Ein Korkenzieher, daneben zwei Korken.
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Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht)

Alkoholismus ist weit verbreitet: Rund 1,6 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren gelten in Deutschland als alkoholabhängig. Fast ebenso viele betreiben Alkoholmissbrauch, das heißt: Sie nicht zwar nicht abhängig, trinken jedoch in einem Ausmaß, das ihre Gesundheit gefährdet. Lesen Sie, woran man eine Alkoholsucht erkennt und wie sie sich behandeln lässt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Alkoholismus kommt in allen sozialen Schichten vor. Insbesondere Jugendliche nehmen vermehrt Alkohol zu sich. Allein im Jahr 2015 wurden 15.000 Kinder und Jugendliche aufgrund einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Nicht jeder Mensch, der regelmäßig trinkt, wird zwangsläufig zum Alkoholiker. Vielmehr bestimmen viele Faktoren, ob eine Alkoholsucht entsteht. Hierzu zählen zum Beispiel

  • genetische Faktoren, also eine gewisse genetische Veranlagung
  • psychologische Faktoren, z. B. Traumata oder negative Vorbildfunktion im Elternhaus: Betroffene sind oft in Familien aufgewachsen, in denen ein oder mehrere Mitglieder alkoholabhängig waren
  • neurobiologische Faktoren: Bei Menschen mit Alkoholproblemen lassen sich bestimmte Auffälligkeiten im sog. Belohnungssystem des Hirns nachweisen.

Gegen ein gelegentliches Glas Wein oder Bier ist meist nichts einzuwenden. Dennoch ist immer Vorsicht geboten, denn die Grenze zum Missbrauch oder gar der Alkoholabhängigkeit ist schnell überschnitten.

Deutschlandweit gibt es über 1.400 Beratungsstellen, die sich um Menschen mit Alkoholismus und deren Angehörige kümmern. Wer den ersten Schritt macht, hat damit gleichzeitig auch den größten Schritt getan: Sich selbst einzugestehen, möglicherweise an einer Alkoholabhängigkeit zu leiden, ist nicht leicht und bedarf viel Mut. 

Definition

Wann ist der Alkoholkonsum noch in einem gesundem Rahmen und ab wann beginnt die Abhängigkeit? Fest steht: Der Übergang vom gelegentlichen "Glas zu viel" in den Alkoholismus verläuft meist schleichend über Jahre hinweg. Je stärker beziehungsweise häufiger der Konsum, desto höher ist das Risiko, abhängig zu werden.

Risikoarmer, riskanter und schädlicher Alkoholkonsum

Ob Alkoholkonsum bedenklich ist, ist vor allem eine Frage der Häufigkeit und der Trinkmenge. Fachleute unterscheiden zwischen risikoarmem, riskantem und schädlichem Alkoholkonsum:

  • Von risikoarmem Konsum spricht man, wenn Frauen im Durchschnitt höchstens eins, Männer höchstens zwei Standardgläser Alkohol trinken (entsprechend 10 bzw. 12 Gramm reinen Alkohol). Dabei sollte man an mindestens zwei Tagen in der Woche eine Pause einlegen.
  • Um riskanten Konsum handelt es sich, wenn das Trinkverhalten/die Trinkmenge über den Werten der Empfehlungen liegt. Das Risiko für gesundheitliche Schäden wie z. B. Bluthochdruck ist erhöht.
  • Schädlicher Konsum oder auch Alkoholmissbrauch liegt vor, wenn der Konsum psychische, körperliche oder soziale Auswirkungen hat, die zu Schäden führen können – etwa, wenn sich Betroffene aggressiv verhält, oder unter Alkoholeinfluss zu schnell Auto fährt. Dabei spielt keine Rolle, ob die Person einmalig oder wiederholt deutlich mehr Alkohol trinkt, als empfohlen wird. Menschen, die zu Alkoholmissbrauch leiden, haben ein großes Risiko, abhängig zu werden.

Ab wann spricht man von Alkoholabhängigkeit?

Bei einer Alkoholabhängigkeit (Alkoholismus, Alkoholsucht) hat eine Person die Kontrolle über ihren Alkoholkonsum weitgehend verloren. Dabei entsteht eine körperliche und psychische Abhängigkeit. Das Verlangen nach Alkohol wird so groß, dass alles andere unwichtig wird. Der Betroffene ist nicht in der Lage, seinen übermäßigen Alkoholkonsum dauerhaft zu stoppen.

Alkoholismus ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. Den meisten Betroffenen gelingt es nicht, ihre Sucht allein in den Griff zu bekommen.

Lesen Sie mehr: Daran erkennen Sie eine Alkoholabhängigkeit

5 Typen von Alkoholabhängigkeit

Man kann verschiedene Typen von Alkoholabhängigkeit unterscheiden. Eine häufig verwendete Einteilung ist die nach dem Trinkverhalten (nach Jellinek). Demnach gibt es fünf verschiedene Typen von Alkoholsucht.

Typ Beschreibung
Alphatrinker Der Alphatrinker ist ein Konflikttrinker. Er trinkt, um psychische oder körperliche Probleme zu bewältigen. Der Alphatrinker ist in der Lage, für eine gewisse Zeit abstinent zu bleiben. Er ist nicht körperlich, jedoch psychisch von Alkohol abhängig.
Betatrinker Der Betatrinker ist Gelegenheitstrinker. Bei sozialen Anlässen trinkt er übermäßig viel, behält jedoch die Kontrolle. Er kann zeitweise abstinent bleiben.
Gammatrinker Der Gammatrinker gilt als der "klassische" Typ. Konsumiert er Alkohol, verliert er die Kontrolle über die Menge. Er entwickelt eine Abhängigkeit mit körperlichen und sozialen Problemen.
Deltatrinker Der Deltatrinker ist auch als Spiegeltrinker bekannt. Der Betroffene ist nicht in der Lage, abstinent zu bleiben. Er benötigt immer eine gewisse Menge Alkohol. Er trinkt aus Gewohnheit, verliert jedoch selten die Kontrolle über die Trinkmenge.
Epsilontrinker Der auch als Quartalssäufer bezeichnete Epsilontrinker trinkt phasenweise über Tage oder Wochen hinweg exzessiv Alkohol.

Die häufigsten Trinktypen sind der Gamma- und der Deltatrinker.

Suchtgedächtnis: Warum Alkoholsucht so schwer zu stoppen ist

Alkoholismus lässt sich ohne professionelle Hilfe nur schwer überwinden. Grund ist insbesondere das Suchtgedächtnis. Beim Alkoholkonsum werden Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine ausgeschüttet. Die Person erlebt ein Glücksgefühl. Das Belohnungssystem im Hirn lernt, dass die Droge Alkohol zu – wenn auch nur vorübergehendem – Wohlbefinden führt. Alkohol hat also eine belohnende Wirkung.

Je öfter man diese Belohnung wiederholt, desto mehr entstehen im Gehirn bestimmte Verknüpfungen von Nervenzellen (Neuronen) – das Suchtgedächtnis entwickelt sich. Die gelernte Belohnung bleibt im Suchtgedächtnis dauerhaft abgespeichert: Selbst Jahre nach einem Entzug können daher Schlüsselreize wie der Geruch von Alkohol oder der Anblick einer Weinflasche wieder zu einem Rückfall führen, weil das Suchtgedächtnis aktiv wird.

Symptome & Verlauf

Wie macht sich Alkoholismus bemerkbar? Und woran erkennen Außenstehende, dass ihr Gegenüber ein Alkoholproblem hat? Fest steht: Eine Alkoholsucht verändert sowohl den Körper als auch die Psyche. Allerdings können Betroffene die Symptome oft lange Zeit vor anderen verbergen.

Charakteristische Symptome von Alkoholismus sind:

  • der starke Wunsch/Drang, Alkohol zu sich zu nehmen
  • die Unfähigkeit, Beginn und Ende des Trinkens zu kontrollieren bzw. zu kontrollieren, wie viel getrunken wird
  • körperliche Entzugserscheinungen
  • Toleranzentwicklung: Es werden immer höhere Dosen benötigt, um sich gut zu fühlen und eine Wirkung zu spüren.
  • Interessenverlust: Dinge, die der Person früher Spaß gemacht haben, rücken in den Hintergrund.
  • Unfähigkeit, den Konsum zu stoppen, obwohl es bereits zu körperlichen, psychischen und sozialen Folgen gekommen ist

Entzugserscheinungen

Typisches Symptom einer Alkoholabhängigkeit: Fehlt der Alkohol, setzen nach vier bis zwölf Stunden Entzugserscheinungen ein. Dazu zählen etwa

In schweren Fällen kann ein Alkoholdelir (Delirium tremens) auftreten, bei dem beispielsweise Symptome wie Halluzinationen, starke Ängste, Desorientiertheit, Verwirrtheit, Zittern oder Schwitzen im Vordergrund stehen.

Bleibt die Person abstinent, klingen die Entzugserscheinungen innerhalb einer Woche ab.

Verlauf

Alkoholismus entwickelt sich schleichend über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei kann man verschiedene Phasen unterscheiden.

Phase Beschreibung
Präalkoholische Phase Die Person trinkt immer öfter, um Stress zu reduzieren oder sich bei Problemen Erleichterung zu verschaffen (Erleichterungstrinken). Der Körper gewöhnt sich immer mehr an die Droge; es kommt zu einer Toleranzentwicklung.
Prodromalphase Die Person trinkt heimlich und denkt immer öfter an Alkohol. Sie sammelt Alkohol auf Vorrat und versucht das Thema vor anderen zu meiden.
Kritische Phase Im weiteren Verlauf nehmen Stimmungsschwankungen und Kontrollverlust zu. Der Betroffene versucht, zeitweilig abstinent zu bleiben. Interessen und soziale Aktivitäten lassen nach und es kommt zu ersten körperlichen Folgen des Alkoholkonsums.
Chronische Phase In dieser Phase hat der Alkohol schon deutliche körperliche und psychische Schäden hinterlassen. Viele Alkoholiker trinken schon morgens und greifen auch auf billige Ersatzstoffe zurück. Es kommt zum sozialen Abstieg.

Therapie

Eine reine Selbstbehandlung ist bei Alkoholismus nicht zu empfehlen. Vielmehr ist eine fachkundige Therapie in der Regel unumgänglich. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen schafft es mit Unterstützung von nahestehenden Menschen, ohne weitere Hilfe abstinent zu werden.

Ziel der Therapie ist es, lebenslang abstinent zu bleiben. "Kontrolliertes Trinken" im Rahmen einer Selbstbehandlung hat selten Erfolg, sondern führt oft zu einem Rückfall.

Voraussetzung für jede Therapie ist, dass der Betroffene wirklich bereit ist, seine Alkoholabhängigkeit zu beenden und abstinent zu werden. Der erste Schritt ist besonders schwer, aber auch besonders wichtig: Viele Betroffene wollen zunächst nicht wahrhaben, dass sie ein Problem mit Alkohol haben und eine Therapie benötigen. Sie können es sich meist erst spät eingestehen, dass sie krank sind.

Zudem schämen sich manche Menschen für ihre Alkoholabhängigkeit, oder sie haben Angst ohne die Droge nicht leben zu können. Entsprechend lang dauert es oft, bis die Person Hilfe bekommt und annimmt.

Eine erste Anlaufstelle kann beispielsweise der Hausarzt sein, aber auch eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe.

Heutzutage gibt es viele individuelle Möglichkeiten, einen Entzug zu machen. Alkoholismus ist eine Krankheit, deren Therapie von den Krankenkassen bezahlt wird.

Die Therapie von Alkoholismus gliedert sich meist in vier Abschnitte:

Phase Beschreibung
Kontaktphase Die Person nimmt Kontakt zu einem Arzt oder einer Beratungsstelle auf. Er wird ärztlich untersucht und umfassend über seine Erkrankung informiert. Es kann auch vorkommen, dass ein Betroffener den Arzt aufgrund von anderen Beschwerden aufsucht, den Alkoholismus aber leugnet oder verschweigt. In diesem Fall ist es Aufgabe des Arztes, das Problem offen anzusprechen und den Patienten zu einer Therapie zu motivieren.
Entzugsphase / Entgiftungsphase In der Kontaktphase wurde abgeklärt, ob eine Entgiftung notwendig ist. Diese kann ambulant oder auch stationär durchgeführt werden. Die auftretenden Entzugserscheinungen können mit Medikamenten gemildert werden. In weiteren Gesprächen klären Arzt und Patient, wie eine weitere Behandlung aussehen kann. Im Allgemeinen dauert der Entzug bis zu vier Wochen. Nach der Entzugstherapie muss der entwöhnte Alkoholkranke aber weiterhin psychisch betreut werden, denn die Gefahr eines Rückfalls ist groß.
Entwöhnungsphase In der Entwöhnungsphase ist eine Unterstützung durch eine psychotherapeutische oder soziotherapeutische Behandlung sinnvoll, die mehrere Monate dauert, um die Abstinenz zu festigen. Sie wird entweder ambulant oder stationär durchgeführt und kann als Einzel- oder Gruppentherapie stattfinden.
Nachsorge Nach der Entwöhnungsphase sollte eine ambulante Nachbehandlung mit Rehabilitation erfolgen, zum Beispiel in einer Tagesklinik. Zudem ist es sinnvoll, Kontakt zu einer Beratungsstelle, einer Fachambulanz oder einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Die Nachsorge kann Jahre oder auch Jahrzehnte andauern.

Wichtig zu wissen: Alkoholismus ist nicht heilbar. Die Gefahr, nach der Therapie einen Rückfall zu erleiden, besteht lebenslang, insbesondere innerhalb des ersten Jahres nach einem Entzug.

Was passiert in der Entzugs- und Entwöhnungsphase?

Ein Alkoholentzug ist eine Herausforderung: Insbesondere Personen, die schön länger ein Alkoholproblem haben, müssen mit starken Entzugserscheinungen rechnen, da sich der Körper bereits an die Droge gewöhnt hat.

In schweren Fällen sind Entzugserscheinungen lebensbedrohlich. Daher ist dringend anzuraten, einen Entzug unter ärztlicher Aufsicht zu beginnen. Oft findet ein Alkoholentzug im Rahmen einer stationären Therapie statt. Hierfür stehen Abteilungen in Kliniken zur Verfügung, die sich auf die Behandlung einer Alkoholabhängigkeit spezialisiert haben (sog. qualifizierte Entzugsbehandlung). Die Therapie kann in Einzel- oder in Gruppensitzungen durchgeführt werden.

In der Therapie geht es nicht nur um den rein körperlichen Alkoholentzug ("Entgiftung"). Vielmehr ist auch wichtig,

  • dass der Erkrankte versteht, wie die Abhängigkeit entstanden ist
  • das Risiko eines Rückfalls zu senken, etwa, indem die Motivation des Erkrankten gestärkt wird und er lernt, Konflikte anders zu bewältigen
  • mögliche Folgeerkrankungen des Alkoholkonsums zu behandeln

An den Alkoholentzug schließt die Entwöhnungsphase an. Es empfiehlt sich, direkt nach dem Alkoholentzug eine mehrmonatige stationäre Therapie in einer Entwöhnungsfachklinik durchzuführen. Alternativ ist es auch möglich, eine teilstationäre oder eine regelmäßige ambulante Entwöhnungstherapie zu wählen, wenn der Alkoholentzug abgeschlossen ist.

Die Angehörigen können in die ambulante Therapie mit eingebunden werden und den Betroffenen dabei unterstützen, weiterhin abstinent zu bleiben.
 

 

 

Warmer und kalter Entzug

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen Alkoholentzug durchzuführen.

Beim warmen Entzug nimmt der Erkrankte Medikamente ein, die die Entzugserscheinungen lindern. Dies erhöht die Chance, dass er die Therapie nicht vorzeitig abbricht und rückfällig wird.

Im Gegensatz dazu werden beim kalten Entzug keine Medikamente eingesetzt. In der Regel wird der Betroffene aber psychologisch betreut. Der kalte Entzug dauert bis zu zwei Wochen.

Manche versuchen, einen kalten Entzug auf eigene Faust durchzuführen – zum Beispiel, weil sie sich scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein solches Vorgehen birgt jedoch Risiken: Ein Alkoholentzug kann mit teilweise heftigen körperlichen Symptomen verbunden sein. Das gilt insbesondere, wenn die Beschwerden nicht durch Arzneimittel gelindert werden. Im schlimmsten Fall droht ein Alkoholdelir (Delirium tremens).

Co-Abhängigkeit

Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit, Alkoholsucht) ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen selbst, sondern meist auch für die Familienmitglieder, Freunde und andere nahestehende Personen: Diese geraten häufig in eine sogenannte Co-Abhängigkeit.

Ungefähr acht Millionen Menschen leben in Deutschland eng mit einem alkoholabhängigen Menschen zusammen. Sie sind selbst nicht alkoholabhängig, doch sie leiden insbesondere zu Beginn oft mehr unter den Folgen des Alkoholismus als der Abhängige selbst. Co-Abhängige sorgen sich meist sehr um die Gesundheit des Betroffenen und kämpfen mit den zusätzlichen Belastungen, die in der Familie auf sie zukommen. Hierzu zählen beispielsweise finanzielle Schwierigkeiten aufgrund der Alkoholabhängigkeit. Zudem müssen sie etwa Aufgaben und Verantwortung übernehmen, für die sonst der Partner oder die Partnerin zuständig war, so zum Beispiel die Kindererziehung. Personen in Co-Abhängigkeit versuchen alles, um der nahestehenden Person zu helfen und bringen viel Verständnis für die Situation des Betroffenen auf. Meist tritt Co-Abhängigkeit in einer Paarbeziehung auf – der Großteil der Co-Abhängigen sind Frauen.

Probleme bereitet Co-Abhängigen oft auch die gestiegene Gewaltbereitschaft gerade bei männlichen Alkoholikern, die auch zu sexuellen Übergriffen führen kann.

Ist eine Person co-abhängig, verwendet sie oft viel Energie darauf, den Alkoholismus vor der Außenwelt zu verbergen; eigene Bedürfnisse stellt sie in den Hintergrund. Die Co-Abhängigkeit wirkt sich daher auch gesundheitlich aus und kann zu Symptomen unterschiedlichster Art führen. Hierzu zählen beispielsweise Schlaflosigkeit, Nervosität, Depression oder Magenprobleme – schlimmstenfalls kann ein Co-Abhängiger selbst zum Alkoholiker werden. Auch kann es passieren, dass sich der Co-Abhängige von der Außenwelt zurückzieht, aus Scham, dass jemand das Problem seines Partners entdecken könnte.

Viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen bieten Personen in der Co-Abhängigkeit Hilfestellungen an. Wer co-abhängig ist und sich in seiner Situation überfordert fühlt, sollte sich nicht scheuen, derartige Einrichtungen zu besuchen und sich beraten zu lassen!

Folgen

Auch, wenn man nicht alkoholabhängig ist: Wer regelmäßig höhere Mengen Alkohol konsumiert, riskiert gesundheitliche Schäden. Dazu zählen unter anderem

  • Schäden an der Leber: Die Leber nimmt durch den Alkoholabbau auf Dauer Schaden. Die Folgen können Leberverfettung (Fettleber), Leberschwellung oder eine Leberzirrhose sein. Erhöhte Leberwerte können auf Alkoholmissbrauch und eine geschädigte Leber hinweisen. Da die Leber bei Frauen hormonbedingt langsamer Alkohol abbaut, nimmt sie eher Schaden als bei Männern.
  • Schäden im Gehirn: Bei jedem Rausch werden Millionen von Gehirnzellen zerstört. Dies führt zu Problemen mit dem Gedächtnis, der Konzentration sowie dem Kritik- und Urteilsvermögen. Spätere Folgen sind ein Nachlassen der Intelligenz bis hin zur Demenz.
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, des Magens oder des Darms
  • Krebs: Alkoholkonsum steigert das Risiko, an Mund-, Rachen- Kehlkopf- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken – dies kann auch schon bei geringen Mengen der Fall sein. Auch das Risiko für Brustkrebs bei Frauen ist erhöht.
  • Probleme im Sexualleben: Potenz und sexuelles Erleben werden negativ beeinflusst.

Als Langzeitfolge von hohem Alkoholkonsum oder Alkoholismus kann sich die Persönlichkeit negativ verändern. Personen, die alkoholkrank sind, sind häufig aggressiv, reizbar, unzuverlässig, grundlos eifersüchtig und depressiv.

Akute Gefahren von Alkohol

Nicht zuletzt kann Alkohol auch ganz unmittelbar zu Schäden führen. So steigt etwa das Unfallrisiko. Personen, die Alkohol getrunken haben, sind meist leichtsinniger, risikofreudiger und können Gefahrensituationen weniger gut einschätzen als im nüchternen Zustand.

Ab einem Alkoholgehalt von etwa 3 Promille im Blut entsteht eine schwere Alkoholvergiftung. In schweren Fällen kann der Tod durch Atemlähmung die Folge sein.

Lesetipp: Alkoholvergiftung

Vorbeugen

Je früher eine Person mit dem Trinken anfängt, desto größer ist die Gefahr, vom Alkohol nicht mehr loszukommen.

Kinder vor der Abhängigkeit schützen

Eltern können – zumindest ein Stück weit – vorbeugen, dass ihr Kind zum Alkohol greift:

  • Selbstwertgefühl stärken: Ein starkes Selbstwertgefühl ist eine gute Grundlage, um eine Abhängigkeit zu verhindern. Kinder, die wissen, wie sie konstruktiv mit Konflikten umgehen können, haben ein niedrigeres Risiko, alkoholkrank zu werden.
  • Informieren: Auch wenn ein Kind/Jugendlicher nicht gern auf Belehrungen hört – es ist wichtig, ihm zu vermitteln, welche Wirkung Alkohol auf den Körper hat und warum es besser ist, möglichst keinen bzw. nur wenig Alkohol zu sich zu nehmen.
  • Vorbild sein: Kinder orientieren sich an den Eltern. Daher sollte man selbst mit gutem Beispiel vorangehen, indem man als Elternteil verantwortungsvoll mit Alkohol umgeht.

Als Erwachsener vorbeugen

Auch als Erwachsener kann man einiges tun, um selbst nicht in eine Alkoholabhängigkeit zu geraten. Personen mit einem erhöhten Risiko für Alkoholismus – etwa Menschen, deren Eltern Alkoholiker sind – sollten ganz besonders auf ihren Alkoholkonsum achten.

Wie empfindlich jemand auf Alkohol reagiert, ist individuell sehr verschieden und hängt unter anderem von genetischen Faktoren und zusätzlichen Einflüssen wie etwa Bluthochdruck ober Übergewicht ab. Auch in geringen Mengen kann Alkohol schädlich sein. Einen risikofreien Alkoholkonsum gibt es daher nicht.

Halten Sie sich am besten an die Vorgaben für einen risikoarmen Konsum:

  • für Frauen: Trinken Sie nicht mehr nicht mehr als ein Standardglas Alkohol wie etwa 0,3 l Bier ODER 0,15 l Wein/Sekt ODER 0,4 cl einer Spirituose an einem Tag; dies entspricht etwa 12 Gramm reinem Alkohol.
  • für Männer: Trinken Sie nicht mehr als zwei Standardgläser Alkohol wie etwa 0,6 l Bier ODER 0,3 l Wein/Sekt ODER 0,8 cl einer Spirituose an einem Tag; dies entspricht etwa 24 Gramm reinem Alkohol.

Ob man alkoholabhängig wird, ist jedoch nicht unbedingt nur eine Frage der Menge, sondern auch eine Frage der Gewohnheit. Um eine Gewöhnung zu vermeiden, ist es sinnvoll, an mindestens zwei bis drei Tagen in der Woche ganz auf Alkohol zu verzichten. Zudem wird empfohlen, mindestens einmal pro Jahr für einige Wochen abstinent zu leben.

Rechtzeitig handeln

Wer bemerkt, dass das Trinken mehr oder mehr zur Gewohnheit wird, sollte nicht zögern, möglichst bald den Arzt seines Vertrauens aufzusuchen. Auch Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen können eine erste Anlaufstelle sein. Oft ist es schon eine Erleichterung, diesen ersten wichtigen Schritt gemacht zu haben.

Wenn man es nicht direkt zum Fachmann schafft, kann zunächst das Gespräch mit einem Freund oder Familienmitglied hilfreich sein, um dann mit Unterstützung der nahestehenden Person Hilfe zu holen. Viele Betroffene schaffen es, nach einem Entzug ihr Leben lang abstinent zu bleiben – und somit ein gesünderes Leben zu führen.