Man sieht sechs auf der Brustwand eines Mannes aufgebrachte EKG-Elektroden.
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Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die besonders bei älteren Menschen häufig auftritt: Rund zehn Prozent der über 80-Jährigen sind davon betroffen. Zwar ist das Vorhofflimmern selbst nicht unmittelbar lebensbedrohlich – daraus können aber schwere Folgeschäden entstehen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

So können sich beim Vorhofflimmern zum Beispiel schneller Blutgerinnsel in den Vorhöfen (sog. Vorhofthromben) bilden. Entsprechend ist das Risiko für Embolien durch über die Blutbahn verschleppte Blutgerinnsel (z.B. für Schlaganfälle) infolge des Vorhofflimmerns erhöht.

Wie hoch das Schlaganfallrisiko durch Vorhofflimmern ist, hängt jedoch in hohem Maß von dessen Ursache ab.

Es kommen verschiedene Erkrankungen für ein Vorhofflimmern als Ursachen infrage – beispielsweise die koronare Herzkrankheit, eine Vorhofvergrößerung, eine Herzklappenerkrankung oder Bluthochdruck (Hypertonie). Auch Alkoholmissbrauch kann zu einem Vorhofflimmern führen. In etwa jedem zehnten Fall ist jedoch keine organische Ursache für die Herzrhythmusstörung festzustellen (sog. idiopathisches Vorhofflimmern).

Die mit einem Vorhofflimmern verbundenen Symptome können sehr unterschiedlich sein – möglich sind zum Beispiel:

Oft bemerken die Betroffenen das Vorhofflimmern aber auch gar nicht – vor allem, wenn es schon länger besteht.

Zur Diagnose ist bei Verdacht auf ein Vorhofflimmern ein Elektrokardiogramm (EKG) geeignet: Hier sind die beim Vorhofflimmern typischen kreisenden Erregungen der Vorhöfe zu erkennen.

Die gegen das Vorhofflimmern eingesetzte Therapie zielt darauf ab, den gestörten Herzrhythmus wieder in seinen normalen Sinusrhythmus zu überführen. Diese sogenannte Kardioversion kann auf zwei Arten gelingen:

Bei einem neu aufgetretenen Vorhofflimmern sind die Behandlungserfolge größer als bei einem chronischen Verlauf. Wer ein chronisches Vorhofflimmern und zusätzliche Risikofaktoren (wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder hohes Alter) hat, kann blutverdünnende Medikamente (sog. Antikoagulanzien) als vorbeugende Dauerbehandlung gegen Blutgerinnsel in den Vorhöfen einnehmen.

Um einem Vorhofflimmern vorzubeugen, ist es wichtig, begünstigende Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck rechtzeitig zu behandeln. Zudem sind erste mögliche Anzeichen für ein Vorhofflimmern (wie Luftnot oder Kurzatmigkeit) ernst zu nehmen. Allgemein sind vorbeugend gegen alle Herzrhythmusstörungen folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Definition

Das Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Ausbreitung der elektrischen Reize im Herzen gestört ist. Beim Flimmern der Herzvorhöfe liegt eine sogenannte supraventrikuläre Tachykardie vor, denn:

  • Beim Vorhofflimmern sind beide Vorhöfe des Herzens von der Reizleitungsstörung betroffen (supraventrikulär = oberhalb der Herzkammern).
  • Der Herzrhythmus ist beschleunigt (Tachykardie = Herzrasen).

Herzrhythmus

Um zu verstehen, was beim Vorhofflimmern geschieht, sind Kenntnisse in der Entstehung des Herzrhythmus hilfreich: Der normale Herzrhythmus entsteht durch regelmäßige elektrische Impulse aus dem Sinusknoten, dem natürlichen Schrittmacher des Herzens. Daher trägt der normale Herzrhythmus auch die Bezeichnung Sinusrhythmus. Der Sinusknoten liegt einige Zentimeter von der rechten Herzkammer (Ventrikel) entfernt auf dem rechten Vorhof (Atrium).

Der sogenannte AV-Knoten, der am Übergang der Vorhöfe zu den Kammern liegt, leitet die Erregung bis in die Innenschicht der Muskulatur der Herzkammern weiter. Die erregten Muskeln kontrahieren in der Reihenfolge, in der ihre Erregung stattfindet – und es kommt zum Herzschlag: Das gesunde Herz pumpt das Blut mit etwa 60 bis 80 Schlägen (in Ruhe) pro Minute durch den Körper. Auf diese Pumpleistung kann sich ein Vorhofflimmern negativ auswirken.

Durch ein Vorhofflimmern ist der normale Herzrhythmus gestört: Das Vorhofflimmern ist gekennzeichnet durch arrhythmisch kreisende elektrische Erregungen im Vorhof, die eine normale Reizausbreitung verhindern. Der AV-Knoten leitet auch diese arrhythmischen Erregungen an die Herzkammern weiter. Es kommt zu uneinheitlich vielen einzelnen Kontraktionen der Herzmuskeln. Die Vorhöfe kontrahieren unkoordiniert mit einer Frequenz von mehr als 350-mal pro Minute.

Aufgrund dieser hohen Flimmerfrequenz erbringen die Vorhöfe keine Pumpleistung – es besteht gewissermaßen ein Vorhofstillstand. Die kreisenden Erregungen der Vorhöfe sind im Elektrokardiogramm (EKG) als Vorhofflimmern erkennbar. Da die Vorhöfe nicht mehr zur Füllung der Herzkammern beitragen, sinkt das Schlagvolumen der Kammern um etwa 20 Prozent ab.

Formen

Beim Vorhofflimmern ist per Definition nach international anerkanntem Standard eine Einteilung in folgende Formen üblich:

  • neu aufgetretenes (akutes) Vorhofflimmern
  • anfallsartiges (paroxysmales) Vorhofflimmern mit einer Dauer von unter 48 Stunden
  • länger anhaltendes (persistierendes) Vorhofflimmern mit einer Dauer von mehr als 48 Stunden
  • dauerhaftes (permanentes) Vorhofflimmern ohne Rückspringen in den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus)

Im Gegensatz zum Vorhofflimmern sind beim Vorhofflattern die Vorhöfe gleichförmig erregt (mit einer Flatterfrequenz von 250 bis 350 Kontraktionen pro Minute), wobei die Pumpleistung der Vorhöfe aber ebenfalls herabgesetzt ist.

Häufigkeit

Vorhofflimmern ist häufiger als jede andere anhaltende Herzrhythmusstörung. In Deutschland haben insgesamt weit über eine Million Menschen ein Vorhofflimmern, wobei die Häufigkeit mit steigendem Alter zunimmt: Bei den über 60-Jährigen sind etwa 5 Prozent betroffen, während bei den über 80-Jährigen von einem Anteil von bis zu 16 Prozent auszugehen ist.

Der Grund dafür, dass das Vorhofflimmern in höheren Lebensjahren zunimmt, sind die im Alter vermehrt auftretenden Begleiterkrankungen des Herzens oder der Gefäße, wie beispielsweise eine koronare Herzkrankheit oder Bluthochdruck: Diese begünstigen das Entstehen der Herzrhythmusstörung.

Ursachen

Beim Vorhofflimmern finden sich als Ursachen häufig krankhaft (pathologisch) veränderte Herzmuskelzellen in den Vorhöfen, welche die normale Erregungsleitung im Vorhofgewebe stören: Beispiele hierfür sind ein krankhaft vermehrtes Bindegewebe (Fibrose) oder entzündete Herzmuskelzellen des Vorhofs. Des Weiteren können vergrößerte Vorhöfe für die beim Vorhofflimmern typischen kreisenden Erregungswellen verantwortlich sein.

  • Ein Vorhofflimmern kann seine Ursachen in folgenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben:
  • Vorhofvergrößerungen
  • Herzklappenerkrankungen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien)

Aber auch andere Erkrankungen können einem Vorhofflimmern als Ursachen zugrunde liegen oder zumindest sein Fortschreiten begünstigen. Dazu gehören:

Allerdings sind bei etwa jedem zehnten Menschen mit Vorhofflimmern keine organische Ursachen festzustellen (sog. idiopathisches Vorhofflimmern: idiopathisch = ohne erkennbare Ursache).

Symptome

Ein Vorhofflimmern kann verschiedene Symptome hervorrufen. Vor allem wenn die Herzrhythmusstörung neu auftritt, sind die Betroffenen körperlich oft schlecht belastbar und verspüren Atemnot. Manchmal treten bei Vorhofflimmern auch folgende Anzeichen auf:

Doch nicht immer verursacht ein Vorhofflimmern deutliche Symptome: Häufig bleibt das Vorhofflimmern von den Betroffenen unbemerkt.

Dies gilt besonders, wenn die Herzrhythmusstörung schon länger besteht: Menschen, die ein solches chronisches Vorhofflimmern haben, nehmen bestehende Symptome zumeist kaum noch wahr, weil sie sich an die Rhythmusstörung angepasst haben. Wenn die Herzfrequenz bei chronischem Vorhofflimmern stärker schwankt, kann dies jedoch schnell zu Beschwerden führen.

Der gestörte Herzrhythmus kann auch mit Spätkomplikationen verbunden sein: So können beim Vorhofflimmern als spätere Symptome zum Beispiel ein Schlaganfall oder Embolien in den Beinarterien vorkommen.

Diagnose

Bei einem Vorhofflimmern ist eine schnelle und sichere Diagnose durch ein Elektrokardiogramm (EKG) möglich – wie bei anderen Herzrhythmusstörungen auch. Der Verdacht auf ein Vorhofflimmern besteht meist bereits bei einem unregelmäßigen Puls. Daneben bietet das EKG die Möglichkeit, Informationen über eine zugrunde liegende Herzerkrankung zu erfassen.

Allerdings kann der Arzt ein kurz anhaltendes Vorhofflimmern mit dem Ruhe-EKG oft nicht erkennen, da es den Herzrhythmus in der Regel nur über eine relativ kurze Zeit erfasst. Daher kommt bei Verdacht auf ein Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG zur Diagnose zum Einsatz: Beim Langzeit-EKG zeichnet ein tragbarer elektrischer Speicher die Herzstromkurve über 24 Stunden auf. Meist erhält man dafür ein kleines EKG-Gerät, sodass der normale Lebensrhythmus kaum eingeschränkt ist.

Bei einem neu entdeckten Vorhofflimmern ist es wichtig, immer auch nach zusätzlichen Begleiterkrankungen wie beispielsweise einer Schilddrüsenüberfunktion zu suchen. Außerdem sind Herzerkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen, Entzündungen (z.B. Herzmuskelentzündung) oder Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien) auszuschließen. Eine Untersuchung des Herzens mithilfe von Ultraschall kann dabei wichtige diagnostische Hinweise liefern.

Auch eine Röntgenuntersuchung von Herz und Lunge setzen Ärzte bei Vorhofflimmern häufig ein. Um bei der Diagnose eine koronare Herzkrankheit auszuschließen, ist zudem ist ein sogenanntes Belastungs-EKG empfehlenswert. Bei krankhaften Befunden schließt sich meist eine Herzkatheteruntersuchung an.

Therapie

Bei Vorhofflimmern ist die Therapie individuell unterschiedlich. In der Regel zielt die Behandlung darauf ab, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen: Dies kann sowohl durch Medikamente als auch mithilfe von elektrischen Impulsen geschehen. Langfristig kommen Maßnahmen gegen ein erneutes Vorhofflimmern und seine möglichen Folgen (wie Schlaganfälle) zum Einsatz. Daneben ist es wichtig, auch die zugrunde liegenden Erkrankungen zu behandeln.

Elektrische Kardioversion

Bei länger anhaltendem, erstmaligem Vorhofflimmern ist zur Therapie eine elektrische Kardioversion geeignet. Diese Maßnahme zielt darauf ab, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) elektrisch wiederherzustellen: Hierzu bekommen Sie zwei Elektroden auf den Brustkorb gesetzt, über die Sie durch einen Defibrillator einen elektrischen Stromschlag erhalten, während Sie in Kurznarkose liegen. Der schmerzlose Stromstoß soll die kreisende elektrische Erregung in den Vorhöfen des Herzens beenden und eine geordnete elektrische Reizausbreitung in Form eines Sinusrhythmus erzwingen

In etwa 90 Prozent der Fälle kann die elektrische Kardioversion das Vorhofflimmern erfolgreich stoppen. Diese Therapie ist allerdings nur bei jedem dritten neu auftretenden Vorhofflimmern erforderlich: In zwei Drittel der Fälle stellt sich der normale Herzrhythmus innerhalb von 48 Stunden von selbst wieder ein.

Die elektrische Kardioversion ist bei bis zu sechs Monate vorbestehendem Vorhofflimmern zur Therapie empfehlenswert. Wenn allerdings zweifelsfrei eine veränderte Herzstruktur (z.B. Herzklappenfehler) oder eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion hinter Ihrem Vorhofflimmern steckt, ist die elektrische Kardioversion nicht zu Ihrer Behandlung geeignet.

Gegen Vorhofflimmern kann als weitere, moderne Therapie-Methode ein implantierter Defibrillator zum Einsatz kommen: Dieser erkennt die Herzrhythmusstörungen und verabreicht Ihnen bei Bedarf einen Elektroschock, um den normalen Herzrhythmus über eine elektrische Kardioversion wiederherzustellen.

Medikamentöse Kardioversion

Bei einem neu aufgetretenen Vorhofflimmern kann man als Therapie auch eine medikamentöse Kardioversion versuchen. Hierbei sollen bestimmte Medikamente den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherstellen: sogenannte Antiarrhythmika.

Je nachdem, welches Mittel Sie gegen das Vorhofflimmern bekommen, ist die Therapie mehr oder weniger erfolgversprechend. Bei der Entscheidung, welches Antiarrhythmikum bei Ihnen am besten für die medikamentöse Kardioversion geeignet ist, sind aber nicht nur die Erfolgsraten zu berücksichtigen, sondern auch:

  • Ihre Grunderkrankung des Herzens und
  • die Nebenwirkungen der Mittel (z.B. Übergang in Vorhofflattern oder ventrikuläre Rhythmusstörungen).
Es empfiehlt sich, die medikamentöse Kardioversion bei Vorhofflimmern stationär mit Monitorüberwachung durchführen zu lassen.

Wenn die medikamentöse Kardioversion nicht gelingt, kann man nachfolgend mit einer Katheter-Ablation gegen das Vorhofflimmern vorgehen: Bei dieser Therapie verödet der Arzt die für die Reizleitung zuständigen gestörten Zellen mit einer Elektrosonde, um das Vorhofflimmern zu beheben (Ablation = Abtragung; hier: Entfernen durch Veröden).

Prophylaktische Therapie

Um ein erneutes Vorhofflimmern zu verhindern, ist eine vorbeugende oder prophylaktische Therapie empfehlenswert, nachdem der normale Herzrhythmus wiederhergestellt ist. Denn: Ohne vorbeugende Medikamente haben ein Jahr nach einer elektrischen oder medikamentösen Kardioversion nur noch etwa 25 Prozent der Betroffenen einen normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus).

Medikamente, die den Herzrhythmus stabilisieren, können einem Rückfall in das Vorhofflimmern vorbeugen. Allerdings stellt die Langzeittherapie mit Antiarrhythmika derzeit noch ein Problem dar, weil diese Medikamente wiederum andere Formen von Herzrhythmusstörungen auslösen können. Daher ist erst dann, wenn nach erfolgreicher Korrektur des Herzrhythmus erneut ein Vorhofflimmern auftritt, eine prophylaktische Therapie ratsam. Geeignete Medikamente zur Kontrolle der Herzfrequenz sind beispielsweise:

Wenn man Ihnen wegen eines andauernd verlangsamten Herzschlags (Bradykardie) einen Herzschrittmacher implantiert hat, kann dieser gleichzeitig zusätzliches Vorhofflimmern verhindern: Als prophylaktische Therapie findet dann eine sogenannte präventive Stimulation durch den Herzschrittmacher statt.

Antikoagulanzien

Bei Vorhofflimmern sind für eine gründliche Therapie Medikamente zur Blutverdünnung – sogenannte Antikoagulanzien – wichtig. Der Grund: Diese Form der Herzrhythmusstörung ist mit einem erhöhten Risiko für Blutgerinnsel in den Vorhöfen (Vorhofthromben) verbunden. Durch Vorhofflimmern mit gleichzeitigem Klappenschaden ist das Risiko, einen Schlaganfall aufgrund einer Herzembolie zu bekommen, etwa 15-mal höher als bei Menschen mit gesunden Herzen. Weitere Risikofaktoren sind:

Bei Vorhofflimmern kann die Therapie mit Antikoagulanzien vermeiden, dass Blutgerinnsel entstehen und Komplikationen auftreten.

Unter 65-Jährige mit einem Vorhofflimmern ohne einen der genannten Risikofaktoren und ohne strukturelle Herzerkrankungen können statt Antikoagulanzien täglich Acetylsalicylsäure einnehmen. Anders als die Antikoagulation bei Vorhofflimmern macht diese Therapie keine regelmäßigen Gerinnungskontrollen nötig. Für über 65-Jährige mit einem Vorhofflimmern oder altersunabhängig für Menschen mit Risikofaktoren (wie Diabetes mellitus, koronare Herzkrankheit beziehungsweise Herzinsuffizienz oder Erweiterung der Vorhöfe) ist es ratsam, immer Antikoagulanzien über den Mund (oral) einzunehmen.

Um die Behandlung steuern zu können, ist es nötig, den Gerinnungswert (INR-Wert) regelmäßig zu kontrollieren. Vor allem bei älteren Menschen mit Vorhofflimmern ist jedoch bei einer Therapie mit Antikoagulanzien das Blutungsrisiko stets erhöht.

Verlauf

Ein unbehandeltes Vorhofflimmern nimmt einen fortschreitenden Verlauf: Die Herzrhythmusstörung schreitet dann ...

  • von anfangs unerkanntem Vorhofflimmern
  • über anfallsartig auftretendes (bzw. paroxysmales) Vorhofflimmern
  • und länger anhaltendes (bzw. persistierendes) Vorhofflimmern

... so weit fort, bis das Herz dauerhaft nicht mehr in den normalen Rhythmus (sog. Sinusrhythmus) zurückspringt (sog. permanentes Vorhofflimmern).

Obwohl selbst nicht unmittelbar lebensbedrohlich, können durch das Vorhofflimmern schwere Folgeschäden entstehen: So steigert ein Vorhofflimmern das Risiko für Embolien durch über die Blutbahn verschleppte Blutgerinnsel – und somit für Schlaganfälle und kardiovaskuläre Begleiterkrankungen mit entsprechenden Komplikationen (wie z.B. einem Herzinfarkt). Daher ist es wichtig, die Herzrhythmusstörung frühzeitig zu behandeln.

Kommt bei Vorhofflimmern die richtige Behandlung zum Einsatz, kann dies die Prognose positiv beeinflussen: Dank der modernen Behandlungsmöglichkeiten ist die Lebenserwartung bei Vorhofflimmern in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Wer jünger als 65 Jahre ist und ein ansonsten gesundes Herz hat, zeigt trotz Vorhofflimmern eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Herzrhythmusstörungen.

Komplikationen

Ein dauerhaftes Vorhofflimmern kann in seinem Verlauf Komplikationen in Form von größeren Schwankungen der Herzfrequenz auslösen:

Ist ein Vorhofflimmern mit einem Frequenzabfall auf unter 60 Schläge pro Minute (sog. Bradyarrhythmia absoluta) verbunden, können als Komplikationen Schwindel, Schwäche und auch kurze Bewusstlosigkeit (sog. Synkope) auftreten, wodurch die Betroffenen stürzen und sich verletzen können. Auch Symptome einer Herzinsuffizienz sind manchmal zu beobachten.

Kommt es bei Vorhofflimmern zu Herzfrequenzen von über 100 Schlägen pro Minute (sog. Tachyarrhythmia absoluta), entstehen daraus unter anderem starkes Herzrasen, Herzklopfen und Luftnot. Bei einer vorbestehenden Herzinsuffizienz kann sich durch die zu geringe Pumpleistung innerhalb kurzer Zeit eine Lungenstauung bis hin zum Lungenödem entwickeln. Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit und Vorhofflimmern können im Verlauf der Tachyarrhythmie als Komplikation einen Angina-pectoris-Anfall oder einen akuten Herzinfarkt bekommen.

Vorbeugen

Wenn Sie einem Vorhofflimmern vorbeugen möchten, ist es unerlässlich, begünstigende Erkrankungen rechtzeitig behandeln zu lassen und Risikofaktoren zu meiden – dazu gehören:

Einem Vorhofflimmern nach Möglichkeit vorbeugen bedeutet auch: Zeichen von Herzschwäche wie Luftnot, Angina pectoris oder Kurzatmigkeit immer ernst nehmen und abklären lassen. Außerdem ist es ratsam, Dass Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren und einen möglichen Diabetes gut einstellen lassen.

Allgemein können Sie nicht nur Vorhofflimmern, sondern auch anderen Herzrhythmusstörungen durch eine gesunde Lebensführung vorbeugen. Dazu ist es wichtig, dass Sie:

  • sich ausgewogen ernähren,
  • regelmäßig maßvoll Sport treiben,
  • mögliches Übergewicht abbauen beziehungsweise Ihr Gewicht regelmäßig kontrollieren,
  • auf das Rauchen verzichten und
  • Alkohol nur in Maßen trinken.