Lage der Bauchspeicheldrüse im Körper (von vorne betrachtet)
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Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Die Bauchspeicheldrüse ist ein lebenswichtiges Organ. Doch manche wissen nicht einmal genau, wo im Körper sie liegt. Hier erfahren Sie es – und mehr: von den Aufgaben der Drüse über mögliche Erkrankungen bis hin zur Frage, ob man ohne sie leben kann.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein längliches, dünnes, leicht S-förmiges Organ. Im Schnitt ist sie etwa 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegt 70 bis 80 Gramm. Mediziner unterteilen die Drüse in drei Abschnitte, die ähnlich wie ein Keil zunehmend dünner werden:

  • Kopf (lat. caput) = dickster Abschnitt des Pankreas mit hakenförmigem Fortsatz
  • Körper (lat. corpus) = länglicher, waagerecht verlaufender Abschnitt des Pankreas
  • Schwanz (lat. cauda) = nach links aufsteigender Abschnitt des Pankreas

Wo liegt die Bauchspeicheldrüse?

Die Bauchspeicheldrüse liegt quer im Oberbauch an der hinteren Bauchwand, also hinter dem Magen. Der Pankreaskopf schmiegt sich in den Bogen des Zwölffingerdarms (= 1. Abschnitt des Dünndarms). Der Pankreaskörper befindet sich vor der unteren Hohlvene. Der nach links weisende Schwanz liegt der Milz an.

Bauchspeicheldrüse: Funktion

Welche grundlegende Aufgabe die Bauchspeicheldrüse erfüllt, verrät schon ihr Name: Die Funktion jeder Drüse besteht darin, Wirkstoffe (Sekrete) zu bilden und abzusondern, die wichtig für den Organismus sind. Mediziner unterscheiden

  • exokrine Drüsen, die ihr Sekret über einen Ausführungsgang an innere oder äußere Körperoberflächen abgeben, und
  • endokrine Drüsen, die ihr Sekret ins Blut abgeben.

Die Bauchspeicheldrüse hat eine exokrine und eine endokrine Funktion.

Exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse

Der exokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse bildet Verdauungssaft (auch Bauchspeichel oder Pankreassaft genannt), den der Darm für die Verdauung benötigt.

Die Bauchspeicheldrüse stellt pro Tag ungefähr 1,5 Liter Verdauungssaft her. Dieser fließt durch zahlreiche Seitengänge zum Ausführungsgang des Pankreas, der – zusammen mit dem von Leber und Gallenblase kommenden Gallengang – im Zwölffingerdarm mündet.

Der Verdauungssaft enthält verschiedene Verdauungsenzyme, die im Darm dabei helfen, die Nahrung in kleine Einheiten aufzuspalten. Erst dann kann der Körper die Nahrungsbestandteile aus dem Darm aufnehmen und verwerten. Damit ist die Bauchspeicheldrüse ein wichtiges Verdauungsorgan des Menschen.

Endokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse

Der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse bildet verschiedene Hormone – wie Insulin und Glukagon, deren Funktion in der Regulierung des Blutzuckers (Glukose) besteht.

  • Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es
    • die Körperzellen dazu anregt, Glukose aus dem Blut aufzunehmen, um sie mit Energie zu versorgen, und
    • die Leber dazu anregt, überschüssige Glukose aufzunehmen und zu speichern.
  • Glukagon erhöht den Blutzuckerspiegel, indem es die Leber dazu bringt, Glukose freizusetzen.

Daneben bildet die Bauchspeicheldrüse noch weitere Hormone, etwa

  • Somatostatin, das die Hormonfreisetzung der Bauchspeicheldrüse senkt und die Verdauungstätigkeit bremst, sowie
  • Pankreatisches Polypeptid, das die Bildung von Galle und Verdauungssaft drosselt.

Gebildet werden die Hormone in den Langerhans-Inseln: Das sind Ansammlungen aus jeweils mehreren Tausend großen, hormonbildenden Zellen, die zwischen den exokrinen Anteilen der Bauchspeicheldrüse liegen. Ihre höchste Dichte haben die Langerhans-Inseln im Pankreasschwanz.

In ihrer Gesamtheit bezeichnet man die Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse auch als Inselorgan oder Inselapparat.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Typische Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind:

  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
    Die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung tritt plötzlich auf und ist vorübergehend. Die chronische Entzündung ist gekennzeichnet durch immer wiederkehrende Entzündungsschübe, die zu bleibenden Schäden am Gewebe der Bauchspeicheldrüse mit fortschreitendem Funktionsverlust führen.
  • Pseudozysten
    Das sind örtliche Flüssigkeitsansammlungen in oder an der Bauchspeicheldrüse, die sich aus geschädigtem Pankreasgewebe bilden können. Meist entstehen sie infolge einer Bauchspeicheldrüsenentzündung.
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs
    Dieser bösartige Tumor geht in den allermeisten Fällen von dem Teil des Pankreas aus, der den Verdauungssaft herstellt und absondert. Die hormonbildenden Zellen sind nur selten beteiligt.
  • Insulinom
    Dieser seltene, meist gutartige und oft kleine Tumor hat seinen Ursprung überwiegend in den hormonbildenden Zellen. Insulinome bilden mehr oder weniger unabhängig vom Blutzuckerspiegel Insulin, wodurch es häufig zu Unterzuckerungen kommt.

Bauchspeicheldrüse: Symptome

In erster Linie verursacht eine kranke Bauchspeicheldrüse Schmerzen, die typischerweise im Oberbauch auftreten. Wegen ihrer Nähe zur Wirbelsäule kann eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse aber auch Rückenschmerzen auslösen.

Wenn das Gewebe durch die Krankheit so stark geschädigt ist, dass die Bauchspeicheldrüse ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, kommen weitere Symptome hinzu.

Ist die exokrine Funktion der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt, bildet sich zu wenig Verdauungssaft. Mediziner bezeichnen diesen Zustand als exokrine Pankreasinsuffizienz. Typische Anzeichen hierfür sind Verdauungsbeschwerden wie

Wenn der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse nur noch unzureichend funktioniert, bilden sich zu wenig Hormone. Dann liegt eine endokrine Pankreasinsuffizienz vor. Weil dem Körper dadurch das Insulin zur Blutzuckerkontrolle fehlt, gerät der Blutzuckerspiegel aus dem Gleichgewicht. Die mögliche Folge ist ein Diabetes mellitus.

Ob hinter solchen Beschwerden wirklich eine kranke Bauchspeicheldrüse steckt, kann aber nur eine Untersuchung beim Arzt zeigen.

So kann der Arzt etwa die Funktion der Bauchspeicheldrüse anhand bestimmter Blutwerte untersuchen. Wichtige Hinweise liefern vor allem die Pankreasenzyme sowie die Entzündungs-, Leber- und Blutzuckerwerte. Auch verschiedene Urin- und Stuhlanalysen können helfen, die Pankreasfunktion zu kontrollieren.

Um das Organ direkt zu untersuchen, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Am einfachsten ist es, die Bauchspeicheldrüse per Ultraschall zu betrachten. Dabei kann der Arzt beispielsweise folgende Veränderungen feststellen:

  • das Ausmaß einer Entzündung
  • Schwellungen
  • flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten)
  • abgestorbenes Gewebe
  • Tumoren

Allerdings sind kleinere Veränderungen bei der normalen Ultraschalluntersuchung nicht erkennbar. Und wegen ihrer Lage ist die Bauchspeicheldrüse mit Ultraschall von außen nicht immer gut zu sehen.

Bessere Ergebnisse liefert die Endosonographie, die einer Magenspiegelung ähnelt. Der wichtigste Unterschied: Bei der Endosonographie ist an dem Schlauch, den der Arzt durch Mund und Speiseröhre bis in den Magen und Zwölffingerdarm schiebt, statt einer Kamera ein Ultraschallkopf befestigt.

Damit kann der Arzt schon sehr kleine Veränderungen an der Bauchspeicheldrüse erkennen und bei Bedarf Gewebeproben für die Diagnose entnehmen.

Leben ohne Bauchspeicheldrüse

Eine kranke Bauchspeicheldrüse zu transplantieren ist – anders als bei anderen Organtransplantationen – meist keine lebensrettende Maßnahme. Denn zur Not kann man auch ohne Bauchspeicheldrüse leben.

Auf Dauer kann der Mensch aber nicht ohne die von der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme und/oder Hormone überleben. Wenn eine der beiden Organfunktionen ausfällt oder man die Bauchspeicheldrüse vollständig entfernen muss, ist es darum notwendig, den Mangel durch Medikamente auszugleichen und die Ernährung umzustellen.