Frau mit Gallensteine fasst sich an den Oberbauch und sitzt auf dem Sofa.
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Gallensteine: Wie sie entstehen und Symptome

Gallensteine bleiben oftmals lange unbemerkt, da sie nur selten Symptome verursachen. Je nach Lage und Größe der Steine gehen sie jedoch auch mit Beschwerden wie Schmerzen im Oberbauch einher. Welche Anzeichen sollten ernst genommen werden, wie entstehen Gallensteine und wann müssen sie entfernt werden?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was sind Gallensteine?

Gallensteine sind feste kristallartige Ablagerungen, die sich in der Gallenblase oder in den Gallengängen bilden. Sie entstehen, wenn Bestandteile der Gallenflüssigkeit (kurz Galle) in einem ungünstigen Verhältnis zueinanderstehen, sodass sie verklumpen. Die Leber produziert diese Gallenflüssigkeit, die bei Bedarf von der Gallenblase über den Gallengang in den Zwölffingerdarm transportiert werden kann, um ihrer Funktion der Fettverdauung nachzukommen.

Galle besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser und enthält daneben noch Gallensäuren, Phospholipide (Eiweiße), Bilirubin (Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin) sowie Cholesterin. Bilirubin und Cholesterin können auskristallisieren und Gallensteine bilden. Ein Gallensteinleiden bezeichnen Fachleute als Cholelithiasis.

Gallensteine: Arten und Größe

Gallensteine können unterschiedlich groß sein: Ihre Größe reicht von einigen Millimetern (auch Grieß genannt) bis hin zu zentimetergroßen Steinen. Manchmal bleibt es bei einem einzelnen Gallenstein, oft treten aber mehrere gleichzeitig auf.

Neben der Größe unterscheidet sich auch die Zusammensetzung der Steine. Die meisten Gallensteine enthalten Cholesterin (Cholesterinsteine), seltener bestehen sie aus Bilirubin (Bilirubin-Pigment-Steine). Darüber hinaus unterscheiden Fachleute zwischen Gallenblasensteinen (Cholezystolithiasis) und Gallengangsteinen (Choledocholithiasis).

Wie häufig sind Gallensteine?

Schätzungen zufolge haben hierzulande etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 40 Jahre Gallensteine. Die meisten von ihnen wissen davon nichts. Je älter eine Person, desto höher ist das Risiko, Gallensteine zu entwickeln.

Ursachen: Wie entstehen Gallensteine?

Gallensteine entstehen, wenn sich die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit verändert. Die Steine können sich auf verschiedenen Wegen bilden:

  • Cholesterinsteine: Meist kommt es zu Gallensteinen, wenn die Gallensäure zu viel Cholesterin enthält. Cholesterin ist nicht wasserlöslich und muss deshalb immer von genügend Gallensäuren und Phospholipiden umgeben sein. Ist dieses Verhältnis gestört, verklumpt das Cholesterin und es bilden sich helle Steine. Nicht nur zu viel Cholesterin, auch zu wenig Gallensäure kann zu einem solchen Missverhältnis führen.

  • Bilirubin-Pigment-Steine/Pigmentsteine: Seltener entstehen Gallensteine, wenn die Gallensäure zu viel Bilirubin enthält. Pigmentsteine sind klein, sehr hart und schwarz.

Darüber hinaus gibt es sogenannte Mischsteine. Sie entstehen, wenn Cholesterin- oder Pigmentsteine verkalken. Dabei entsteht eine Mischung aus Cholesterin, Pigment und Kalk.

Welche Risikofaktoren begünstigen Gallensteine?

Fachleute gehen davon aus, dass rund 70 bis 80 Prozent der Gallensteine aufgrund von Umwelteinflüssen entstehen. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für ein Gallensteinleiden. 

Einen Überblick der wichtigsten Risikofaktoren für Gallensteine gibt die 6F-Regel: 

  • female (weiblich): Frauen sind etwa doppelt bis dreifach so häufig betroffen wie Männer. Dabei spielen möglicherweise weibliche Hormone (Östrogene) eine Rolle und somit auch Verhütungsmittel oder eine Hormontherapie mit Östrogenen in den Wechseljahren.

  • fertile (fruchtbar, mit mehreren Kindern): Das Risiko für eine Cholelithiasis steigt unter anderem während einer Schwangerschaft. Ursächlich sind neben einem veränderten Hormonhaushalt auch das wachsende Baby, das einen Abfluss von Galle behindern kann.

  • forty (über 40 Jahre): Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine. Ab dem Alter von 40 Jahren ist das Risiko deutlich erhöht.

  • fat (übergewichtig): Übergewicht (Adipositas) gilt heutzutage in den westlichen Industriestaaten als wichtigster Risikofaktor. Ein Übergewicht von etwa 20 Prozent verdoppelt das Risiko, Gallensteine zu bekommen. Auch eine starke Gewichtsabnahme in kurzer Zeit, etwa durch eine Magen-OP oder übertriebene Fastenkuren, erhöht die Wahrscheinlichkeit.

  • fair (nordischer Typ, helles Haar): Personen mit hellem Haar und heller Haut (nordischer Typ) sind häufiger betroffen.

  • family (Familie): Gallensteine treten mitunter in manchen Familien gehäuft auf, sind somit veranlagt. Bestimmte Genveränderungen (beispielsweise auf dem sog. ABCB4- oder ABCG8-Gen) begünstigen, dass Cholesterinsteine entstehen.

Gallensteine durch falsche Ernährung

Eine cholesterinreiche Ernährung kann dazu führen, dass der Cholesterinspiegel im Blut steigt, was Cholesterinsteine begünstigt. Auch eine ballaststoffarme Ernährung erhöht das Risiko für Gallensteine. Zu wenig Ballaststoffe führen dazu, dass die Nahrung länger im Darm verbleibt, mehr Fette ins Blut gelangen und der Blutcholesterinspiegel steigt. Auch eine extrem kalorienarme Ernährung begünstigt Gallensteine.

Weitere Risikofaktoren für Gallensteine

Zu weiteren Risikofaktoren für Gallensteine zählen:

Gallensteine: Welche Symptome können auftreten?

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Gallensteine haben und verspüren lange Zeit keine Symptome. Fachleute sprechen dann von stummen Gallensteinen. Kommt es zu Beschwerden, sind diese meist unspezifisch und treten mitunter direkt nach oder während einer fetthaltigen Mahlzeit auf. Dazu zählen Symptome wie:

Weiterhin kann es vorkommen, dass die Betroffenen bestimmte Speisen schlechter vertragen – etwa Kaffee, Gebratenes oder blähende Nahrungsmittel.

Zusätzliche Symptome bei Gallenkolik

Ein charakteristisches Symptom eines Gallensteinleidens ist die Gallenkolik. Sie entsteht, wenn sich die Gallenblase zusammenzieht, um Gallenflüssigkeit in den Darm abzugeben, ein Gallenstein jedoch im Weg liegt. Ein Stein kann dabei entweder den Ausgang der Gallenblase oder den Gallengang versperren. Die Muskeln in der Wand der Gallenwege ziehen sich zusammen, um den Stein weiterzubefördern. 

Eine Kolik der Galle kann sich durch diese Symptome zeigen: 

  • starke, krampfartige Schmerzattacken unter dem rechten Rippenbogen oder Brustbein, die 15 Minuten bis zu 5 Stunden anhalten und in Wellen auftreten
  • die Schmerzen können bis in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen
  • begleitende Übelkeit und/oder Erbrechen
  • Blähungen
  • Aufstoßen

Symptome von Gallengangsteinen

Seltener befindet sich ein Gallenstein nicht in der Gallenblase, sondern in einem Gallengang. Dann kann die Gallenflüssigkeit möglicherweise nicht mehr richtig in den Darm abfließen. In der Folge lagert sich der Gallenfarbstoff im Gewebe ab, was eine Gelbsucht (Ikterus) mit sich bringen kann. Neben Fieber kann es zu diesen Symptomen kommen:

  • gelbliche Färbung der Haut und Augen
  • dunkel gefärbter Urin
  • heller Stuhlgang 

Diagnose: Wie lassen sich Gallensteine erkennen?

Unspezifische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Blähungen können viele Ursachen haben und sind kein sicheres Anzeichen für Gallensteine. Wer jedoch ständig unter derartigen Symptomen oder besonders starken Beschwerden leidet, sollte sich in jedem Fall ärztlich untersuchen lassen. Zunächst stellen Ärzt*innen im Rahmen der Anamnese einige Fragen zu den Symptomen, möglichen Vorerkrankungen und Einnahme von Medikamenten.

Dann schließt sich in der Regel eine körperliche Untersuchung an, bei welcher der Bauchraum vorsichtig abgetastet wird. Darauf folgt meist eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie), mit der sich Gallenblasensteine sicher diagnostizieren lassen. Oftmals werden Gallensteine im Rahmen eines Ultraschalls rein zufällig entdeckt. Mitunter veranlassen Ärzt*innen auch eine Untersuchung der Blutwerte.

Besteht der Verdacht auf einen Stein im Gallengang, können weitere Untersuchungen nötig sein. Dazu zählen:

  • endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)
  • Magnetresonanz-Cholangiographie (MRC, ein MRT von Galle und Bauchspeicheldrüse)
  • Endosonographie (Ultraschall der Gallenblase von innen)
     

Gallensteine: Wie erfolgt die Behandlung?

Solange Gallensteine keine Beschwerden bereiten, ist eine Behandlung in den meisten Fällen nicht notwendig. Bei geringen Symptomen verschaffen schmerzstillende oder krampflösende Medikamente Linderung. Die Gallensteine werden durch eine solche Behandlung jedoch nicht beseitigt.

Treten die Beschwerden häufiger auf oder sind Komplikationen zu erwarten, empfehlen Fachleute oftmals, die Gallensteine samt Gallenblase zu entfernen. Steine, die sich im Gallengang befinden, müssen hingegen immer operativ entfernt werden, da sie meist mit Problemen einhergehen.

In manchen Fällen kann auch versucht werden, Gallensteine mithilfe von Medikamenten mit dem Wirkstoff Ursodeoxycholsäure aufzulösen. Diese Methode ist jedoch sehr aufwendig, langwierig und manchmal ohne Erfolg. 

In der Regel kann der Mensch auch ohne Gallenblase gut leben. Meist ist es nicht nötig, die Ernährung stark umzustellen, lediglich kleine Anpassungen sind erforderlich.

Gallensteine: Verlauf und Prognose

Die Prognose für Gallensteine, die keine Symptome verursachen und operativ entfernt werden, ist im Allgemeinen gut. Eine entfernte Gallenblase ist keine Garantie dafür, dass keine neuen Steine entstehen – denn diese können sich nach wie vor in den Gallengängen bilden. Die Rückfallquote ist bei nicht-operativen Therapien hingegen höher. Grundsätzlich beeinflussen auch Faktoren wie Übergewicht und fetthaltige Ernährung eine erneute Bildung und somit die Prognose.

Welche Komplikationen sind bei Gallensteinen möglich?

Zu möglichen Komplikationen von Gallensteinen zählen zum Beispiel:

  • Gallenblasenentzündung 
  • akute Gallengangentzündung (Cholangitis)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • Verkalkung der Gallenblasenwand (Porzellangallenblase)

Sehr selten durchbrechen Gallensteine die Gallenblasenwand und gelangen in den Dünndarm oder in die freie Bauchhöhle. Eine mögliche Folge ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). In der Regel ist dann eine Notfall-Operation notwendig.

Erhöhtes Krebsrisiko durch Gallensteinleiden?

Das Risiko für Gallengangskrebs oder Gallenblasenkrebs ist bei Menschen mit Gallensteinen etwas höher. Das gilt insbesondere, wenn die Gallensteine sehr groß sind oder die Gallenblase schon oft entzündet war. Insgesamt kommen Krebserkrankungen der Gallenblase oder Gallengänge jedoch sehr selten vor. Schätzungen zufolge erkranken 5 von 1.000 Personen, die Gallensteine haben, später an Gallenblasenkrebs.

Lässt sich Gallensteinen vorbeugen?

Die Bildung von Gallensteinen lässt sich meist nur schwer verhindern. Allerdings können einige Risikofaktoren positiv beeinflusst werden, die Steine begünstigen. Dazu zählen: 

  • richtige Ernährung: Ratsam ist eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung. Vor allem eine Kost mit viel Obst und Gemüse ist empfehlenswert und kann auch einer erneuten Gallensteinbildung vorbeugen.
  • gesunde Blutwerte: Blutfettwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden, insbesondere das Cholesterin.
  • Bewegung: Zu wenig Bewegung kann Gallensteine begünstigen, weshalb regelmäßige Bewegung und Sport empfehlenswert sind.
  • Normalgewicht anstreben: Übergewicht begünstigt Gallensteine, weshalb das Anstreben von Normalgewicht sinnvoll ist. Von Nulldiäten und einer zu schnellen Gewichtsabnahme ist jedoch abzuraten.