Ein junges Mädchen trägt einen Langzeitsensor zur Zuckermessung bei Diabetes Typ 1
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Diabetes Typ 1: Ursachen und Behandlung der Autoimmunerkrankung

Von: Jasmin Leukel (ehem. Krsteski) (Biologin und Medizinredakteurin), Dagmar Schüller (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 20.01.2026

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr produzieren kann. Die Erkrankung tritt häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter auf, kann jedoch grundsätzlich in jedem Lebensabschnitt beginnen. Informieren Sie sich über Ursachen, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten sowie den Verlauf der Erkrankung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zu Diabetes Typ 1

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, während Diabetes Typ 2 meist mit Insulinresistenz verbunden ist, die häufig durch Lebensstilfaktoren verursacht wird.

Derzeit ist Typ-1-Diabetes nicht heilbar. Forschende arbeiten jedoch an verschiedenen potenziellen Heilmethoden. Anlass zur Hoffnung geben beispielsweise Forschungen zur Stammzelltherapie. 

Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Blutzuckerspiegel können gefährlich sein. Ein zu niedriger Spiegel entsteht meist durch zu viel Insulin, unzureichende Nahrungsaufnahme oder starke körperliche Anstrengung. Ein zu hoher Spiegel tritt auf, wenn der Diabetes unbehandelt bleibt oder die Insulindosis zu niedrig ist, beispielsweise nach einer üppigen Mahlzeit.

Was ist Diabetes mellitus Typ 1?

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr herstellt. Aus diesem Grund heißt diese Form auch "insulinabhängiger Diabetes mellitus".

Typ-1-Diabetes kann in allen Altersgruppen auftreten. In 50 bis 60 Prozent der Fälle zeigt sich die sogenannte Zuckerkrankheit jedoch erstmals vor dem Alter von 16 bis 18 Jahren. 

Im Vergleich zu Typ-2-Diabetes kommt Typ-1-Diabetes seltener vor: Nur etwa fünf Prozent aller erwachsenen Menschen mit Diabetes mellitus in Deutschland haben Typ 1.

Warum ist Insulin so wichtig?

Mit der Nahrung nimmt der Mensch Glukose (Zucker) auf. Nach dem Essen steigt der Blutzuckerspiegel deshalb zunächst an.

Damit der Körper den Zucker verwerten kann, benötigt er das Hormon Insulin. Bei gesunden Menschen produziert die Bauchspeicheldrüse eine entsprechende Menge Insulin, sobald der Blutzuckerspiegel steigt.

Das freigesetzte Hormon sorgt dafür, dass die Glukose in die Zelle gelangt. Dort kann der Zucker in Energie umgewandelt und dem Körper zur Verfügung gestellt werden. In der Folge sinkt der Blutzuckerspiegel wieder.

Passiert das nicht, weil der Körper kein Insulin produzieren kann (wie bei Diabetes Typ 1) oder aber eine Insulinresistenz vorliegt (wie bei Diabetes Typ 2), kann das gefährliche Folgen haben.

Diabetes Typ 1: Anzeichen und Symptome der Zuckerkrankheit

Die Beschwerden bei Diabetes mellitus Typ 1 entwickeln sich häufig erst dann, wenn ein Großteil der insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört ist. Typische frühe Anzeichen sind unter anderem starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Leistungsminderung. Auch Sehstörungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit können auftreten.

Sowohl eine Überzuckerung (Hyperglykämie) als auch eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) können im Verlauf der Erkrankung auftreten und mit teils schweren Beschwerden einhergehen. Beide Stoffwechselentgleisungen sind potenziell gefährlich und sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Ursachen von Diabetes Typ 1

Bei Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunreaktion Ursache für die Erkrankung. Das Immunsystem greift die insulinproduzierenden Betazellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse an und schädigt diese. Dadurch kommt es zu einem Insulinmangel.  

Warum das Immunsystem bei manchen Menschen fälschlicherweise das körpereigene Gewebe angreift, weiß man bislang nicht sicher. Die Erkrankung scheint jedoch durch bestimmte Erbfaktoren und möglicherweise weitere Einflüsse begünstigt zu werden.

Sehr selten: Idiopathischer Diabetes mellitus Typ 1

Neben der immunologischen Form gibt es die idiopathische Form von Diabetes mellitus Typ 1. Die Betroffenen haben zwar einen chronischen Insulinmangel, jedoch sind bei ihnen keine Autoantikörper nachweisbar. Diese Form scheint stärker genetisch veranlagt zu sein und kommt vor allem bei Menschen aus dem asiatischen oder afrikanischen Raum vor. Insgesamt tritt sie jedoch sehr selten auf.

Erbliche Veranlagung und Vererbungsrisiko

Bis auf wenige Ausnahmen tragen alle Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 spezielle Merkmale auf ihren weißen Blutkörperchen: die sogenannten HLA-Merkmale DR 3 und DR 4. Eine genetische Veranlagung spielt bei der Entstehung der Erkrankung also vermutlich eine Rolle.

Allerdings tragen viele andere Menschen diese Erbinformationen, ohne an der Zuckerkrankheit zu erkranken. Die genetische Veranlagung scheint demnach nur ein Faktor von mehreren zu sein. 

Wie hoch ist das Vererbungsrisiko?

Wie hoch das Risiko ist, dass ein Kind an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt, wenn Mutter und/oder Vater erkrankt sind, lässt sich ausrechnen:

  • Hat der Vater Diabetes mellitus Typ 1, besteht für die Kinder ein Risiko von 5 bis 6 Prozent, ebenfalls zu erkranken.
  • Hat die Mutter Typ-1-Diabetes, besteht für die Kinder ein Erkrankungsrisiko von 2 bis 3 Prozent.
  • Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, steigt das Risiko auf etwa 20 Prozent. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1:5, dass ein gemeinsames Kind ebenfalls an Diabetes erkrankt.

Virusinfektionen und Umwelteinflüsse

Möglicherweise erhöhen auch andere Faktoren das Erkrankungsrisiko für Diabetes mellitus Typ 1. Diskutiert werden vor allem Viruserkrankungen, beispielsweise:

  • Infektionen mit Viren, die MasernMumpsRöteln, Windpocken und Rotavirus auslösen
  • eine Infektion mit Enteroviren während der Schwangerschaft oder im Kleinkindalter

Fachleute vermuten, dass das Virusprotein den Betazell-Molekülen ähnelt und der Körper daher schließlich auch diese angreift. Welche Rolle solche Faktoren tatsächlich spielen, muss jedoch erst noch genauer untersucht werden.

Wie wird Diabetes mellitus Typ 1 festgestellt?

Ob Diabetes vorliegt, lässt sich anhand der Blutzuckerwerte feststellen. Für die Diagnose werden Blutproben benötigt. Einmal erfolgt die Blutabnahme nüchtern (meist morgens) und einmal später am Tag.

Mithilfe des HbA1c-Wertes lässt sich außerdem feststellen, ob der Blutzucker in den letzten 8 bis 12 Wochen zu hoch war.

Autoantikörper bei Typ-1-Diabetes

In der Regel finden sich im Blut von Betroffenen Diabetes-assoziierte Autoantikörper. Das sind die Antikörper, die der Körper selbst produziert, und damit irrtümlich das eigene Gewebe angreift, in diesem Fall Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Werden solche Antikörper gefunden, bedeutet das noch nicht zwangsläufig, dass bereits ein Typ-1-Diabetes vorliegt. Es ist jedoch ein Hinweis darauf, dass sich die Erkrankung möglicherweise entwickelt.

Behandlung von Diabetes mellitus Typ 1

Diabetes mellitus Typ 1 ist derzeit nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es daher, den Blutzuckerspiegel zu normalisieren und das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken.

Die Behandlung umfasst verschiedene Maßnahmen:

  • Schulung im Umgang mit der Erkrankung 
  • Ernährungsberatung
  • Insulintherapie
  • regelmäßiges Messen der Blutzuckerwerte
  • ggf. psychosoziale Betreuung

Weil der Körper von Menschen mit Typ-1-Diabetes zu wenig oder gar kein Insulin produziert, müssen Betroffene das Hormon ein Leben lang zuführen. Das Leben mit der Erkrankung erfordert eine gewisse Kompetenz, damit die Betroffenen ihren Blutzuckerspiegel messen, ihre Situation jederzeit selbst richtig einschätzen und entsprechend handeln können.

Wie hoch der Blutzuckerspiegel ist und viel Insulin jemand benötigt, hängt von diversen Faktoren ab, die individuell verschieden sind. Zum Beispiel:

  • was gegessen und getrunken wird
  • wie viel sich die Person bewegt und wie viel Energie sie benötigt
  • ob entzündliche Erkrankungen bestehen
  • ob bestimmte Medikamente eingenommen werden oder hormonelle Veränderungen bestehen, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

Eine Therapie mit speziellen Diabetesmitteln (orale Antidiabetika, OAD) wie bei Typ-2-Diabetes ist bei Typ-1-Diabetes unwirksam. Denn diese Diabetesmittel sollen die Insulinausschüttung erhöhen. Die dafür notwendigen Körperzellen haben bei Diabetes Typ 1 jedoch ihre Funktion verloren.

Insulintherapie bei Diabetes Typ 1

Insulin lässt sich nicht in Form von Tabletten einnehmen, denn die Magensäure würde das Hormon abbauen. Aus diesem Grund wird Insulin gespritzt.

Zur Therapie stehen zur Verfügung:

  • kurzwirksames Normalinsulin oder Analoginsulin und
  • langwirksames Verzögerungsinsulin 

Verzögerungsinsuline werden nach der Injektion in die Haut langsam in den Körper abgegeben, sodass sie über einen längeren Zeitraum wirken. Durch die Kombination von schnellem und langsamem Insulin lässt sich der Blutzuckerspiegel in der Regel gut kontrollieren.

Es gibt verschiedene Anwendungsarten:

  • Insulinpens: Diese Geräte erlauben die einfache Injektion von Insulin
  • Insulinpumpen: Sie ermöglichen eine kontinuierliche Insulinzufuhr und können flexibel eingestellt werden
  • Messen: Regelmäßige Blutzuckermessungen sind entscheidend, um die Therapie anzupassen
  • Kombinationsgeräte: Blutzuckermessgeräte (CGM-Geräte) und Insulinpumpen können gemeinsam verwendet und bedient werden

Konventionelle Insulintherapie

Bei der konventionellen Insulintherapie spritzen sich Betroffene kurzwirksames Normalinsulin und langwirksames Verzögerungsinsulin in einem festen Mischverhältnis etwa zweimal täglich.

Der Vorteil dieser Methode ist die relativ einfache Handhabung. Jedoch zwingt die starre Wirkung die*den Patient*in dazu, sich beim Tagesablauf sowie in Menge und Zeitpunkt der Mahlzeiten an einen festen Ablauf zu halten. Folgeerkrankungen lassen sich mit dieser Methode weniger gut vorbeugen als mit einer intensivierten Therapie.

Intensivierte Insulintherapie

Bei der intensivierten Insulintherapie passen Betroffene die Insulindosis ständig dem aktuellen Blutzuckerwert an. Dieser Behandlungsmethode wird – falls möglich – der Vorzug gegeben. Die Therapie erfolgt dabei nach dem sogenannten Basis-Bolus-Prinzip. Das Insulin kann entweder selbst gespritzt oder mit einer Insulinpumpe verabreicht werden.

  • Basis: Die Basis der Therapie bildet ein Verzögerungsinsulin, das zwei- bis dreimal täglich selbst gespritzt wird. Bei einer Insulinpumpe werden ausschließlich kurzwirksame Insuline verwendet.
  • Bolus: Der erhöhte Insulinbedarf zu den Mahlzeiten lässt sich decken, indem zusätzlich schnell wirksames Normalinsulin als sogenannter Bolus gespritzt wird (Einmalgabe).

So soll einerseits der Grundbedarf an Insulin sichergestellt sein und möglichst nahe an normalen Werten liegen und gleichzeitig eine flexible Lebensführung ermöglicht werden. 

Verlauf von Diabetes Typ 1 und Lebenserwartung

Unbehandelt würde Diabetes Typ 1 innerhalb weniger Wochen zu starken Beschwerden führen, die in einem diabetischen Koma und schließlich im Tod enden können. Dank moderner Insulintherapien und kontinuierlicher Blutzuckerkontrollen haben Menschen mit Diabetes Typ 1 heute eine nahezu normale Lebenserwartung.

Damit es bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 nicht zu Spätfolgen kommt, ist es wichtig, die Stoffwechselerkrankung rechtzeitig und ausreichend zu behandeln und die Blutzuckerwerte in normalen Bereichen zu halten. Denn über Jahre erhöhte Blutzuckerwerte können im Körper Schäden verursachen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.

Diabetes mellitus Typ 1: Mögliche Folgeerkrankungen

Egal, an welchen Organen es zu gesundheitlichen Problemen kommt, die Ursache sind letztlich immer Schäden an den Kapillaren. Diese kleinsten Blutgefäße versorgen Organe und andere Körpergewebe mit Blut. Nehmen sie Schaden, können sie nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe transportieren.

Zu möglichen Folgeschäden zählen beispielsweise Erkrankungen

Entstehen Gefäßschäden im Auge, können sie im schlimmsten Fall das Sehvermögen bis hin zur Erblindung beeinträchtigen. Schäden in den Nieren können die Nierenfunktion beeinträchtigen und bis zum Nierenversagen führen.

Diabetische Neuropathie

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können die Kapillaren schädigen, welche die kleinen Nervenfasern in Armen und Beinen versorgen. Meist macht sich solch eine diabetische Neuropathie zuerst an den Füßen oder in den Beinen bemerkbar.

Durch die Nervenschäden kann es zu Missempfindungen kommen, etwa in Form von

Auch die Temperaturwahrnehmung kann sich verändern, sodass ein Gefühl kalter Füße entsteht.

Das beeinträchtigte Schmerzempfinden kann dazu führen, dass kleine Verletzungen oder Druckstellen lange unbemerkt bleiben. Als Folge kann es zu schlecht heilenden Wunden kommen, insbesondere am Fuß (diabetischer Fuß).

Lebenserwartung bei Diabetes Typ 1

Bei richtiger und zeitiger Behandlung haben Menschen mit Diabetes Typ 1 heutzutage eine annähernd normale Lebenserwartung. Negativ wirken sich jedoch mögliche Folgeerkrankungen bei unzureichender Behandlung aus. So kann ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel etwa Blutgefäße schädigen, zu Arteriosklerose führen und das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte erhöhen.