Ein Arzt hält ein Röntgenbild in die Höhe, auf dem ein eingepflanztes künstliches Hüftgelenk zu sehen ist, und hält zum Vergleich eine Hüftprothese daneben.
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Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk)

Wenn das Hüftgelenk stark abgenutzt ist, schmerzt und sich sein Zustand durch nicht-operative Behandlungen nicht bessert, kann es nötig sein, eine sogenannte Hüft-TEP einsetzen zu lassen – also ein künstliches Hüftgelenk: Hüft-TEP steht für Hüfttotalendoprothese (griech. endo = innen, Prothese = künstlicher Ersatz eines Körperteil).

Allgemeines

Der Hüftgelenkersatz durch eine Hüft-TEP zählt in Deutschland zu den häufigsten Operationen: Jedes Jahr setzen Ärzte in Deutschland über 200.000 Menschen ein künstliches Hüftgelenk ein. Oft besteht bei ihnen vorher eine Hüftarthrose (bzw. Coxarthrose).

Auch an anderen Stellen lassen sich bei Bedarf künstliche Gelenke einsetzen – zum Beispiel am Kniegelenk, Schultergelenk, Ellenbogengelenk, Handgelenk und an den Fingergelenken. Die Hüft-TEP ist allerdings die am häufigsten eingesetzte Endoprothese. Die Kosten für ein verordnetes künstliches Hüftgelenk zahlen die Krankenkassen.

Der Aufbau der Hüft-TEP ist dem natürlichen Hüftgelenk nachempfunden: Dessen Gelenkpfanne bildet der Beckenknochen, während Gelenkkopf und Gelenkschaft Teile des Oberschenkelknochens sind. Ein künstliches Hüftgelenk setzt sich ebenfalls aus einer Gelenkpfanne, dem Gelenkkopf und dem Gelenkschaft zusammen. Einen Sonderfall der Hüftgelenkprothese stellt die Hüft-Teilprothese dar, mit der man lediglich den Gelenkkopf ersetzt.

Die Hüft-TEP soll ein Leben ohne Schmerzen ermöglichen. Außerdem soll ein neues künstliches Hüftgelenk nach seinem Einsetzen ungestört und dauerhaft funktionieren. Um dies zu erreichen, müssen die Materialien, aus denen die künstliche Hüfte besteht, hohe Anforderungen erfüllen:

  • Die Materialien für die Hüftprothese müssen korrosionsbeständig sein (d.h., sie dürfen sich im Körper nicht zersetzen),
  • dürfen keine Unverträglichkeitsreaktionen auslösen,
  • müssen den im Körper auftretenden Druck- und Biegebelastungen widerstehen und
  • es darf beim Aneinanderreiben der Gelenkpartner kein Abrieb entstehen.

Daher verwenden die Hersteller für eine Hüft-TEP bestimmte Metalllegierungen (u.a. mit Titan), Keramik und Spezialkunststoffe.

Damit ein künstliches Hüftgelenk seinen Zweck erfüllt, muss es mit dem körpereigenen Knochen verbunden sein. Bei dem Eingriff kann der Operateur die Hüft-TEP im Knochen auf unterschiedliche Art und Weise verankern. Je nach Art der Verankerung unterscheidet man drei Typen von Hüftprothesen:

  • die zementfreie Hüftprothese,
  • die zementierte Hüft-TEP und
  • die Hybridprothese.

Arten von Hüftprothesen

Zementfreie Hüftprothese

Eine Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk) kann man als sogenannte zementfreie Hüftprothese im körpereigenen Knochen verankern: Dabei verschraubt beziehungsweise verklemmt der Operateur die künstliche Hüftpfanne und den Prothesenschaft mit dem Knochen. Langfristig wird der Knochen an der Prothesenoberfläche anwachsen, sodass die neue künstliche Hüfte und der Knochen eine feste und dauerhafte Einheit bilden.

Zementierte Hüft-TEP

Man kann ein künstliches Hüftgelenk auch als zementierte Hüft-TEP einsetzen: Hierfür kommt ein spezieller, besonders schnell aushärtender Zement zum Einsatz. Der Operateur zementiert sowohl die Gelenkpfanne als auch den Schaft ein und verbindet die Hüftprothese auf diese Weise mit dem Knochen.

Hybridprothese

Daneben kann ein künstliches Hüftgelenk auch in einer sogenannten Hybrid-Hüft-TEP bestehen. Diese Hybridprothese stellt eine Kombination aus zementfreier und zementierter Prothese dar: Der Operateur verankert die Gelenkpfanne der Hüfttotalendoprothese zementfrei, den Schaft befestigt er jedoch mit Knochenzement.

Operation

Um die Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk) einzusetzen, ist eine Operation nötig. Da es dabei zu einem höheren Blutverlust kommen kann, ist während der Hüftoperation nicht selten eine Bluttransfusion erforderlich.

Bevor Sie ein künstliches Hüftgelenk erhalten, wird der behandelnde Arzt daher wahrscheinlich die Möglichkeit der sogenannten Eigenblutspende ansprechen. Denn obwohl Blutspenden umfangreich geprüft sind, besteht auch heute noch grundsätzlich das Risiko, mit einer Bluttransfusion Krankheiten zu übertragen. Daher ist es bei länger im Voraus geplanten Eingriffen wie dem Einsetzen einer Hüft-TEP empfehlenswert, hierfür eigenes Blut zu spenden. Eine solche Eigenblutspende erfolgt etwa sechs Wochen vor der geplanten Operation.

Unmittelbar vor dem Eingriff erhalten Sie eine Betäubung: Ihre Hüft-TEP bekommen Sie entweder unter Vollnarkose oder einer rückenmarksnahen Betäubungsmethode wie der Spinalanästhesie eingesetzt. In beiden Fällen verspüren Sie während der Operation keine Schmerzen.

Die Operation selbst beginnt mit einem Hautschnitt in Höhe des Hüftgelenks, durch den sich der Operateur Zugang zum Hüftgelenk verschafft. Durch diesen Zugang entfernt er den Hüftkopf sowie den oberen Anteil des Oberschenkelhalses und bearbeitet die Gelenkpfanne, um die Hüft-TEP gut einfügen zu können. Dann verankert er das künstliche Hüftgelenk am Knochen. Die Hüftprothese lässt sich mit Zement, zementfrei oder in einer Kombination aus beiden Methoden (sog. Hybridprothese) verankern.

Nach der Operation ist mit einem Krankenhausaufenthalt von etwa ein bis zwei Wochen zu rechnen. Schon während dieser Zeit sind Maßnahmen nötig, um Ihr neues künstliches Hüftgelenk schnell beweglich zu machen: Diese Mobilisierung beginnt – unter Anleitung eines Physiotherapeuten – meist bereits einen Tag nach dem Einsetzen der Hüft-TEP anstelle der geschädigten Hüfte. An den stationären Aufenthalt schließen sich Maßnahmen zur Rehabilitation an: Hierzu können Sie sich in eine Reha-Klinik begeben oder sich für eine ambulante Reha-Einrichtung entscheiden.

Anwendungsgebiete

Für wen kommt eine Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk) infrage? Die Anwendung einer Hüftprothese als Hüftgelenkersatz kann immer dann sinnvoll sein, wenn das eigene Hüftgelenk in seiner Funktion dauerhaft gestört oder die Bewegung durch zunehmende Schmerzen eingeschränkt ist.

Solche Hüftschäden können verschiedene Ursachen haben: eine Arthrose, Entzündungen, Fehlbildungen beziehungsweise Deformierungen, Verletzungen oder Überlastungen der Hüfte. Entsprechend ist eine Hüft-TEP für folgende Anwendungsgebiete geeignet:

  • Hüftschaden durch Verschleiß:
    Die Arthrose ist eine sehr schmerzhafte, degenerative Gelenkveränderung infolge eines krankhaften Verschleißes des Gelenkknorpels. Eine Arthrose im Bereich des Hüftgelenks nennt man Coxarthrose (abgeleitet von dem lateinischen Begriff coxa für Hüfte). Eine Coxarthrose kann ohne ersichtliche Ursache auftreten (als sog. primäre Coxarthrose), aber auch im Verlauf einer anderen Erkrankung entstehen – beispielsweise bei Durchblutungsstörungen (sog. sekundäre Arthrose).
  • Hüftschaden durch Entzündungen, Fehlbildungen oder Überlastung:
    Eine Hüft-TEP ist auch sinnvoll, wenn entzündliche Veränderungen des Hüftgelenks – zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen oder einer Verschleppung von Bakterien über den Blutweg – die Gelenkstrukturen bleibend zerstören. Gleiches gilt, wenn angeborene und erworbene Fehlbildungen beziehungsweise Verformungen des Hüftgelenks über eine dauerhafte Fehlbelastung dazu führen, dass das Hüftgelenk zunehmend unbeweglicher ist und unter Belastung – und später auch in Ruhe – schmerzt. Eine chronische Überlastung des Hüftgelenks bei Übergewicht kann ähnliche Folgen haben.
  • Hüftschaden durch Unfälle:
    Weitere mögliche Anwendungsgebiete für ein künstliches Hüftgelenk können sich bei Verletzungen der Gelenkstrukturen durch Unfälle ergeben, wie zum Beispiel bei den häufigen Oberschenkelhalsfrakturen bei älteren Menschen.

Risiken und Komplikationen

Bei einem Hüftschaden eine Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk) einzusetzen, gehört zum medizinischen Standard: Jedes Jahr bekommen in Deutschland über 200.000 Menschen eine Hüftprothese. Dennoch sind Risiken und Komplikationen bei einem Hüftgelenkersatz nicht auszuschließen.

Wer eine neue Hüfte erhält, muss zum einen mit den typischen Operationsrisiken rechnen: So kann es durch den Eingriff zum Beispiel zu Blutverlust, Infektionen oder Thrombose mit den entsprechenden Komplikationen kommen. Zum anderen birgt auch ein künstliches Hüftgelenk selbst gewisse Risiken in sich. Schon bald nach Einsetzen der Hüft-TEP sind zum Beispiel folgende Komplikationen möglich:

  • Die künstliche Hüfte kann durch Bakterien infiziert sein.
  • An den einzelnen Anteilen der Hüft-TEP kann es zur Luxation (d.h. Verrenkung) kommen.
  • Die Hüft-TEP kann schon frühzeitig eine Lockerung aufweisen.

Diese frühzeitigen Komplikationen treten jedoch selten (bei weniger als 1 von 100 Operationen) auf. Allerdings sind, auch wenn Sie Ihr künstliches Hüftgelenk schon vor mehreren Wochen bis Monaten bekommen haben, noch neue Komplikationen möglich: Dann kann es in der unmittelbaren Umgebung der Hüft-TEP zu einer Neubildung von Knochen (sog. periartikuläre Ossifikation) kommen. Je nach Ausmaß dieser Knochenneubildung können sich erneut Schmerzen und Bewegungseinschränkungen entwickeln.

Um den bei einer Hüft-TEP möglichen Komplikationen vorzubeugen, hat sich die einmalige Bestrahlung der Hüfte durch ionisierende Strahlung mit Linearbeschleuniger bewährt. Stattfinden kann diese vorbeugende Bestrahlung sowohl kurz bevor Sie ein künstliches Hüftgelenk bekommen (am besten innerhalb von vier Stunden der Operation, ungünstiger innerhalb von 24 Stunden davor) als auch bis zu 72 Stunden danach. Eine prophylaktische Bestrahlung ist vor allem dann wichtig, wenn ein erhöhtes Risiko für Knochenneubildungen am neuen Hüftgelenk besteht. Dies ist etwa der Fall, wenn ...

  • es dort bereits nach einer früheren Operation zu Knochenneubildungen gekommen ist,
  • das geschädigte Hüftgelenk vor der Operation in seiner Beweglichkeit besonders stark eingeschränkt war,
  • Sie einen Morbus Bechterew haben und
  • es während der Operation zu einer besonders ausgedehnten Gewebeschädigung kommt.

Prognose

Der Hüftgelenkersatz durch eine Hüft-TEP (künstliches Hüftgelenk) hat trotz möglicher Risiken und Komplikationen überwiegend eine gute Prognose.

In mehr als 90 Prozent der Fälle erzielt man mit einer Hüft-TEP gute bis sehr gute Langzeitergebnisse.

Die Hüft-TEP lindert die Schmerzen der Betroffenen und steigert ihre Beweglichkeit deutlich. Die Lebensqualität verbessert sich durch ein künstliches Hüftgelenk spürbar.

Bei Menschen im höheren Lebensalter mit hüftgelenksnahen Knochenbrüchen gilt das Einsetzen einer Hüftprothese heute als Standardoperation. Die Vorteile dieses Eingriffs bestehen vor allem darin, dass ein künstliches Hüftgelenk sofort eine Stabilität im Hüftgelenk herstellt: Dadurch können die Betroffenen bereits kurz nach der Hüft-TEP-Operation mit Übungen zur Mobilisierung beginnen und müssen nicht wochenlang das Bett hüten.

Unabhängig von den einzelnen Prothesenmodellen geht man heute davon aus, dass künstliche Hüftgelenke eine mittlere Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren haben. In Einzelfällen kann ein künstliches Hüftgelenk deutlich länger halten. Kommt es am Material der Hüft-TEP zu Abrieb, kann sich die Prothese dadurch aber auch schon nach wenigen Jahren lockern. In solchen Fällen ist es ratsam, die neue Hüfte zu wechseln. Weitere Faktoren, die das Risiko für eine Lockerung der Hüftgelenksprothese erhöhen und somit die Prognose ungünstig beeinflussen können, sind:

Wenn Sie ein künstliches Hüftgelenk haben, können Sie also selbst die Prognose positiv beeinflussen, indem Sie die Risiken für eine Prothesenlockerung gering halten:
Achten Sie auf Ihr Gewicht – überschüssige Pfunde können Sie loswerden, indem Sie für eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung sorgen. Um Überlastungen vorzubeugen, ist es ratsam, auf das Heben schwerer Lasten zu verzichten und Ihre Hüft-TEP beim Sport nicht übermäßig zu erschüttern.

Zu empfehlen sind stattdessen gelenkschonende Sportarten: Wenn Sie zum Beispiel Rad fahren, schwimmen, wandern oder auf weicher Unterlage (Waldboden, keine asphaltierten Wege) Walking betreiben, hat Ihr künstliches Hüftgelenk eine gute Prognose. Als völlig ungeeignet für Menschen mit einer Hüft-TEP gelten hingegen Ballsportarten wie Fußball, Handball oder Volleyball.