaktiv-physiologische Hypercholesterinämien
  2. primäre Hypercholesterinämien
  3. sekundäre Hypercholesterinämien
  4. Mischformen aus 1, 2 und 3

Reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie

Wenn allein ungünstige Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten für erhöhte Cholesterinwerte sorgen, handelt es sich um eine reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie.

Typische Ursache für die reaktiv-physiologische Hypercholesterinämie ist ein überlasteter Stoffwechsel durch

  • cholesterinreiche Ernährung und
  • hohe Zufuhr von gesättigten Fettsäuren oder Transfettsäuren.

Bewegungsmangel wirkt sich zusätzlich negativ aus. Der Körper reagiert auf den Lebensstil unter anderem mit einem Anstieg der Cholesterinwerte. Allerdings hat nicht jeder, der ungesund lebt und dessen Cholesterin zu hoch ist, eine rein reaktiv-physiologisch bedingte Hypercholesterinämie. Ein ungesunder Lebensstil kann auch Mischformen mitverursachen.

Primäre Hypercholesterinämie

Hohe Cholesterinwerte können rein erbliche Ursachen haben. In dem Fall liegt eine primäre Hypercholesterinämie vor. Die ursächliche Veränderung am Erbgut führt in jedem Fall dazu, dass die Cholesterinwerte zu hoch ist – egal, ob die Betroffenen ansonsten gesund sind, auf gesundes Essen achten und sich ausreichend bewegen.

Ein Beispiel hierfür ist die familiäre Hypercholesterinämie: Diese Form entsteht monogen – das heißt, die Veränderungen am Erbgut betreffen nur einen bestimmten Träger der Erbanlage (Gen).

Bei der familiären Hypercholesterinämie ist das LDL-Rezeptor-Gen verändert. Das wirkt sich ausschließlich auf den Cholesterinspiegel aus – es liegt also eine reine Hypercholesterinämie vor.

Gekennzeichnet ist die familiäre Hypercholesterinämie vor allem durch ein erhöhtes LDL-Cholesterin (das als schlechtes Cholesterin gilt). Und das kommt so:

  • Normalerweise findet der Abbau von LDL in den Leberzellen statt.
  • Um in die Leberzellen zu gelangen, muss LDL an einer speziellen Andockstelle (Rezeptor) andocken.
  • Wegen der Genveränderungen sind die Rezeptoren der Leberzellen für das LDL-Cholesterin aber nur noch eingeschränkt funktionsfähig oder es sind gar keine funktionierenden Rezeptoren vorhanden.
  • Dadurch ist der Abbau des LDL-Cholesterins in der Leber gestört. Die Folgen:
    • Die Werte für LDL-Cholesterin im Blut steigen.
    • Somit steigt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Je nachdem, ob das ursächliche Erbmerkmal von einem oder von beiden Elternteilen stammt, kann die familiäre Hypercholesterinämie mehr oder weniger stark ausgeprägt sein:

  • Vererbt nur ein Elternteil die Genveränderung, entwickelt das Kind die heterozygote familiäre Hypercholesterinämie: Dann liegen die Cholesterinwerte meist zwischen 300 und 500 Milligramm pro Deziliter (bzw. 7,7 und 12,9 Millimol pro Liter). Diese primäre Form der Hypercholesterinämie betrifft etwa 1 von 500 Menschen.
  • Geben beide Elternteile die Genveränderung weiter, hat das Kind die homozygote familiäre Hypercholesterinämie: Dann entstehen extrem hohe LDL-Cholesterinwerte von etwa 500 bis 1.200 Milligramm pro Deziliter (12,9 bis 30,9 Millimol pro Liter), was sich schon im Kindesalter auswirkt (z.B. durch Fettablagerungen in der Haut). Diese primäre Form der Hypercholesterinämie ist jedoch sehr selten: Sie betrifft nur ca. 1 von 1.000.000 Menschen.

Eine primäre Hypercholesterinämie kann auch im Rahmen einer kombinierten Fettstoffwechselstörung auftreten: Dann sind – erblich bedingt – nicht nur die Cholesterinwerte erhöht, sondern auch die Blutfettwerte. Ein Beispiel hierfür ist die familiäre kombinierte Hyperlipidämie, bei der meist auch die Triglyceride mäßig erhöht sind.

Sekundäre Hypercholesterinämie

Eine sekundäre (bzw. sekundär-symptomatische) Hypercholesterinämie liegt vor, wenn erworbene Ursachen (wie eine Erkrankung oder Medikamente) schuld daran sind, dass das Cholesterin zu hoch ist.

Zu den Erkrankungen, die eine sekundäre Hypercholesterinämie verursachen können, gehören:

Beispiele für Medikamente, die eine sekundäre Hypercholesterinämie auslösen können, sind:

Darüber hinaus kann eine sekundäre Hypercholesterinämie während der Schwangerschaft oder infolge der Wechseljahre entstehen.

Mischformen

Meistens hat eine Hypercholesterinämie mehrere Ursachen: Solche Mischformen können gleichzeitig primäre, sekundäre und/oder reaktiv-physiologische Gründe haben.

Die wichtigsten Form ist die polygene Hypercholesterinämie. Sie ist die mit Abstand häufigste Ursache für erhöhte Cholesterinwerte. Verantwortlich hierfür sind:

  • mehrere geringe Veränderungen an verschiedenen Genen (daher polygen) und
  • zusätzliche Risikofaktoren, die oft auch ohne erbliche Einflüsse eine Hypercholesterinämie auslösen können.

Die Genveränderungen, die typisch für die polygene Hypercholesterinämie sind, reichen in der Regel nicht aus, um viel zu hohe Cholesterinwerte hervorzurufen. Darum ist meist ein weiterer auslösender Faktor nötig, damit diese Mischform zutage tritt: Dann kann der LDL-Cholesterinwert deutlich zu hoch sein.

Mögliche Auslöser für die polygene Hypercholesterinämie sind zum Beispiel:

Hypercholesterinämie: Symptome

Bis eine Hypercholesterinämie Symptome verursacht, kann einige Zeit vergehen: Ein zu hoher Cholesterinwert selbst ist nicht zu spüren – nur eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob das Cholesterin zu hoch ist.

Mit der Zeit können sich bei einer Hypercholesterinämie als sichtbare Symptome in der Haut gelbliche, leicht erhabene Lipid- beziehungsweise Cholesterineinlagerungen im Bereich der Augenlider bilden: Diese Xanthelasmen können schon bei nur leicht erhöhtem Cholesterinspiegel auftreten. Sie bilden sich meist wieder zurück, wenn die Cholesterinwerte sinken. (Allerdings kommen solche Veränderungen auch bei Menschen ohne Lipidstoffwechselstörungen vor.)

Lipidablagerungen können bei einer Hypercholesterinämie ein weiteres Symptom verursachen: eine ringförmige, weiße Trübung am Rand der Hornhaut des Auges – fachsprachlich Arcus lipoides corneae genannt. (Diese Trübung tritt jedoch auch unabhängig von Störungen des Fettstoffwechsel im Alter auf.)

Typischere Symptome der Hypercholesterinämie sind orange-gelbe, knotige Fettablagerungen, die oberflächlich in der Haut an Armen, Beinen, Gesäß und Händen entstehen können. Diese Xanthome bilden sich teils – ebenso wie die Xanthelasmen – wieder zurück, wenn das Cholesterin wieder normale Werte erreicht.

Neben den äußerlich sichtbaren Veränderungen führt ein jahrelang zu hoher Cholesterinspiegel auch zu Ablagerungen an den Gefäßwänden. Diese Arteriosklerose erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dann kann die Hypercholesterinämie beispielsweise folgende Symptome verursachen:

Wann eine Hypercholesterinämie erste Symptome verursacht, hängt von ihrem Ausmaß und somit von der Form der Stoffwechselstörung ab: Je höher die Cholesterinwerte, desto schneller zeigen sich die Folgen.

Ein Extrembeispiel hierfür ist die sehr seltene homozygote familiäre Hypercholesterinämie:

  • Die Betroffenen entwickeln schon in den ersten Lebensjahren oder sogar vor der Geburt Xanthome.
  • Das Risiko, bereits im Alter vor etwa 40 Jahren eine koronare Herzkrankheit zu haben, ist dann besonders hoch.
  • Die homozygote familiäre Hypercholesterinämie verursacht meist schon im Kindes- bis jungen Erwachsenenalter Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt.
  • Da sich die Stoffwechselstörung relativ schlecht behandeln lässt, haben die meisten Betroffenen eine deutlich geringere Lebenserwartung als gesunde Menschen.

Hingegen wirkt sich die häufige polygene Hypercholesterinämie deutlich später aus als die seltenen, rein erblich bedingten Formen.

Hypercholesterinämie: Diagnose

Eine Hypercholesterinämie festzustellen ist einfach: Zur Diagnose reicht es, die Cholesterinwerte im Blut zu messen. Dabei ist es wichtig, neben dem Gesamtcholesterin auch das HDL-Cholesterin und das LDL-Cholesterin zu ermitteln.

Es ist ratsam, bei der nötigen Blutuntersuchung nüchtern zu sein – das bedeutet: Zwischen der letzten Nahrungsaufnahme und der Blutabnahme sollten mindestens zwölf Stunden liegen.

Schwieriger ist es, die genaue Form der Lipidstoffwechselstörung zu bestimmen. Da bei einigen Lipidstoffwechselstörungen gleichzeitig das Cholesterin und die Blutfette (bzw. Triglyceride) zu hoch sind, lässt der Arzt Letztere bei der Blutuntersuchung gleich mit bestimmen. Weitere Hinweise auf die Form der Hypercholesterinämie liefert die Höhe der Cholesterinwerte – so verursacht zum Beispiel …

  • … die häufige polygene Hypercholesterinämie meist Cholesterinwerte zwischen 250 und 350 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) beziehungsweise 6,4 und 9 Millimol pro Liter (mmol/l).
  • … die seltene, nur von einem Elternteil vererbte (heterozygote) familiäre Hypercholesterinämie meist Cholesterinwerte zwischen 300 und 500 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 7,7 und 12,9 Millimol pro Liter.
  • … die sehr seltene, von beiden Eltern vererbte (homozygote) familiäre Hypercholesterinämie Blutcholesterinwerte zwischen 500 und 1.200 Milligramm pro Deziliter beziehungsweise 12,9 bis 30,9 Millimol pro Liter.

Neben der Blutuntersuchung ist bei einer Hypercholesterinämie die Anamnese wichtig. Das heißt, der Arzt erhebt die Krankengeschichte und erfasst bestehende Beschwerden. Dabei erkundigt er sich auch nach:

  • dem Gesundheitszustand der Familienmitglieder, um herauszufinden, ob die Hypercholesterinämie womöglich erblich bedingt ist,
  • dem Körpergewicht,
  • den Ernährungsgewohnheiten und
  • dem Konsum von Genussmitteln wie Alkohol oder Tabak.
     
unbedenkliche Werte leichte bis mittlere Hypercholesterinämie schwere Hypercholesterinämie
Gesamtcholesterin < 200 mg/dl Gesamtcholesterin 200–300 mg/dl Gesamtcholesterin 200–300 mg/dl oder > 300 mg/dl
HDL-Cholesterin > 40 mg/dl LDL-Cholesterin > 160 mg/dl LDL-Cholesterin > 190 mg/dl
Triglyceride < 200 mg/dl Triglyceride < 200 mg/dl Triglyceride > 200 mg/dl
Verhältnis LDL zu HDL < 3, ohne weitere Risikofaktoren < 4    
keine koronare Herzkrankheit in der näheren Verwandtschaft keine weiteren Risikofaktoren (leicht) oder ein bis mehrere zusätzliche Risikofaktoren zwei oder mehr Risikofaktoren

Es folgt eine körperliche Untersuchung, um mögliche Auswirkungen der Cholesterinerhöhung und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen festzustellen. Dies ist bedeutsam, um das individuelle Risiko einschätzen, das ausschlaggebend für die nachfolgende Behandlung ist. Zur körperlichen Untersuchung gehört es,

  • Herz und Lunge abzuhören,
  • die Haut zu betrachten,
  • den Puls zu tasten und
  • den Blutdruck zu messen.

Eventuell lässt der Arzt bei einer Hypercholesterinämie auch ein EKG schreiben. Zudem bestimmt er den Blutzuckerwert und gegebenenfalls den (auch als "Blutzuckergedächtnis" bezeichneten) HbA1c-Wert.

Bei Verdacht auf eine erblich bedingte Hypercholesterinämie können zudem Gentests zum Einsatz kommen: Mit ihrer Hilfe kann man die häufigsten ursächlichen Veränderungen für hohe Cholesterinwerte an den Erbanlagen nachweisen.

Hypercholesterinämie: Therapie

Wenn Hypercholesterinämie eine Therapie erfordert, lautet deren Ziel: LDL-Cholesterin senken, um langfristig das Risiko für Arteriosklerose und deren Folgeerkrankungen zu verringern.

Wie hoch sollte das Cholesterin sein?

Das Risiko für Arteriosklerose hängt nicht nur vom Cholesterinwert ab, sondern von vielen weiteren Faktoren. Darum sollte man vor der Therapie einer Hypercholesterinämie zunächst ein Risikoprofil erstellen. Ihr persönliches Risiko ergibt sich daraus,

  • wie alt Sie sind,
  • ob Sie eine Frau oder ein Mann sind,
  • wie hoch Ihr Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin ist,
  • ob Sie rauchen,
  • ob Sie Diabetes mellitus haben und
  • ob bei Ihnen erbliche Risikofaktoren bestehen.

Anhand dieses Risikos legt der Arzt den Zielwert für das LDL-Cholesterin fest. Allgemein gilt dabei: Je höher Ihr Risiko, desto niedriger der Zielwert.

Oft reichen bei Hypercholesterinämie schon folgende Maßnahmen aus, um das Therapieziel zu erreichen:

  • Lebensstil verbessern. Das heißt v.a.:
    • auf fett- und cholesterinarme Ernährung achten
    • sich ausreichend bewegen
  • Ursache beseitigen. Ist die Hypercholesterinämie durch Krankheit, Medikamente o.Ä. entstanden, gilt es, den Auslöser nach Möglichkeit konsequent zu behandeln bzw. auszuschalten.
  • Risikofaktoren ausschalten. Es ist auch wichtig, gegen zusätzliche Risikofaktoren vorzugehen – das bedeutet z.B.:
    • bei Diabetes den Blutzucker gut einstellen
    • Bluthochdruck senken
    • mit Rauchen aufhören
    • Übergewicht abbauen

Wer trotz dieser Maßnahmen nach mehreren Monaten immer noch deutlich erhöhte Cholesterinwerte hat, braucht in der Regel Medikamente. Wenn die Gefäße schon vor Behandlungsbeginn durch Arteriosklerose verändert sind, ist es allerdings ratsam, sofort cholesterinsenkende Medikamente einzusetzen.

Gesund essen

Manchmal bessert sich eine Hypercholesterinämie allein dadurch, dass man gesund isst beziehungsweise die Ernährung auf eine cholesterinsenkende Kost umstellt. Doch auch, wenn eine entsprechende Diät kaum oder gar keinen Einfluss auf den Cholesterinspiegel hat, empfiehlt sich eine gesunde Ernährung, da sie allgemein das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt.

Gesund essen – wie geht das?

Die folgenden Grundregeln helfen dabei, sich gesünder zu ernähren beziehungsweise bestehendes Übergewicht abzubauen und nicht weiter zuzunehmen:

  • Nehmen Sie nicht mehr Kalorien auf, als Sie täglich brauchen.
  • Die in Fett enthaltenen Kalorien sollten höchstens 30 Prozent der Gesamtkalorien ausmachen, die Sie zu sich nehmen.
  • Bereiten Sie alle Gerichte fettarm zu.
  • Ersetzen Sie gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte Fettsäuren: Tierische Fette enthalten einen hohen Anteil an Cholesterin und gesättigten Fettsäuren, pflanzliche Fette sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
  • Nehmen Sie mehr Ballaststoffe mit der Nahrung auf (z.B. enthalten in Obst, Gemüse, Vollkorn).
  • Achten Sie auf eine cholesterinarme Ernährung (maximal 300 Milligramm Cholesterin pro Tag).

Viel Cholesterin enthalten folgende tierische Lebensmittel:

  • Innereien
  • Eigelb (ca. 250 bis 300 Milligramm Cholesterin pro Eigelb vom Huhn)
  • fettes Fleisch vom Schwein (z.B. Bauch, Speck, Würstchen)
  • Leberwurst und Leberpastete
  • Lamm oder Hammel
  • Butter und Schmalz
  • Mayonnaise und Remouladensauce
  • Kaviar
  • Krusten- und Schalentiere (z.B. Flusskrebse, Krabben, Shrimps, Tiefseegarnelen)
  • Aal
  • Ölsardinen
  • Tintenfisch

Nur in tierischen Lebensmitteln steckt Cholesterin – in pflanzlichen nicht!

Allerdings muss man wegen Hypercholesterinämie nicht unbedingt auf tierische Lebensmittel verzichten: Auch wer sich nicht vegetarisch ernährt, kann cholesterinarm und gesund essen. Wichtig ist, mageres Fleisch von Kalb, Rind oder Wild zu bevorzugen und fette Wurstwaren (wie Salami, Mortadella, Cervelatwurst, Teewurst, Leberkäse oder Schinkenspeck) durch magere Wurstsorten mit weniger als 20 Prozent Fett zu ersetzen.

Empfehlenswert für eine cholesterinarme Ernährung sind auch cholesterinarme Fische, wie zum Beispiel:

  • Forelle
  • Kabeljau (Dorsch)
  • Schwertfisch
  • Seelachs
  • Seezunge
  • Zander

Gesund leben

Bei Hypercholesterinämie besteht der Zweck der Therapie nicht darin, das Cholesterin zu senken, sondern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern. Dabei hilft ein gesunder Lebensstil. Darum sollten Sie alle Risikofaktoren nach Möglichkeit ausschalten.

Gesund leben bedeutet zum Beispiel, sich ausreichend zu bewegen. Daher ist es neben der Ernährungsumstellung empfehlenswert, regelmäßig Sport zu treiben. Wenn Sie Übergewicht haben, hilft Ihnen dies auch, überschüssige Pfunde zu verlieren. Versuchen Sie es mal mit Walking, Nordic Walking, Joggen oder Radfahren.

Wer gesund leben möchte, sollte außerdem aufs Rauchen verzichten: Dadurch sinkt nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch die Lebenserwartung steigt. Selbst wenn der Verzicht auf Zigaretten sich kaum auf die Hypercholesterinämie auswirkt, tun Sie sich durch ein rauchfreies Leben also in jedem Fall etwas Gutes.

Medikamente

Medikamente sind gegen eine Hypercholesterinämie in der Regel erst dann nötig, wenn alle anderen Maßnahmen den Cholesterinspiegel nicht ausreichend senken konnten. Wenn die Gefäße schon durch Arteriosklerose verändert sind, ist es jedoch ratsam, frühzeitig mit der medikamentösen Behandlung zu beginnen – ohne abzuwarten, ob die anderen Maßnahmen wirken.

Vor allem bei rein erblich bedingten Formen (wie der familiären Hypercholesterinämie) ist meist eine Dauertherapie mit Medikamenten nötig. Es gibt verschiedene Cholesterinsenker, die auf unterschiedliche Weise wirken.

Statine (CSE-Hemmer)

Statine sind die wirksamsten Mittel gegen Hypercholesterinämie. Zu den Statinen zählen zum Beispiel folgende Wirkstoffe:

Man bezeichnet Statine auch als CSE-Hemmer (wobei CSE für Cholesterinsyntheseenzym steht) oder HMG-CoA-Reduktasehemmer, denn: Die Medikamente helfen gegen Hypercholesterinämie,

  • weil sie die körpereigene Herstellung von Cholesterin (bzw. Cholesterinsynthese) in der Leber unterdrücken,
  • indem sie das hierfür wichtigste Enzym namens HMG-CoA-Reduktase hemmen.

Wenn dank der Statine weniger Cholesterin in der Leber vorhanden ist, passiert Folgendes:

  • Die Leberzellen bilden mehr Andockstellen (Rezeptoren) für LDL-Cholesterin, damit vermehrt Cholesterin aus dem Blut in die Leberzellen gelangt.
  • Da der Körper aber kein Cholesterin nachbildet, sinken die Cholesterinwerte im Blut.

Statine können so die LDL-Cholesterinwerte etwa um die Hälfte senken. Doch nicht jeder Mensch mit Hypercholesterinämie spricht gleich gut auf diese Therapie an. Die Wirkung der Medikamente kann sehr unterschiedlich ausfallen. Um herauszufinden, welches Statin in welcher Dosierung für Sie am besten geeignet ist, sind nach Behandlungsbeginn eventuell mehrere Kontrolluntersuchungen nötig.

Wenn Sie die rein erblich bedingte homozygote Form der Hypercholesterinämie haben, sind Statine in bestimmten Fällen zur Therapie völlig ungeeignet: Fehlen zum Beispiel aufgrund der ursächlichen Veränderung an Ihrer Erbanlage die LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche der Leberzellen vollständig, kann kein LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zellen gelangen – die Statine bleiben wirkungslos.

Zusätzliche Mittel

Bei schwerer Hypercholesterinämie oder wenn die Therapie mit Statinen in der nötigen Dosis Nebenwirkungen hervorruft, kann der Arzt Ihnen zusätzliche Mittel verschreiben: Die Kombination der Medikamente kann den Cholesterinspiegel oft stärker senken als es die jeweiligen Wirkstoffe allein können.

Häufig kommen als zusätzliche Mittel gegen Hypercholesterinämie Anionenaustauscherharze (bzw. Gallensäurenbinder) zum Einsatz: Diese Medikamente binden Gallensäuren im Darm, sodass der Körper sie anschließend ausscheidet. Damit geht auch das in den Gallensäuren enthaltene Cholesterin verloren. Gallensäurenbinder allein können die Cholesterinwerte um bis zu 25 Prozent senken; in Kombination mit Statinen ist die cholesterinsenkende Wirkung höher. Während der Behandlung kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine im Darm vorübergehend vermindert sein.

Unter Umständen bieten sich auch Cholesterinabsorptionshemmer (wie der Wirkstoff Ezetimib) als zusätzliche Mittel gegen Hypercholesterinämie an: Diese Medikamente verhindern, dass der Körper das Cholesterin im Darm aufnimmt.

Wenn bei einer Hypercholesterinämie nicht nur das LDL-Cholesterin zu hoch ist, sondern gleichzeitig hohe Triglyceride und niedrige HDL-Cholesterinwerte vorliegen und ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besteht, kommen zusätzlich auch Fibrate (wie Bezafibrat, Fenofibrat und Gemfibrozil) und/oder Nikotinsäure sowie Omega-3-Fettsäuren zur Kombinationsbehandlung infrage.

Extrakorporale Verfahren/Operation

Gegen eine von beiden Eltern geerbte Hypercholesterinämie hilft die übliche Therapie (wie Diät und Cholesterinsenker) nicht weiter. Um den Cholesterinspiegel zu senken, kommen dann extrakorporale Verfahren (extrakorporal = außerhalb des Körpers) und möglicherweise eine Operation in Betracht.

Durch extrakorporale Verfahren lässt sich die Hypercholesterinämie vor allem dann erfolgreich behandeln, wenn die Behandlung möglichst frühzeitig beginnt und regelmäßig erfolgt – ähnlich wie die Dialysebehandlung von Menschen mit Niereninsuffizienz. Eine Möglichkeit, die Cholesterinwerte erfolgreich zu senken, ist zum Beispiel die LDL-Apherese (extrakorporale LDL-Elimination):

  • Hierbei reinigt man das Blut, indem man dem Blutplasma außerhalb des Körpers bestimmte Substanzen entzieht.
  • Auf diese Weise lässt sich überschüssiges LDL-Cholesterin entfernen.
  • Eine solche Therapie findet meist einmal pro Woche statt.

Neben diesem lebenslang fortzuführenden, zeit- und kostenintensiven Verfahren kann man eine familiäre Hypercholesterinämie in bestimmten Situationen mit einer Lebertransplantation behandeln.

Hypercholesterinämie: Verlauf

Bei einer Hypercholesterinämie hängt der Verlauf vor allem von der Form der Stoffwechselstörung ab.

Eine rein ernährungsbedingte Hypercholesterinämie lässt sich durch eine entsprechende Umstellung der Ernährung und einen gesünderen Lebensstil meist gut in den Griff bekommen: Die Cholesterinwerte normalisieren sich wieder.

Bei einer sekundären Hypercholesterinämie hängt der Verlauf von der genauen Ursache ab: Wenn es gelingt, diese zu beseitigen (z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln oder ein ursächliches Medikament abzusetzen), ist die Prognose ebenfalls günstig.

Die häufigste Form – die polygene Hypercholesterinämie – ist ebenfalls beeinflussbar. Zwar spielen bei ihrer Entstehung mehrere erbliche Faktoren eine Rolle, an denen man nichts ändern kann. Gegen einen ungesunden Lebensstil und andere Risikofaktoren (wie Übergewicht, zu fett- oder kalorienreiche Ernährung oder eine zu hohe Zufuhr an gesättigten Fettsäuren) kann man aber meist viel tun.

Seltene, rein erblich bedingte Formen (wie die familiäre Hypercholesterinämie) verlaufen individuell sehr unterschiedlich. In der Regel sind erbliche Hypercholesterinämien jedoch schwerwiegender: Bei ihnen treten Arteriosklerose und ihre möglichen Folgen – wie zum Beispiel koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt oder Schlaganfall – früher auf als bei anderen Formen.

Dies gilt vor allem für Menschen, die das ursächliche Erbmerkmal von beiden Eltern geerbt haben: Sie können schon im Kindesalter erste Schlaganfälle und Herzinfarkte bekommen. Wird die Hypercholesterinämie möglichst frühzeitig behandelt, kann dies jedoch die erhöhten Cholesterinwerte senken – und damit auch das Risiko für Folgeerkrankungen.

Allgemein gilt: In den meisten Fällen kann man eine Hypercholesterinämie selbst positiv beeinflussen. Es reicht meist schon aus, sich gesund zu ernähren, sich regelmäßig zu bewegen und weitere Risikofaktoren auszuschalten, um die Cholesterinwerte auf ein gesundes Maß zu senken.

Hypercholesterinämie: Vorbeugen

Gegen Hypercholesterinämie kann man viel tun – auch vorbeugend. Denn wenn das Cholesterin zu hoch ist, steckt oft ein ungesunder Lebensstil (v.a. eine ungünstige Ernährung) dahinter. Dies gilt selbst für die häufige polygene Hypercholesterinämie, bei deren Entstehung auch die Gene eine Rolle spielen.

Einer Hypercholesterinämie vorbeugen bedeutet also vor allem:

  • gesund und fettarm essen
  • sportlich aktiv sein
  • Übergewicht vermeiden

In einigen Fällen ist die Hypercholesterinämie jedoch eine Erbkrankheit: Dann entstehen auch ohne Ernährungseinflüsse hohe oder sehr hohe Cholesterinwerte. Wenn Sie eine entsprechende Veränderung an der Erbanlage haben, können Sie die Entstehung einer Hypercholesterinämie nicht verhindern.

Je länger ein erhöhter Cholesterinspiegel besteht, desto größer ist auch das damit verbundene Risiko für Arteriosklerose und deren mögliche Folgen. Entsprechend ist es umso wichtiger, dass Sie diesen auch bei einer rein erblich bedingten Hypercholesterinämie vorbeugen, so gut es geht. Das bedeutet …

  • zum einen, sich in jedem Fall gesund und fettarm zu ernähren, um den Cholesterinspiegel nicht weiter steigen zu lassen.
  • … zum anderen, dass Sie Ihre Kinder auf erhöhte Cholesterinwerte hin untersuchen lassen: Dann besteht die Chance, den Risiken der Hypercholesterinämie durch eine frühzeitige Behandlung entgegenzuwirken.