Ein Arzt zeigt einem Patienten ein Modell von einer Leber.
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Hepatitis E

Eine Hepatitis E ist eine akute Entzündung der Leber, die durch eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) hervorgerufen wird. Hepatitis E kommt vor allem in Afrika und Asien vor. Aber auch in Deutschland kann man sich mit Hepatitis E anstecken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Hepatitis E: Alles über Ursachen, Symptome und Therapie

Hepatitis E verläuft häufig ohne Symptome – und wenn Beschwerden auftreten, sind diese oft unspezifisch und nur gering ausgeprägt. Zu möglichen Anzeichen zählen zum Beispiel Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Bauchbeschwerden und eine Gelbfärbung der Haut.

Bei gesunden, nicht schwangeren Menschen klingt eine Hepatitis E gewöhnlich nach einigen Wochen ohne Folgeschäden wieder ab. Bei bestimmten Personengruppen kann eine Hepatitis E jedoch auch einen schweren Verlauf nehmen. Etwa 2 von 10 der Schwangeren, die an Hepatitis E leiden, entwickeln eine sogenannte fulminante Hepatitis, die mit Komplikationen wie Leberversagen und akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung einhergeht und eine Gefahr für Mutter und Kind darstellt. Auch für Personen mit Leberschäden kann eine Hepatitis E gefährlich sein.

Das Hepatitis-E-Virus wird in Afrika und Asien in erster Linie durch kontaminierte Lebensmittel oder Trinkwasser übertragen, in den Industrieländern ist meist rohes oder nicht durchgegartes Fleisch die Ursache.

Bei der Therapie einer Hepatitis-E-Infektion geht es insbesondere darum, die Symptome zu lindern. Die Betroffenen sollten sich körperlich schonen sowie Alkohol und fettreiches Essen meiden. Auch nach Abklingen der Symptome sollten Alkohol und zu viel Fett für einige Monate tabu bleiben. In schweren Fällen oder bei chronischen Verläufen von Hepatitis E kann der Arzt die Wirkstoffe Ribavirin oder Interferon-Alpha verordnen.

Damit eine Hepatitis-E-Infektion gar nicht erst entsteht, ist Vorbeugen das A & O. Insbesondere in Ländern, in denen Hepatitis E häufig auftritt, sollten Sie auf entsprechende Hygiene achten und nur abgekochtes Trinkwasser verwenden. Eine Schutzimpfung gibt es in Deutschland derzeit nicht.

Definition

Hepatitis E (griech. hépar, hépatos = Leber, -itis = Entzündung) ist eine entzündliche Viruserkrankung der Leber. Sie wird durch eine Infektion mit dem Hepatitis-E-Virus (HEV) hervorgerufen.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit dem Virus bis zum Auftreten möglicher Symptome, beträgt 15 bis 64 Tage.

Jede Virushepatitis vom Typ E ist laut Infektionsschutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung. Der behandelnde Arzt muss die Erkrankung namentlich melden, wenn

  • er den Verdacht hat, dass eine Hepatitis-Infektion vorliegt,
  • er eine Hepatitis E nachgewiesen hat oder wenn
  • ein von ihm untersuchter Verstorbener an Hepatitis E gelitten hat.

Häufigkeit

Hepatitis E ist weltweit verbreitet, vor allem kommt sie jedoch in Asien und Afrika vor. Schätzungen zufolge infizieren sich pro Jahr in Afrika und Asien 20 Millionen Menschen mit dem Hepatitis-E-Virus.

In Deutschland werden immer mehr Hepatitis-E-Fälle gemeldet:

  • Im Jahr 2010 erhielten 202 Personen die Diagnose Hepatitis E,
  • im Jahr 2014 waren es 670 Personen und
  • im Jahr 2015 lag die Zahl bei 1.265.

Die steigende Zahl der gemeldeten Infektionen könnte möglicherweise auch mit einer größerten Aufmerksamkeit für die Erkrankung beziehungsweise mit verbesserten Diagnosemethoden zusammenhängen. Die meisten Betroffenen haben sich nicht auf Reisen, sondern innerhalb des Landes infiziert.

Ursachen

Hepatitis E entsteht durch eine Infektion mit dem gleichnamigen Virus (HEV).

Als Ursachen für eine Infektion kommen insbesondere kontaminierte Lebensmittel oder mit Fäkalien verunreinigte Lebensmittel in Betracht. Vor allem in den Tropen stecken sich die Betroffenen oft über infektiöses Trinkwasser an.

Aber auch andere Übertragungswege sind möglich, so gelangt das Virus insbesondere in den Industrieländern auch über rohes oder nicht ausreichend gegartes Fleisch in den Körper. Der Mensch ist für das Hepatitis-E-Virus ein natürlicher Wirt, ebenso wie einige andere Säugetiere (z.B. Schafe, Schweine, Affen, Ratten, Mäuse, Hirsch, Reh).

Eine Organtransplantation kann zu einer Infektion führen – durch Geschlechtsverkehr kann Hepatitis E hingegen wahrscheinlich nicht übertragen werden.

Das Hepatitis-E-Virus ist ein einzelsträngiges sogenanntes RNA-Virus ohne Hülle, das in vier für den Menschen relevante Typen mit unterschiedlicher genetischer Ausstattung (sog. Genotypen) unterteilt werden kann:

  • Die Genotypen 1 und 2 kommen überwiegend in Afrika und Asien vor und werden meist über verunreinigtes Trinkwasser übertragen.
  • Die vor allem in den Industrienationen auftretenden Genotypen 3 und 4 kommen überwiegend bei Tieren vor und gelangen hauptsächlich über Schweinefleisch in den menschlichen Körper.

Hepatitis E: Mögliche Übertragungswege

  • Fäkal-orale Übertragung: Ansteckung erfolgt meist über verunreinigte Lebensmittel, vor allem kontaminiertes Trinkwasser.
  • Zoonotische Übertragung: Das Virus verbreitet sich durch den Verzehr von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch (meist Schweinefleisch).
  • Übertragung über Blutprodukte und transplantierte Organe: Dieser Übertragungsweg kommt nur sehr selten vor.

In seltenen Fällen ist auch eine Übertragung durch infizierte Personen möglich, denn Betroffene scheiden das Virus während der akuten Phase der Erkrankung – und möglicherweise auch kurz davor – aus.

Symptome

In den meisten Fällen bemerken Personen, die an einer akuten Hepatitis E erkrankt sind, keine besonderen Symptome (sog. asymptomatischer Verlauf).

Treten Symptome auf, zeigen sich diese etwa 15 bis 64 Tage nach der Ansteckung (sog. Inkubationszeit). Dabei handelt es sich in der Regel um unspezifische Allgemeinbeschwerden wie:

Zudem können Muskel- und Gelenkbeschwerden auftreten.

Darüber hinaus treten bei einem Teil der Erkrankten die für eine Hepatitis typischen Symptome einer Gelbsucht auf:

  • Der Urin färbt sich dunkel.
  • Der Stuhl ist hell bis lehmfarben.
  • Die Haut bzw. Augen färben sich gelblich (Ikterus).

Die Symptome ähneln denen einer Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus und sind gewöhnlich nur leicht ausgeprägt. In Einzelfällen können sie jedoch deutlich schwerer verlaufen als eine Hepatitis-A-Infektion.

Manchmal leiden die Betroffenen in der akuten Phase der Hepatitis E zudem an starkem Juckreiz. Sehr selten kann das Virus auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen (sog. extrahepatische Manifestation).

Fulminante Hepatitis

Selten kann im Rahmen einer Hepatitis E zu einer sogenannten fulminanten Hepatitis kommen, einer besonders schwerwiegenden Leberentzündung. Insbesondere Schwangere und Menschen mit Leberschäden sind betroffen. Die fulminante Hepatitis kann zu akutem Leberversagen und zu akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Herzmuskulatur und der Lunge führen und tödlich sein. Im Durchschnitt entwickeln 3 von 100 Personen mit Hepatitis E eine fulminante Hepatitis. Bei manchen Personengruppen ist das Risiko deutlich höher. Bei bis zu 2 von 10 aller mit Hepatitis E infizierten Schwangeren entsteht eine fulminante Hepatitis.

In der Regel klingen die Symptome einer Hepatitis E von selbst nach einigen Wochen wieder ab. Bei Personen, deren Immunsystem durch bestimmte Medikamente (Immunsuppressiva) geschwächt ist, zum Beispiel nach einer Organtransplantation, nimmt eine Hepatitis E in seltenen Fällen einen chronischen Verlauf.

Diagnose

Um bei Verdacht auf Hepatitis E die Diagnose zu sichern, erfragt der Arzt zunächst, welche Symptome vorliegen und ob sich der Patient im Ausland aufgehalten hat. In vielen Fällen bereitet eine Hepatitis E keine oder nur leichte Beschwerden. Mögliche Symptome wie Oberbauchschmerzen, Gelbsucht oder Fieber können auf die Erkrankung hinweisen.

Andere Erkrankungen können zu ähnlichen Beschwerden führen – so zum Beispiel Hepatitis A, das Epstein-Barr-Virus oder auch eine Grippe (Influenza). Um diese Erkrankungen auszuschließen, kann der Arzt mithilfe verschiedener Tests spezifische Antikörper (Anti-HEV-IgM , Anti-HEV-IgG) gegen das Virus im Blut nachweisen. Zu Beginn der Erkrankung ist es mithilfe der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zudem möglich, das Virus (HEV-RNA) direkt im Stuhl oder im Blut nachzuweisen.

Bei Verdacht auf Hepatitis E oder bei einem positiven Befund ist der Arzt verpflichtet, die Erkrankung zu melden.

Therapie

Meist verläuft eine Hepatitis E mild und bedarf keiner speziellen Therapie, da sie in der Regel nach einigen Wochen wieder ausheilt. Die Behandlung zielt im Wesentlichen darauf ab, die Symptome zu lindern.

Personen, die an Hepatitis E erkrankt sind, sollten sich möglichst schonen und gegebenenfalls Bettruhe halten. Falls nötig, können sie auf Schmerzmittel zurückgreifen. Eine zusätzliche Belastung der Leber sollte man während der Therapie vermeiden – fette Speisen und Alkohol sollten daher tabu sein.

Bei schweren oder chronischen Verläufen von Hepatitis E kann der Arzt die Wirkstoffe Ribavirin oder Interferon-Alpha einsetzen. Bei chronisch infizierten Personen, deren Immunsystem durch entsprechende Medikamente (Immunsuppressiva) unterdrückt ist, kann der Arzt darüber hinaus gegebenenfalls die Dosis der Immunsuppressiva herabsetzen.

In sehr schweren Fällen, bei einer sogenannten fulminanten Leberentzündung, kann eine Lebertransplantation nötig sein.

Verlauf

In den meisten Fällen zeigt die Hepatitis E einen leichten Verlauf. Sie heilt bei gesunden Personen fast immer ohne Folgeschäden innerhalb weniger Wochen aus.

Wichtig ist, dass sich der Betroffene entsprechend schont und auch nach dem Abklingen der Symptome für einige Monate auf Alkohol und fettes Essen verzichtet.

Komplikationen

Selten verläuft eine Hepatitis-E-Infektion schwer (sog. fulminante Hepatitis). Dabei kann es zu akutem Leberversagen und zu akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Herzmuskulatur und der Lunge kommen. Ein solcher Verlauf kann lebensbedrohlich sein. Während solche Komplikationen bei gesunden und nicht schwangeren Personen sehr selten vorkommen, sind Schwangere und Menschen mit chronischen Leberschäden gefährdet: Bis zu 20 Prozent aller Schwangeren im letzten Schwangerschaftsdrittel, die Hepatitis E haben, entwickeln im Rahmen der Erkrankung eine fulminante Hepatitis. Neben einem erhöhten Sterberisiko für Mutter und Kind können Fehl- und Frühgeburten sowie ein geringes Geburtsgewicht die Folge sein.

Bei Personen, deren Immunsystem geschwächt ist – etwa nach einer Organtransplantation – kann Hepatitis E selten auch einen chronischen Verlauf nehmen, der zu einer Leberzirrhose führen kann.

So beugen Sie vor!

Hepatitis E können Sie nicht zu 100 Prozent vorbeugen – Sie können das Erkrankungsrisiko jedoch deutlich senken!

Bei Reisen in Länder, in denen ein hohes Infektionsrisiko herrscht, sollten Sie entsprechend hygienische Vorsorgemaßnahmen treffen. Trinken Sie ausschließlich abgepacktes Mineralwasser oder abgekochtes Wasser (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Erhitzen Sie Speisen darüber hinaus ausreichend. So ist grundsätzlich Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten.

Obst und Gemüse sollten Sie vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abwaschen. Ist dies nicht möglich, können Sie vorbeugen, indem Sie Obst oder Gemüse schälen.

Um einer Übertragung innerhalb Deutschlands vorzubeugen, sollten Sie darauf achten, Fleisch (vor allem Wild und Schweinefleisch) ausreichend zu garen – insbesondere dann, wenn Sie schwanger sind. Empfehlenswert ist das Erhitzen auf über 70 Grad für mindestens 20 Minuten.

2012 ist in China ein Impfstoff gegen Hepatitis E auf den Markt gekommen. In Deutschland ist bislang kein Impfstoff gegen Hepatitis E zugelassen.