Man sieht die Hand einer Ärztin, die einen Ultraschall der Nieren einer Frau macht
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Nierenentzündung (Glomerulonephritis)

Die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist eine der häufigsten Ursachen für Nierenversagen: Hinter jedem vierten Fall von chronischer Niereninsuffizienz im Endstadium, die eine Dialyse oder Nierentransplantation nötig macht, steckt eine Nierenentzündung. Eine rechtzeitige Behandlung kann aber dauerhafte Schäden an den Nieren oft verhindern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Als Glomerulonephritis bezeichnet man verschiedene Nierenerkrankungen, die eins gemeinsam haben: dass die Gefäßknäuel (Glomeruli) der Nierenkörperchen in der Nierenrinde beider Nieren entzündet sind. Die Entstehung der Nierenentzündung hängt mit dem Immunsystem zusammen: Auslöser der Entzündung sind Abwehrstoffe, die sich in den Glomeruli einlagern und so eine Entzündungsreaktionen auslösen – zum Beispiel:

  • Antigen-Antikörper-Komplexe (sog. Immunkomplexe) oder
  • Autoantikörper, die sich – wie bei einer Autoimmunerkrankung – gegen körpereigene Strukturen richten.

Wenn dies ohne erkennbare Grunderkrankung passiert und nur die Nieren betroffen sind, liegt eine primäre Glomerulonephritis vor. Wenn hingegen eine Störung außerhalb der Nierenkörperchen zur Nierenentzündung führt, handelt es sich um eine sekundäre Glomerulonephritis. Als wichtige Ursachen für diese Form gelten:

Anders als die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verläuft die Nierenentzündung meist schmerzfrei.

Zu den möglichen Anzeichen für eine Glomerulonephritis gehören:

Ob und wie schnell eine Nierenentzündung welche Symptome verursacht, ist allerdings sehr unterschiedlich.

Anhand der auftretenden Symptome und des Krankheitsverlaufs unterscheidet man bei der Glomerulonephritis folgende Krankheitsbilder (bzw. Syndrome):

  1. asymptomatische Proteinurie (d.h. Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (d.h. Blut im Urin)
  2. akute Glomerulonephritis (auch postinfektiöse Glomerulonephritis oder akutes nephritisches Syndrom genannt)
  3. rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN, auch als rapid progressive Glomerulonephritis bezeichnet)
  4. nephrotisches Syndrom
  5. chronische Glomerulonephritis (auch chronisches nephritisches Syndrom oder proteinurisches Syndrom genannt)

Abhängig von der Ursache und vom Stadium der Nierenentzündung unterscheiden sich auch deren Chancen auf eine erfolgreiche Therapie: Während manche Formen der Glomerulonephritis die Nierenfunktion kaum beeinträchtigen, können andere in schweren Fällen zu einer Nierenschwäche führen.

Allgemein haben akute Nierenentzündungen – rechtzeitig behandelt – eine günstigere Prognose, während eine chronische Nierenentzündung oft nicht mehr heilbar ist.

Definition

Der Begriff Nierenentzündung oder Glomerulonephritis bezeichnet mehrere unterschiedliche Erkrankungen der Nieren, deren gemeinsames Merkmal eine Entzündung bestimmter Strukturen der äußeren Nierenschicht (bzw. Nierenrinde) ist: der Gefäßknäuel der Nierenkörperchen (Malpighi-Körperchen). Die Gefäßknäuel bezeichnen Mediziner auch als Glomeruli (Einzahl: Glomerulus). Die Entzündungen sind nicht eitrig (wie z.B. manche Entzündung mit Bakterien) und befallen die Nierenkörperchen in beiden Nieren.

Eine Nierenentzündung kann unterschiedliche Zelltypen der Glomeruli befallen und verschiedene Schädigungen verursachen. Entsprechend kann man die Glomerulonephritis je nach Befallsmuster feingeweblich in mehrere Formen unterteilen, deren Symptome sich teils überschneiden. Daher unterscheidet man bei der Glomerulonephritis anhand der feststellbaren Anzeichen die folgenden fünf Krankheitsbilder (bzw. Syndrome):

  1. asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) bzw. Hämaturie (Blut im Urin)
  2. akute Glomerulonephritis
  3. rasch progrediente (fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN)
  4. nephrotisches Syndrom
  5. chronische Glomerulonephritis

Diese fünf Syndrome können sowohl durch eine reine Nierenentzündung entstehen (sog. primäre Glomerulonephritis) als auch Anzeichen dafür sein, dass eine andere Störung oder Grunderkrankung mit Nierenbeteiligung vorliegt (sog. sekundäre Glomerulonephritis, z.B. durch eine Infektion, Autoimmunkrankheit oder Vaskulitis).

Akute Glomerulonephritis

Bricht die Nierenentzündung plötzlich aus, was besonders oft nach Infektionen mit bestimmten Bakterien (z.B. Streptokokken) passiert, liegt eine akute Glomerulonephritis vor (auch als akutes nephritisches Syndrom oder postinfektiöse Glomerulonephritis bezeichnet).

Rapid progressive Glomerulonephritis (RPGN)

Relativ selten verläuft die Nierenentzündung als rapid progressive (= fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN) – auch rasch progrediente Glomerulonephritis genannt. Ohne Therapie kann dieses Beschwerdebild zu einem raschen Versagen der Nierenfunktion führen.

Nephrotisches Syndrom

Löst die Nierenentzündung ein nephrotisches Syndrom aus, treten mehrere Beschwerden gleichzeitig auf: Der Körper verliert Eiweiß über den Urin (Proteinurie), es sammelt sich Wasser im Gewebe an (sog. Ödeme) und die Blutfettwerte steigen. Auch in dem Fall kann die Glomerulonephritis die Niere dauerhaft schädigen.

Chronische Glomerulonephritis

Besteht oder entwickelt sich die Nierenentzündung über Jahre bis Jahrzehnte, liegt eine chronische Glomerulonephritis vor (auch als chronisches nephritisches Syndrom oder proteinurisches Syndrom bekannt). Die chronische Nierenentzündung kann schließlich ebenfalls zu einem Nierenversagen führen.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Wenn bei einer Nierenentzündung nur Eiweiß im Urin (sog. Proteinurie) und/oder Blut im Urin (sog. Hämaturie) nachzuweisen sind, ohne dass weitere Beschwerden auftreten, liegt eine asymptomatische Proteinurie beziehungsweise Hämaturie vor. Meistens stellt der Arzt diese Befunde zufällig bei Urinuntersuchungen fest.

Häufigkeit

Die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) ist mit großer Häufigkeit für Nierenversagen verantwortlich: Jährlich versagen bei etwa 3 von 100.000 Menschen die Nieren infolge einer Glomerulonephritis. Insgesamt steckt hinter einem Viertel aller Fälle von chronischer Niereninsuffizienz im Endstadium, die eine Dialyse oder Nierentransplantation nötig macht, eine Glomerulonephritis. Deutlich mehr Menschen haben allerdings eine Nierenentzündung, ohne spürbare Symptome bis hin zum Nierenversagen zu entwickeln.

Ursachen

Einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) liegen als Ursachen Vorgänge zugrunde, die mit dem Immunsystem zusammenhängen: Es lagern sich Abwehrstoffe in den Gefäßknäueln (Glomeruli) der Nierenkörperchen ein und lösen dort Entzündungsreaktionen aus.

  • Bei vielen Nierenentzündungen finden sich beispielsweise Antigen-Antikörper-Komplexe (sog. Immunkomplexe),
  • seltener sind Autoantikörper nachweisbar (wie bei einer Autoimmunerkrankung).

Je nachdem, ob die entzündlichen Veränderungen dabei ohne erkennbare Grunderkrankung entstehen und auf die Glomeruli der Nieren begrenzt sind oder ob die Nierenentzündung ihre Ursachen in einer umfassenderen Störung mit Beteiligung der Glomeruli hat, unterscheidet man primäre und sekundäre Formen der Glomerulonephritis.

Zu den wichtigsten Ursachen für die sekundäre Glomerulonephritis gehören:

An den feingeweblichen Veränderungen in den Nieren, die infolge der Nierenentzündung entstehen, sind die Ursachen allerdings nicht zu erkennen: Einerseits können bei der Glomerulonephritis völlig gleiche Befallsmuster verschiedene Gründe haben. Andererseits können bei Nierenentzündungen trotz gleicher Ursache unterschiedliche Befallsmuster auftreten.

Auch anhand der Symptome einer Nierenentzündung sind deren Ursachen nicht festzustellen: Bei der Glomerulonephritis unterscheidet man fünf Krankheitsbilder, deren Auslöser vielfältig sind und sich teils überschneiden. Diese Krankheitsbilder sind:

  1. asymptomatische Proteinurie (d.h. Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (d.h. Blut im Urin)
  2. akute bzw. postinfektiöse Glomerulonephritis
  3. rasch progrediente (fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN)
  4. nephrotisches Syndrom
  5. chronische Glomerulonephritis

Akute postinfektiöse Glomerulonephritis

Verläuft die Nierenentzündung als akute Glomerulonephritis, sind die Ursachen meistens vorausgegangene bakterielle Infektionen – daher bezeichnet man die akute Form auch als postinfektiöse Glomerulonephritis (lat. post = nach). Die postinfektiöse Glomerulonephritis kann zum Beispiel nach einer Halsentzündung, Kehlkopfentzündung oder Mandelentzündung mit Bakterien namens Streptokokken oder nach einer Staphylokokken-Infektion auftreten. Manchmal entwickelt sich eine akute Nierenentzündung jedoch auch im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Zeigt sich die Nierenentzündung als rasch progrediente (= fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN), kommen als Ursachen vor allem Autoimmunprozesse infrage, welche die Nierenfunktion beeinträchtigen: Die häufigste Ursache für die rasch progrediente Glomerulonephritis ist eine Gefäßentzündung (Vaskulitis), die durch ANCA (antineutrophile cytoplamatische Antikörper) entsteht – wie zum Beispiel die wegenersche Granulomatose oder das Churg-Strauss-Syndrom. Die rasch progrediente Glomerulonephritis kann aber auch andere Auslöser (z.B. Infektionen) haben oder ohne erkennbare Ursache auftreten.

Nephrotisches Syndrom

Ruft die Nierenentzündung ein nephrotisches Syndrom hervor, kommen die unterschiedlichsten Ursachen infrage. Meistens steckt allerdings eine primäre Glomerulonephritis hinter einem nephrotischem Syndrom – es ist also keine Krankheit als Ursache erkennbar.

Ein sekundäres nephrotisches Syndrom kann zum Beispiel folgende Auslöser haben:

Chronische Glomerulonephritis

Warum eine Nierenentzündung als chronische Glomerulonephritis verläuft, ist nicht bekannt. Mögliche Ursachen für die chronische Nierenentzündung sind Autoimmunreaktionen.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Äußert sich die Nierenentzündung nur durch eine asymptomatische Proteinurie (d.h. Eiweiß im Urin) beziehungsweise Hämaturie (d.h. Blut im Urin), stecken in der Regel entzündliche Prozesse der Nieren dahinter.

Symptome

Nicht jede Nierenentzündung (Glomerulonephritis) verursacht Symptome. Zum Teil dauert es Jahre, bis sich die Entzündung bemerkbar macht, denn im Unterschied zu einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) verläuft die Nierenentzündung meist schmerzfrei. Am ehesten zeigt sich eine Glomerulonephritis durch eine Veränderung des Urins:

  • Eiweiß im Urin (sog. Proteinurie): Anzeichen hierfür ist ein trüber Urin. Scheidet der Körper nur sehr wenig Eiweiß mit dem Urin aus, ist dies jedoch unter Umständen mit bloßem Auge nicht erkennbar.
  • Blut im Urin (sog. Hämaturie): Symptom hierfür ist ein dunkel gefärbter Urin. Die Blutmenge im Urin kann aber auch so gering sein, dass sie nicht mit bloßem Auge sichtbar ist, sondern sich nur durch eine mikroskopische Urinuntersuchung nachweisen lässt (sog. Mikrohämaturie).

Wie bemerkt man eine Nierenentzündung?

Außerdem können bei einer Nierenentzündung Symptome einer mehr oder weniger gestörten Nierenfunktion auftreten. Wenn der Körper zum Beispiel weniger Salz und Wasser über die Nieren ausscheidet, kann sich ein Bluthochdruck entwickeln: Mögliche Anzeichen hierfür sind zum Beispiel Kopfschmerzen und Sehstörungen. In manchen Fällen lagert sich auch Wasser im Gewebe ein, sodass es anschwillt (sog. Ödeme). Daneben können Menschen mit einer Glomerulonephritis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Thrombose, Herzmuskelentzündung) neigen und anfälliger für Bakterien-Infektionen sein.

Wie schnell sich bei einer Nierenentzündung welche Symptome entwickeln, kann sehr unterschiedlich sein. Man unterscheidet bei der Glomerulonephritis anhand der Symptome und des Krankheitsverlaufs fünf verschiedene Syndrome (d.h. Krankheitsbilder):

  1. asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) bzw. Hämaturie (Blut im Urin)
  2. akute Glomerulonephritis
  3. rasch progrediente (fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN)
  4. nephrotisches Syndrom
  5. chronische Glomerulonephritis

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Wenn eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) als einzige Symptome Eiweiß im Urin (sog. Proteinurie) und/oder Blut im Urin (sog. Hämaturie) verursacht, bezeichnet man dies als asymptomatische Proteinurie beziehungsweise Hämaturie vor. Die Symptome sind nicht immer mit bloßem Auge zu erkennen – meist stellt der Arzt sie daher bei einer Urinuntersuchung zufällig fest. Bei einer höheren Eiweißausscheidung ist der Urin trüb, bei Blutausscheidung dunkler (rötlich bis bräunlich) verfärbt.

Akute Glomerulonephritis

Wenn eine Nierenentzündung plötzlich Symptome verursacht, liegt eine akute Glomerulonephritis vor. Meist dauert es ein bis vier Wochen, bis sich eine akute Nierenentzündung bemerkbar macht: Als Erstes entstehen dann in der Regel ein allgemeines Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen. Häufig kommen Schmerzen im Lendenbereich hinzu.

Zu den weiteren häufigen Anzeichen für die akute Glomerulonephritis gehören:

  • Blut im Urin (Hämaturie)
  • Wasseransammlung im Gewebe (sog. Ödeme)
  • verminderte Urinausscheidung (nur 0,5 Liter oder weniger statt normalerweise ca. 1,5 Liter pro Tag)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Sehstörungen

Häufig entsteht eine akute Glomerulonephritis nach einer bakteriellen Infektion (v.a. durch Bakterien namens Streptokokken) – wie einer Hals-, Kehlkopf- oder Mandelentzündung. Bei dieser Form der Nierenentzündung sind die Symptome meist nur sehr schwach ausgeprägt. Mit einem schwereren Krankheitsverlauf ist am ehesten bei älteren Menschen zu rechnen, die zum Beispiel ein geschwächtem Immunsystem (wie Diabetiker, Alkoholiker) oder eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) als Grunderkrankung haben.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Wenn sich bei einer Nierenentzündung die Symptome für die gestörte Nierenfunktion schnell verstärken, liegt eine rasch progrediente (d.h. fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN) vor. Typischerweise verschlechtert sich die Nierenfunktion über wenige Tage bis Wochen, wobei typischerweise auch Anzeichen für die akute Form auftreten.

Unter anderem verursacht die rasch progrediente Glomerulonephritis folgende Beschwerden:

Nephrotisches Syndrom

Ruft eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) verschiedene Symptome gleichzeitig hervor, nennt man dies nephrotisches Syndrom. So kann ein nephrotisches Syndrom zum Beispiel durch folgende Symptome gekennzeichnet sein:

Wenn ein nephrotisches Syndrom länger besteht, kann die Nierenentzündung weitere Symptome auslösen, wie:

Chronische Glomerulonephritis

Wenn eine sich langsam entwickelnde Nierenentzündung als ständige Symptome Eiweiß und mehr oder weniger Blut im Urin verursacht, besteht eine chronische Glomerulonephritis. Oft verläuft eine chronische Nierenentzündung jahrelang beschwerdefrei und unbemerkt, wobei jedoch die Nierenfunktion zunehmend eingeschränkt ist und schließlich auch ganz versagen kann. Erst wenn die chronische Nierenentzündung weit fortgeschritten ist, treten Symptome auf, die durch die Nierenschwäche bedingt sind – wie:

Diagnose

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, eine Urinprobe auf Eiweiß oder Blut zu untersuchen. Mitunter scheidet der Körper bei einer Nierenentzündung große Mengen Blut im Urin (sog. Hämaturie) oder Eiweiß im Urin (sog. Proteinurie) aus, die bereits mit bloßem Auge an ihrer Rotfärbung beziehungsweise Trübung zu erkennen sind. Manchmal sind die im Rahmen einer Glomerulonephritis ausgeschiedenen Mengen jedoch so gering, dass sie nicht ohne Hilfsmittel festzustellen sind.

Auch eine Blutuntersuchung kann bei einer Nierenentzündung zur Diagnose beitragen: So weist zum Beispiel häufig ein Anstieg des Nierenwerts Kreatinin im Blut auf eine Funktionsschwäche der Nieren hin. Zusammen mit der Krankengeschichte (Anamnese) und einer körperlichen Untersuchung liefern die Laboruntersuchungen eventuell schon genügend Informationen, um das Beschwerdebild der Glomerulonephritis zu benennen – also um zu bestimmen, ob eines der folgenden Syndrome vorliegt:

  • eine asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) bzw. Hämaturie (Blut im Urin),
  • eine akute Glomerulonephritis,
  • eine rapid progressive (fortschreitende) Glomerulonephritis (RPGN),
  • ein nephrotisches Syndrom oder
  • eine chronische Glomerulonephritis.

In der Regel sind zusätzliche Untersuchungen nötig, um die Form der Nierenentzündung und das weitere Vorgehen nach der Diagnose zu bestimmen. So bietet sich bei einer Glomerulonephritis als Diagnostik zum Beispiel Folgendes an:

Bei einer Nierenentzündung gehört es außerdem zur Diagnose, eine mögliche Grunderkrankung festzustellen – also zu klären, ob die Entzündung primär (d.h. in den Nierenkörperchen selbst ohne andere Krankheit als Ursache) oder sekundär (d.h. durch Medikamente oder eine Infektionskrankheit, Autoimmunkrankheit usw.) entstanden ist. Daher sucht der Arzt gezielt (z.B. durch spezielle Laboruntersuchungen) nach Anzeichen für Krankheiten, die eine Glomerulonephritis verursachen können – dazu gehören:

Therapie

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) hängt die Therapie in hohem Maß von der Entzündungsursache und der Verlaufsform (akut oder chronisch) beziehungsweise vom Stadium ab.

Akute Glomerulonephritis

Wenn bei einer akuten Nierenentzündung die Therapie rechtzeitig beginnt, gelingt es meistens, dauerhafte Schäden an den Nieren zu verhindern. Eine akute Glomerulonephritis kann zum Beispiel folgende Maßnahmen nötig machen:

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Wenn die Nierenentzündung als rasch fortschreitende (bzw. progrediente) Glomerulonephritis (RPGN) verläuft, richtet sich die Therapie im Wesentlichen danach, welche Grunderkrankung vorliegt und welchen Befund die Nierenbiopsie erbringt. Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung kommen bei der rasch fortschreitenden Nierenentzündung folgende Behandlungsverfahren einzeln oder kombiniert zum Einsatz:

  • der entzündungshemmende Wirkstoff Methylprednisolon in hohen Dosen über mehrere Tage (sog. Stoßtherapie)
  • zusätzlich der Wirkstoff Cylclophosphamid (unterdrückt das Immunsystem)
  • die Blutfilterung (Plasmapherese, Plasmaseparation)

Bei der rasch progredienten Glomerulonephritis soll diese Therapie gegen die Niere gerichtete Antikörper und Entzündungsbotenstoffe, die sich im Blutkreislauf befinden, herausfiltern und deren Neubildung unterdrücken.

Nephrotisches Syndrom

Wenn sich die Nierenentzündung als nephrotisches Syndrom bemerkbar macht, kommen zur Therapie ganz allgemein folgende Maßnahmen zum Einsatz:

  • Therapie der Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe): durch entwässernde Medikamente (sog. Diuretika), Umstellung der Ernährung auf salzarme Kost
  • Therapie der Proteinurie: d.h. eiweißhaltige Nahrung nur in Maßen
  • Behandlung des Bluthochdrucks: durch bestimmte Blutdrucksenker (Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der ACE-Hemmer)
  • Therapie der erhöhten Blutfettwerte (Hyperlipidämie): Eine Hyperlipidämie verschwindet normalerweise während der Behandlung des nephrotischen Syndroms von selbst. Der Arzt kann gegebenenfalls jedoch auch Medikamente zur Senkung der Blutfettwerte (Lipidsenker, sog. Statine) verschreiben.
  • Behandlung der erhöhten Thromboseneigung: durch Blutgerinnungshemmer wie den Wirkstoff Heparin
  • Behandlung von Infektionen

In bestimmten Fällen erfordert ein nephrotisches Syndrom eine Therapie mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (sog. Steroide, Cortison) und Wirkstoffen, die das Immunsystem unterdrücken (sog. Immunsuppressiva). Ist diese Form der Nierenentzündung durch einen Drogen- oder Medikamentenmissbrauch entstanden, sind außerdem professionelle Hilfe und ein Entzug notwendig, um die Glomerulonephritis erfolgreich behandeln zu können.

Chronische Glomerulonephritis

Die gegen eine chronische Nierenentzündung eingesetzte Therapie zielt meist auf die Beschwerden ab: Oft ist eine chronische Glomerulonephritis zum Zeitpunkt der Diagnose nicht mehr heilbar, da sie zu lange unbemerkt fortgeschritten ist. Ist die Funktion der Niere eingeschränkt, kann die chronische Nierenentzündung zur Behandlung zum Beispiel folgende Maßnahmen nötig machen:

  • Bluthochdruck behandeln
  • Flüssigkeitszufuhr anpassen
  • auf eiweißarme Ernährung achten

Ist die chronische Glomerulonephritis weit fortgeschritten und haben die Nieren versagt, kann die Therapie in einer Dialyse (Blutwäsche) und einer Nierentransplantation bestehen.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Gegen die Nierenentzündung ist meist keine Therapie erforderlich, wenn sich im Urin nur geringe Mengen Blut (Hämaturie) und Eiweiß (Proteinurie) befinden und die Nierenfunktion sowie der Blutdruck normal sind. Wenn Sie eine solche asymptomatische Proteinurie und/oder Hämaturie haben, ist es jedoch ratsam, dass Sie Ihre Urinwerte regelmäßig kontrollieren lassen.

Wann ins Krankenhaus?

Eine rapid-progressive Glomerulonephritis ist ein Notfall, der eine sofortige Diagnose und Therapie erfordert. Ansonsten droht eine Niereninsuffizienz.

Was kann man selbst tun?

Eine Nierenentzündung gehört immer in die Hände einer Ärztin beziehungsweise eines Arztes. Mit Hausmitteln kann eine Nierenentzündung nicht geheilt werden. Der Arzt gibt jedoch vermutlich Anweisungen, welche Maßnahme zusätzlich zu Hause sinnvoll sind.

Das können sein:

  • lokale Wärme
  • salzarme Ernährung
  • eiweißarme Ernährung
  • Verzicht auf Rauchen und Alkohol
  • körperliche Ruhe

Verlauf: Wie lange dauert eine Nierenentzündung?

Bei einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) kann der Verlauf von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Allgemein ist eine akut verlaufende Nierenentzündung meist nur mit geringen Beschwerden verbunden und verursacht – frühzeitig behandelt – keine dauerhaften Schädigungen der Nieren. Hingegen ist eine chronische Nierenentzündung oft zwar behandelbar, aber nicht heilbar – im Laufe der Zeit kann die Funktion der Nieren so stark nachlassen, dass eine dauerhafte Dialyse erforderlich ist.

Akute Glomerulonephritis

Bei einer Nierenentzündung mit akutem Verlauf dauert es meist höchstens vier Wochen, bis die ersten Symptome auftreten. Eine akute Glomerulonephritis macht sich meistens auch nur schwach bemerkbar und heilt oft von alleine aus.

Rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN)

Bei einer Nierenentzündung mit rasch fortschreitendem Verlauf gilt: Je früher die Behandlung gegen diese rasch progrediente Glomerulonephritis (RPGN) beginnt, desto besser sind die Heilungsaussichten. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Nierenfunktion schnell (innerhalb von Tagen bis Monaten) und macht ein Nierenversagen wahrscheinlich. Eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) kann dann die Aufgaben der Niere übernehmen.

Nephrotisches Syndrom

Wenn eine Nierenentzündung in ihrem Verlauf verschiedene Symptome gleichzeitig verursacht, also als nephrotisches Syndrom auftritt, stecken oft andere Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus) oder gesundheitliche Probleme (z.B. unnötige übermäßige Einnahme von Medikamenten) dahinter. Ohne Behandlung führt die Glomerulonephritis dann in 90 Prozent der Fälle zu einer Nierenschwäche. Deshalb ist es wichtig, ein nephrotisches Syndrom so schnell wie möglich zu behandeln.

Chronische Glomerulonephritis

Oft bleibt eine Nierenentzündung mit chronischem Verlauf jahrelang unbemerkt, denn: Die chronische Glomerulonephritis verursacht typischerweise lange Zeit keine Symptome. Die Nierenfunktion lässt dabei immer mehr nach und versagt häufig sogar ganz, sodass als einzige Behandlungsmöglichkeit im fortgeschrittenen Stadium eine Dialyse oder Nierentransplantation infrage kommt.

Asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin)

Sind bei einer Nierenentzündung mit beschwerdefreiem Verlauf nur Eiweiß und/oder Blut im Urin nachzuweisen, ist meist keine Therapie notwendig: Eine solche asymptomatische Proteinurie (Eiweiß im Urin) und/oder Hämaturie (Blut im Urin) hat auch langfristig eine gute Prognose. Allerdings ist es empfehlenswert, die Urinwerte regelmäßig zu kontrollieren, um mögliche Veränderungen der Nierenfunktion rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Vorbeugen

Einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis) können Sie nicht vorbeugen. Da unentdeckte Nierenentzündungen zu einer Nierenschwäche führen können, sind jedoch regelmäßige Urinuntersuchungen ratsam:

Meist ist eine Glomerulonephritis durch Laboruntersuchungen nachweisbar, bevor es zu körperlichen Beschwerden kommt. So können Sie eine Nierenentzündung zwar nicht verhindern, aber dafür sorgen, dass man sie frühzeitig erkennt und behandelt – wodurch Sie indirekt einer Nierenschwäche vorbeugen können.

Einer Nierenschwäche infolge einer Nierenentzündung langfristig vorbeugen bedeutet vor allem, Erkrankungen (wie Infekte oder Diabetes mellitus) möglichst frühzeitig behandeln zu lassen und die mitunter schädigende Wirkung von Medikamenten rechtzeitig zu bedenken. Ganz allgemein können Sie manchen Nierenerkrankungen vorbeugen, indem Sie die Nieren und Harnwege gut durchspülen – also für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen – und auf das Rauchen verzichten.

Video: 7 Tipps für gesunde Nieren