Eine Frau sitzt mit Bauchschmerzen auf dem Sofa.
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Gallenkolik

Eine Gallenkolik entsteht ganz plötzlich – meist abends oder nachts nach einer fettigen Mahlzeit. Wie aus dem Nichts treten dabei sehr starke und dumpfe Schmerzen im rechten Oberbauch auf, die wenige Minuten bis mehrere Stunden anhalten können. Die gute Nachricht: Normalerweise geht eine Gallenkolik von allein vorüber und verursacht keine Folgeschäden. Dennoch sollte man sich bei Verdacht auf eine Gallenkolik umgehend ins Krankenhaus bringen lassen. Der Arzt kann mithilfe von krampflösenden Mitteln (Spasmolytika) und starken Schmerzmitteln die Schmerzen lindern und den Steinabgang in den Darm erleichtern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Definition

Zusätzlich zu den Schmerzen leiden einige Betroffene bei einer Gallenkolik unter:

Viele beschreiben die Schmerzen bei einer Gallenkolik als nahezu unerträglich. Häufig nehmen Betroffene die Schmerzen nicht nur im rechten Oberbauch wahr, sondern empfinden sie auch in der Mitte des Bauches, in der rechten Schulter oder im oberen Rücken.

Wichtig: Während einer Gallenkolik sollte man nichts essen und auf kalorienhaltige Getränke verzichten – diese können die Schmerzen noch verschlimmern.

Eine Gallenkolik kann in vielen Fällen zwar nach einiger Zeit von selbst vorübergehen, dennoch sollte man bei Verdacht auf eine Gallenkolik unbedingt einen Krankenwagen rufen oder sich ins Krankenhaus fahren lassen. Der Arzt kann krampflösende Mittel (Spasmolytika) und starke Schmerzmittel verabreichen, sodass die Schmerzen bald nachlassen.

Wie entsteht eine Gallenkolik?

Frauen sind besondern häufig von einer Gallenkolik betroffen. Der Grund: Bei Frauen treten Gallensteine – die Hauptursache für eine Gallenkolik – etwa doppelt so oft auf wie bei Männern.

Gallensteine sind kleine feste, kristalline Ablagerungen, die entstehen, wenn die verschiedenen Bestandteile der Gallenflüssigkeit nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Bleiben die Gallensteine in der Gallenblase, verursachen sie in der Regel keine Beschwerden. Nach einer fettreichen und üppigen Mahlzeit kann es allerdings vorkommen, dass der Gallenstein aus der Gallenblase in die Gallengänge gespült wird und dort stecken bleibt.

Die Folge: Die Muskeln in der Wand der Gallenwege ziehen sich krampfartig zusammen, um den Gallenstein durch die Gallengänge bis in den Dünndarm zu pressen. Diese Krämpfe führen zu den typischen Schmerzen bei einer Gallenkolik.

Sobald der Gallenstein den Dünndarm erreicht hat, lassen die Schmerzen meistens relativ schnell wieder nach. Da der Gallenstein auf seiner Wanderung durch die Gallengänge allerdings die Innenwände reizt, verspüren Betroffene oft einige Tage nach einer Gallenkolik noch Schmerzen im rechten Oberbauch.

Mitunter tritt in den folgenden Tagen eine leichte Gelbsucht (Ikterus) auf – darunter versteht man eine Gelbfärbung der Haut und Augen. Der Stuhl der Betroffenen ist häufig entfärbt, da durch den Gallenwegsverschluss die Gallenfarbstoffe im Stuhl fehlen. Außerdem können nach einer Gallenkolik sogenannte Fettdurchfälle auftreten, da durch den Mangel an Gallenflüssigkeit der Fettabbau gestört ist.

Die gute Nachricht: Nur bei etwa jedem vierten Betroffenen führen Gallensteine zu Beschwerden. Das bedeutet: Nicht jeder Mensch mit Gallensteinen bekommt zwangsläufig eine Gallenkolik.

Zu den Risikofaktoren für eine Gallenkolik gehören vor allem

Ob jemand Gallensteine bekommt oder nicht, hängt ebenfalls von vielen Faktoren ab. Es gibt beispielsweise die sogenannte "6F-Regel":

  • female: Frauen
  • forty: über 40 Jahre
  • fertile: mit mehreren Kindern,
  • fat: Übergewicht
  • fair: und hellem Haar (nordischer Typ) ...

... bekommen besonders häufig Gallensteine. Da Gallensteine auch genetische Ursachen haben können, steht das sechste F für family (Familie).

Ursachen

Für eine Gallenkolik kann es verschiedene Ursachen geben. Die bei weitem häufigste Ursache für eine Gallenkolik ist ein Gallenstein, der von der Gallenblase aus durch die Gallengänge wandert. Versperrt der Gallenstein bei seiner Wanderung den Gallenblasengang oder den eigentlichen Gallengang, kommt es zu einer Gallenkolik.

Um den Stein weiterzubefördern, ziehen sich die Muskeln in der Wand der Gallenwege zusammen. Der Druck in den Gallenwegen steigt dadurch und erzeugt heftige krampfartige Schmerzen – vor allem im rechten und mittleren Oberbauch.

Meist löst eine üppige und fettreiche Mahlzeit die Wanderung aus: Sie regt die Gallenblase dazu an, einen Schwall Gallenflüssigkeit in die Gallengänge abzusondern. Dabei spült die Gallenflüssigkeit den Gallenstein in die engen Gallenwege, wo er

  • im Gallenblasengang,
  • im Hauptgallengang oder
  • an der Mündung vom Hauptgallengang in den Zwölffingerdarm (Vater'sche Papille)

stecken bleiben kann.

Da Frauen öfter Gallensteine haben als Männer, sind sie entsprechend häufiger von einer Gallenkolik betroffen.

In den seltensten Fällen entsteht eine Gallenkolik ohne Einwirkung eines Gallensteins. Zu diesen sogenannten alkulösen Ursachen (ohne Stein) zählen:

  • Funktionsstörungen der Gallenblase,
  • langandauernde künstliche Ernährung,
  • fortgeleitete Infektionen (z.B. der Leber) oder
  • Tumoren in der Gallenblase.

Diagnose

Am Abend vorher hat man noch eine fettige Schweinshaxe verschlungen, in der Nacht passiert es dann: mit anfallsartigen Bauchschmerzen wird man aus dem Schlaf gerissen. Eine Gallenkolik lässt sich manchmal schon an den typischen Symptomen erkennen. Auffälligstes Merkmal einer Gallenkolik sind äußerst starke Schmerzen im rechten Oberbauch, die in die rechte Schulter oder den oberen Rücken ausstrahlen können.

Zusätzlich zu den Schmerzen leiden einige Betroffene unter:

Um sicherzugehen, dass es sich bei den Beschwerden um eine Gallenkolik handelt, wird der Arzt den Betroffenen zunächst körperlich untersuchen. Bei der körperlichen Untersuchung prüft der Arzt das sogenannte Murphy-Zeichen, das kennzeichnend für eine Gallenkolik ist: Druck auf die gestaute Gallenblase löst heftige Schmerzen im rechten Oberbauch aus. In einigen Fällen kann der Arzt die Gallenblase sogar ertasten.

Um eine Gallenkolik von anderen Gallenerkrankungen (z.B. einer akuten Gallenblasenentzündung) unterscheiden zu können, kommt häufig eine Blutuntersuchung zum Einsatz.

Wenn eine Gallenkolik vorliegt, bleiben bestimmte Blutwerte, die sogenannten Entzündungszeichen, unverändert. Bei einer Gallenblasenentzündung hingegen ist

Jede Erhöhung dieser Werte im Blut ist ein mögliches Anzeichen für eine Entzündung. Neben dem Blutbefund, der über diese Entzündungswerte im Blut Aufschluss gibt, können auch andere Untersuchungsbefunde auf entzündliche Prozesse im Körper hinweisen. Weitere Entzündungszeichen sind beispielsweise die Körpertemperatur und die Leukozytenzahl in Urin oder Stuhl.

Sehr schnell und sicher kann der Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) eine Gallenkolik erkennen. Damit sieht er bereits kleinste Gallensteine (ab drei Millimeter Größe) und kann deren Lage im Verdauungstrakt bestimmen.

Darüber hinaus kann der Arzt mit der Ultraschalluntersuchung prüfen, ob auch andere Ursachen für die typischen Schmerzen bei einer Gallenkolik infrage kommen.

Therapie

Das Wichtigste bei einer Gallenkolik ist, die Schmerzen möglichst rasch zu lindern und die Verkrampfungen der Gallenblase zu lösen. Daher sollte man sich bei Verdacht auf eine Gallenkolik umgehend ins Krankenhaus bringen lassen.

Der Arzt behandelt die Gallenkolik, indem er krampflösende Mittel (Spasmolytika) und starke Schmerzmittel verabreicht. Dadurch können die Steine ihren natürlichen Weg über den Gallengang in den Darm gehen und die Schmerzen lassen bald nach.

Unter Umständen können Ärzte den Steinabgang erleichtern, indem sie den Gallengang in Höhe der Einmündung in den Zwölffingerdarm mithilfe einer Endoskopie minimal öffnen. Hierfür ist keine Operation notwendig. Der Arzt führt das Endoskop über den Mund ein und schiebt es über die Speiseröhre bis in den Zwölffingerdarm vor – dort kann der Arzt gleichzeitig die Steine aus dem Gallengang beseitigen.

Die ERCPendoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie – ist eine spezielle endoskopische Untersuchung des Gallengangs und des Pankreasgangs. Dabei spiegelt der Arzt den Magen und den Zwölffingerdarm mit einem beweglichen Endoskop (sog. Gastroduodenoskopie). Anschließend spritzt der Arzt eine Kontrastflüssigkeit in den Zwölffingerdarm, um die Gallensteine auf einem Röntgenbild grafisch darstellen zu können.

Bei immer wieder auftretenden Gallensteinen und wiederkehrenden Gallenkoliken besteht die beste Therapiemöglichkeit darin, die Gallenblase zu entfernen. Eine schwere Gallenkolik kann die Gallenblase und die Gallengänge so stark reizen, dass es infolgedessen zu einer Gallenblasenentzündung kommt.

Bei einer chronischen Gallenblasenentzündung ist das Risiko für ein Gallenblasenkarzinom erhöht. Auch dann ist eine Gallenblasen-Operation ratsam – ein Leben ohne Gallenblase ist problemlos möglich. Die Gallenblase vorbeugend zu entfernen, ist dagegen nicht sinnvoll.