Ein Arzt mit Defibrillator beugt sich über ein Krankenbett.
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Plötzlicher Herztod: Das sind typische Warnzeichen

Plötzlicher Herztod ist in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Die Betroffenen sinken in sich zusammen, reagieren nicht und haben keinen fühlbaren Puls. Spätestens nach einer Minute kommt es zum Atemstillstand. Was steckt dahinter und was kann man dagegen tun?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Was ist ein plötzlicher Herztod?

Ein plötzlicher Herztod liegt vor, wenn ein unerwartetes Herzversagen zuerst eine plötzliche Bewusstlosigkeit verursacht und spätestens 24 Stunden nach Beginn der akuten Beschwerden zu einem natürlichen Tod führt. Tritt der plötzliche Herztod augenblicklich ein, spricht man vom Sekundentod. Wenn es hingegen gelingt, den drohenden Herztod durch Erste-Hilfe-Maßnahmen erfolgreich abzuwenden, beschreibt man dies mit dem Begriff überlebter plötzlicher Herztod.

Ein plötzlicher Herztod ist die direkte Folge von Herzrhythmusstörungen. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Bei Erwachsenen spielt die koronare Herzkrankheit die mit Abstand größte Rolle. Bei Jugendlichen, jungen Erwachsenen oder Sportlern sind überwiegend erbliche Faktoren, Herzmuskelentzündungen oder Veränderungen der Herzkranzgefäße für einen plötzlichen Herztod verantwortlich.

Statistik

Ein plötzlicher Herztod tritt in Deutschland bei jährlich etwa 80 von 100.000 Menschen ein – mit größter Häufigkeit während oder direkt nach einer extremen körperlichen Belastung. Somit zählt der plötzliche Herztod laut Statistik noch vor Krebs und Schlaganfall zu den häufigsten Todesursachen. Dennoch scheint die Öffentlichkeit den plötzlichen Herztod im Vergleich zu anderen Todesursachen stark zu unterschätzen.

Mit zunehmendem Alter tritt der plötzliche Herztod häufiger auf. Männer haben ein höheres Risiko als Frauen – besonders bei bereits bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung, wie beispielsweise der koronaren Herzkrankheit (KHK).

Plötzlicher Herztod: Ursachen

Hauptursache für Herzrhythmusstörungen und somit für den plötzlichen Herztod oder Sekundentod ist die koronare Herzkrankheit; seltener entsteht ein plötzlicher Herztod durch andere Herzerkrankungen wie Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Herzklappenfehler.

Die genaue Ursache für den plötzlichen Herztod hängt vor allem vom Alter der Betroffenen ab: Bei Erwachsenen spielt die koronare Herzkrankheit die mit Abstand größte Rolle. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod im Erwachsenenalter ist besonders hoch, wenn infolge der Herzkrankheit bereits ein Herzinfarkt aufgetreten ist. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind überwiegend erbliche Faktoren (angeborene Herzerkrankungen), Herzmuskelentzündungen oder Veränderungen der Herzkranzgefäße für einen plötzlichen Herztod verantwortlich.

Plötzlicher Herztod beim Sport

Obwohl regelmäßige Bewegung nachweislich die Herzgesundheit fördert, kann – bei bestehenden Risikofaktoren – ein plötzlicher Herztod auch unmittelbar durch Sport oder andere sehr starke körperliche Belastungen entstehen: In über 80 Prozent aller Fälle ereignet sich der plötzliche Herztod während oder direkt nach einer extremen körperlichen Belastung.

Plötzlicher Herztod im Schlaf

Mitunter tritt der plötzliche Herztod auch im Schlaf auf. Das ist vor allem bei jungen Menschen und Personen mit Diabetes der Fall. Bei letzteren tritt der plötzliche Herztod sogar doppelt so oft im Schlaf auf wie bei Nicht-Diabetiker*innen. Dafür ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) verantwortlich, durch die Herzryhthmusstörungen verursacht werden. Der plötzliche Herztod im Schlaf wird auch als "Dead-in-Bed-Syndrom" ("Tod-im-Bett-Syndrom") bezeichnet.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren, die einen plötzlichen Herztod begünstigen, zählen:

  • frühere Herzinfarkte
  • Zeichen einer Herzleistungsschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion, wie zum Beispiel Luftnot bereits in Ruhe oder unter Belastung
  • ein bereits einmal überlebter Herz-Kreislauf-Stillstand
  • eine ungünstige erbliche Veranlagung (so können z. B. erbliche Erkrankungen des Herzens wie das Brugada-Syndrom oder das Long-QT-Syndrom starke Herzrhythmusstörungen auslösen)
  • bereits im Vorfeld bei einem Langzeit-EKG festgestellte Herzrhythmusstörungen
  • hohes Lebensalter
  • klassische herzschädigende Faktoren wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte (Hyperlipoproteinämie, Hyperlipidämie), Rauchen, starker Alkoholkonsum, mangelnde Bewegung

Wie kommt es zum plötzlichen Herztod?

Bei einer Herzrhythmusstörung – also einer Störung in der Erregungsleitung des Herzens – erhält das Herz keine regelmäßigen elektrischen Impulse mehr, die normalerweise den Herzmuskel dazu bringen, sich zusammenzuziehen (bzw. zu kontrahieren). Infolgedessen gerät das Herz aus seinem gewohnten Rhythmus: In den meisten Fällen schlägt es viel schneller als bei Gesunden – statt gewöhnlich 60- bis 80-mal pro Minute teilweise über 500-mal pro Minute. Schließlich kommt es zum Herzstillstand mit Kreislaufstillstand: Das Herz kann kein Blut mehr in das Kreislaufsystem pumpen, sodass der Kreislauf zusammenbricht.

Die für den plötzlichen Herztod direkt verantwortlichen Herzrhythmusstörungen sind in mehr als acht von zehn Fällen hochfrequente beziehungsweise tachykarde Herzrhythmusstörungen:

  • Kammertachykardien,
  • Kammerflattern und
  • Kammerflimmern.

Nur zu einem geringen Anteil entsteht ein plötzlicher Herztod durch niederfrequente oder bradykarde Herzrhythmusstörungen. Ursache für Letztere kann zum Beispiel sein, dass der natürliche Schrittmacher des Herzens – der Sinusknoten – ausfällt oder dass die Erregungsübertragung von den Vorhöfen auf die Kammern gestört ist und in der Folge das Herz nicht mehr richtig arbeiten kann. Schlägt es nicht mehr, liegt eine Asystolie vor.

Plötzlicher Herztod: Symptome

Typischerweise läuft ein plötzlicher Herztod wie folgt ab:

  • Die Betroffenen fallen um oder sinken in sich zusammen und reagieren weder auf Ansprache noch auf Berührung,
  • sie haben keinen fühlbaren Puls;
  • nach spätestens einer Minute kommt es zum Atemstillstand,
  • die Pupillen sind erweitert,
  • die Haut verfärbt sich (zuerst an Fingernägeln und Schleimhäuten) aschgrau;
  • ohne Behandlung tritt der Sekundentod ein.

Häufig tritt ein plötzlicher Herztod ohne deutliche Warnsymptome auf: In gut der Hälfte aller Fälle sind scheinbar herzgesunde Menschen betroffen. Manchmal weisen die Betroffenen keine Anzeichen einer Herzerkrankung auf, obwohl die Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose schon krankhaft verändert sind.

Umso wichtiger ist es, auf erste Anzeichen einer möglichen Herzkrankheit zu achten, durch die ein plötzlicher Herztod entstehen kann – und diese Symptome sofort zum Anlass zu nehmen, die Notrufnummer 112 zu wählen!

Zu diesen Symptomen zählen ein Engegefühl oder Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm oder den Unterkiefer ausstrahlen. Die Beschwerden treten typischerweise nach Belastungen und überwiegend in den Morgenstunden auf. Weitere häufige Anzeichen sind Atemnot und ein allgemeines Schwächegefühl – diese Symptomatik kann jedoch auch alleine auftreten und ist unbedingt weiter abzuklären.

Auch wiederholte Anfälle von Schwindel und Ohnmacht, bei denen das Bewusstsein innerhalb von Sekunden und Minuten von selbst wiederkehrt, müssen nicht, können aber erste Alarmzeichen für einen bevorstehenden plötzlichen Herztod sein. Bei Menschen mit einem früheren Herzinfarkt oder einer bekannten Herzschwäche ist ein vorübergehendes spürbares Herzrasen besonders zu beachten.

Plötzlicher Herztod: Therapie

Ein plötzlicher Herztod ist ein ärztlicher Notfall! Rufen Sie sofort unter der Notrufnummer 112 Hilfe und ergreifen Sie dann selbst Erste-Hilfe Maßnahmen.

Droht ein plötzlicher Herztod, besteht neben der lebensverlängernden sofortigen Herz-Lungen-Wiederbelebung (d. h. Herzmassage und ggf. Atemspende) die einzig rettende Maßnahme in der Defibrillation.

Reanimation mit dem Defibrillator

Bei der Defibrillation verabreicht man dem Betroffenen mit einem Elektroschockgerät (dem Defibrillator, kurz: Defi) über Elektroden an der Brust einen starken Strom- beziehungsweise Spannungsimpuls: Dieser soll den plötzlichen Herztod verhindern, indem er die elektrische Aktivität des Herzens neu ausrichtet und so das Herz dazu bringt, wieder normal zu schlagen. Defibrillatoren stehen in allen Notarztwagen zur Verfügung. Auch manche öffentlich zugänglichen Gebäude (z. B. Bahnhöfe, Flughäfen) sind mittlerweile mit leicht zu bedienenden Defibrillatoren ausgestattet, sodass auch medizinische Laien sie im Notfall einsetzen können.

Herz-Lungen-Wiederbelebung

Die Herz-Lungen-Wiederbelebung besteht in einer Herzdruckmassage, bei der man kräftig Druck auf den Brustkorb des Bewusstlosen ausübt, sodass der Brustkorb mindestens fünf Zentimeter einsinkt. Dies geschieht 30-mal (in schnellem Rhythmus – also mehr als 3-mal in 2 Sekunden drücken!). Dann unterbricht man die Herzdruckmassage, um den Bewusstlosen 2-mal zu beatmen. Nach der Atemspende wieder 30-mal Herzdruckmassage, dann 2-mal Atemspende usw.

Dabei ist schnelles Handeln sehr wichtig, da ein Herz-Kreislauf-Stillstand bereits nach drei bis vier Minuten zu bleibenden Gehirnschäden führen kann. Der Sauerstoffmangel endet ohne frühzeitiges Eingreifen in 90 Prozent der Fälle tödlich.

Therapie der Grunderkrankung

Lässt sich ein plötzlicher Herztod durch diese Sofortmaßnahmen verhindern, hängt die weitere Therapie vom Einzelfall ab: Bei einer Erkrankung, die ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod bedeutet, ist diese Grunderkrankung zu behandeln. Dabei können neben Medikamenten Gefäßstützen (Stents) zum Einsatz kommen, die verengte Herzkranzarterien aufdehnen, oder eine Bypass-Operation.

Vor allem aber bietet sich ein implantierbarer Kardioverter/Defibrillator (ICD) an, um bei zukünftigen bedrohlichen Herzrhythmusstörungen einen plötzlichen Herztod abzuwenden: Dies ist ein verkleinertes Elektroschockgerät, das man wie einen Schrittmacher unter die Haut einpflanzt (implantiert).

Kann man einen plötzlichen Herztod überleben?

In Deutschland überleben derzeit etwa drei bis acht von hundert Betroffenen einen plötzlichen Herztod. Diese Werte liegen weit hinter denen der USA zurück: Dort überleben landesweit etwa 15 Prozent der Betroffenen – mit örtlichen Spitzen von bis zu 60 Prozent.

Die beste Prognose, einen Herztod durch Erste-Hilfe-Maßnahmen erfolgreich abzuwenden (überlebter plötzlicher Herztod), besteht in den USA Gegenden, in denen man auf die Public Access Defibrillation (PAD) mit öffentlich zugänglichen Defibrillatoren setzt: Dies ist zum Beispiel in den Casinos in Las Vegas der Fall, wo das Sicherheitspersonal dank entsprechender Schulungen Wiederbelebungsmaßnahmen beherrscht und automatische externe Defibrillatoren (AED) zur Verfügung stehen, die auch für medizinische Laien leicht zu bedienen sind. In Deutschland sind mittlerweile ebenfalls einige öffentlich zugängliche Gebäude (wie Flughäfen oder Bahnhöfe) mit solchen Defibrillatoren ausgestattet.

Plötzlicher Herztod: Vorbeugen

Ein plötzlicher Herztod lässt sich weitgehend vermeiden, indem Sie Herzerkrankungen vorbeugen. Die wichtigste Strategie gegen den plötzlichen Herztod besteht darin, ein erhöhtes Risiko frühzeitig zu erkennen – auch wenn noch keine Herzbeschwerden vorliegen. Ihr Risiko ist umso höher, je mehr klassische Risikofaktoren auf Sie zutreffen. Dazu gehören:

Wer also gesund lebt und regelmäßig gemäßigt Sport treibt, kann sein Risiko für einen plötzlichen Herztod senken.

Infekte auskurieren

Auch Sport ist nicht immer uneingeschränkt gut fürs Herz: Es sehr wichtig, dass Sie sich während oder nach einem Infekt (z. B. Erkältung, Durchfallerkrankung oder Grippe) ausreichend schonen! Vor allem Sportler beginnen aber oft mit dem Training, obwohl ihr Infekt noch nicht ganz auskuriert ist. Damit riskieren sie, dass die Infektionserreger zu einer Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) führen: Diese kann bei körperlicher Belastung schwere Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen – die Folge kann ein plötzlicher Herztod sein. Vorbeugen können Sie einer durch Erreger verursachten Myokarditis bedingt, indem Sie während und nach jeder Infektionskrankheit auf Ihr Training verzichten und sich auch ansonsten körperlich schonen.

Neben den klassischen Risikofaktoren reicht schon einer der folgenden Faktoren aus, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein plötzlicher Herztod eintritt:

  • früherer Herzinfarkt
  • Zeichen einer Herzleistungsschwäche
  • überlebter plötzlicher Herztod
  • ungünstige erbliche Veranlagung
  • bekannte Herzrhythmusstörungen

Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod haben, empfiehlt es sich, mit Ihrem Hausarzt oder mit einem Facharzt für Herzkrankheiten (Kardiologe) über geeignete vorbeugende Maßnahmen zu sprechen.

Bei erhöhtem Risiko für einen plötzlichen Herztod bestehen vorbeugende Maßnahmen in erster Linie darin, die Grunderkrankung zu behandeln – zum Beispiel durch:

  • Medikamente (wie Beta-Blocker und Antiarrhythmika),
  • eine Aufdehnung (Dilatation) verengter Herzkrankarterien mithilfe von Gefäßstützen (Stents) oder
  • eine Bypass-Operation.

Sicher vor dem plötzlichen Herztod schützen, kann man sich nicht. Menschen, die schon einmal einen Herzstillstand beziehungsweise ein Kreislaufversagen erlebt haben, erleiden in drei bis fünf von zehn Fällen innerhalb eines Jahres erneut ein solches Ereignis. Damit ein plötzlicher Herztod unwahrscheinlich bleibt, bieten sich in solchen Fällen ergänzende Behandlungsmethoden wie der implantierbare Kardioverter/Defibrillator (ICD) an.

Implantierbare Kardioverter / Defibrillatoren sind verkleinerte Elektroschockgeräte (Defibrillatoren), die wie Schrittmacher zu implantieren sind und bei erneuter bedrohlicher Herzrhythmusstörung den größtmöglichen Schutz vor dem plötzlichen Herztod bieten können.