Wie entstehen Gallensteine und welche Behandlung gibt es?
Gallensteine bleiben oft lange unbemerkt, da sie nicht immer Beschwerden verursachen. Je nach Lage und Größe können sie jedoch Schmerzen im Oberbauch oder eine Gallenkolik auslösen. Wie Gallensteine entstehen, welche Anzeichen typisch sind und wann eine Behandlung notwendig wird.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Gallensteine verschwinden meist nicht von selbst. Beschwerden führen häufig zur operativen Entfernung der Gallenblase. In seltenen Fällen können Medikamente die Steine auflösen.
Fettreiche Mahlzeiten, große Portionen und schnelle Diäten können Beschwerden fördern. Bei starken Schmerzen sollte nicht abgewartet werden.
Beschwerdefreie Gallensteine bleiben oft folgenlos. Bei Symptomen können sie jedoch wiederkehren und Komplikationen wie Entzündungen verursachen.
Oft bleiben Gallensteine unbemerkt. Möglich sind Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Völlegefühl. Typisch ist die Gallenkolik mit starken, krampfartigen Schmerzen.
Was sind Gallensteine?
Gallensteine sind feste, kristallartige Ablagerungen, die sich in der Gallenblase oder in den Gallengängen bilden. Sie entstehen, wenn sich die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit verändert und einzelne Bestandteile auskristallisieren.
Die Gallenflüssigkeit wird in der Leber gebildet und in der Gallenblase gespeichert. Von dort gelangt sie bei Bedarf in den Dünndarm und unterstützt die Verdauung von Fetten. Gerät das Gleichgewicht der enthaltenen Stoffe – insbesondere von Cholesterin, Gallensäuren und Bilirubin – durcheinander, können sich feste Ablagerungen (Cholelithiasis) bilden.
Gallensteine können wenige Millimeter klein sein oder mehrere Zentimeter erreichen. Manche Menschen haben nur einen Stein, bei anderen treten mehrere gleichzeitig auf. Am häufigsten handelt es sich um Cholesterinsteine, seltener um sogenannte Pigmentsteine aus Bilirubin.
Wie häufig sind Gallensteine?
Gallensteine sind weit verbreitet. Schätzungen zufolge haben etwa jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 40 Jahre entsprechende Ablagerungen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko weiter an. Viele Betroffene bemerken davon jedoch nichts, da die Steine oft keine Beschwerden verursachen.
Ursachen: Wie entstehen Gallensteine?
Gallensteine entstehen, wenn sich das Verhältnis der Bestandteile in der Gallenflüssigkeit verschiebt. Besonders häufig ist ein Überschuss an Cholesterin, das nicht ausreichend durch Gallensäuren gelöst werden kann und dann auskristallisiert. Seltener kommt es zu Ablagerungen aus Bilirubin, einem Abbauprodukt des Blutfarbstoffs.
Neben dieser veränderten Zusammensetzung spielt auch eine verminderte Beweglichkeit der Gallenblase eine Rolle. Wird die Galle nicht regelmäßig entleert, kann sie eindicken und die Steinbildung begünstigen.
Welche Risikofaktoren begünstigen Gallensteine?
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, ein Gallensteinleiden zu entwickeln. Häufig wird in diesem Zusammenhang die sogenannte 6F-Regel genannt:
female (weiblich): Frauen sind etwa doppelt bis dreifach so häufig betroffen wie Männer. Dabei spielen möglicherweise weibliche Hormone (Östrogene) eine Rolle und somit auch Verhütungsmittel oder eine Hormontherapie mit Östrogenen in den Wechseljahren.
fertile (fruchtbar, mit mehreren Kindern): Das Risiko für eine Cholelithiasis steigt unter anderem während einer Schwangerschaft. Ursächlich sind neben einem veränderten Hormonhaushalt auch das wachsende Baby, das einen Abfluss von Galle behindern kann.
forty (über 40 Jahre): Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Gallensteine. Ab dem Alter von 40 Jahren ist das Risiko deutlich erhöht.
fat (übergewichtig): Ein Übergewicht von etwa 20 Prozent verdoppelt das Risiko, Gallensteine zu bekommen. Auch eine starke Gewichtsabnahme in kurzer Zeit, etwa durch eine Magen-OP oder Fastenkuren, erhöht die Wahrscheinlichkeit.
fair (heller Hauttyp): Personen mit hellem Haar und heller Haut (nordischer Typ) sind häufiger betroffen.
family (Familie): Gallensteine treten mitunter in manchen Familien gehäuft auf, sind somit veranlagt. Bestimmte Genveränderungen (beispielsweise auf dem sog. ABCB4- oder ABCG8-Gen) begünstigen, dass Cholesterinsteine entstehen.
Gallensteine durch falsche Ernährung
Eine cholesterinreiche Ernährung kann dazu führen, dass der Cholesterinspiegel im Blut steigt, was Cholesterinsteine begünstigt. Auch eine ballaststoffarme Ernährung erhöht das Risiko für Gallensteine. Zu wenig Ballaststoffe führen dazu, dass die Nahrung länger im Darm verbleibt, mehr Fette ins Blut gelangen und der Blutcholesterinspiegel steigt. Auch eine extrem kalorienarme Ernährung bei strikten Diäten begünstigt Gallensteine.
Weitere Risikofaktoren für Gallensteine
Zu weiteren Risikofaktoren für Gallensteine zählen:
- Funktionsstörungen der Gallenblase
- Gallenblasenentzündung (Cholezystitis)
- Diabetes mellitus
- Lebererkrankungen wie Leberzirrhose
- Magen-Darm-Probleme wie Kurzdarmsyndrom oder Morbus Crohn
- Medikamente, zum Beispiel Somatostatin-Analoga (Arzneimittel bei Akromegalie) oder bestimmte Antibiotika
Gallensteine: Mögliche Symptome
Viele Gallensteine bleiben lange unbemerkt. Fachleute sprechen in diesem Fall von "stummen" Gallensteinen. Treten Beschwerden auf, sind diese häufig unspezifisch und werden nicht mit der Gallenblase in Verbindung gebracht.
Typisch sind ein Druck- oder Schmerzgefühl im rechten Oberbauch, Völlegefühl, Blähungen oder Übelkeit, insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten. Manche Betroffene berichten auch, dass sie bestimmte Speisen schlechter vertragen.
Gallenkolik als typisches Warnsignal
Ein charakteristisches Symptom ist die sogenannte Gallenkolik. Sie entsteht, wenn ein Gallenstein den Ausgang der Gallenblase oder einen Gallengang blockiert. Die Muskulatur versucht, den Stein weiterzubewegen, was zu starken, krampfartigen Schmerzen führt.
Diese Schmerzattacken treten meist plötzlich auf, halten zwischen 15 Minuten und mehreren Stunden an und können in Wellen verlaufen. Häufig strahlen sie in den Rücken oder die rechte Schulter aus und gehen mit Übelkeit oder Erbrechen einher.
Symptome bei Gallengangsteinen
Befindet sich ein Stein in einem Gallengang, kann der Abfluss der Gallenflüssigkeit gestört sein. In der Folge kann sich der Gallenfarbstoff im Körper anreichern.
Typische Anzeichen sind eine Gelbfärbung der Haut und Augen, dunkler Urin und heller Stuhl. Treten zusätzlich Fieber oder starke Schmerzen auf, sollte rasch ärztlicher Rat eingeholt werden.
Diagnose: Wie lassen sich Gallensteine erkennen?
Beschwerden im Oberbauch können viele Ursachen haben. Bestehen jedoch wiederkehrende oder starke Symptome, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Zu Beginn stehen ein ausführliches Gespräch zu den Beschwerden sowie eine körperliche Untersuchung. Die wichtigste Methode zur Diagnose ist die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Damit lassen sich Gallenblasensteine in der Regel zuverlässig erkennen. Häufig werden sie auch zufällig entdeckt. Mitunter veranlassen Ärzt*innen auch eine Untersuchung der Blutwerte.
Besteht der Verdacht auf einen Stein im Gallengang, können weitere Untersuchungen nötig sein. Dazu zählen:
- endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)
- Magnetresonanz-Cholangiographie (MRC, ein MRT von Galle und Bauchspeicheldrüse)
- Endosonographie (Ultraschall der Gallenblase von innen)
Gallensteine: Wie erfolgt die Behandlung?
Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt vor allem davon ab, ob Beschwerden auftreten. Beschwerdefreie Gallensteine ("stumme Steine") werden in der Regel beobachtet, aber nicht aktiv therapiert.
Bei akuten Beschwerden
Schmerzmittel (z. B. Diclofenac oder Metamizol) und krampflösende Medikamente (Spasmolytika) können eine Gallenkolik lindern. Sie bekämpfen jedoch nur die Symptome, nicht die Ursache.
Operation: Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie)
Treten wiederholt Beschwerden auf oder drohen Komplikationen, empfehlen Fachleute meist die operative Entfernung der Gallenblase. Der Eingriff erfolgt heute fast immer als minimalinvasive Laparoskopie (Schlüssellochoperation) und gilt als Routineeingriff.
Der Körper kann ohne Gallenblase gut leben. Denn die Leber produziert weiterhin Galle, die dann kontinuierlich in den Darm abgegeben wird. Manche Betroffene berichten jedoch vorübergehend oder dauerhaft über Verdauungsbeschwerden, insbesondere nach fettreichen Mahlzeiten. Eine Anpassung der Ernährung kann in diesen Fällen helfen.
Gallengangsteine
Steine im Gallengang werden in der Regel nicht operativ, sondern endoskopisch entfernt – meist im Rahmen einer ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie). Dabei wird der Stein über ein dünnes Instrument durch den Mund geborgen.
Steine medikamentös auflösen
In ausgewählten Fällen können Gallensteine mit Ursodeoxycholsäure (UDCA) aufgelöst werden. Das funktioniert jedoch nur bei kleinen Cholesterinsteinen in einer funktionsfähigen Gallenblase, dauert oft viele Monate bis Jahre und ist nicht immer erfolgreich. Zudem können sich nach Absetzen des Medikaments erneut Steine bilden. Diese Methode ist daher die Ausnahme, nicht die Regel.
Gallensteine: Verlauf und Prognose
Viele Gallensteine bleiben dauerhaft ohne Beschwerden und müssen nicht behandelt werden. Werden sie jedoch symptomatisch, können die Beschwerden wiederkehren.
Nach einer Entfernung der Gallenblase ist die Prognose in der Regel gut. Der Körper kann auch ohne dieses Organ die Fettverdauung meist ausreichend bewältigen. Dennoch können sich in seltenen Fällen weiterhin Steine in den Gallengängen bilden.
Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Körpergewicht haben Einfluss darauf, ob sich erneut Steine entwickeln.
Welche Komplikationen sind bei Gallensteinen möglich?
Zu möglichen Komplikationen von Gallensteinen zählen zum Beispiel:
- Gallenblasenentzündung
- akute Gallengangentzündung (Cholangitis)
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
- Verkalkung der Gallenblasenwand (Porzellangallenblase)
Sehr selten durchbrechen Gallensteine die Gallenblasenwand und gelangen in den Dünndarm oder in die freie Bauchhöhle. Eine mögliche Folge ist eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). In der Regel ist dann eine Notfall-Operation notwendig.
Erhöhtes Krebsrisiko durch Gallensteinleiden?
Menschen mit Gallensteinen haben ein leicht erhöhtes Risiko für Gallengangskrebs oder Gallenblasenkrebs. Insgesamt sind diese Erkrankungen jedoch selten. Auch bei bestehenden Gallensteinen entwickelt nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen tatsächlich eine Krebserkrankung.
Lässt sich Gallensteinen vorbeugen?
Die Bildung von Gallensteinen lässt sich meist nur schwer verhindern. Allerdings können einige Risikofaktoren positiv beeinflusst werden, die Steine begünstigen. Dazu zählen:
- richtige Ernährung: Ratsam ist eine fettarme, ballaststoffreiche Ernährung. Vor allem eine Kost mit viel Obst und Gemüse ist empfehlenswert und kann auch einer erneuten Gallensteinbildung vorbeugen.
- gesunde Blutwerte: Blutfettwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden, insbesondere das Cholesterin.
- Bewegung: Zu wenig Bewegung kann Gallensteine begünstigen, weshalb regelmäßige Bewegung und Sport empfehlenswert sind.
- Normalgewicht anstreben: Übergewicht begünstigt Gallensteine, weshalb das Anstreben eines gesunden Körpergewichts sinnvoll ist. Von Nulldiäten und einer zu schnellen Gewichtsabnahme ist jedoch abzuraten.