Das Bild zeigt das Auge eines Gelbsucht-Betroffenen.
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Gelbsucht (Ikterus)

Eine Gelbsucht entsteht, wenn der Gallenfarbstoff Bilirubin im Blut ansteigt. Durch die erhöhte Konzentration des gelben Farbstoffs im Gewebe nehmen Haut, Schleimhäute und Augen eine gelbliche Färbung an. Erfahren Sie, auf welche Erkrankungen eine Gelbsucht hindeuten kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Ursachen

Bei Gelbsucht kommt es zu einer Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Augen. Ursache hierfür sind zu hohe Bilirubin-Werte im Blut beziehungsweise eine Störung im Bilirubin-Stoffwechsel. Am frühesten erkennt man die Gelbfärbung in den Augen.

Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Bei manchen Erkrankungen der Leber, der Gallenwege und des Bluts liegt zu viel davon im Blut vor. Es lagert sich dann im Gewebe ab und führt zu einer sichtbar gelben Haut, Schleimhaut und Lederhaut des Auges.

Ab einer Gesamtbilirubin-Konzentration von über 2 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) im Blut wird die Gelbsucht als Gelbfärbung in den Augen erkennbar, ab über 5 mg/dl färbt sich auch die Haut gelblich.

Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Bilirubin-Stoffwechsel. Je nach Lokalisation in Bezug auf die Leber (griech. hepar) unterscheidet man die Gelbsucht nach der Lage der Ursachen:

  • prähepatischer Ikterus: Ursachen liegen vor der Leber (also bevor das Blut die Leber passiert)
  • hepatischer Ikterus: Ursachen liegen im Lebergewebe
  • posthepatischer Ikterus: Ursachen liegen hinter der Leber (also nachdem das Blut die Leber durchströmt hat)

Prähepatischer Ikterus

Beim prähepatischen Ikterus liegen die Ursachen der Gelbsucht vor der Leber. Vor allem Blutkrankheiten kommen hier infrage, bei denen übermäßig viele rote Blutkörperchen (Erythrozyten) zerfallen (sog. Hämolyse). Denn dadurch entsteht vermehrt Bilirubin, das Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Auch bei Komplikationen im Rahmen einer Bluttransfusion kann ein prähepatischer Ikterus auftreten.

Der prähepatische Ikterus wird auch nichthepatische Gelbsucht genannt, weil die Ursachen für den krankhaften Prozess nicht in der Leber, sondern im Blut liegen.

Hepatischer Ikterus

Beim hepatischen Ikterus liegt die Ursache für die Gelbsucht in der Leber. Genauer gesagt ist bei dieser Form eine Leberentzündung (Hepatitis) der Grund für die Gelbsucht. Leberentzündungen können unter anderem durch Viren (z. B. Hepatitis B), durch Medikamente und Alkoholmissbrauch (bis hin zur Leberzirrhose) verursacht werden.

Eine angeborene Stoffwechselstörung, die zu Gelbsucht führen kann, ist die sogenannte familiäre Hyperbilirubinämie.

Posthepatischer Ikterus

Bei einer posthepatischen Gelbsucht liegen die Ursachen hinter der Leber. Sie entsteht also, nachdem das Blut die Leber verlassen hat. Meist verursachen verlegte Gallenwege beziehungsweise Störungen im Gallenfluss diese Form der Gelbsucht. Andere Bezeichnungen für den posthepatischen Ikterus sind Verschlussikterus oder Obstruktionsikterus.

Die Leber produziert Gallenflüssigkeit und gibt diese über die Gallenwege in die Gallenblase und letztlich in den Darm ab. Dort ist die Galle an der Verdauung beteiligt. Die Gallenflüssigkeit enthält den Gallenfarbstoff Bilirubin. Sind die Gallenwege verschlossen, staut sich die Gallenflüssigkeit (Cholestase), und Bilirubin sowie weitere Bestandteile der Gallenflüssigkeit treten ins Blut über.

Mögliche Ursachen für einen Verschluss der Gallenwege sind beispielsweise

Falscher Ikterus

Von einem sogenannten falschen Ikterus spricht man, wenn sich nur die Haut gelb verfärbt und die Bilirubinwerte dabei normal bleiben. Solch eine Form der Gelbfärbung kann zum Beispiel auftreten, wenn man über Monat Karotten oder Karottensaft in großen Mengen zu sich nimmt.

Morbus Gilbert-Meulengracht

Morbus Gilbert-Meulengracht (Gilbert-Meulengracht-Syndrom) ist eine harmlose erbliche Erkrankung, die normalerweise keine weitere Behandlung erfordert. Im Rahmen der Erkrankung kann es phasenweise zu erhöhten Bilirubinwerten und damit zu einer vorübergehenden Gelbfärbung der Haut kommen. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel Fasten oder auch ein Infekt.

Neugeborenen-Gelbsucht

Bei Neugeborenen ist eine Gelbfärbung in den ersten Lebenstagen nicht ungewöhnlich und in der Regel harmlos (sog. Neugeborenen-Gelbsucht oder Neugeborenen-Ikterus).

Gelbsucht: Symptome

Abhängig von der Ursache können bei einer Gelbsucht (Ikterus) neben der typischen Gelbfärbung verschiedene weitere Symptome auftreten, zum Beispiel:

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Gelbsucht: Diagnose

Um die Ursache der Gelbsucht (Ikterus) festzustellen, benötigt der Arzt oder Ärztin einige Informationen. Zunächst hilft ein ausführliches Gespräch (Anamnese) weiter, die Ursachen ein wenig einzugrenzen. Mögliche Fragen sind beispielsweise:

  • Wann ist Ihnen die Gelbfärbung das erste Mal aufgefallen?
  • Haben Sie Vorerkrankungen (z. B. Hepatitis, Gallensteine, eine Krebserkrankung) oder zusätzliche Beschwerden (wie Juckreiz oder Gewichtsabnahme)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Trinken Sie Alkohol – und wenn ja: wie viel?
  • Waren Sie in der letzten Zeit auf Reisen in ferne Länder?

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem Leber und Gallenblase unter dem rechten Rippenbogen abgetastet werden.

Weiteren Aufschluss gibt eine Blutuntersuchung, bei der vor allem die Werte des Bilirubins, des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff), der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sowie bestimmte Gallen- und Leberwerte (z. B. Gamma-GT, Alkalische Phosphatase, GOT, GPT) und Entzündungswerte von besonderem Interesse sind.

Urin- und Stuhluntersuchungen können ebenfalls zur Diagnose beitragen, da sich Bilirubin unter Umständen im Urin und im Stuhl nachweisen lässt.

Ratsam ist außerdem eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs. Hierbei lassen sich Leber, Gallenblase und Gallenwege auf Veränderungen hin untersuchen.

Gegebenenfalls können weitere Untersuchungen infrage kommen, wie zum Beispiel:

Gelbsucht: Therapie

Eine Gelbsucht (Ikterus) kann verschiedene Ursachen haben. Die Therapie richtet sich deshalb nach der Erkrankung, die die Gelbsucht ausgelöst hat. Die Art der Behandlung kann deshalb variieren.

Hier einige Beispiele: Hat ein Gallenstein die Gallenwege verschlossen und die Gelbsucht verursacht, entfernt man den Stein zum Beispiel endoskopisch oder mithilfe einer Operation. Dann kann die Gallenflüssigkeit wieder abfließen und die Gelbfärbung der Haut verschwindet ebenfalls. Die Bilirubinwerte normalisieren sich wieder.

Verursachen Alkohol, Medikamente oder andere Gifte die Gelbsucht, müssen diese schädlichen Stoffe weggelassen werden. Danach können sich unterschiedliche Behandlungsschritte anschließen.

Eine Hepatitis muss ebenfalls adäquat behandelt werden – Hepatitis B zum Beispiel mit virushemmenden Medikamenten.