Junger Mann mit Herzmuskelentzündung sitzt auf Couch und hält sich Hand auf schmerzende Brust.
© Getty Images/Moyo Studio

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome und Behandlung

Eine Herzmuskelentzündung kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Häufig sind die Beschwerden unspezifisch, weshalb eine Herzmuskelentzündung mitunter schwer zu erkennen ist. Welche Symptome sind möglich und wie sieht die Behandlung aus?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist eine Herzmuskelentzündung?

Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bestehen akute oder chronisch entzündliche Prozesse im Herzmuskel. Die Entzündung kann sich dabei auch auf die Herzkranzgefäße und das umliegende Gewebe ausbreiten. Die Herzmuskelentzündung ist in jedem Alter möglich. Auch herzgesunde Menschen können erkranken – besonders oft sind jedoch junge Männer betroffen. 

Wie häufig Herzmuskelentzündungen vorkommen, lässt sich nicht genau sagen. Fachleute gehen davon aus, dass die Dunkelziffer hoch ist, da eine Myokarditis auch symptomlos verlaufen kann. Kommt es jedoch zu einer starken Schädigung des Herzmuskels, kann eine Herzinsuffizienz entstehen oder schlimmstenfalls ein tödlicher Verlauf drohen.

Herzmuskelentzündung: Mögliche Symptome einer Myokarditis

Eine Herzmuskelentzündung kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Oft treten nur leichte oder gar keine Beschwerden auf, weshalb sie mitunter schwer zu erkennen ist. Sofern es bei einer Herzmuskelentzündung zu Symptomen kommt, ähneln die Anzeichen häufig einer Herzschwäche.

Mögliche Symptome einer Herzmuskelentzündung sind zum Beispiel:

Je nach Schweregrad der Herzmuskelentzündung kann bereits leichte körperliche Anstrengung Kurzatmigkeit oder Atemnot auslösen.

Herzmuskelentzündung: Wie erfolgt die Behandlung?

Die genaue Therapie einer Herzmuskelentzündung hängt unter anderem davon ab, wie stark die Symptome ausgeprägt sind und welche Ursachen dahinterstecken. Essenziell sind jedoch eine ausreichend körperliche Schonung und die Behandlung von Grunderkrankungen.

In den meisten Fällen sind Virusinfekte für eine Entzündung des Herzmuskels verantwortlich, sodass eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist. In der Regel kann der Körper Virusinfekte jedoch auch ohne Medikamente in den Griff bekommen. Steckt eine bakterielle Infektion hinter der Myokarditis, ist eine gezielte Therapie mit Antibiotika ratsam. Verursacht eine Autoimmunerkrankung die Herzmuskelentzündung, kommen Medikamente infrage, die das Immunsystem unterdrücken (sogenannte Immunsuppressiva).

Herzmuskelentzündung: Behandlung mit Medikamenten

Je nach Situation erhalten Betroffene weitere Medikamente zur Behandlung, wie

  • entwässernde Arzneimittel (Diuretika),
  • Betablocker,
  • ACE-Hemmer oder
  • Angiotensin-Rezeptorblocker (AT1-Rezeptor-Antagonisten).

Sofern Schmerzen auftreten, lassen sich diese mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der Antiphlogistika, beispielsweise Kortison oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), lindern.

Behandlung einer schweren Myokarditis

Bei einer schwer verlaufenden Herzmuskelentzündung können intensivmedizinische Maßnahmen und damit ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dann ist in den Wochen und Monaten danach in der Regel auch längere Bettruhe und Schonung erforderlich.

Für den Fall, dass Bettruhe eingehalten werden muss, bekommen Betroffene vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente (z. B. den Wirkstoff Heparin), um zu vermeiden, dass durch den Bewegungsmangel eine Thrombose oder Embolie entsteht. Zeigen sich im Rahmen der Myokarditis lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, ist die Implantation eines Defibrillators (ICD) zu erwägen.

Schonphase: Wie lange dauert sie und was ist erlaubt?

Die Schonphase sollte so lange andauern, wie Anzeichen einer Herzschwäche bestehen. Wie lange die Schonphase letztlich ist, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt von den individuellen Umständen und der Schwere der Erkrankung ab. Während manche Ärzt*innen mindestens sechs Monate Schonzeit empfehlen, raten andere Patient*innen bereits nach drei Monaten dazu, allmählich wieder aktiver zu werden – allerdings mit begleitenden Kontrolluntersuchungen.

Wie viel Belastung und Aktivität möglich ist, sollten Betroffene dabei mit dem*der Arzt*Ärztin absprechen. Leichtere Aktivitäten wie kurze Spaziergänge in ruhigem Tempo und ohne Steigung sind oft kein Problem. Atemnot beziehungsweise Kurzatmigkeit sollte dabei jedoch keinesfalls auftreten – denn das kann ein Anzeichen dafür sein, dass der Herzmuskel bereits überlastet ist.

Herzmuskelentzündung: Welche Ursachen kommen infrage?

Hinter einer Herzmuskelentzündung können verschiedene Ursachen stecken. In den meisten Fällen ist ein verschleppter viraler Infekt wie eine Erkältung, Corona-Infektion, Grippe oder ein Magen-Darm-Infekt Auslöser. Schonen sich Betroffene nicht ausreichend, können sich die Erreger über die Blutbahn ausbreiten und eine Myokarditis auslösen. Ursachen einer derartigen infektiösen Herzmuskelentzündung sind beispielsweise Infektionen mit: 

  • Viren: Adenoviren, Enteroviren, Coronaviren, Hepatitis-C-Viren, Herpesviren, HI-Viren
  • Bakterien: Staphylo-, Pneumo, Strepto-, Gono- oder Meningokokken, Salmonellen oder Chlamydien
  • Pilzen: Aspergillus, Candida, Histoplasma oder Sporothrix
  • Parasiten: Echinococcus granulosus, Schistosomiasa oder Trichinella spiralis

Eine Myokarditis kann jedoch auch ohne Beteiligung von Krankheitserregern entstehen. Dann liegt oft eine Störung des Immunsystems vor, was sich fälschlicherweise mit entzündlichen Prozessen gegen die Herzmuskelzellen richtet. Ursachen für eine nicht-infektiöse Herzmuskelentzündung sind Autoimmunerkrankungen wie: 

Weitere mögliche Auslöser einer nicht-infektiösen Herzmuskelentzündung sind zum Beispiel: 

Herzmuskelentzündung nach Impfung gegen Corona

Mitunter kann es auch zu einer Herzmuskelentzündung nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gegen Corona kommen – gleichermaßen wie nach einer Ansteckung mit Sars-CoV-2. Untersuchungen zufolge scheint jedoch das Risiko, eine Myokarditis nach einer Corona-Infektion zu entwickeln, um ein Vielfaches höher zu sein als infolge einer Impfung gegen Covid-19. 

Herzmuskelentzündung: Wie erfolgt die Diagnose?

Bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen. Zu Beginn der Diagnose stellen Ärzt*innen zunächst Fragen über die genauen Beschwerden, mögliche Vorerkrankungen und die Einnahme von Medikamenten (Anamnese). Vor allem kürzliche Infekte wie eine Grippe oder Erkältung sind für die Diagnostik relevant. Dann werden Herz und Lunge mit einem Stethoskop abgehört und der Blutdruck gemessen. 

Um bei einer Herzmuskelentzündung jedoch die Diagnose zu sichern, schließen sich in der Regel weitere Untersuchungen an, wie beispielsweise:

Gegebenenfalls veranlassen Ärzt*innen für eine gesicherte Diagnose eine Gewebeprobe des Herzmuskels (Myokardbiopsie). Die Biopsie wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Dafür wird ein Katheter, ein kleiner Schlauch, über eine Vene bis hin zum Herzen geschoben. Dort kann mit einer kleinen Zange eine Gewebeprobe entnommen und im Anschluss im Labor untersucht werden. 

Herzmuskelentzündung: Dauer, Verlauf und Prognose

Wie lange eine Herzmuskelentzündung anhält, hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung verläuft und wie strikt sich Betroffene schonen. Die Dauer einer akuten Myokarditis beträgt im Durchschnitt etwa sechs Wochen – bei einer chronischen Form kann sich die Dauer weitaus länger erstrecken.

Die akute Form nimmt in den meisten Fällen einen guten Verlauf und heilt bei rund 50 bis 57 Prozent spontan und folgenlos aus. Teilweise bleiben harmlose Herzrhythmusstörungen bestehen, meist in Form von überzähligen Herzschlägen (Extrasystolen), die sich für Betroffene wie Herzstolpern anfühlen. Bei rund einem Drittel der Patient*innen geht die akute Myokarditis in eine chronische Form über, ohne dass sich die Beschwerden wesentlich verändern.

Bei etwa 12 bis 25 Prozent der Betroffenen verläuft die Entzündung am Herzmuskel so schwerwiegend, dass sich die Erkrankung innerhalb kurzer Zeit verschlechtert und zu einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) führt oder sich lebensbedrohlich entwickelt. Schreitet die Entzündung trotz Behandlung unaufhaltsam voran, kann die Implantation eines sogenannten Herzunterstützungssystems und langfristig eine Herztransplantation notwendig werden.

Lässt sich einer Herzmuskelentzündung vorbeugen?

Einer Herzmuskelentzündung lässt sich nicht im eigentlichen Sinne vorbeugen. Es ist jedoch möglich, das Risiko für eine Myokarditis durch einfache Maßnahmen zu senken: Während und nach Infekten wie einer Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe sollten Betroffene keinen Sport treiben und sich in diesem Zeitraum auch ansonsten körperlich schonen.

Eine weitere mögliche Maßnahme, um einer Myokarditis vorzubeugen, ist auf einen guten Impfschutz zu achten. Wer sich etwa gegen Grippe oder Diphtherie impfen lässt, kann so Krankheiten vorbeugen, die mitunter als Ursache einer Entzündung des Herzmuskels gelten.