Eine ältere Frau betreibt Krafttraining.
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Osteoporose (Knochenschwund)

Osteoporose führt dazu, dass die Knochen instabil werden und leichter brechen. Die Knochenbrüche rufen Schmerzen und andere Symptome hervor. Welche? Wie gestaltet sich die Therapie? Kann man der Osteoporose vorbeugen? Und welche Rolle spielt die Ernährung?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Osteoporose

Was ist Osteoporose?
Osteoporose (Knochenschwund) ist eine Erkrankung, in deren Verlauf die Knochenmasse so stark abnimmt, dass das Skelett instabil wird und das Risiko für Knochenbrüche steigt.

Alle Menschen verlieren im Alter Knochenmasse. Dieser Abbau ist ein natürlicher Prozess, der etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnt und sich normalerweise allmählich vollzieht. Menschen mit Osteoporose verlieren jedoch viel mehr Knochenmasse als gesunde Menschen, sodass sich der natürliche Knochenschwund verstärkt.

Zu Beginn bekommen die Betroffenen davon nichts mit, weil eine Osteoporose zunächst keine Symptome hervorruft. Schreitet der Knochenschwund fort, kann er zu Knochenbrüchen führen, die sich oft ohne erkennbare Ursache ereignen. Diese sogenannten Spontanfrakturen verursachen Schmerzen.

Glücklicherweise kann man einiges tun, um einer Osteoporose vorzubeugen. Eine wichtige Rolle spielen dabei vor allem Bewegung und eine calciumreiche Ernährung. Auch Menschen, die bereits an Osteoporose erkrankt sind, haben verschiedene Möglichkeiten, um den Verlauf der Erkrankung günstig zu beeinflussen. Es gibt zwar keine Therapie, mit der sich eine Osteoporose heilen ließe. Doch bestimmte Medikamente können den Knochenabbau bremsen.

Häufigkeit

Insgesamt sind in Deutschland etwa vier bis fünf Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt.

Die mit Abstand häufigste Form des Knochenschwunds ist die sogenannte postmenopausale Osteoporose, die nach den Wechseljahren auftritt. Etwa 30 von 100 Frauen in der Bevölkerung erkranken daran.

Die zweithäufigste Form der Osteoporose ist die Altersosteoporose. An ihr erkranken sowohl Frauen, als auch Männer ab dem 70. Lebensjahr. Frauen sind jedoch doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Sehr selten treten sogenannte sekundäre Osteoporosen auf. Diese entstehen zum Beispiel als Folge anderer Erkrankungen wie einer Niereninsuffizienz oder einer Langzeitbehandlung mit bestimmten Medikamenten (z.B. Kortikosteroiden).

Osteoporose: Ursachen

Zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr beginnt der Körper, allmählich einen Teil seiner Knochenmasse abzubauen. Dieser Knochenabbau ist ein natürlicher Alterungsprozess. Vollzieht er sich aber zu schnell, entsteht eine Osteoporose.

Die Betroffenen verlieren mehr Knochenmasse als gesunde Menschen im gleichen Alter. Bei gesunden Menschen ist das Knochengewebe feinporig. Man kann es sich vorstellen wie einen sehr dichten, festen Schwamm. Bei Menschen mit Osteoporose hingegen bilden sich im Knocheninneren immer größere Hohlräume. Dadurch wird der Knochen weniger belastbar und instabiler.

Für den übermäßigen Knochenabbau kann es verschiedene Ursachen geben. Je nach Ursache unterscheidet man verschiedene Formen der Osteoporose:

  • Die häufigste Form, die sogenannte postmenopausale Osteoporose, ist Folge eines Östrogenmangels.
  • Die zweithäufigste Form, die Altersosteoporose, ist im Wesentlichen das Ergebnis des jahrzehntelangen, alterungsbedingten Knochenabbaus. Sie macht sich etwa ab dem 70. Lebensjahr bemerkbar.
  • Sehr selten entsteht eine Osteoporose infolge anderer Erkrankungen. Dann spricht man von einer sekundären Osteoporose.

Neben diesen Hauptursachen gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, die die Entstehung einer Osteoporose – egal welcher Form – begünstigen, zum Beispiel

So entsteht die Osteoporose nach den Wechseljahren

Die postmenopausale Osteoporose betrifft Frauen jenseits der Wechseljahre, denen an Östrogen mangelt. Östrogen ist ein körpereigener Botenstoff, der an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt ist und in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Er hat jedoch auch die Aufgabe, die Knochen zu schützen und deren Abbau zu verhindern. Nach den Wechseljahren bildet der weibliche Körper weniger Östrogen.

Dadurch verlieren Frauen in den zehn Jahren nach den Wechseljahren mehr Knochenmasse als Männer. Bei etwa 30 von 100 Frauen jenseits der Wechseljahre führt dies dazu, dass sie an einer Osteoporose erkranken.

Übrigens: Trotz des Zusammenhangs zwischen Östrogenen und Knochenschwund entwickeln allerdings nicht alle Frauen während der Wechseljahre eine Osteoporose. Das Risiko für die Entstehung einer postmenopausalen Osteoporose ist zum einen von der erblichen Veranlagung abhängig. Zum anderen lässt es sich durch Bewegung und eine calciumreiche Ernährung senken.

Mögliche Ursachen einer sekundären Osteoporose

Von einer sekundären Osteoporose spricht man, wenn der Knochenschwund als Folge anderer Krankheiten auftritt beziehungsweise durch eine Langzeittherapie mit bestimmten Medikamenten hervorgerufen wurde.

Zu den Erkrankungen, die mit einem erhöhten Osteoporose-Risiko verbunden sind, gehören etwa Typ-1-Diabetes, rheumatoide Arthritis und Morbus Crohn.

Zu den Medikamenten, die die Knochengesundheit beeinträchtigen können, zählen zum Beispiel

Osteoporose: Symptome

Eine Osteoporose verursacht kaum Symptome, solange die Knochenmasse lediglich ein wenig vermindert ist. Im weiteren Verlauf machen sich osteoporotische Veränderungen am Skelett allerdings durch Knochenbrüche bemerkbar, die ohne erkennbare Ursache auftreten. Knochenbrüche verursachen in der Regel Schmerzen.

Bei Frauen, die nach den Wechseljahren an einer Osteoporose erkranken, betreffen die Brüche vor allem die Wirbelkörper. Ereignen sich diese Wirbelbrüche nach einer starken Belastung des Rückens, rufen sie meist starke, plötzlich einsetzende Rückenschmerzen hervor. Wirbelbrüche können sich jedoch auch schleichend entwickeln und chronische Rückenschmerzen verursachen.

Die Rückenschmerzen treten insbesondere im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule auf. Die Betroffenen beschreiben die Schmerzen oft als diffus und können nicht genau orten, wo die Beschwerden herkommen.

Neben Schmerzen können Wirbelkörperbrüche folgende Symptome hervorrufen:

  • Größenverlust von mehreren Zentimetern
  • Rundrücken
  • eine verstärkte Krümmung der Lendenwirbelsäule nach vorn ("Hohlkreuz")

Tipp: Die wenigsten Menschen messen regelmäßig ihre Körpergröße. Der für eine Osteoporose typische starke Größenverlust macht sich aber häufig durch das sogenannte Tannenbaumphänomen bemerkbar: Am Rücken entsteht ein Hautüberschuss, der sich durch Querfalten äußert. Diese verlaufen von der Rückenmitte nach außen hin abwärts und erinnern somit an einen Tannenbaum.

Diese osteoporotischen Veränderungen können so weit fortschreiten, dass die untersten Rippen in direkten Kontakt mit dem Beckenkamm kommen – was weitere Schmerzen zur Folge haben kann.

Um die mit der Osteoporose verbundenen Symptome zu lindern, bewegen sich viele Betroffene immer weniger. Nach und nach nehmen sie eine Schonhaltung ein, die oft zu schmerzhaften Muskelverspannungen führt. Häufig sind Menschen mit fortgeschrittenem Knochenschwund auf Hilfe angewiesen, was die Lebensqualität erheblich einschränken kann.

Osteoporose: Diagnose

Ein unerklärlicher Knochenbruch, ein zunehmender Rundrücken, Rückenschmerzen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule: Solche Beschwerden können auf eine Osteoporose hindeuten. Um diese zu festzustellen, kann sich der Arzt verschiedener Untersuchungsmethoden bedienen.

Das wichtigste und gängigste Verfahren zur Diagnose einer Osteoporose ist die Knochendichtemessung. Meist kommt dabei die sogenannte DXA-Osteodensitometrie zum Einsatz: Mithilfe von Röntgenstrahlen misst der Arzt die Dichte der Lendenwirbel und des Oberschenkelknochens.

Die ermittelten Werte vergleicht der Arzt mit den Werten gesunder Menschen im Alter von 30 Jahren. Aus der Abweichung kann er den sogenannten T-Score berechnen. Je größer die Abweichung, umso niedriger der T-Score:

  • Ein T-Score von 0 bis -1 bedeutet: Die Knochendichte ist normal.
  • Ist der T-Score niedriger als -1, heißt das: Die Knochendichte liegt deutlich unter der eines gesunden Menschen.

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jemand an einer Osteoporose erkrankt, wenn sein T-Score -2,5 beträgt oder unterschreitet.

Wenn jemand aufgrund seiner geringen Knochendichte die Diagnose Osteoporose erhält, bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig, dass er eine Behandlung benötigt. Eine Therapie ist notwendig, wenn die Osteoporose bereits zu Brüchen in Wirbeln oder anderen Knochen geführt hat oder der Betroffene ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche hat.

Bestehende Wirbel- und Knochenbrüche kann der Arzt auf Röntgenbildern erkennen. Um das Risiko für Knochenbrüche abzuschätzen, stellt er dem Betroffenen einige Fragen. Wichtig ist zum Beispiel, ob der Patient zu Stürzen neigt oder sich beim Gehen unsicher oder wackelig fühlt.

Osteoporose: Behandlung

Die Therapie der Osteoporose zielt in erster Linie darauf ab, Knochenbrüche zu verhindern. Die Art der Behandlung richtet sich dabei grundsätzlich nach der Ursache der Osteoporose, nach den Beschwerden des Patienten sowie nach dessen allgemeinem körperlichen Zustand.

In der Regel besteht die Therapie aus einer Kombination der folgenden Maßnahmen:

 

 

 

Welche Medikamente eignen sich zur Osteoporose-Behandlung?

Wenn als Folge der Knochenbrüche Schmerzen auftreten, kann der Arzt Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR verschreiben.

Darüber hinaus gibt es Medikamente, die dem Knochenabbau gezielt entgegenwirken. Dazu zählen vor allem Wirkstoffe aus der Gruppe der Bisphosphonate (z.B. Alendronat oder Risedronat): Die Mittel ähneln chemisch jenen körpereigenen Stoffen, die die innere Knochenstruktur bilden. Sie sorgen dafür, dass die Knochendichte zunimmt, was das Risiko für Knochenbrüche verringert.

Bei Frauen entsteht eine Osteoporose häufig dadurch, dass ihr Körper nach den Wechseljahren weniger Östrogen bildet. Dieses Hormon hat unter anderem die Funktion, die Knochen vor dem Abbau zu schützen. Sinkt der Östrogenspiegel, verstärkt sich der Knochenabbau. Eine Therapie mit dem Wirkstoff Raloxifen kann dem entgegwirken. Dieser hat eine ähnliche Wirkung auf die Knochen wie Östrogen, geht jedoch auch mit Nebenwirkungen einher. Unter anderem erhöht Raloxifen das Risiko für Thromboembolien und Thrombosen.

Ernährung und Nahrungsergänzung bei Osteoporose

Bei Osteoporose spielt die richtige Ernährung eine wichtige Rolle. Der Betroffene sollte einerseits dafür sorgen, dass er täglich ausreichend Kalorien zu sich nimmt, da Untergewicht (Body-Mass-Index unter 20) die Osteoporose verstärken kann. Andererseits sollte er Übergewicht vermeiden, um seine Beweglichkeit zu erhalten.

Darüber hinaus ist es wichtig, bei Osteoporose ausreichend Calcium und Vitamin D zu sich zu nehmen. Calcium ist unter anderem wichtig für den Aufbau und die Stabilität der Knochen. Vitamin D trägt dazu bei, Calcium in die Knochen einzulagern, und wirkt so dem Knochenschwund entgegen.

Die tägliche Calcium-Zufuhr sollte etwa zwischen 1.000 und 1.500 Milligramm liegen. Calciumreiche Nahrungsmittel sind etwa Käse, Milch und andere Milchprodukte, aber auch Gemüse wie Brokkoli und Grünkohl sowie Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Wem es schwerfällt, seinen Calciumbedarf allein mit der Nahrung zu decken, kann in Absprache mit dem Arzt auch Calciumpräparate (z.B. Brausetabletten) einnehmen.

Viele Menschen sind mit Vitamin D unterversorgt. Der Vitamin-D-Bedarf lässt sich nicht allein über die Nahrung decken. Der Körper bildet das Vitamin zu 90 Prozent selbst, sobald er Sonnenlicht ausgesetzt ist. Da diese Menge bei Osteoporose meist nicht reicht, empfehlen Ärzte häufig Vitamin-D-haltige Präparate.

Achtung: Calcium- oder Vitamin-D-haltige Nahrungsergänzungsmittel sollte man grundsätzlich nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. So dürfen Menschen mit Nierensteinen beispielswese keine Calciumpräparate einnehmen.

Wie kann Bewegung bei Osteoporose helfen?

Körperliches Training spielt grundsätzlich eine bedeutende Rolle für den Aufbau und Erhalt der Knochenmasse und Knochenqualität. Der Grund: Wenn man sich bewegt, wird der Knochen mechanisch gereizt. Diese Reize regen den Knochenstoffwechsel an und es bilden sich neue Knochenzellen. In Untersuchungen hat sich gezeigt, dass Frauen, die Sport treiben, eine höhere Knochendichte haben.

Bewegung dient aber nicht nur der Vorbeugung, sondern kann auch Bestandteil der Therapie sein. Indem der Betroffene seine Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination verbessert, kann er sich vor Stürzen und somit vor (weiteren) Knochenbrüchen schützen.

Deshalb kann eine Physiotherapie bei Osteoporose sinnvoll sein: Der Therapeut weiß, welche Muskelgruppen für die Stabilität des Körpers besonders wichtig sind und kann dem Patienten dabei helfen, diese gezielt zu trainieren. Zudem kann der Physiotherapeut verhindern, dass der Patient sich während des Trainings verletzt.

Wichtig: Wer Osteoporose hat, sollte lieber Sportarten betreiben, bei denen die Sturzgefahr gering ist (z.B. Walken, Schwimmen und/oder Krafttraining).

Osteoporose: Verlauf

Unbehandelt führt eine Osteoporose dazu, dass die Knochendichte immer weiter abnimmt. Je geringer die Knochendichte ist, desto leichter können die Knochen brechen:

  • Frauen, die nach Beginn der Wechseljahre Knochenschwund entwickeln (sog. postmenopausale Osteoporose), sind besonders anfällig für Wirbelkörperbrüche. Diese führen zu Rückenschmerzen und zu einer Verformung der Wirbelsäule: Die Betroffenen entwickeln einen Rundrücken und ihre Lendenwirbelsäule krümmt sich nach vorn. Dadurch kann ihre Körpergröße um mehrere Zentimeter abnehmen.
  • Bei Frauen und Männern mit Altersosteoporose ereignen sich häufig Oberschenkelhalsbrüche, die Schmerzen in der Hüfte, im Oberschenkel und in der Leistengegend hervorrufen.

Osteoporose: Vorbeugen

Eine Osteoporose kann man vorbeugen, indem man

  • auf eine calciumreiche Ernährung achtet,
  • für ausreichend Bewegung sorgt und
  • Risikofaktoren meidet, die eine Osteoporose begünstigen (z.B. Alkohol und Rauchen).

Osteoporose mit Ernährung vorbeugen

Eine calciumreiche Ernährung kann dazu beitragen, dass die Knochen auch im Alter stabil und gesund bleiben. Ideal ist eine tägliche Zufuhr von ungefähr 1.000 bis höchstens 1.500 Milligramm – am besten in Form von calciumreichen Lebensmitteln wie Milch, Käse, Grünkohl, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte sowie calciumreichem Mineralwasser.

Wichtig: Um Calcium aus der Nahrung aufnehmen und in die Knochen einbauen zu können, benötigt der Körper Vitamin D. Dieses Vitamin kann er zwar selbst bilden. Er benötigt dazu jedoch Sonnenlicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt daher, Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche für einige Minuten ungeschützt der Sonne auszusetzen. Wie lange genau, ist vom Hauttyp abhängig.

Wie Bewegung vor Osteoporose schützt

Menschen, die sich viel bewegen und regelmäßig Sport treiben, erkranken seltener an Osteoporose als inaktive Menschen. Denn Bewegung hält die Knochen gesund: Mechanische Reize regen den Körper dazu an, neue Knochenzellen zu bilden und Knochenmasse aufzubauen. Zur Vorbeugung von Osteoporose eignen sich daher besonders Sportarten, bei denen die Knochen stark beansprucht werden, wie zum Beispiel

Bewegung trägt jedoch nicht nur dazu bei, der Osteoporose vorzubeugen, sondern schützt auch vor deren Folgen: Wer über eine gute Ausdauer und Koordination sowie über eine kräftige Muskulatur verfügt, hat ein geringeres Risiko für Stürze und Knochenbrüche als untrainierte Menschen.