Das Bild zeigt die Röntgenaufnahme eines Beckens.
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Beckenbruch

Wer von einem Beckenbruch hört, der stellt sich möglicherweise einen komplizierten Trümmerbruch mit schwerwiegenden Folgen vor. Meistens handelt es sich bei einem Beckenbruch allerdings um einen relativ harmlosen Bruch, der von selbst wieder verheilt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Beckenbruch: Folge eines Sturzes

Wer zum Beispiel beim Skilaufen auf das Gesäß fällt, der bricht sich in der Regel nicht gleich das Becken. Bei sehr unglücklichen oder schweren Stürzen kann es im Einzelfall vorkommen, dass der Beckenknochen einreißt. Mediziner bezeichnen dies als einen "unvollständigen Beckenbruch" – oder allgemein als eine sogenannte Infraktion.

Ein kompletter Beckenbruch tritt in der Regel nur bei schweren Verletzungen wie beispielsweise einem Verkehrsunfall oder einem Sturz aus großer Höhe auf. Beim Sport oder im Alltag kommt ein Beckenbruch eher selten vor. Vor allem bei

kann jedoch auch ein Sturz beim Gehen dazu führen, dass ein Beckenknochen einreißt.

Beckenbruch ist nicht gleich Beckenbruch

Bei einem Beckenbruch handelt es sich meist um einen sehr feinen Riss in einem der Beckenknochen – man nennt dies einen unvollständigen Beckenbruch. Dass einer der Beckenknochen komplett durchbricht, ist eher die Ausnahme.

Der Begriff "Beckenbruch" ist eine sehr allgemeine Bezeichnung. Je nachdem, welcher Teil des Beckens genau gebrochen oder angebrochen ist, kann man zwischen

  • Beckenrandfrakturen (z.B. eine Beckenschaufelfraktur),
  • Steißbeinfrakturen,
  • vorderen Beckenringfrakturen,
  • hinteren Beckenringfrakturen
  • und einer Acetabulumfraktur (Bruch der Hüftpfanne)
unterscheiden.

Ein unvollständiger Beckenbruch lässt sich auf den ersten Blick nicht immer von einer schweren Prellung unterscheiden – denn die Symptome ähneln sich. Betroffene ...

  • ... verspüren starke Schmerzen
  • ... und können das Bein auf der Seite der Verletzung nur noch unter Schmerzen bewegen.

Da sich bei einem unvollständigen Beckenbruch die Beckenknochen nicht verschieben lassen, kann man die Verletzung von außen nur dann ertasten, wenn einzelne Teile des Beckens abgesplittert sind. Ob es sich bei der Verletzung um eine Prellung oder einen Beckenbruch handelt, kann der Arzt mithilfe einer Röntgenaufnahme feststellen. Auf dem Röntgenbild lassen sich schon feinste Haarrisse erkennen.

Bei einem vollständigen Beckenbruch handelt es sich um eine schwere Verletzung. Häufig treten neben der eigentlichen Verletzung am Beckenknochen noch weitere Verletzungen auf – etwa an der Blase. Mediziner bezeichnen dies auch als ein sogenanntes Polytrauma.

Um sich einen Überblick über das Ausmaß der Verletzungen zu verschaffen, verwenden Ärzte spezielle Röntgen-Verfahren, zum Beispiel die Computertomographie (CT) und die Ultraschall-Untersuchung.

Das Becken

Das Becken hat einen sehr komplexen Aufbau: Es besteht aus mehreren paarig angelegten Knochen, die zusammen den festen Beckenring formen. Zu den Beckenknochen gehören

  • Schambein,
  • Darmbein,
  • Sitzbein
  • und im weiteren Sinne auch das Kreuzbein.

Wenn einer dieser Beckenknochen einreißt, spricht man von einem Beckenbruch. Sie alle können bei einem Beckenbruch beteiligt sein, ebenso wie Knochen in der Umgebung (Steißbein, Wirbel, Schenkelhals des Oberschenkelknochens).

Vollständiger oder unvollständiger Beckenbruch?

Ärzte unterscheiden insgesamt drei verschiedene Arten des Beckenbruchs.

  1. Typ-A-Fraktur: Bei dieser Form des Beckenbruchs bleibt der Beckenring stabil. Der Beckenknochen ist an keiner Stelle vollständig durchbrochen, sondern lediglich eingerissen.
  2. Typ-B-Fraktur: Dabei ist der vordere Beckenring völlig durchtrennt, zum Beispiel bei einem Riss der Schambeinfuge. Der übrige Teil des Beckenrings bleibt weitgehend erhalten.
  3. Typ-C-Fraktur: Der Beckenring ist an einer anderen Stelle des Beckenrings völlig unterbrochen – zum Beispiel am Darmbein. Dadurch verliert das Becken an Stabilität. Diese Form des Beckenbruchs tritt nur bei schweren Verletzungen auf.

Die wichtigste Unterscheidung bei einem Beckenbruch ist es, ob es sich um einen vollständigen oder unvollständigen Bruch handelt.

Unvollständiger Beckenbruch

Bei einem unvollständigen Beckenbruch ist ein Knochen des Beckens nicht durch-, sondern nur angebrochen. Dadurch bleibt die Stabilität des Beckens erhalten. Ärzte sprechen bei einem unvollständigen Beckenbruch deshalb auch von einem sogenannten "stabilen Beckenbruch".

Einen unvollständigen Beckenbruch kann der Arzt konservativ behandeln – das heißt, er muss nicht operieren. Um das Becken zu entlasten, ist allerdings eine gewisse Bettruhe notwendig.

Nach einem Beckenbruch sollten Betroffene für mindestens zwei bis vier Wochen

  • möglichst oft liegen
  • und auf Gehhilfen zurückgreifen.

Um die Beckenknochen zu stabilisieren, erhält der Patient mitunter einen speziellen Verband (Streckverband, Extensionsverband). So wachsen die Bruchstellen in einer günstigen Position wieder zusammen.

Vollständiger Beckenbruch

Von einem vollständigen Beckenbruch spricht man, wenn ein oder mehrere Knochen des Beckens an einer Stelle vollständig unterbrochen sind. Die einzelnen Teile des Knochens können sich nun gegeneinander verschieben. Das Becken verliert dadurch seine Stabilität – in diesem Fall ist auch von einem "instabilen Beckenbruch" die Rede.

Liegt ein instabiler Bruch vor, ist eine Operation häufig nicht zu umgehen. Der Arzt muss die unterbrochenen Beckenteile zunächst stabil miteinander verschrauben, bevor sie wieder richtig miteinander verwachsen können.

Nach dem Eingriff müssen die Patienten eine bestimmte Zeit im Bett bleiben. Wie lange Betroffene nach einem instabilen Beckenbruch das Bett hüten müssen, hängt von der Schwere der Verletzung ab.

Bei entsprechender Therapie und geeigneten Reha-Maßnahmen verheilt ein instabiler Beckenbruch in der Regel gut. Die meisten Betroffenen können nach der Therapie wieder normal und schmerzfrei gehen.

Beckenbruch: Wie lange dauert die Heilung?

Die Heilungsdauer bei einem Beckenbruch hängt in erster Linie von der Schwere der Verletzung ab. Ein vollständiger Beckenbruch kommt zwar eher selten vor, muss aber fast immer operiert werden. Ein unvollständiger, stabiler Beckenbruch, bei dem die Beckenknochen lediglich angebrochen sind, heilt in der Regel ohne Operation ab.

Darüber hinaus hängt die Heilungsdauer von vielen individuellen Faktoren ab, zum Beispiel vom

  • Alter des Patienten,
  • dem Allgemeinzustand,
  • und der Lokalisation des Beckenbruchs.

Bei einem stabilen Beckenbruch dauert es normalerweise vier bis acht Wochen, bis die Verletzung vollständig verheilt ist – die Schmerzen können allerdings über längere Zeit bestehen bleiben. Um die Heilung nicht zu gefährden, müssen die Patienten vor allem in den ersten Wochen Bettruhe einhalten.

Ein vollständiger Beckenbruch muss fast immer operiert werden. Das gilt insbesondere bei Brüchen des Hüftgelenks (Acetabulumfraktur), um einen vorzeitigen Gelenkverschleiß (Coarthrose) zu vermeiden. Nach der Operation müssen Betroffene für einige Wochen das Bett hüten – bei einem komplizierten, mehrfachen Beckenbruch können unter Umständen Monate vergehen, bis der Patient seine Beine wieder belasten darf.

Wichtig bei einem Beckenbruch ist es, möglichst früh mit der Mobilisation zu beginnen, um einem Abbau der Muskulatur entgegenzuwirken und das Thromboserisiko zu verringern.