Ein Blutröhrchen liegt auf einem silberfarbenen Tablett.
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INR-Wert

Der INR-Wert gibt Auskunft über die Gerinnungsdauer des Blutes. Wann ist diese Untersuchung wichtig? Und was kann es bedeuten, wenn der INR-Wert zu hoch oder zu niedrig ist?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Die Abkürzung INR steht für den englischen Begriff International Normalized Ratio. Der INR-Wert dient dazu, Störungen der Blutgerinnung festzustellen. Er kann beispielsweise helfen, …

• … die Behandlung mit bestimmten gerinnungshemmenden Medikamenten (z. B. mit dem Wirkstoff Phenprocoumon) zu kontrollieren.
• … mögliche Schäden an der Leber festzustellen (denn die Leber bildet Gerinnungsfaktoren, sodass ihre Schädigung die Blutgerinnung verlangsamt).
• … die Blutungsneigung vor einer Operation abzuschätzen.
• … einen Vitamin-K-Mangel abzuklären.

Ermittelt wird der INR-Wert anhand der Thromboplastinzeit (TPZ): Das ist die Gerinnungsdauer des Blutes, gemessen ab dem Zeitpunkt, zu dem der Blutprobe Thromboplastin zugesetzt wurde. Thromboplastin ist ein Eiweiß, das die Blutgerinnung aktiviert.

Die Untersuchung läuft ähnlich ab wie andere Blutuntersuchungen auch: Die Ärztin oder der Arzt nimmt Ihnen Blut aus einer Vene ab und sendet die Probe an ein Labor. Darum kann es ein paar Tage dauern, bis Sie Ihren INR-Wert erfahren.

INR-Messgerät

Manche Kliniken oder Arztpraxen verfügen auch über ein INR-Messgerät, mit dem sich der INR-Wert direkt ermitteln lässt. Dazu reicht eine kleine Blutprobe aus dem Finger.

Sie können den INR-Wert auch selber messen. Für Menschen, die etwa wegen einer Herzerkrankung über einen längeren Zeitraum Gerinnungshemmer einnehmen, bietet ein INR-Messgerät für die Selbstmessung zu Hause viele Vorteile:

  • Sie können ihren INR-Wert jederzeit feststellen und
  • somit schneller auf Schwankungen reagieren (z. B. bei veränderter Dosierung),
  • sodass die INR-Werte häufiger im Zielbereich liegen und seltener Komplikationen auftreten.

INR- und Quick-Wert

Schon im Jahr 1983 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den INR-Wert als internationalen Standardwert zur Gerinnungskontrolle eingeführt. Trotzdem verwenden manche Ärztinnen und Ärzte in Deutschland noch immer den veralteten Quick-Wert.

Der Quick-Wert leitet sich wie der INR-Wert aus der gemessenen Thromboplastinzeit ab. Doch je nach Testmethode kann der Quick-Wert schwanken. Darum sind Werte aus verschiedenen Laboren nicht immer miteinander vergleichbar. Eine zuverlässige Gerinnungskontrolle ist damit nicht möglich.

Hingegen sind die INR-Werte allgemeingültig – egal, welches Labor den Test durchgeführt hat. Entsprechend empfehlen alle medizinischen Fachgesellschaften weltweit, den INR-Wert anstelle des Quick-Werts zu verwenden, um eine Behandlung mit Gerinnungshemmern zu kontrollieren.

Tipp für Betroffene: Falls in Ihrem Antikoagulations-Ausweis noch der Quick-Wert vermerkt ist, bitten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, zukünftig den INR-Wert zu verwenden. Das ist besonders für Reisen ins Ausland wichtig: Denn nur der INR-Wert wird international zur Gerinnungskontrolle akzeptiert.

INR-Normwert

Je höher der INR-Wert ist, desto langsamer gerinnt das Blut. Der INR-Normwert ist auf 1 festgelegt. Das heißt:

  • Bei einem INR-Wert von 1 ist die Blutgerinnungszeit normal.
  • Bei einem INR-Wert von 2 dauert die Blutgerinnung hingegen doppelt so lange wie normal.

Bei gesunden Menschen liegt der INR-Wert also um 1:

  • Die Untergrenze liegt bei 0,85.
  • Die Obergrenze liegt bei 1,15.

Wer Gerinnungshemmer einnimmt, hat höhere INR-Werte. Doch das ist auch so gewollt: Bei erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko (z. B. wegen Vorhofflimmern oder Thrombose) zielt die Behandlung mit Gerinnungshemmern darauf ab, den INR-Wert auf 2 bis 3 anzuheben. Unter bestimmten Umständen (z. B., wenn jemand eine künstliche Herzklappe hat), kann auch ein noch etwas höherer INR-Wert nötig sein.

INR-Wert zu hoch oder zu niedrig

Wann ist der INR-Wert zu hoch?

Ist der INR-Wert zu hoch, spricht das für eine verlangsamte Blutgerinnung. Mögliche Gründe hierfür sind:

  • Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten
  • Funktionsstörungen der Leber (z. B. Leberzirrhose)
  • Mangel an Blutgerinnungsfaktoren (z. B. eine Gerinnungsstörung)
  • Vitamin-K-Mangel

Wann ist der INR-Wert zu niedrig?

Ist der INR-Wert zu niedrig, gerinnt das Blut zu schnell. Mögliche Ursachen hierfür sind: