Ein Arzt zeigt einem Patienten ein Modell von einer Leber.
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Hepatitis A

Eine Hepatitis A heilt in den meisten Fällen ohne Folgeschäden aus. Komplikationen können jedoch insbesondere bei Personen auftreten, deren Leberfunktion beeinträchtigt ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Hepatitis A: Überblick

Was ist Hepatitis A?

Hepatitis A (griech. hépar, hépatos = Leber, -itis = Entzündung) ist eine akute Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-A-Virus (HAV) hervorgerufen wird. Das Virus schädigt die Leberzellen und stört die Organfunktion. Es gelangt vor allem durch kontaminierte Lebensmittel oder verseuchtes Trinkwasser in den Körper.

Wie häufig ist Hepatitis A?

Hepatitis A ist weltweit verbreitet. Besonders häufig tritt sie jedoch in warmen und tropischen Regionen sowie in Ländern mit mangelhaften hygienischen und sanitären Verhältnissen auf.

In den entwickelten Ländern Europas und Nordamerikas ist die Zahl der Hepatitis-A-Infektionen in den vergangenen Jahrzehnten stark gesunken. Dies liegt vor allem an den stetig wachsenden Hygienestandards – und den Schutzimpfungen. Zum Beispiel wurden im Jahr 2001 in Deutschland 2.254 Hepatitis-A-Infektionen gemeldet. Im Jahr 2016 waren es nur noch 736. Etwa die Hälfte aller Hepatitis-A-Infektionen, die hierzulande diagnostiziert werden, sind dabei "Mitbringsel" aus dem Urlaub (sog. Reisehepatitis).

Gut zu wissen: Wer einmal eine Hepatitis-A-Infektion überwunden hat, kann nicht ein zweites Mal erkranken, sondern ist lebenslang gegen das Virus immun.

Hepatitis A: Symptome

Die Symptome einer Hepatitis A sind in den meisten Fällen unspezifisch – es handelt sich um allgemeine Beschwerden, die auch im Rahmen vieler anderer Erkrankungen auftreten können. Vor allem Kinder zeigen häufig nur geringe oder keine Symptome.

Mögliche erste Symptome einer Hepatitis A sind:

Nur ein Teil der Erkrankten zeigt im weiteren Verlauf akute Symptome einer Hepatitis A (sog. ikterische Phase). Die Leber ist vergrößert, was sich durch ein Druckgefühl im rechten Oberbauch bemerkbar macht. Auch die Milz kann vergrößert sein. Zudem entwickeln manche Betroffene eine Gelbsucht (Fachbegriff: Ikterus). Bei einer Gelbsucht nehmen die Haut und das Augenweiß eine gelbliche Färbung an; zudem wird der Urin dunkler und der Stuhl heller. Eine Gelbsucht entsteht, wenn die Leber nicht mehr ausreichend arbeitet. Abbauprodukte des roten Blutfarbstoffs Bilirubin können dann nicht mehr über die Leber und die Galle in den Darm gelangen – stattdessen lagern sie sich sichtbar in der Haut ab. Viele Betroffene haben zudem starken Juckreiz.

Nach etwa zwei bis vier Wochen klingen die Symptome von allein ab. Komplikationen treten selten auf.

Hepatitis A: Ursachen

Auslöser einer Hepatitis A ist das gleichnamige Virus (kurz: HAV). Das Hepatitis-A-Virus wird fäkal-oral übertragen, das heißt: Gelangen die Viren aus dem Kot in den Mund, kann man sich anstecken. Dies passiert vor allem indirekt durch kontaminierte Nahrungsmittel und verseuchtes Trink- oder Badewasser. Das Hepatitis-A-Virus vermehrt sich in den Leberzellen und wird vor allem über den Darm ausgeschieden.

Das Hepatitis-A-Virus ist sehr widerstandsfähig: Kälte und Hitze können ihm kaum etwas anhaben, es überlebt im Meerwasser drei Monate und bei Trockenheit einen Monat. Normale Seifen können das Virus nicht unschädlich machen.

Häufige Hepatitis-A-Infektionsquellen sind

  • verunreinigtes Wasser
  • rohe oder ungenügend gekochte Muscheln,
  • Austern oder andere Schalentiere, die aus mit Fäkalien kontaminierten Gewässern stammen oder
  • mit Fäkalien gedüngtes Gemüse und Salate.

Auch ist es möglich, dass die Viren durch engen körperlichen Kontakt übertragen werden. Eine Übertragung durch Blut und Blutprodukte (auch mehrmalig genutzte Spritzenbestecke bei Drogenabhängigen) ist möglich, kommt jedoch nur sehr selten vor.

Wie lange dauert es, bis erste Symptome auftreten?

Bis nach der Ansteckung die ersten Symptome auftreten (sog. Inkubationszeit), vergehen etwa 15 bis 50 Tage. Infizierte sind so lange ansteckend, wie sie die Erreger mit dem Stuhl ausscheiden – in der Regel ist das etwa zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach Beginn der Beschwerden.

Hepatitis A: Diagnose

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass sein Patient Hepatitis A haben könnte, wird er ihn gründlich körperlich untersuchen. Ein möglicher Hinweis auf Hepatitis A ist die Gelbsucht (Ikterus) – Haut und das Augenweiß sind gelblich gefärbt. Auch heller Kot und dunkler Urin können Anzeichen einer Hepatitis A sein. Darüber hinaus können Leber und Milz vergrößert sein.

Der Arzt wird Blut abnehmen, um Antikörper und Leberwerte (z.B. Bilirubin, GOT, GPT) zu bestimmen. Wenn im Blut spezifische Antikörper gegen das Virus zu finden sind (sog. anti-HAV-IgM), gilt die Diagnose Hepatitis A als gesichert.

Meldepflicht

Die Hepatitis A gehört in Deutschland zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Der behandelnde Arzt muss eine Hepatitis A dem Gesundheitsamt melden, wenn

  • er den Verdacht hat, dass sein Patient an Hepatitis A erkrankt ist,
  • er die Erkrankung sicher nachweisen konnte (Antikörper vorhanden) oder wenn
  • ein Patient an Hepatitis A verstorben ist.

Hepatitis A: Therapie

, die das Hepatitis-A-Virus direkt bekämpfen, gibt es bisher nicht. Vielmehr zielt die Therapie darauf ab, die Symptome zu lindern. Empfehlenswert ist es, sich zu schonen und Bettruhe zu halten.

Eine spezielle Diät ist bei Hepatitis A nicht notwendig. Allerdings sollten Betroffene darauf achten, dass sie ihre Leber nicht zusätzlich belasten. Das bedeutet: Eine fettarme Ernährung ist ratsam – und auf Alkohol sollten man verzichten.

Hepatitis A: Verlauf

Die Hepatitis A verläuft meist gutartig und die Beschwerden bilden sich nach wenigen Wochen zurück, ohne Folgeschäden zu hinterlassen. Chronische Verläufe sind nicht bekannt.

Nur selten ist eine Hepatitis-A-Infektion mit schweren Komplikationen verbunden, die tödlich sein können. Diese sogenannte fulminante Hepatitis tritt vor allem bei Erwachsenen auf, deren Leber bereits vorgeschädigt ist. Dabei kommt es zu teilweise lebensbedrohlichen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, der Herzmuskulatur (Myokarditis) und der Lunge.

Hepatitis A: Vorbeugen

Eine Hepatitis-A-Impfung ist vor allem für Personen wichtig, deren Ansteckungsrisiko erhöht ist. Dazu zählen zum Beispiel Reisende, die in Regionen mit mangelhaften hygienischen Verhältnissen unterwegs sind. Aber auch Menschen mit chronischen Lebererkrankungen sollten an eine Hepatitis-A-Impfung denken.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt folgenden Personengruppen, sich gegen Hepatitis A impfen zu lassen:

  • Personen, die sich in Gebieten aufhalten, in denen Hepatitis A verbreitet ist; dazu zählen:
    • die meisten tropischen Gebiete
    • der Mittelmeerraum
    • Osteuropa
  • Menschen, deren Sexualverhalten mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht (z.B. homosexuelle Männer)
  • Personen, die häufiger eine Bluttransfusion bekommen, z.B. in manchen Fällen von Hämophilie (Bluterkrankheit)
  • Bewohner von bestimmten psychiatrischen Einrichtungen
  • Personen mit chronischen Leberleiden, z.B. chronische Hepatitis B oder C
  • Personen, deren Ansteckungsrisiko aus beruflichen Gründen erhöht ist (einschließlich Ehrenamtliche, Praktikanten, Auszubildende …), z.B.
    • medizinisches Personal (Gesundheitsdienst, Labor)
    • medizinisches und anderes Fach- und Pflegepersonal sowie Küchen- und Reinigungskräfte in Kindertagesstätten, Kinderheimen u. Ä.
    • Beschäftigte in Kanalisation oder Klärwerken, die direkten Kontakt zu Abwasser haben

Wie läuft die Hepatitis-A-Impfung ab?

Der Arzt verabreicht eine Hepatitis-A-Impfung

  • als Einzelimpfung,
  • als Kombinationsimpfung zusammen mit einer Hepatitis B-Impfung oder
  • als Kombinationsimpfung zusammen mit einer Impfung gegen Typhus.

Für einen vollständigen Impfschutz sind meist zwei Impfdosen im Abstand von sechs bis 12 Monaten nötig – bei der Hepatitis A- und B-Kombinationsimpfung benötigt man drei Impfdosen.

Etwa 12 bis 15 Tage nach der ersten Impfdosis bilden sich Antikörper im Blut, die gegen das Hepatitis-A-Virus gerichtet sind und vor der Erkrankung schützen. Da es nach der Ansteckung mit Hepatitis A circa 25 bis 30 Tage dauert, bis die Viren Schaden anrichten können, kann der Arzt also auch noch kurz vor einer geplanten Reise impfen – dem Körper bleibt genug Zeit, um einen wirksamen Schutz aufzubauen.

Die Hepatitis-A-Impfung ist zuverlässig und die meisten Menschen vertragen sie gut. Der Impfschutz hält bei Erwachsenen mindestens zwölf Jahre an; Schätzungen zufolge sogar über 25 Jahre oder lebenslang.

Postexpositionelle Prophylaxe: Krankheitsausbruch verhindern

Personen, die engen Kontakt zu einem Erkrankten hatten, können sich nachträglich noch gegen Hepatitis A impfen lassen. Zusammen mit der ersten Hepatitis-A-Impfung erhält der Betroffene dann ein Immunglobulinpräparat mit speziellen Antikörpern.

Die postexpositionelle Prophylaxe ist bis zu 14 Tage nach der möglichen Ansteckung möglich. Sie kann das Risiko für den Ausbruch der Erkrankung deutlich senken, aber nicht immer verhindern. Insbesondere Menschen, deren Risiko für Komplikationen hoch ist, wird eine solche postexpositionelle Prophylaxe empfohlen.

Wer übernimmt die Kosten für die Hepatitis-A-Impfung?

Sind Sie aufgrund Ihrer beruflichen Tätigkeit besonders gefährdet, sich mit Hepatitis A anzustecken, übernimmt in der Regel Ihr Arbeitgeber die Kosten für die Impfung. Handelt es sich um eine Impfung vor einer Urlaubsreise, müssen Sie die Kosten oft selbst tragen. In manchen Fällen zahlt auch die gesetzliche Krankenkasse. Erkundigen Sie sich am besten vor Ihrer Reise bei Ihrer Kasse, inwieweit sie die Kosten deckt.

Im Urlaub auf Hygiene achten

Wenn Sie in Länder reisen, in denen das Infektionsrisiko hoch ist, sollten Sie besonders auf Hygiene achten:

  • Bei Imbissständen an der Straße ist Vorsicht geboten.
  • Waschen Sie Obst und Gemüsevor dem Verzehr gründlich mit abgekochtem Wasser ab. Ist dies nicht möglich, sollten Sie Obst oder Gemüse schälen, bevor Sie es essen.
  • Vor dem Verzehr roher Schalentiere aus dem Meer wie Austern oder Muscheln wird allgemein gewarnt.
  • Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgepacktes Mineralwasser oder abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!).

Hinsichtlich des Essens in fernen Ländern gilt: "Boil it, cook it, peel it or forget it!" ("Koche es, brate es, schäle es oder vergiss es!")