Das Bild zeigt ein Röntgenbild eines Herzschrittmachers.
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Herzschrittmacher

Menschen, die von Herzrhythmusstörungen betroffen sind, profitieren oft von einer Herzschrittmacher-Implantation. Auch wenn Herzschrittmacher die Symptome lindern und mittlerweile Geräte modernster Technik sind, hegen viele Betroffene Zweifel. Hier bekommen Sie Antworten auf Ihre Fragen.

Was ist ein Herzschrittmacher?

Bei einem Herzschrittmacher handelt es sich um ein kleines elektronisches Gerät mit einem Impulsgenerator, das etwa die Größe einer Streichholzschachtel hat. Es wird meist unterhalb des Schlüsselbeins unter die Haut implantiert und über eine oder mehrere Elektroden mit dem Herz verbunden. Diese messen kontinuierlich den Herzschlag und leiten die Information an den Impulsgenerator weiter. Dieser speichert und vergleicht die Signale der selbstständigen Herzaktivität und löst nur dann einen Impuls aus, wenn sich der Herzschlag verlangsamt. So bringt er das Herz wieder in den richtigen Takt. Zudem passt er den Herzschlag der körperlichen Belastung an, sodass Aktivitäten wie Radfahren oder Treppensteigen in der Regel wieder beschwerdefrei möglich sind.

Der Herzschrittmacher wird von einer Batterie betrieben und hält ungefähr zehn Jahre. Stellt sich bei einem der regelmäßigen ärztlichen Kontrolltermine heraus, dass sich die Lebensdauer der Batterie dem Ende zuneigt, lässt sich der Herzschrittmacher in einem kurzen Eingriff austauschen.

Wann braucht man einen Herzschrittmacher?

Das gesunde Herz schlägt in Ruhe rund 60 bis 80 Mal in der Minute. Dafür bildet der sogenannte Sinusknoten, der sich im rechten Vorhof befindet, jedes Mal ein elektrisches Signal. Über den sogenannten AV-Knoten (Atrioventrikularknoten) erreichen diese Signale die Muskelzellen der rechten und linken Herzkammer und lösen so die Kontraktion der Kammern und damit die Pumpaktion des Herzens aus. Wenn nötig, passt das Herz die Frequenz nach oben an; so versorgt es den Körper auch bei Belastung zuverlässig mit sauerstoffangereichertem Blut und Nährstoffen.

Gerät das Herz aus dem Takt, weil es manchmal

  • einen Schlag aussetzt,
  • es phasenweise (intermittierend)
  • oder generell (persistierend) langsamer

schlägt, empfehlen Ärzt*innen meist einen Herzschrittmacher. Bei einer solchen Bradykardie (brady = langsam) liegt die Herzschlagfrequenz Erwachsener in Ruhe bei unter 60 Schlägen pro Minute. Oft haben Betroffene zu Beginn keine Beschwerden, daher sollten besonders ältere Menschen regelmäßig ihren Herzschlag kontrollieren lassen. Die Beschwerden treten meist erst auf, wenn das Herz so langsam schlägt, dass es den Körper nicht mehr mit der gewohnten Menge an Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann. Dabei können folgende Symptome auftreten:

Diese Symptome sind recht unspezifisch und können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Treten sie jedoch gehäuft auf oder dauern länger an, kann ein Besuch in der ärztlichen Praxis sinnvoll sein. Liegt eine Bradykardie vor, kontrolliert und reguliert ein Herzschrittmacher das Herz hin zu einem gesunden Rhythmus. Dann kann der Körper wieder ausreichend versorgt und die Symptome können gelindert werden.

Die Bradykardie gehört zu den Herzrhythmusstörungen und kann unterschiedliche Ursachen haben; manche liegen direkt im Herzen selbst. Hier kann eine Störung der Reizbildung vorliegen, wie zum Beispiel beim Sick-Sinus-Syndrom oder die Reizübertragung kann gestört sein, beispielsweise bei einem Schenkelblock oder einem AV-Block. Diese können beispielsweise auftreten nach

Auch Medikamente können eine Bradykardie auslösen, zum Beispiel solche, die bei Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz verschrieben werden. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) gehört zu den möglichen Auslösern.

Diese krankhafte Bradykardie sollte nicht mit dem niedrigen Puls von Leistungssportler*innen verwechselt werden. Hier kann der Ruhepuls bei 40 Schlägen pro Minute liegen, ohne dass der Körper einen Schaden davonträgt.

Welche Herzschrittmacher-Typen gibt es?

Verordnet der*die Kardiolog*in einen Herzschrittmacher, stehen zwei verschiedene Systeme zur Auswahl, um einen zu langsamen Herzschlag zu regulieren.

Das Einkammer-System

Bei einem Einkammer-System führt eine einzige Elektrode entweder zur rechten Herzkammer oder zum rechten Vorhof. Dieser Herzschrittmacher kommt bei Patient*innen zum Einsatz, wenn der Sinusknoten erkrankt ist und die Reizübertragung durch den AV-Knoten intakt ist, also kein AV-Block vorliegt.

Das Zweikammer-System

Bei einem Zweikammer-System übertragen zwei Elektroden die Signale zum rechten Vorhof und zur rechten Herzkammer. So stimuliert der Herzschrittmacher beide Herz-Areale, auch unabhängig voneinander, wenn dies nötig ist. Diese Art von Herzschrittmacher kann zum Einsatz kommen, wenn zum Beispiel ein AV-Block vorliegt. In diesem Fall kann das vom Sinusknoten im rechten Vorhof gebildete Signal nicht oder nur verzögert die rechte und linke Herzkammer erreichen. Registriert der Herzschrittmacher keine oder nur eine verzögerte Reaktion der Kammer, löst er einen Impuls aus.

Auch bei einem zu schnellen Herzschlag (Tachykardie) kann die moderne Technik helfen. Der sogenannte implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD) besteht wie ein Herzschrittmacher aus einem Impulsgeber und ein bis zwei Sonden, die in der rechten Herzkammer und/oder im rechten Vorhof platziert sind. Fängt das Herz an zu rasen, reagiert das Gerät mit einem Stromstoß, der die Herzschlagfrequenz wie ein Defibrillator reguliert.

Implantation des Herzschrittmachers

Eine Operation am offenen Herzen ist bei der Implantation eines Herzschrittmachers heute nicht mehr nötig. Das ist eine große Erleichterung für Betroffene und bedeutet eine schnellere Wundheilung und Rückkehr in den Alltag.

Der Eingriff: Schnell und ambulant

Heutzutage implantiert der*die Kardiolog*in den Herzschrittmacher innerhalb einer Stunde unter lokaler Betäubung . Meist bildet der*die Kardiolog*in durch einen Hautschnitt unterhalb des Schlüsselbeins eine kleine Tasche, in der der Herzschrittmacher später seinen Platz findet. Zuvor werden die Elektroden soweit zum Bestimmungsort, also den rechten Vorhof, die rechte Herzkammer oder beides, vorgeschoben, bis sie das Muskelgewebe berühren. Dies lässt sich während des Eingriffs mittels eines Röntgengeräts überprüfen.

Sobald die Elektroden richtig sitzen, werden sie an den Impulsgeber angeschlossen, das Gerät auf die Bedürfnisse des*der Patient*in programmiert und auf seine einwandfreie Funktion getestet. Dann wird der Herzschrittmacher in der Hauttasche platziert und die Wunde schließlich vernäht und mit einem Verband versorgt. Manche Patient*innen können das Krankenhaus noch am selben Tag verlassen, in der Regel bleibt man aber zur Beobachtung über Nacht. Die Fäden können nach ungefähr zehn Tagen gezogen werden. Die erste Nachsorgeuntersuchung steht in der Regel nach drei Monaten an.

Nur selten kommen Komplikationen während des Eingriffs oder später beim Betrieb des Schrittmachers vor. Möglich ist dabei,

  • dass Blutgefäße oder Herzgewebe verletzt werden und Blutungen auftreten,
  • die Lunge verletzt wird,
  • die Wunde schlecht abheilt oder sich infiziert,
  • die Elektroden verrutschen,
  • eine Fehlfunktion des Geräts auftritt.

Was passiert nach der Operation?

Auch wenn es sich bei der Herzschrittmacher-Implantation um einen ambulanten Eingriff handelt, ist es wichtig, sich die folgenden drei bis vier Wochen zu schonen. Sinnvoll ist ein anschließender Aufenthalt in einer spezialisierten Rehaklinik – so unterstützen Sie die Heilung nachhaltig und lernen den gesunden Umgang mit sich und der neuen Situation. Dazu gehören das Gefühl, dass das eigene Leben von dem kleinen Kasten in der Brust abhängt, und das Fremdkörpergefühl dort – die meisten gewöhnen sich jedoch schnell an beides. Manche benötigen dabei psychotherapeutische Hilfe , die sie in der Rehaklinik in Anspruch nehmen können.

Dort lernen Sie auch, mit welchen Sportarten Sie Ihr Herz stärken können, um die körperlichen Belastungen des Alltags zu bewältigen. Auch erhalten Sie hier Anleitungen zu einer angepassten Ernährung.

Regelmäßige, halbjährliche Kontrolluntersuchungen sind nach der Implantation eines Herzschrittmachers Pflicht. So behält der*die Kardiolog*in die Lebensdauer der Batterie im Blick und kann bei Bedarf den Herzschrittmacher den Bedürfnissen entsprechend neu programmieren. So lässt sich auch der nächste Eingriff gut planen, wenn der Batteriewechsel nötig wird.

Leben mit Herzschrittmacher

In der Regel spüren die Betroffenen bald nach einer Herzschrittmacher-Implantation eine verbesserte Lebensqualität. Oft gehen die Einschränkungen so weit zurück, dass es den Patient*innen wieder möglich ist, den Berufsalltag wiederaufzunehmen. Autofahren und auch Sport sind wieder möglich. Welche Sportart für Sie geeignet ist, lässt sich gemeinsam mit Ihrem*Ihrer Arzt*Ärztin erörtern, denn hier gibt es ein paar Dinge, die Sie beachten sollten.

So sollten Sie auf Kampfsportarten verzichten, da durch Schläge oder Stürze auf die Brust das Gerät Schaden nehmen könnte. Schwimmen ist erlaubt, Sprünge aus mehr als einem Meter ins Wasser sollten Sie jedoch nicht wagen und auch nicht tiefer als zehn Meter tauchen. Ist der Herzschrittmacher in der rechten Brust implantiert, sollten Rechtshänder*innen nicht Tennis spielen.

Grundsätzlich ist Alkohol schädlich für das Herz. Er sollte daher, wenn überhaupt, nur in geringen Mengen konsumiert werden. Soweit es Ihre Gesundheit erlaubt, können Sie wieder in den Urlaub zu fahren. Halten Sie hier für die Sicherheitskontrollen am Flughafen immer Ihren Herzschrittmacher-Ausweis bereit.

Was ist bei Herzschrittmachern zu beachten?

Nach einer Herzschrittmacher-Implantation sind viele Patient*innen verunsichert darüber, was Sie jetzt noch dürfen – vor allem, weil wir in unserem Alltag immer mehr technische Geräte und damit auch elektromagnetische Felder um uns herumhaben. Diese stören die Herzschrittmacher jedoch nicht in ihrer Funktion, solange sie entsprechend der Herstellervorgaben programmiert sind. Dennoch empfiehlt es sich, bei manchen Geräten vorsichtig zu sein und einen Sicherheitsabstand einzuhalten, um Störsignale zu vermeiden:

Geräte mit geringem Risiko

  • Smartphones oder Handys stellen nur ein geringes Risiko für Implantat-Träger dar, hier muss kein Mindestabstand eingehalten werden.
  • MP3-Player können bedenkenlos genutzt werden. Bei Nachsorgeuntersuchungen sollte er jedoch ausgeschaltet sein, um keine Störungen zwischen Programmiergerät und Implantat hervorzurufen.
  • Von handbetriebenen und Torbogen-Metalldetektoren, wie man sie von Flughäfen kennt, geht keine Gefahr aus, ebenso wenig wie von Elektroautos und Stromleitungen.

Geräte, bei denen man vorsichtig sein sollte

  • Zu Körperfettwaagen liegt bislang noch keine Risikobewertung vor, daher sollten Implantat-Träger*innen diese vorsichtshalber nicht nutzen.
  • Bei Induktionsherden und -ladestationen sollten Implantat-Träger*innen einen Mindestabstand von 25 cm beziehungsweise 10 cm zwischen Implantat und Gerät einhalten.
  • Diebstahlsicherungen, wie sie zum Beispiel oft an Kleidungsstücken angeheftet sind, können bei einem Herzschrittmacher Störungen auslösen. Achten Sie daher beim Anprobieren von Kleidung darauf, dass die Sicherung nicht in die Nähe des Herzschrittmachers kommt.
  • Passieren Sie zügig die elektronischen Warensicherungssysteme in den Ein- und Ausgangsbereichen von Warenhäusern, auch hier können die Magnete Störungen auslösen.
  • Zu Kartenlesegeräten und „elektronischen Schlüsseln“ ist für Herzschrittmacher-Träger*innen ein Sicherheitsabstand von 60 cm und für Defibrillator-Träger*innen von 40 cm wichtig.
  • Die in Kopfhörern verarbeiteten Dauermagnete können Herzschrittmacher und ICDs (implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren) stören. Diese sollten daher nicht in direkter Nähe des Implantats platziert werden.
  • Zu Maschinen, die starke Vibrationen oder ein starkes elektromagnetisches Feld erzeugen, wie zum Beispiel Bohrmaschinen, Kreis- oder Stichsägen, sollte auf einen Abstand von mindestens 30 cm zwischen Gerät und Herzschrittmacher geachtet werden.
  • Geräte mit entsprechenden Hinweisen, dass diese nicht für Menschen mit Herzschrittmachern geeignet sind, sollten Sie grundsätzlich nicht nutzen. Dies kann zum Beispiel bei Heizdecken der Fall sein.
  • Auch bei bestimmten medizinischen Verfahren ist Vorsicht geboten, wie zum Beispiel bei der Magnetresonanztomographie (MRT).