Extrasystolen: Eine junge Frau legt die linke Hand flach auf die Brustmitte.
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Extrasystolen: Wie sich Herzstolpern anfühlt, Symptome und Ursachen

Von: Jessica Rothberg (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 06.05.2022

Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die sich wie Herzklopfen oder Herzstolpern anfühlen können. Oftmals sind sie ungefährlich und benötigen keine Behandlung. Manchmal deuten sie jedoch auch auf eine ernst zunehmende Herzerkrankung hin. Wie fühlt sich Herzstolpern an? Welche Symptome und Ursachen sind möglich?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was sind Extrasystolen?

Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die zwischen zwei normalen Herzschlägen auftreten. Normalerweise erzeugt der Sinusknoten im Herzvorhof einen elektrischen Impuls, der die Muskelzellen des Herzens kontrahieren lässt – ein Herzschlag entsteht. Bei einer Extrasystole kommt es jedoch zu einem zusätzlichen elektrischen Impuls und folglich auch zu einem weiteren Herzschlag. Oft werden diese zusätzlichen Herzschläge auch als Herzstolpern oder Herzaussetzer beschrieben. 

Extrasystolen können vereinzelt oder in unterschiedlichen Mustern auftreten, wie beispielsweise:

  • 2 Extrasystolen hintereinander (Couplet)
  • 3 oder mehr Extrasystolen nacheinander (Triplet/Salve)
  • rhythmisch, zum Beispiel: 
    • auf jeden Normalschlag folgt 1 Extrasystole (Bigeminus)
    • auf 1 Normalschlag folgen 2 Extrasystolen (Trigeminus)
    • auf 2 Normalschläge folgt 1 Extrasystole (2:1-Extrasystolie)
    • auf 3 Normalschläge folgt 1 Extrasystole (3:1-Extrasystolie)

Herzstolpern ist im Ruhezustand, im Liegen und unter Belastung möglich. Oftmals benötigt das Herz nach einer Extrasystole eine Pause (medizinisch: kompensatorische Pause), was Betroffene dann als Herzaussetzer verspüren.

Zusätzliche Herzschläge sind keine Seltenheit – jeder Mensch kann davon gelegentlich betroffen sein. Kommt es vermehrt zu Extrasystolen, sprechen Fachleute von Herzrhythmusstörungen. Meist liegt dann als Ursache eine Herzerkrankung vor. Jedoch können auch andere Umstände Extrasystolen begünstigen. 

Formen: Ventrikuläre und supraventrikuläre Extrasystolen

Extrasystolen entstehen durch elektrische Impulse, die nicht vom eigentlichen Taktgeber des Herzens (dem Sinusknoten) kommen, sondern aus einem anderen Bereich. Je nachdem, wo dieser Bereich liegt, unterscheiden Fachleute zwei Formen:

  • supraventrikuläre Extrasystolen (SVES): entstehen in einem Vorhof
  • ventrikuläre Extrasystolen (VES): Ursprung in einer Herzkammer

Herzstolpern: Wie viele Extrasystolen sind normal?

Grundsätzlich ist der Herzrhythmus nie ganz ohne Fehler – ein gewisser unregelmäßiger Herzschlag ist demnach normal. Auch gesunde junge Menschen können von Extrasystolen hin und wieder (auch mehrmals täglich) betroffen sein. Bei ventrikulären Extrasystolen sind beispielsweise bis zu 500 am Tag normal. Wer jedoch häufiges, unregelmäßiges und schnelles Herzstolpern bei sich bemerkt oder mehr als 10 bis 15 Extrasystolen pro Minute, sollte sich kardiologisch untersuchen lassen. 

Herzstolpern: Sind Extrasystolen gefährlich?

Bei gesunden Menschen mit Extrasystolen, die hin und wieder auftreten, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Oft nehmen sie diese gar nicht wahr. Bei anderen kann es zu einem Schwächegefühl, Schwindel, Atemnot oder Herzaussetzern kommen.

Kommt es zu vielen Extrasystolen hintereinander, sprechen Fachleute von einer Kammertachykardie. Bei einer herzgesunden Person ist dann die Rede von einer gutartigen (idiopathischen) Kammertachykardie, die nur selten zu Bewusstseinsstörungen führt. Bei einer vorliegenden Herzerkrankung kann eine Kammertachykardie jedoch lebensbedrohlich verlaufen. In diesem Fall sind also möglicherweise auch gefährlich.

Wenn Extrasystolen gehäuft, unregelmäßig und schnell hintereinander vorkommen, können sie ebenfalls gefährlich und mögliche Vorboten von lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen sein.

Extrasystolen: Symptome

Extrasystolen selbst sind – wenn überhaupt – nur schwach zu spüren. Doch oft folgt auf einen zusätzlichen Herzschlag ein Aussetzer. In dieser Pause füllen sich die Herzkammern mit mehr Blut als sonst. Der nächste reguläre Herzschlag, der das Blut aus den Herzkammern herauspumpt, fühlt sich dann stärker an als normal: Das können Betroffene als Herzstolpern oder Herzrasen (Tachykardie) wahrnehmen.

Am ehesten ist ein unregelmäßiger Herzschlag durch Extrasystolen in Ruhe wahrnehmbar. Nicht selten sind sie auch nach dem Sport zu spüren, wenn der Adrenalinspiegel im Körper durch das Training oder den Wettkampf noch sehr hoch ist.

Neben einem unregelmäßigen Herzschlag können sich Extraschläge des Herzens durch Kreislaufprobleme wie niedrigen Blutdruck und Schwindel bemerkbar machen. Auch ein allgemeines Schwächegefühl, Übelkeit, Luftnot, Unruhe, Brustenge (Angina Pectoris) und Angstzustände sind mögliche Symptome. 

Extrasystolen: Ursachen

Zusätzliche Herzschläge können ohne erkennbare Ursachen bei Menschen mit völlig gesundem Herzen auftreten. Typische Auslöser für derartige Extrasystolen sind beispielsweise: 

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Aufregung
  • Konsum von Kaffee, Alkohol oder Nikotin 
  • Drogenmissbrauch
  • Mangel an Magnesium oder Kalium
  • Medikamenteneinnahme (wie Digitalis-Präparate oder Psychopharmaka)

Darüber hinaus können folgende Herzerkrankungen ursächlich sein:

Wer einen verlangsamten Herzschlag (Bachykardie) hat, spürt zusätzliche Herzschläge oftmals besonders stark. Weiterhin kann es bei Menschen mit Bluthochdruck oder einer Erkrankung der Schilddrüse zu Herzstolpern kommen. Auch im Rahmen einer lebensbedrohlichen Elektrolytstörung mit erhöhter Kaliumkonzentration im Blut (Hypokaliämie) ist dies möglich.

Extrasystolen: Wann ist bei Herzstolpern ärztlicher Rat notwendig?

Wer Symptome wie Herzklopfen oder Herzstolpern verspürt, befürchtet schnell, an einer ernsthaften Erkrankung zu leiden. Doch meist sind zusätzliche Herzschläge harmlos. In manchen Fällen sind sie jedoch Anzeichen für eine Erkrankung. Darum sollten Betroffene von Herzstolpern ärztlichen Rat einholen, wenn: 

  • das Herzstolpern neu und/oder wiederholt auftritt (etwa bei oder nach Belastungen).
  • Extrasystolen länger als 30 Sekunden anhalten.
  • das Herzstolpern mit weiteren Beschwerden verbunden ist (wie mit Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Brustenge oder Atemnot).

Extrasystolen: Diagnose

Bei Extrasystolen sind ein Elektrokardiogramm (EKG) und ein Herzultraschall (Echokardiographie) sinnvoll, um die Ursache der Herzrhythmusstörung einzugrenzen. Das EKG kann auch zeigen, ob es sich um eine supraventrikuläre oder ventrikuläre Extrasystole handelt. Wenn während des kurzen Ruhe-EKGs kein zusätzlicher Herzschlag auftritt, kann ein Langzeit-EKG oder ein Belastungs-EKG weiterhelfen. Zudem ist es ratsam, den Blutdruck genau zu überprüfen, da Bluthochdruck Herzstolpern fördern kann.

Extrasystolen: Behandlung

Wenn ansonsten gesunde Menschen zusätzliche Herzschläge haben, ist normalerweise keine Behandlung notwendig. Steckt dahinter jedoch eine Erkrankung oder ist es mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern verbunden, sollte eine geeignete Therapie veranlasst werden. Zudem ist es ratsam,

  • Risikofaktoren (wie erhöhte Blutdruck-, Cholesterin- und Blutzuckerwerte) zu verringern und
  • auslösende Faktoren (wie Kalium- oder Magnesiummangel) möglichst zu vermeiden.

Doch auch harmlose Extrasystolen können mit so starken Beschwerden verbunden sein, dass eine Behandlung sinnvoll ist. Helfen können gegen die störenden Extraschläge Medikamente oder eine Verödungstherapie (Katheterablation).

Extrasystolen: Therapie mit Medikamenten

Der Mineralstoff Kalium kann den Herzrhythmus stabilisieren. Darum reicht es gegen störende Extrasystolen oft schon aus, Kalium einzunehmen – entweder täglich oder bei Bedarf. Vor allem, wenn zusätzliche Herzschläge bei Stress auftreten, kommt zur Behandlung auch ein niedrig dosierter Betablocker infrage. Wichtig: Greifen Sie jedoch nicht ohne ärztliche Absprache zu Kalium oder Betablockern.

Wenn die Extrasystolen trotz Kalium und Betablocker weiterhin stören oder eine schwerwiegende Grunderkrankung (wie eine KHK) mit erhöhtem Risiko für einen plötzlichen Herztod besteht, sind Medikamente sinnvoll, die den Herzrhythmus stabilisieren (Antiarrhythmika). Welche Antiarrhythmika am besten geeignet sind, hängt davon ab, ob Betroffene zusätzlich eine Herzerkrankung haben und ob das Herz ansonsten gesund ist. 

Herzkatheter-Eingriff

Für Patient*innen, die keine Antiarrhythmika einnehmen möchten oder wenn die Mittel nicht helfen, kommt alternativ eine Verödungsbehandlung mit einem Herzkatheter in Betracht. Fachsprachlich heißt dieser Eingriff Katheterablation (lat. ablatio = Beseitigung). In vielen Fällen lassen sich so die zusätzlichen Herzschläge endgültig beseitigen.

Bei der Katheterablation wird ein Katheter (kleiner, biegsamer Kunststoffschlauch) mit Elektroden über die Leiste ins Herz vorgeschoben. Ziel ist es, den Ursprungsort der Extrasystolen aufzuspüren, um das Gewebe dort mit Hochfrequenzstrom zu erhitzen und so zu zerstören. Ein solcher Herzkatheter-Eingriff ist oftmals nach zwei Stunden durchgeführt. Die genaue Dauer hängt allerdings vom Einzelfall ab.

FAQ: Fragen und Antworten rund um Extrasystolen

Als Extrasystolen bezeichnen Fachleute zusätzliche Herzschläge, die zwischen zwei normalen Herzschlägen vorkommen.

Betroffene bemerken Extrasystolen oftmals nicht. Gelegentlich sind sie jedoch als Herzaussetzer, Herzklopfen oder besonders heftigen Herzschlag spürbar.

Bei herzgesunden Menschen sind Extrasystolen in der Regel nicht gefährlich. Für Personen mit Herzerkrankung können sie unter Umständen lebensbedrohlich werden. 

Bis zu 500 ventrikuläre Extrasystolen täglich gelten als normal. Menschen mit unregelmäßigem, häufigem und schnellem Herzstolpern oder wenn mehr als 10 bis 15 zusätzliche Herzschläge pro Minute bestehen, sollten ärztlichen Rat aufsuchen.