Eine Frau sitzt am Laptop und reibt sich die Augen.
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Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Eine Herzmuskelentzündung kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen. Häufig sind die Beschwerden eher allgemein, weshalb es nicht immer leicht ist, eine Herzmuskelentzündung sofort als solche zu erkennen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Was ist eine Herzmuskelentzündung?
Bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bestehen akute oder chronisch entzündliche Prozesse im Herzmuskel. Eine Myokarditis kann in jedem Alter auftreten.

Wie häufig Herzmuskelentzündungen vorkommen, lässt sich nicht genau sagen. Man muss jedoch davon ausgehen, dass die Dunkelziffer möglicherweise recht hoch ist, da die Erkrankung auch unbemerkt verlaufen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Symptome

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Oft treten bei einer Herzmuskelentzündung auch nur leichte oder auch gar keine Beschwerden auf, weshalb die Erkrankung schwierig zu erkennen ist.

Sofern es bei einer Herzmuskelentzündung zu Symptomen kommt, handelt es sich häufig um Anzeichen ähnlich wie bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Mögliche Beschwerden sind zum Beispiel:

Je nach Schweregrad der Herzmuskelentzündung kann bereits leichte körperliche Anstrengung Kurzatmigkeit beziehungsweise Atemnot auslösen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Ursachen

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kann verschiedene Ursachen haben. Vor allem Infektionen (durch Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten) können am Herzmuskel eine Entzündung hervorrufen. Eine Myokarditis kann jedoch auch ohne Beteiligung von Krankheitserregern entstehen. Nicht immer lässt sich tatsächlich eine Ursache für die Erkrankung finden.

In Deutschland verursachen am häufigsten Viren eine Herzmuskelentzündung. Etwa die Hälfte aller Fälle ist auf einen Virusinfekt (wie z.B. Erkältung, Grippe oder Masern) zurückzuführen. Dabei muss der Infekt nicht zwingend mit spürbaren Beschwerden wie Husten, Schnupfen oder Ausschlag einhergehen. Häufig wird der vorausgegangene Infekt erst bemerkt, wenn bereits Herzprobleme auftreten.

Zu einer Myokarditis durch Bakterien kann es kommen, wenn es in einem anderen Körperbereich eine Infektionsquelle gibt und die Bakterien von dort aus ins Blut gelangen. Werden die Bakterien mit dem Blutstrom bis zum Herzen gespült, kann sich der Herzmuskel entzünden. Diese Form ist selten und kommt fast nur bei Patienten mit Abwehrschwäche vor.

Eine Herzmuskelentzündung kann auch als Folge einer Autoimmunerkrankung (z.B. Sarkoidose, systemischem Lupus erythematodes oder Rheuma) entstehen: In solchen Fällen beginnt das eigene Immunsystem fälschlicherweise, Strukturen des Herzgewebes anzugreifen und löst dort entzündliche Prozesse aus.

Eine sogenannte toxische Myokarditis entsteht durch die Einnahme von Substanzen, die den Herzmuskel schädigen können, wie zum Beispiel:

Darüber hinaus kann eine Herzmuskelentzündung als Folge von Bestrahlung auftreten (z.B. im Rahmen einer Strahlentherapie bei Krebs).

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Diagnose

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zu erkennen und die Diagnose zu stellen, ist schwierig. Im akuten Stadium ist es möglich, die Entzündung durch eine körperliche Untersuchung und den Einsatz technischer Apparate festzustellen. Bei einer chronischen Myokarditis ist zudem eine Gewebeentnahme aus dem Herzmuskel (sog. Myokardbiopsie) sinnvoll, um die wirksamste Therapie festlegen zu können.

Bei einem Verdacht auf Herzmuskelentzündung erkundigt sich der Arzt zunächst ausführlich nach den Beschwerden. Von besonderem Interesse ist dabei, ob aktuell ein Infekt vorliegt oder kürzlich vorlag (z.B. Erkältung, Grippe, Durchfall). Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, bei der der Arzt meist auch Herz und Lunge abhört und den Blutdruck misst.

Außerdem ist eine Blutuntersuchung ratsam, um verschiedene Blutwerte zu bestimmen, wie zum Beispiel:

Anschließend erfolgt meist eine eingehende Untersuchung des Herzens mit EKG (Elektrokardiogramm) und Herzultraschall (Echokardiographie):

  • Im EKG können die bei einer Herzmuskelentzündung erhöhte Herzfrequenz und möglicherweise auch Herzrhythmusstörungen sichtbar sein. Mitunter zeigen sich auch herzinfarktähnliche Veränderungen.
  • Der Herzultraschall ermöglicht es, die Herzgröße und die Pumpleistung zu ermitteln.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine wichtige Rolle für die Diagnose. Diese kann Aufschluss darüber geben, welche Risiken durch die Herzmuskelentzündung für den Betroffenen bestehen.

Myokardbiopsie

Besteht durch die vorgenommenen Untersuchungen weiterhin Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung, erfolgt in der Regel eine Myokardbiopsie – also eine Gewebeprobe des Herzmuskels. Nur so kann der Arzt die Entzündung am Herzmuskel direkt nachweisen.

Dafür führt der Arzt während einer sogenannten Herzkatheteruntersuchung meist vom Hals oder von der Leiste aus einen Katheter über eine Vene ins Herz, um winzige Gewebeproben vom Herzmuskel zu entnehmen. Im Anschluss folgt eine mikroskopische, molekularbiologische und immunhistologische Untersuchung der Proben. So kann der Arzt die Ursache der Entzündungsprozesse im Herzen genau beurteilen.

Mithilfe der Myokardbiopsie ist es möglich, im Falle einer virusbedingten Herzmuskelentzündung eventuell vorhandenes Erbmaterial des Virus nachzuweisen und somit den genauen Erreger zu bestimmen. Daher ist diese Gewebeuntersuchung vor allem bei einer chronischen Herzmuskelentzündung empfehlenswert, um eine Behandlung festzulegen, die wirklich auf die Ursachen abzielt.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Behandlung

Wie bei einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) die Therapie aussieht, hängt unter anderem davon ab, welche Ursachen dahinterstecken und wie schwer die Erkrankung ausfällt.

Zur Behandlung einer Herzmuskelentzündung gehört anfangs vor allem körperliche Schonung. Für den Fall, dass Bettruhe eingehalten werden muss (mit EKG-Monitorüberwachung), bekommen Betroffene vorbeugend gerinnungshemmende Medikamente (z.B. den Wirkstoff Heparin), um zu vermeiden, dass durch den Bewegungsmangel eine Thrombose oder Embolie entsteht.

Sofern Schmerzen auftreten (im Falle einer begleitenden Herzbeutelentzündung), lassen sich diese mit Schmerzmitteln aus der Gruppe der Antiphlogistika lindern.

Schonphase: Wie lange dauert sie und was ist erlaubt?

Die Schonphase sollte so lange andauern, wie Anzeichen einer Herzschwäche bestehen. Erst, wenn die akuten Beschwerden nachlassen, kann man die körperliche Belastung nach und nach wieder steigern.

Wie lange die Schonphase letztlich ist, lässt sich nicht pauschal sagen, sondern hängt von den individuellen Umständen und der Schwere der Erkrankung ab. Während manche Ärzte mindestens sechs Monate Schonzeit empfehlen, raten andere ihren Patienten bereits nach drei Monaten dazu, allmählich wieder aktiver zu werden – allerdings mit begleitenden Kontrolluntersuchungen.

Welche körperlichen Aktivitäten möglich sind, sollten Betroffene dabei mit ihrem Arzt absprechen. Leichtere Aktivitäten wie kurze Spaziergänge in ruhigem Tempo und ohne Steigung sind oft kein Problem. Atemnot beziehungsweise Kurzatmigkeit sollte dabei jedoch keinesfalls auftreten – denn das kann ein Anzeichen dafür sein, dass der Herzmuskel bereits überlastet ist.

Je nach Situation erhalten Betroffene bei einer Herzmuskelentzündung weitere Medikamente zur Behandlung, wie

  • entwässernde Arzneimittel (Diuretika),
  • Betablocker,
  • ACE-Hemmer oder
  • Angiotensin-Rezeptorblocker (AT1-Rezeptor-Antagonisten).

Bei einer schwer verlaufenden Herzmuskelentzündung können intensivmedizinische Maßnahmen und damit ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dann ist in den Wochen und Monaten danach in der Regel auch längere Bettruhe und Schonung erforderlich.

Zeigen sich im Rahmen der Myokarditis lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, ist die Implantation eines Defibrillators (ICD) zu erwägen.

Behandlung der Ursachen

In den meisten Fällen sind Virusinfekte für eine Herzmuskelentzündung verantwortlich, sodass eine ursächliche Behandlung im eigentlichen Sinn nicht möglich ist. In der Regel kann der Körper Virusinfekte jedoch auch ohne Medikamente in den Griff bekommen.

Steckt eine bakterielle Infektion hinter der Myokarditis, ist eine gezielte Therapie mit Antibiotika ratsam.

Verursacht eine Autoimmunerkrankung die Herzmuskelentzündung, kommen Medikamente infrage, die das Immunsystem unterdrücken: sogenannte Immunsuppressiva (z.B. die Wirkstoffe Prednison, Azathioprin). Bei einer autoimmunbedingten Myokarditis richtet sich die körpereigene Abwehr gegen das eigene Herzmuskelgewebe. Durch die Immunsuppressiva schwächt sich die Entzündung ab oder kommt ganz zum Erliegen.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Verlauf

Eine akute Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nimmt in den meisten Fällen einen guten Verlauf und heilt folgenlos aus. Teilweise bleiben harmlose Herzrhythmusstörungen bestehen, meist in Form von überzähligen Herzschlägen (Extrasystolen), die sich für Betroffene wie Herzstolpern anfühlen.

Bei etwa einem Drittel der Patienten geht die akute Myokarditis in eine chronische Form über, ohne dass sich die Beschwerden wesentlich verändern.

Selten verläuft die Entzündung am Herzmuskel so schwerwiegend, dass sich die Erkrankung innerhalb kurzer Zeit verschlechtert, zu einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) führt oder sich lebensbedrohlich entwickelt. Schreitet die Entzündung trotz Behandlung unaufhaltsam voran, kann die Implantation eines sogenannten Herzunterstützungssystems und langfristigeine Herztransplantation notwendig werden.

Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Vorbeugen

Einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) können Sie nicht im eigentlichen Sinne vorbeugen. Es ist jedoch möglich, das Risiko für eine Myokarditis durch einfache Maßnahmen zu senken: Während und nach Infekten (wie z.B. Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe) sollten Sie keinen Sport treiben und sich in diesem Zeitraum auch ansonsten körperlich schonen.