Das Bild zeigt mehrere Chirurgen bei einer Operation.
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Nierentransplanta­tion

Bei einer chronischen Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) kann es nötig sein, eine Spenderniere mithilfe einer Nierentransplantation einzupflanzen, welche die Funktion der geschädigten Niere übernimmt.

Allgemeines

Bei einer Nierentransplantation belassen die Chirurgen die eigenen Nieren meist im Körper und setzen dem Betroffenen die gesunde Spenderniere ein Stück unterhalb der anderen Nieren ein. Das implantierte Organ erfüllt alle Funktionen der eigenen Nieren, sodass eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) nicht mehr notwendig ist.

Das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) des Menschen ist darauf spezialisiert, fremde Zellen zu erkennen und zu zerstören. Auf diese Art schützt es den Organismus in der Regel effektiv vor Krankheitserregern. Dieser Mechanismus ist auch bei der Transplantation von fremden Organen besonders bedeutend. Damit der Körper des Organempfängers eine fremde Niere möglichst gut akzeptiert, sollten Spender- und Empfängerorganismus in möglichst vielen Gewebewerten übereinstimmen. Daher sind Spendernieren von nahen Verwandten oft besonders gut für eine Nierentransplantation geeignet. Dennoch müssen Menschen nach einer Nierentransplantation lebenslang Medikamente einnehmen. Diese Mittel sollen verhindern, dass der Körper die fremde Niere wieder abstößt. Solche Arzneimittel bezeichnet man als Immunsuppressiva, da sie das körpereigene Abwehrsystem unterdrücken.

Der Großteil (etwa 80 Prozent) der transplantierten Nieren stammt von Verstorbenen, die sich vor ihrem Tod zur Organspende bereit erklärt hatten. Die Lebendspenden machen den Rest aller Nierentransplantationen in Deutschland aus, also etwa 20 Prozent. Hierbei dürfen nur nahe Verwandte und Menschen mit einem engen persönlichen Verhältnis spenden, um einen Verkauf von eigenen Nieren zu verhindern. Die Lebensqualität eines Nierenspenders ist durch die Entnahme einer Niere nicht gemindert, wenn die zweite Niere voll funktionsfähig ist.

Durchführung

Ist bei einem Menschen eine Nierentransplantation notwendig und sinnvoll, dauert es bis zur Durchführung oft noch eine gewisse Zeit. Bevor eine Operation möglich ist, steht der Patient vorerst auf einer Warteliste, denn es sind weniger Organe verfügbar als benötigt werden. Die Stiftung Eurotransplant in Leiden (Niederlande) steuert zentral die Vermittlung von passenden Organen für mehrere Staaten (Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Kroatien und Slowenien). Im Vorfeld des eigentlichen Eingriffs ist es wichtig, dass Spenderorgan und Empfänger zum Beispiel bezüglich ihrer Blutgruppen und bestimmter Gewebe-Eigenschaften zueinanderpassen.

Man unterscheidet bei der Nierentransplantation die Lebendspende von der Organspende von Verstorbenen, die sich zu Lebzeiten mit einem Organspendeausweis zur Spende bereit erklärt haben.

Ist ein geeigneter Spender gefunden, entnimmt ein Operationsteam die gesunde Niere mitsamt ihrer Blutgefäße und des Harnleiters. Im Falle von verstorbenen Organspendern entnehmen die Ärzte dabei meist auch andere Organe wie Herz, Leber, Lunge oder Bauchspeicheldrüse, um sie für weitere erkrankte Menschen als Ersatzorgan bereitzustellen. Die entnommene Niere muss dem Empfänger nun schnell eingepflanzt werden. Damit die Niere die Zwischenzeit ohne Schaden übersteht, konservieren die betreuenden Mediziner das Organ mithilfe der sogenannten Schwerkraftperfusion. Das Verfahren spült restliches Blut aus den einzelnen Nierengefäßen und kühlt das Gewebe deutlich herunter. Bis zu 36 Stunden kann die Niere nun außerhalb des Körpers verbleiben und zum Beispiel auch einen längeren Transportweg überstehen.

Die Nierentransplantation ist eine sogenannte heterotope Transplantation. Das heißt: Die "neue" Niere liegt später nicht dort, wo sich die Nieren normalerweise befinden – die Operateure entfernen nämlich die "alten", funktionslosen Nieren meist nicht. Stattdessen setzen sie das gesunde Spenderorgan an einer anderen Stelle (heterotop) ein: In der Regel liegt die neue Niere dann in der Beckenregion, und die Ärzte schließen die Nierengefäße an die dort verlaufende Beckenarterie an. Der Harnleiter wird an die Blase angenäht, sodass die Niere – sobald sie ihre Funktion nach der Operation aufgenommen hat – den Urin aus dem Körper leiten kann.

Prognose

Die Ergebnisse nach einer Nierentransplantation – und somit die Prognose – sind in der Regel gut. Nach der Transplantation einer Spenderniere von einem lebenden Menschen (Lebendspende) funktionieren bis zu 90 Prozent der transplantierten Nieren mindestens fünf Jahre. Auch Nieren von Verstorbenen (Leichenspende) sind noch lange Zeit zuverlässig: Rund 70 Prozent der implantierten Nieren arbeiten auch fünf Jahre nach der Transplantation uneingeschränkt. Falls eine transplantierte Niere funktionsuntüchtig wird, muss der Betroffene wieder zur Dialyse oder sich in selteneren Fällen erneut einer Nierentransplantation unterziehen.

Eine Nierentransplantation sorgt bei den Betroffenen für eine gute Prognose und einen großen Gewinn an Freiheit und Lebensqualität. In manchen Fällen treten jedoch auch Komplikationen auf. Etwa die Hälfte der Menschen mit einer transplantierten Niere entwickelt Herzkreislauf-Beschwerden wie Bluthochdruck oder Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Da das Abwehrsystem lebenslang medikamentös unterdrückt werden muss, damit es die fremde Niere nicht abstößt, treten bei vielen Transplantierten häufiger Infekte auf. Eine ausgewogene Ernährung, Bewegung und der bewusste Umgang mit Stress helfen, diesen Komplikationen vorzubeugen.