Fibrate

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Fibrate" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Die Fibrate werden eingesetzt zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen, also einem überhöhten Gehalt des Blutes an Blutfetten.

Die so genannten Blutfette sind keine einheitliche Stoffgruppe. Im Wesentlichen sind das Cholesterin und die so genannten Triglyceride zu unterscheiden:
  • Cholesterin ist für verschiedene Vorgänge im menschlichen Körper wichtig und unerlässlich. So bildet es das Grundgerüst für viele Hormone und wird auch für den Aufbau von Zellwänden benötigt.
  • Die Triglyceride, von ihrer chemischen Gestalt her die eigentlichen Fette, sind im Körper an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle als Energielieferanten.
Übersteigt der Gehalt an Blutfetten im Blut dauerhaft das normale Maß, können sich die Fette als Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßen festsetzen. So verursachen sie allmählich eine fortschreitende Gefäßverengung (Arteriosklerose) mit der Folge möglicher Herzinfarkte und Schlaganfälle. Für diese Erkrankungen gelten erhöhte Blutfettwerte daher als wichtige Risikofaktoren.

Eine Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall besteht darin, eine überhöhte Konzentration sowohl an Cholesterin wie auch an Triglyceriden im Blut zu senken. Das wird unter anderem mit der Arzneimittelgruppe der Fibrate erreicht.

Zu den Fibraten gehören die Wirkstoffe Clofibrat, Etofibrat, Etofyllinclofibrat, Bezafibrat, Fenofibrat und Gemfibrozil.

Einer Mitteilung der Europäischen Arzneimittelagentur vom 22. Oktober 2010 zufolge sind die Fibrate jedoch nur als Mittel der zweiten Wahl anzusehen. Sie kommen zum Einsatz, wenn Wirkstoffe aus der Gruppe der Statine nicht vertragen werden oder nicht anwendbar sind.

Wichtig zu wissen, ist Folgendes: Zur erfolgreichen Behandlung von Fettstoffwechselstörungen ist die Therapie mit Medikamenten allein nicht ausreichend. Die Einnahme von Fibraten sollte immer mit einer gesunden Lebensführung einhergehen. Zu einer gesunden Lebensführung gehören in erster Linie eine fettarme, ausgewogene Ernährung sowie ausreichende körperliche Aktivität. Empfohlen wird mindestens einer halben Stunde Bewegung pro Tag (Spazierengehen, Schwimmen, Radfahren oder ein anderer Sport).

Wirkung

Der Wirkungsmechanismus der Fibrate ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Heute geht man von zwei Angriffspunkten im Fettstoffwechsel aus:
  • Fibrate steigern die Aktivität des Enzyms Lipoproteinlipase. Lipoproteinlipase baut die sehr lockeren Transportformen der Fette im Blut, VLDL (very low density lipoproteins) genannt, zu dichter gepackten Formen wie LDL (low density lipoproteins) oder sogar zu HDL (high density lipoproteins) mit sehr hoher Dichte um. Je fester der Zusammenhalt der Transportformen, umso weniger Cholesterin kann sich daraus lösen und in den Gefäßen ablagern. Das besonders dicht gepackte HDL hat sogar die Fähigkeit, Cholesterin aus Ablagerungen wieder aufzunehmen und gilt damit als gefäßschützend. Da die Fibrate die Aktivität der Lipoproteinlipase steigern, wird also der Gehalt von gefährlichen lockeren Transportformen im Blut gesenkt und der von dichter gepackten und nützlichen Transportformen erhöht. Insgesamt sinkt so das Risiko einer Gefäßverängung durch Fettablagerungen.
  • Der zweite Angriffspunkt der Fibrate ist in der Leber: Fibrate hemmen in der Leber die Cholesterin-Bildung und die Freisetzung der VLDL-Transportformen. Damit wird die Herstellung von Cholesterin ganz allgemein gebremst und die Menge seiner gefährlichsten, weil lockersten Transportform vermindert.
Trotz dieser positiven Wirkungen auf die Blutfettwerte können Fibrate nicht immer eingesetzt werden. Denn alle Fibrate verändern die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit und erhöhen damit das Risiko für die Entwicklung von Gallensteinen. Deshalb verbietet sich die Einnahme von Fibraten bei Gallenbeschwerden und -steinen. Ferner sollten Fibrate bei Leberschäden oder einer deutlichen Einschränkung der Nierenfunktion nicht angewendet werden.